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Leben ohne Weizen, Roggen und Co.

von Apotheker Dr. rer. nat. Hans-Ehrhard Hagen

Könnten Sie sich ein Leben ohne Roggenbrot, Spaghetti, Kuchen, Bier oder Schnitzel vorstellen? Die meisten Menschen können das sicher kaum und so wird deutlich, was es bedeutet, an Zöliakie oder Sprue zu leiden. Beide Begriffe stehen für dieselbe Krankheit, eine Unverträglichkeit des Klebereiweiß Gluten, das in sehr vielen Nahrungsmitteln vorkommt. Symptome sind Durchfall, Übelkeit, Eisenmangel, Leistungsschwäche, Müdigkeit und Gewichtsabnahme. Oft sind die Symptome jedoch nur schwach ausgeprägt. Eine Diagnose wird dann erschwert.

Allerdings ist die Unverträglichkeit so schlimm, dass ein Leben lang eine strenge, glutenfreie Diät eingehalten werden muss. Selbst beim Kochen, Getreide malen und bei der Reinigung der Arbeitsgeräte muss dafür gesorgt werden, dass alles frei von glutenhaltigem Mehlstaub ist. Ansonsten droht dem an Sprue Erkrankten eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut mit der Folge von Mangelerscheinungen, Gewichtsabnahme und Blutarmut aufgrund von Mangel an Eisen, Folsäure und Vitamin B12 sowie Krämpfen durch Kalziummangel. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass es durch fehlendes Selen zu Krebserkrankungen kommen kann.

Gluten kommt in vielen Getreidesorten vor, beispielsweise in Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Grünkern und Dinkel. Folglich müssen alle Lebensmittel, die daraus hergestellt werden etwa Grieß, Mehl, Brot, Brötchen, Kuchen, Kekse, Paniermehl, Bier, Malz, Müsli und ähnliche gemieden werden. Zudem sind in vielen Fertigprodukten Gluten versteckt, beispielsweise als Verdickungs- oder Bindemittel, die oft noch nicht einmal aufgeführt werden.

Was bleibt? Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Sojabohnen können unter anderem als Ersatz dienen. Daraus können auch Brote, Kuchen, Nudeln und herzhafte Teige hergestellt werden. In der Regel vertragen die Betroffenen Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse und Kartoffeln gut. Allerdings kann es zu beginn einer Diät zu Problemen mit anderen Lebensmitteln kommen, weshalb Milchprodukte, Fett und blähende Speisen nur in Maßen genossen werden sollten. Kleinen Kindern, bei denen die Erkrankung Zöliakie genannt wird, sollten vorbeugend den ersten glutenhaltigen Brei frühestens nach dem vierten Monat erhalten.


Gesundheit
Impressum, http://bs.cyty.com/gesundht/sprue.shtml, Stand: 11. October 2012, jk