Selbstbewusst präsentieren drei Gemeindepfarrer und Diakonin Jana Körner ihr "Löw"-Projekt, mit dem sie das kirchliche Leben in Schwung halten wollen. Pfarrer Güntzel Schmidt (36) spricht bereits von einem "Markenzeichen". Sein Kollege Christoph Berger (44) sieht "Löw" als mögliches Vorbild auch für andere.
"Löw" steht für drei benachbarte evangelische Gemeinden im Norden Braunschweigs: Lamme, Ölper und die Wicherngemeinde in Lehndorf. Vor allem aber steht "Löw" für gemeinsame Konfirmanden- und Jugendarbeit und für gemeinsame Gottesdienste, Mitarbeiter-Seminare und Feste.
Pfarrer Bernhard Kiy (39), der neueste in der Runde, hält es gerade aus christlich-biblishcer Sicht für selbstverständlich, "über den Tellerrand" der eigenen 850-Seelen-Gemeinde in Lamme zu hinauszuschauen. Kiy ist für den kleinen, aber wachsenden Stadtteil mit einer Hälfte seiner Pfarrstelle zuständig. Mit der anderen Hälfte ist er Umweltbeauftragter der braunschweigischen Landeskirche. Berger betreut rund 1300 Mitglieder in Ölper und ist außerdem in der Altenheimseelsroge eingesetzt. Zu Schmidts Wicherngemeinde gehören 4000 Mitglieder.
Die zweite Wichern-Pfarrstelle wird demnächst mit Markus Fay-Fürst wieder besetztt (bisher Seelsorge für geistig Behinderte). Aber eigentlich, so die Pfarrer, seien sie mit vielen ihrer Veranstaltungen nicht nur für ihre Mitglieder, sondern für den ganzen Ort da. Im Vergleich mit den großen Innenstadtkirchen fühlen sich die Stadtteil-Seelsorger in ihrer Ausstattung benachteiligt, wie im Gespräch deutlich wird.
Als "Löw" vor etwa fünf Jahren "erfunden" wurde, standen nicht Grundsatzpapiere im Mittelpunkt, sondern die Organistaion eines Konfirmanden-Ferienseminars. Aus der gemeinsamen Fahrt entwickelte sich der gemeinsame Unterricht. Die Konfirmanden haben die Chance, in einem Kurssystem eigene Schwerpunkte zu wählen. Die Pfarrer schätzen den "kollegialen Austausch" ihrer Erfahrungen. " Man denkt automatisch für den anderen mit", bestätigt Güntzel Schmidt.
Nur die Gemeinde wundert sich gelegentlich, wie jetzt in Lamme. Dort staunt man, dass jeden Freitag abend 30 Jugendliche zur Andacht in die Kirche gehen. Der Grund dafür ist, dass die Jugendandachts-Gruppe aus drei Gemeinden hier zusammenkommt.
Inzwischen sind - vor allem aus Finanznot - alle evangelisch-lutherischen Gemeinden in Braunschweig zur Zusammenarbeit in "Quartieren" angehalten. Pfarrer Berger will in dieser Situation versuchen, dem wenig hierarchischen "Löw"-Modell ein "juristisches Gesicht" zu geben. Der Kooperationsausschuss wird dann eine Satzung beachten müssen.
epd
(BL6_B20)