Braunschweiger Zeitung vom 20.01.2001

Gemeinsamer Konfirmandenunterricht für den Nordwesten

Weniger auswendig lernen

Konfirmandinnen bei der Kurswahl am 16.01.2001 in Ölper. Foto: Bernward Comes/ BZ

Vier Pflichtkurse, drei Wahlpflichtkurse - in den evangelischen Kirchengemeinden St. Marien in Lamme, St. Jürgen in Ölper und der Wicherngemeinde in den Stadtteilen Lehndorf und Kanzlerfeld ähnelt der Konfirmandenunterricht dem System in der gymnasialen Oberstufe. Ein Kurssystem mit einer gemeinsamen Ferienfreizeit soll den Bedürfnissen der Jugendlichen besser entsprechen als der wöchentliche Unterricht für eineinhalb bis zwei Stunden.

Positive Erfahrungen haben jedenfalls die Pfarrer der an dem Projekt "Löw" beteiligten drei Gemeinden gemacht. "Löw" ist aus den Anfangsbuchstaben von Lamme, Ölper und Wichern zusammengesetzt und steht für das laut Ölpers Pfarrer Christoph Berger einzige gemeindeübergreifende Projekt dieser Art in der Landeskirche. Seit drei Jahren arbeiten die drei Gemeinden beim Konfirmandenunterricht zusammen und zogen jetzt eine positive Zwischenbilanz.

"Für die Jugendlichen fällt der wöchentliche Stress zwischen Schule, Hausaufgaben und Freizeitterminen an einem Wochentag weg", begründete Christina Kühnbaum-Schmidt, Pfarrerin an der Wichemgemeinde. Und ihre Kollegin Christiane Klages ergänzte: "Bis sich die Konfirmanden im Unterricht beruhigt hatten, waren schon zehn Minuten vergangen. Und die ersten haben schon eine Viertelstunde vor dem Ende begonnen, ihre Tasche zu packen."

Jetzt werden die Pflichtkurse und Wahlkurse jeweils an Wochenenden veranstaltet. Sie beginnen jeweils am Freitag mit einer Abendandacht, werden am Sonnabend tagsüber mit Seminaren fortgesetzt und enden am Sonntag mit einem gemeinsamen Gottesdienstbesuch plus Nachgespräch. "So wird viel intensiver gearbeitet", betonte Pfarrerin Klages. Diese Art des Konfirmandenunterrichts mache mehr Spaß und zeige mehr Wirkung.

Anfangs hätten einige Eltern dem neuen Konzept kritisch gegenüber gestanden. Die Wochenenden seien verplant, befürchteten sie. "Sie sorgten sich auch darum, ob überhaupt noch genügend gelernt würde", erinnerte sich Günzel Schmidt, ebenfalls Pfarrer in der Wicherngemeinde. Letztlich handele es sich jedoch nur um sieben Wochenenden, und zumindest bei Wahlpflichtkursen können die Jugendlichen aus einer Vielzahl von 20 Terminen die drei Seminare heraussuchen, die sie am interessantesten finden und bei denen die Termine nicht mit privaten Vorhaben kollidieren. "Bei diesem System wird die von der Landeskirche geforderte Unterrichtsvorgabe von 80 Stunden weit überschritten", verdeutlichte Christina Kühnbaum-Schmidt.

Die Grundbausteine des Glaubens, etwa Gespräche über Taufe, Abendmahl und das Glaubensbekenntnis würden dabei in den einzelnen Gemeinden in den Pflichtkursen besprochen oder aber in der dreiwöchigen gemeinsamen Ferienfreizeit in den Sommerferien in Südtirol. In den Wahlkursen werden gemeindeübergreifend Themen wie die Bibel, die zehn Gebote oder Gebet und Meditation angeboten. Besonders oft gewählt wird das Seminar "Sterben, Tod und Ewiges Leben". "Darüber wird in den Familien nur selten gesprochen", hat Christiane Klages bemerkt.

"Bei dieser neuen Form des Konfirmandenunterricht s wird weniger auswendig gelernt als früher", räumt Ölpers Pfarrer Christoph Berger ein. Aber die Jugendlichen würden mehr Erfahrungen mit dem Glauben sammeln. "Außerdem: Die Mädchen und Jungen kennen wahrscheinlich genauso viele Lieder wie ihre Eltern. Es sind nur andere, modernere Kirchenlieder." Erstmals bieten die drei Gemeinden ein Seminar für die Eltern der Konfirmanden an unter dem Motto "Hilfe, mein Kind wird konfirmiert". - men

(Karsten Mentasti)