Fernseher und Farbfernseher aus der Anfangzeit des Fernsehens und des Farbfernsehens
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Studio Farbmonitor "MC 47 3 BA" der Fernseh GmbH

Farbfernsehen:

Dokumentation: Professioneller Studio Farbmonitor "MC 47-3BA" der Fernseh GmbH

Entwicklungszeit: 1965-1968

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Studio Farbmonitor "MC 47 3 BA" der Fernseh GmbH


Als das Farbfernsehen in den 1960er Jahren in Deutschland eingeführt wurde, gab es noch keine selbstentwickelten Studio-Monitore. Man behalf sich mit amerikanischen und mit Philips-Monitoren. Alle diese Monitore hatten aber den Nachteil, dass sie für Studiozwecke zu groß waren. Bestimmend für die Gerätegröße war die Gestellbauweise für Fernseh-Studios (19 Zoll). Ein dringender Bedarf nach einem kleinen, kompakten Monitor war gegeben, und so begann die Fernseh G.M.B.H. in Darmstadt, diesen zu entwickeln.
Die Fernseh G.M.B.H. war damals die "Kaderschmiede" der professionellen Studiotechnik, und sie belieferte in- und ausländische Rundfunkanstalten sowie Universitäten und Forschungsinstitute. " und später in den 1980ern "BTS" ( Broadcast Television Systems).
Das Ergebnis dieser Anstrengungen war der Studio-Monitor "MC 47-3BA", der 1968 auf den Markt kam und den es auch in einer Ausführung mit 63 cm.-Bildschirmdiagonale gab. Ein Gerät, das im Vergleich zu kommerziellen Geräten durch eine beeindruckende Bildqualität besticht - auch heute noch. Dieser hier kann neben PAL auch NTSC wiedergeben.

FÜ 1 der Deutschen Bundespost, 1980 Studio Farbmonitore "MC 47 3 BA" im FÜ 1

Eingesetzt wurden diese Studio-Monitore auch in den sogenannten Ü-Wagen. Hier im Bild der Regieraum des FÜ 1, der mit neun solcher Monitore bestückt war, drei weitere waren an anderer Stelle im Wagen. (Diese beiden und die nächsten zwei Bilder stellte mir freundlicherweise Herr Nikolai Walter zur Verfügung, der als Messingenieur im FÜ1 arbeitete.) Der Monitor hat damals neu ca. 18.000,- DM gekostet. Als Vergleich: ein Auto, ein VW 1300 kostete damals neu 5.150,- DM. Insgesamt wurden 1500 Stück gebaut, 150 Monitore wurden in die DDR (mit SECAM-Decoder) geliefert, und 150 an die Schwedische Reichspost. Daneben gingen Monitore noch in die USA und in den Ostblock (mit SECAM-Decoder).

FÜ 1 der Deutschen Bundespost, 1980 Studio Farbmonitore "MC 47 3 BA" im FÜ 1

Diese beiden Photos zeigen den Technikraum im FÜ1. In der linken Gestellfront befand sich ein MC47 für den Kameraabgleich und die technische Kontrolle. Im Hintergrund der "Hinterausgang". Der Röhren-MC 47-3BA wurde unter Technikern sehr geschätzt wegen der Konstanz des Farbabgleichs. Dieser Faktor war für die Beurteilung eines Kamerabildes sehr wichtig. Desweiteren galt der MC 47-3BA im Vergleich zu späteren Geräten auch als sehr robust. Geräte im Ü-Stellenbereich werden immer erheblich mehr und anders als im Studio beansprucht.

Studio Farbmonitor "MC 47 3 BA" der Fernseh GmbH Studio Farbmonitor "MC 47 3 BA" der Fernseh GmbH

Wer das erste Mal einen professionellen Studio-Monitor öffnet und vorher ausschließlich kommerzielle Apparate von innen kannte, ist zunächst einmal verblüfft. Zum einen ist jeder auch nur irgendwie freie Raum mit Elektronik ausgefüllt. Manchen Baugruppen sieht man förmlich an, dass sie quasi nachträglich eingefügt wurden wie z.B. das Netzteil auf dem rechten Bild oben. Die Bedienung an der Frontseite gestattet neben Kontrast- und Helligkeit auch eine Einzelansteuerung der Farbbildröhre. Von vorn ebenfalls sehr praktisch sind die Konvergenzregler zugänglich, wenn man die Abdeckhaube herunterklappt. Die Regler fgür den Schwarz- und Weiß-Abgleich sind rechts über dem Bildschirmrand vorn angebracht. All das erlaubt eine unkomplizierte Bildeinstellung.

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Die genaue Typenbezeichnung lautet: MC 47 3 BA 4813. Sie setzt sich aus folgenden Angaben zusammen:
MC = Monitor Color, 47 = 47 cm. oder 18 Zoll = Bildröhrendiagonale, 3 = Drei Eingänge, RGB, BA = Klasse A Monitor, es gibt noch BB, BC..., 4813 = Maße
Von unten ist ein schwerer Netztrafo zu erkennen. Neben der 380 Volt für die Zeilenendstufe werden noch +/- 12 Volt und 135 Volt Gleichspannungen erzeugt. Die Heizspannungen für die Röhren werden aus den Gleichspannungen gewonnen. Das Gewicht des Monitors beträgt 53 kg., die Leistungsaufnahme liegt bei 340 Watt. Der Monitor ist für den Einbau im 19-Gestell mit Einbausatz vorgesehen, in 4813 - 4-40er Bauweise, 8-8 Kasetteneinheiten breit, 13- 14-Einheiten hoch. Der Videoverstärker ist für eine Bandbreite bis zu 7 MHz (- 3dB) ausgelegt.

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Die einzelnen Funktionsgruppen sind bereits in Modultechnik ausgeführt worden. Die Platinen lassen sich herausklappen und nach dem Entriegeln sogar herausnehmen. Die Bauteile sind mit viel Abstand auf den Platinen eingelötet, fast alle Transistoren sind auf extra Kunststoffsockel gesteckt.
In den RGB-Endtsufen wurden zwei BD115 parallel geschaltet. Die Leistung von einem BD115 wurde allein schon benötigt, um die Signalverluste durch die abgeschirmten Leitungen zur Bildröhrenplatine auszugleichen.

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Der Monitor besitzt RGB-Eingänge sowie einen weiteren Eingang für den Synchronimpuls. Um ein PAL-Videosignal (FBAS) wiederzugeben, muss dieses erst in RGB-Signale konvertiert werden. Dazu gibt es einen Decoder-Baustein (DC9), der hinten in den Monitor eingesteckt und angeschlossen werden kann. Dieser Decoder erhält das Color Composite Video Signal (CCVS = FBAS: Farbe, Bild, Austastung, Sync) und gibt RGB und Sync aus, die dann dem Monitor zugeführt werden.
Die erste und die zweite PAL-Verzögerungsleitung ist gleicher Bauart wie die Verzögerungsleitung aus dem Farbfernseh-Einheitschassis. Die Decoderschaltung ist bei der Fernseh GmbH eigens für diesen Monitor entwickelt worden. Im Decoderbaustein gibt es hier auch eine Umschaltmöglichkeit auf NTSC.

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Die Bildröhre wurde aus den USA importiert und ist eine RCA-Industrieröhre für besondere Anforderungen. Die Bildschirmoberfläche ist rau und damit weitgehend entspiegelt. Die Ablenkeinheit ist ebenfalls eine RCA-Entwicklung. Eine Besonderheit sind die Sicherungen (links Bild, links unten). Sie besitzen Glimmlampen und Birnen, die aufleuchten, wenn eine Sicherung ausgefallen ist. Ebenfalls eine Besonderheit ist die Helligkeitsregelung: Sie wird mittels eines Referenzimpulses geregelt, der auf die hintere Schwarzschulter eingefügt wird.Der Referenzimpuls ist in seiner Amplidute von 6 bis 50% einstellbar, und da die spätere Klemmung auf das Dachpotenzial erfolgt, ändert sich die Grundhelligkeit mit der Amplidute des Referenzimpulses. Diese - zunächst kompliziert erscheinende Helligkeitsregelung wirkt auf alle drei RGB-Verstärker gleichzeitig und ermöglicht einen sauberen Gleichlauf in der RGB-Verstärkung.

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Ursprünglich war geplant, den Monitor mit einer Transistor-Zeilenendstufe auszustatten. Doch das wurde von der Firmenleitung damals abgelehnt mit dem Argument, Transistoren in der Zeilenendstufe wären noch zu instabil. So wurde eine röhrenbestückte Zeilenendstufe entwickelt, die weitgehend der von Blaupunkt, Telefunken, Nordmende u.a. im Einheitschassis verwendeten entspricht, siehe PALcolor 708. Die Zeilenendstufe arbeitet mit 380 Volt, die in einem kurzschlussfesten Transistornetzteil erzeugt werden.

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Normalerweise wird ein solcher Zeilentrafo, wie er hier verbaut ist, nach einer Stunde Betriebszeit schon sehr heiß. Dieser hier wurde gerademal handwarm. Das mag sicher auch damit zusammenhängen, dass die Konvergenzströme, die in kommerziellen 90-Geräten direkt der Zeilenendstufe entnommen werden, hier in extra Baugruppen erzeugt und verstärkt werden (aktive Konvergenz). Dadurch wird die Zeilenendstufe entlastet und eine sehr viel genauere Konvergenzeinstellung ermöglicht.

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Bei den ersten Versuchen der Inbetriebnahme wies der Monitor starke Rücklauflinien im Bild auf. Ein Blick in den Schaltplan zeigte, dass die Dunkeltastung während des Bild- und Zeilenrücklaufs durch einen Austastimpuls an den Wehneltzylindern erfolgte. Die Austastimpulsgewinnung erfolgt auf der Synchronsignal-Platine. Die Austastimpulse werden in mehreren Transistorstufen geformt und verstärkt. Am Messpunkt 2 in der Austastimpulsformung sollte ein Zeilenaustastimpuls mit 43 Vss stehen. Das war jedoch nicht der Fall. Nachdem der Oszillograph auf höhere Empfindlichkeit geschaltet wurde, stand am Messpunkt 2 das kontrast- und helligkeitsabhängige Videosignal. Eine Signalrückbverfolgung zeigte, dass der Transistor 16 (2N708) defekt war. Nachdem dieser durch den Vergleichstypen 2N2369A ersetzt worden war, funktionierte die Austastimpulserzeugung korrekt.

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Die sichtbare Bildschärfe im RGB-Betrieb reicht bis zu einer Auflösung von 5 MHz, vor allem bedingt durch eine sehr feine Lochmaske. Die vergleichsweise geringe Lichtdurchlässigkeit von 40% ermöglicht einen hohen Kontrastumfang. Allerdings ist der Monitor für den Betrieb in abgedunkelten Räumen gebaut worden - Lichtbedingungen, wie sie für Studios üblich sind.
Hier auf den Photos ist links das "erste Licht" auf den Schirm zu sehen, und rechts ein Bild, dessen FBAS-Signal einem DVD-Player entnommen wurde.

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Diese beiden Bildschirmphotos können nur annähernd den sehr schönen Bildeindruck wiedergeben, den dieser Monitor produzieren kann. Vor allem der gute Gleichlauf der RGB-Endstufen sowie die hohe Güte der Bildgeometrie machen die Bildwiedergabe unvergleichlich im Verhältnis zu kommerziellen Geräten dieser Epoche.

Schaltplan

folgt vielleicht noch!

Röhren

PL519, PY500A, GY501, PD500, 1842P22

Warnung: Diese Webseite bietet Ihnen einen Einblick in das Innere des Gerätes. Beachten Sie bitte, dass die Entfernung von Rückwänden und Abdeckungen nur dem Fachmann vorbehalten ist. Das gilt besonders, wenn das Gerät eingesteckt ist, in Betrieb ist oder unter elektrischer Spannung steht. Verbrennungen oder gar tödliche Stromschläge können die Folge sein! Aber auch bei Netztrennung besteht die Gefahr, dass bei unsachgemäßer Vorgehensweise bösartige Stromschläge geschehen können. Insbesondere die Bildröhre und die mit ihr verbundenen Baugruppen können noch Stunden oder Tage nach der letzten Inbetriebnahme weit über 10.000 Volt Hochspannung führen. Der Autor lehnt jede Haftung für Verletzungen und Schäden, resultierend aus den hier gegebenen Informationen ab und weist ausdrücklich darauf hin, dass für den Unkundigen vor dem Öffnen von Geräten Fachleute wie Elektriker oder Elektrotechniker befragt werden müssen.

Photos: © Eckhard Etzold 2006.
eMail:

Ich danke Herrn Dipl.-Ing. Dieter Spannhake, der in den 1960er Jahren an der Konstruktion dieses Monitors mitgewirkt hat und mir freundlicherweise den Schaltplan sowie einige Detailinformationen zur Geschichte zukommen ließ.

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NTS NOS studio camera's en randapparatuur (Fernseh GmbH-Kameras)
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Impressum, http://bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/tv/fernsehgmbh/mc47_3ba.htm, Stand: 14. April 2006, ee