Fernseher und Farbfernseher aus der Anfangzeit des Fernsehens und des Farbfernsehens
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Studio Farbmonitor "MC 47 3 BA" der Fernseh GmbH

Farbfernsehen:

Dokumentation: Graetz "Fähnrich color electronic 2441"

Baujahr: 1974

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Studio Farbmonitor "MC 47 3 BA" der Fernseh GmbH


Als der Graetz "Fähnrich color electronic 2441" 1973 auf dem Markt erschien, hatte sich bereits die Volltransistorisierung und die 110 Ablenktechnik bei vielen Markengeräten durchgesetzt. Im Jahr zuvor war auf dem europäischen Markt der erste Trinitron-Farbfernseher von Sony erschienen, dessen Bildqualität von einheimischen Firmen nicht erreicht werden konnte. Allerdings war der Sony nur mit einer Bilddiagonale von ca. 30 cm. erhältlich. Der Graetz "Fähnrich color electronic 2441" besetzte mit 51 cm. das mittlere Bildschirmdiagonalen-Segment und war als preiswerte Alternative zu den teureren Tischgeräten mit 66 cm. Bildschirmdurchmesser gedacht. Er war das letzte Hybrid-Gerät mit Röhren und Transistoren, das ich noch 1975 in den Kaufhäusern sah. Der Fähnrich war noch mit Röhren in den Ablenkstufen und der Tonendstufe ausgestattet und besaß eine 90 Delta-Lochmaskenröhre. Die Leistungsaufnahme lag bei ca. 300 Watt.

Graetz "Fähnrich color electronic 2441 Graetz "Fähnrich color electronic 2441

Das Chassis war aus vier Platinen zusammengesetzt, von denen die große Platine links Tuner, ZF, Audio, Farbverstärker und RGB-Endstufen enthielt, die obere mittlere Platine ein sehr einfaches Hochvoltnetzteil, die untere mittlere Platine das Vertikal-Ablenkteil und die rechte Platine das Horizontal-Ablenkteil enthielt. Diesen Apparat hier erhielt ich mit einer zerbrochenen Bildröhre. Durch den Imploasionsdruck war sogar die Lochmaske in der Röhre gerissen. Offenbar hatte sie einen Schlag erhalten. Ebenso waren auch die Platinen in Halsnähe gebrochen, und die Leiterbahnen mussten erst wieder durch Löten an den Bruchstellen verbunden werden.

Graetz "Fähnrich color electronic 2441 Graetz "Fähnrich color electronic 2441

Das Farbteil ist komplett transistorisiert, ebenso die RGB-Endstufen. Die sehr gute Farbbildwiedergabe, auch in der Gradation und bei Pastellfarben zeigt, dass hier auf Qualität geachtet wurde.
Die Ersatzbildröhre erhielt ich durch Zufall aus dem Entsorgungsbestand der Technischen Universität. Die "neue" Hitachi 510CKB22 aus einem Bosch Fernsehmonitor wies zwar laut Bildröhrenmessgerät nur noch brauchbare bis gute Strahlströme auf (mit Mueter BMR5 habe ich gemessen: Blau 0,7 mA, Rot 0,8 mA, Grün 0,6 mA.), doch das sah man hinterher dem Bild nicht mehr an.

Graetz "Fähnrich color electronic 2441 Graetz "Fähnrich color electronic 2441

Nachdem ich die Bildröhre gewechselt und die Leiterbahnenunterbrechungen gelötet hatte, wurde es Zeit für die erste Inbetriebnahme. Empfang und Zeilenendstufe arbeitete unproblematisch. Allerdings besaß das Bild einen ausgeprägten Grünstich und Blau war völlig abwesend. Diesen Fehler konnte ich mir zunächst gar nicht erklähren, da ja alle drei Kathoden einigermaßen gleichmäßige Strahlwerte aufwiesen. Eine Kontrolle der Schirmgitterspannungen zeigte, dass Rot ca. 400 Volt erreichte, Grün ebensoviel. Nur Blau war nur bis maximal 100 Volt hoch zu regeln. Und wenn der blaue Regler auf Rechtsanschlag stand, war das Bild dunkel, und die Spannungen brachen zusammen. Ma&szlg; ich mit dem Ohmmeter, war kein Fehler festzustellen. Durch einen Tipp von Dr. Roland Vogt stieß ich dann darauf, dass sich auf den Schaltern für die Schirmgitterspannung für Blau eine feine Rußspur gebildet hatte, die wie eine Zenerdiode wirkte: stieg die Spannung über 100 Volt an, dann wurde diese leitend. Nachdem ich diese Schalter entfernt hatte, funktionierte die Spannungsregelung an den Schirmgittern tadellos.

Graetz "Fähnrich color electronic 2441 Graetz "Fähnrich color electronic 2441

Das Netzteil ist in Einweg-Gleichrichtung ausgeführt und liefert Gleichspannungen von 232 Volt bis 275 Volt. Ein Netztrafo liefert Niedrigspannung für das Niedervoltnetzteil mit Ausgangsspannungen von 20 Volt und 33 Volt. Die Heizspannung der Rören wird ebenfalls direkt aus Einweg-Gleichrichtung der Netzspannung gewonnen. In der Frühzeit des Farbfernsehens in Deutschland hatten die Apparate in der Regel eine Zeilenendstufe mit einem Zeilentrafo, Hochspannungsgleichrichterröhre und einer Balasttriode, die die gerade nicht gebrauchte Hochspannung verheizt. Dadurch konnten Überspannungen und eine Zerstörung der Bildröhre vermieden werden. Andere Firmen verwendeten sogar zwei Zeilentrafos, einen für die Ablenkleistung und einen für die Hochspannung. Der Fähnrich kommt allerdings nur mit einem Zeilentrafo aus, - ähnlich wie ein Schwarzweiß-Fernseher aus den 1960er Jahren - der sowohl Ablenkleistung und Hochspannung liefert. Eine Balasttriode fehlt. Die Stzrahlstrombegrenzung erfolgt in diesem Apparat über eine Regelung im Videoverstärker.

Graetz "Fähnrich color electronic 2441 Graetz "Fähnrich color electronic 2441

Die beiden Zeilenendröhren (PL 509 und PY 500A) sind oben angebracht und der Zeilentrafo darunter, so dass er durch die Abwärme der Röhren nicht zusätzlich erhitzt werden kann. Als Hochspannungsgleichrichter fungiert eine GY 501. Die Abwärme der Röhren ist so hoch, dass man auf der Rückwand über ihnen ein Spiegelei garen kann.

Graetz "Fähnrich color electronic 2441 Graetz "Fähnrich color electronic 2441

Nachdem Schwarz- und Weißabgleich, Farbreinheit und Konvergenz sauber eingestellt worden waren, zeigte dieser Apparat eine erfreulich gute Bildqualität.

Schaltplan

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5

Röhren

PL519, PY500A, GY501, PCL805, PCF802, PCL86, 510CKB22

Warnung: Diese Webseite bietet Ihnen einen Einblick in das Innere des Gerätes. Beachten Sie bitte, dass die Entfernung von Rückwänden und Abdeckungen nur dem Fachmann vorbehalten ist. Das gilt besonders, wenn das Gerät eingesteckt ist, in Betrieb ist oder unter elektrischer Spannung steht. Verbrennungen oder gar tödliche Stromschläge können die Folge sein! Aber auch bei Netztrennung besteht die Gefahr, dass bei unsachgemäßer Vorgehensweise bösartige Stromschläge geschehen können. Insbesondere die Bildröhre und die mit ihr verbundenen Baugruppen können noch Stunden oder Tage nach der letzten Inbetriebnahme weit über 10.000 Volt Hochspannung führen. Der Autor lehnt jede Haftung für Verletzungen und Schäden, resultierend aus den hier gegebenen Informationen ab und weist ausdrücklich darauf hin, dass für den Unkundigen vor dem Öffnen von Geräten Fachleute wie Elektriker oder Elektrotechniker befragt werden müssen.

Photos: © Eckhard Etzold 2006.
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Impressum, http://bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/tv/graetz/Faehnrich2441co0lor.htm, Stand: 27. Dezember 2006, ee