Fernseher und Farbfernseher aus der Anfangzeit des Fernsehens und des Farbfernsehens
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Philips "K4"

Farbfernsehen::

Dokumentation: Philips "21KX100A (Chassis K4)"

Baujahr: 1963/1964

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Noch bevor in Europa das Farbfernsehen eingeführt wurde, baute die niederländische Firma Philips Geräte für den Export nach Kanada. Das hier gezeigte Gerät ist für NTSC-Empfang gebaut, die Farbbildröhre stammt aus U.S.-amerikanischer Produktion (RCA-Kinescope). Das K in K4 steht für Krefeld als Produktionsort. Es ist das erste europäische Farbfernseh-Serienmodell und wurde später für PAL-Empfang nachgerüstet. Ein Apparat befindet sich im Privatbesitz von Alexander Hofer. Einen anderen habe ich bei Marcel van Grinsven persönlich photographieren können.

Da die Bildröhre sehr lang ist, reicht die reine Gehäusetiefe nicht aus. Das Bedienteil enthält neben den Reglern für Lautstärke, Tonblende, Kontrast und Helligkeit auch noch Farbe und Farbton (Tint) für den NTSC-Empfang. Ein magisches Band zeigt die optimale Empfangsstärke an.

Der Apparat ist als Standgerät gefertigt worden, das Chassis befindet sich als Einschub im unteren Teil und kann nach Abnahme der Frontklappe herausgezogen werden. Die Maße sind: Höhe 102 cm., Tiefe 84 cm., Breite 71 cm, und Gewicht 72 kg. In der NTSC-Ausfertigung ist es ein Vollröhrenchassis mit 33 Röhren und der Bildröhre, das vermutlich zwischen 1967 und 1968 gefertigte PAL-Nachrüstmodul ist volltransistorisiert. Es enthält den kompletten Farb-ZF-Verstärker und die PAL-Chromastufen zusammen mit den Farbendstufen und ersetzt die NTSC-Farbendstufen. Das Luminanzsignal wird im dem NTSC-Chassis aufbereitet und in der PCL 84 verstärkt.

Hier ist das Chassis vorn herausgefahren. Die Frontplatte des Chassis enthält die Konvergenzregler. In der Draufsicht erkennt man den Hochspannungskäfig mit den Zeilenendröhren und dem Zeilentrafo. Im Gerät sind insgesamt 34 Röhren verbaut, von denen die Zeilenendröhren PL 500 und PY 88 je paarweise verwendet wurden, um die nötige Hochspannungs- und Ablenkleistung bereit zu stellen.

Hinter der Frontblende sind die beiden Tuner angebracht. Der VHF-Tuner ist ein Trommeltuner, der UHF-Tuner ist links daneben zu sehen. Über den Tunern ist eine EM 87 (Magisches Auge) angebracht, die zur Feinabstimmung der Sender dient. Rechts ist das PAL-Nachrüstmodul zu sehen, das schon ganz mit Transistoren bestückt ist. Das K4-Chassis ist das einzige europäische Vollröhren-Farbchassis, die Farbendstufen sind nach dem Farbdifferenzkonzept (mit zwei PCC 88 als Farbendstufen) ausgelegt.

Links der Hochspannungskäfig mit den Zeilenendröhren. Zwei Zeilenendröhren teilen sich hier die Leistung, die das Gerät wegen des sehr viel höheren Ablenkstroms und der höheren Hochspannungsleistung bereitstellen muss. Auf der Konvergenzplatine sind neben den Einstellungen der statischen Konvergenz auch die Gitterspannungsregler für die Bildröhre angebracht, und zwar sowohl für das Schirmgitter als auch für die Wehneltzylinder der drei Strahlsysteme.

Hier sieht man das Chassis von der Bestückungsseite. Es ist noch nicht in Platinenausfertigung, sondern handverdrahtet. Rechts sind die Tuner vergößert zu sehen.

Die RCA-Bildröhre AX53-14 (U.S.-amerikanisch: 21 FBP 22) hat einen Ablenkwinkel von 70 und wurde als Rundkolben gefertigt. Es war die erste Farbbildröhre (eingeführt in den U.S.A. im Jahre 1961), die anstatt eines reinen Rot-Farbtons mit einem Rot-Orange-Farbton und anstelle des reinen Grüntons den Grün-Gelb-Farbton verwendete. Dadurch konnte ein brillanteres Farbbild erzeugt werden, das aber bei weitem nicht mehr die Farbsättigung erreichte, durch die die älteren Farbfernsehgeräte der Anfangszeit beeindruckten.
In Deutschland befand sich ein K4 in der Ausstellung des Deutschen Rundfunkmuseums in Berlin, das leider 1997 unter dem Funkturm seine Pforten schloss. Ein weiterer K4 befindet sich in privater Hand. In den Niederlanden sind zwei in privater Hand und einer im Philips-Museum in Eindhofen bekannt. In Großbritannien befindet sich ein K4 im TV-Museum in Südengland.

Schemazeichnung: Lochmaske Schemazeichnung: Lochmaske vergrößert

Die Farbbildröhre enthält drei Elektronenstrahlkanonen, die den drei Grundfarben auf dem Bildschirm zugeordnet werden. Damit diese drei Strahlströme sich nicht gegenseitig überschreiben (denn dann würde auf dem Farbbildschirm nur ein Schwarzweißbild erscheinen wie wir es ja auch vom Schwarzweißfernsehen kennen), ist etwa 1,3 cm. vor dem Bildschirm im Inneren der Farbbildröhre eine Lochmaske (oder auch Schattenmaske genannt, aus Eisenblech) angebracht, die die drei Grundfarben trennt. Sie wirft quasi einen Schatten auf den Bildschirm von innen, der bewirkt, dass wegen des unterschiedlichen Strahlungswinkels der Elektronenstrahlkanonen auch jeweils die einzelne Elektronenstrahlkanone auch nur die zu ihr gehörenden Farbpunkte trifft. Die Präzision, die zur Steuerung der Elektronenstrahlen nötig ist entspricht etwa der, die benötigt wird, um bei Windstärke acht von der Spitze des New Yorker Empire State Building herab mit einem Strohhalm, der 380 Meter bis hinab zum Fuß auf die Straße reicht, den Hals einer Cola-Flasche zu treffen!

Photo Photo vergrößert

Das Farbbild, das auf dem Bildschirm erzeugt wird, setzt sich aus ca. 1,2 Millionen Farbpunkten zusammen. Links das Photo zeigt ein solches Farbbild, rechts ist der schwarz umrandete Ausschnitt in Vergrößerung zu sehen. Das folgende Bild in der nächsten Reihe zeigt den schwarz umrandenden Bereich nochmals in Vergrößerung:

Lochmaske vergrößert Lochmaske vergrößert

Deutlich ist jetzt erkennbar, dass alle Farben, auch das Weiß, auf drei verschiedene Grundfarben zurückgeführt werden: Rot, Grün und Blau. Eine Farbbildröhre vereinigt in sich gewissermaßen drei Bildröhren, die voneinander unabhängig jeweils ein Bild in Rot, Grün und Blau auf den Bildschirm schreiben. Rechts ist eine solche Lochmaske in Vergrößerung abgebildet, die rosa Flecken sind Rostflecken, da die Lochmaske einer alten, zerstörten Farbbildröhre entnommen wurde.

Liste der bekannten noch erhaltenen Apparate

  1. Deutsches Rundfunkmuseum Berlin, Link - Zustand unbekannt.
  2. Bei Alexander Hofer in Österreich, Link - nicht funktionsfähig. Zeilentrafo defekt.
  3. Bei Marcel van Grinsven in den Niederlanden, Link - funktionsfähig.
  4. Bei Marcel van Grinsven in den Niederlanden, ein weiterer, Link - nicht funktionsfähig.
  5. In privater Hand in Italien, Link - nicht funktionsfähig. Bildröhre defekt.
  6. In privater Hand in Deutschland, ohne Bild - Zustand unbekannt.
  7. Philips-Museum in Eindhoven, Link - funktionsfähig.
  8. South West England Vintage Television Museum, Link - nicht funktionsfähig. Zeilentrafo defekt.

Schaltplan

Aufgeteilt auf vier TIFF-Dateien mit je zwischen 130 und 170 Kilobyte: 1, 2, 3, 4.

Röhren

5mal PCF 80, 4mal EF 184, 3mal PCC 88, 2mal PCL 84, 2mal PL 500, 2mal PY 88, 2mal PCL 85, DY 87, 3A3, ECC 82, ECH 81, PL 83, EF 183, ECH 83, 21FBP22, PF 86, PCL 86, EM 87, PC 88, PC 86, PCF 86.

Warnung: Diese Webseite bietet Ihnen einen Einblick in das Innere des Gerätes. Beachten Sie bitte, dass die Entfernung von Rückwänden und Abdeckungen nur dem Fachmann vorbehalten ist. Das gilt besonders, wenn das Gerät eingesteckt ist, in Betrieb ist oder unter elektrischer Spannung steht. Verbrennungen oder gar tödliche Stromschläge können die Folge sein! Aber auch bei Netztrennung besteht die Gefahr, dass bei unsachgemäßer Vorgehensweise bösartige Stromschläge geschehen können. Insbesondere die Bildröhre und die mit ihr verbundenen Baugruppen können noch Stunden oder Tage nach der letzten Inbetriebnahme weit über 10.000 Volt Hochspannung führen. Der Autor lehnt jede Haftung für Verletzungen und Schäden, resultierend aus den hier gegebenen Informationen ab und weist ausdrücklich darauf hin, dass für den Unkundigen vor dem Öffnen von Geräten Fachleute wie Elektriker oder Elektrotechniker befragt werden müssen.

Photos: © Alexander Hofer, Eckhard Etzold. Ich danke Herrn Hofer und Herrn Marcel van Grinsven für die Mö:glichkeit, den Apparat hier zu dokumentieren.
eMail:

Links:

Ein weiterer Philips K4 mit sehr schönen Photos ist dokumentiert in Marcel van Grinsvens TV-Museum
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Impressum, http://bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/tv/philips/color_k4.htm, Stand: 7. Mai 2003, ee