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Solarperiodische und lunarperiodische Einflüsse in Psychokineseversuchen

Eckhard Etzold

Der vollständige Text ist zugänglich in:
Grenzgebiete der Wissenschaft 49 (2000) Heft 2, S. 149-174.


Zusammenfassung mit einer Auswahl der Ergebnisse

Andrija Puharich (1973) beobachtete Mitte der sechziger Jahre eine Zunahme der Effektstärke in Telepathie-Experimenten bei Vollmond. Stanley Krippner et al. (1972) konnten in den siebziger Jahren gesteigerte Psi-Fähigkeiten zum Vollmondzeitpunkt feststellen. Radin und Rebman (1998) gehen davon aus, daß psychokinetische Effekte auch im Alltag auftreten, und sie vermuteten solche Effekte speziell im Glücksspiel. 1998 ist es ihnen gelungen, anhand von Daten aus einer Spielbank in Las Vegas nachzuweisen, daß die Gewinnquote (der Quotient aus Ausschüttung und Einsatz - bezogen auf die gesamte Spielbank) zeitlich variabel ist und mit gewissen Umwelt-Variablen korreliert. Ihr Befund besagt, daß der maximale Effekt im Zeitraum von einem Tag vor und einem Tag nach dem Vollmondtag auftritt. Nach Auffassung von Radin und Rebman könnte dies darin begründet liegen, "that some environmental factors may be related to predictable variations in psi performance". Zu diesen Umweltvariablen gehört auch der Einfluß des Erdmagnetfelds: Mit schwachen Erdmagnetfeldwerten (ap-index) gehe eine Effektzunahme einher. Radin und Rebman konnten ihre Entdeckung mit einem zweiten, vom ersten unabhängigen Spielbank-Datensatz erfolgreich replizieren. Sind die inzwischen mehrfach berichteten Mondphasen-Effekte so zuverlässig, daß sie sich erneut replizieren lassen? Oder handelt es sich bei den bisher berichteten Effekten um reine Zufallsergebnisse? Diese Fragen sollen in dieser Studie beantwortet werden, wobei im Vordergrund das Interesse steht, die behaupteten Effekte von Radin und Rebman mit einem dritten, neuen und unabhängigen Datensatz zu replizieren.

Die von Radin und Rebman formulierte Hypothese besagt, daß in den Tagen um den Vollmondzeitpunkt Psi-Effekte ausgeprägter auftreten als an anderen Tagen. Spielkasino-Daten sind jedoch nicht leicht erhältlich. Aber für denjenigen, der interessiert ist, die von den Verfassern behaupteten Anomalien selbst zu überprüfen, bietet sich eine andere Möglichkeit an: In dieser Studie wurde der Versuch unternommen, die Ergebnisse von Radin und Rebman anhand der inzwischen recht umfangreichen Datenbasis eines Psychokinese-Experiments im Internet zu replizieren, dessen Versuchsergebnisse allgemein zugänglich sind.

Peter Moore und John Walker betreuen das Fourmilab RetroPsychokinesis-Project, das von Matthew R. Watkins 1996 gegründet wurde. Es handelt sich um einen automatisierten RetroPK-Versuch, also um die Beeinflussung bereits in der Vergangenheit erzeugter Datensätze. Diese wurden aus einem durch radioaktiven Zerfall gesteuerten Zufallsgenerator abgeleitet. Die Versuchspersonen müssen versuchen, den Mittelwert des Zufallsgenerators durch gedanklichen Einfluß in eine vorher festgelegte Richtung zu verschieben. Dazu wird ihnen eine Sequenz von Zufallsdaten über das Internet auf ihren Rechner übertragen. Diese Zufallsdaten werden wie in einer Art Film "abgespielt" und die Versuchsperson sieht während des Versuchs immer den aktuellen Stand der Mittelwertabweichung, der in drei verschiedenen Displayformen angezeigt werden kann (Uhr, Pendel, Glockenkurve) und einem akustischen Impuls bei Überschreitung des letzten gemessenen Spitzenwertes arbeitet). Am Ende jedes einzelnen Experiments wird der erreichte Stand der Mittelwertabweichung errechnet und angezeigt. Jedes Ergebnis wird auf dem Fourmilab-Server in einer Logdatei eingetragen.

 

Datengeneration und -auswertung bei Fourmilab

Bei Fourmilab können für einen PK-Versuch 1024 Zufallsbits angefordert werden, der theoretische Mittelwert liegt bei 512 Treffern, die Standardabweichung bei +/- 16 Bits. (In sechs Fällen wurde beobachtet, daß 2048 Zufallsbits angefordert wurden statt der 1024. Diese Versuche wurden doppelt gezählt, um die statistische Auswertung nicht zu verfälschen.) Man erhält jedoch nicht "frische" Zufallsbits, sondern solche aus einem Vorrat von 2 Millionen Zufallsbits, der ständig wieder aufgefüllt wird. Im Durchschnitt laufen pro Tag zur Zeit ca. 85 Versuche und (seit dem 26. Dezember 1997) 24 Kontrollversuche mit durchschnittlich 50176 Zufallsbits. Das bedeutet, daß zwischen der Generierung der Zufallsbits und deren Verwendung im Durchschnitt ein Zeitraum von 11 Tagen liegt (1997 ca. 80 Tage), es sei denn, der Pool wird zwischenzeitlich aufgefrischt. Seit dem ersten RetroPK-Versuch am 11. Januar 1997 bis zur der hier berichteten Auswertung am 25. Dezember 1999 wurden 46747 Experimente gezählt, die unter 3616 "Subjects", d.h. verschiedenen eMail-Adressen oder Schlüsselwörtern, registriert wurden. (Die Zahl der tatsächlichen verschiedenen Versuchspersonen mag geringer sein, da ein und dieselbe Versuchsperson sich auch unter verschiedenen Kennwörtern einloggen kann.) Eine mondphasenlineare Auswertung der Versuchsergebnisse (und damit eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse aus den Jahren 1997 bis 1999) wird durch die kontinuierliche Zunahme der Versuchszahlen im Auswertungszeitraum erschwert.

 

Zeitserielle Auswertung hinsichtlich der Mondphasen

Vorbemerkung

Mondperiodische Effekte lassen sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sicher voraussagen. Wir wissen, daß der Mond auf vielfältige Weise auf die Erde einwirkt: durch die Gravitation, die die Gezeiten bestimmen, durch die Illumination, durch Störungen im Strömungsfluß des Sonnenwindes bei seinem Umlauf um die Erde. Die wichtigsten periodischen Rhythmen, die all dieses überlagern und mit beeinflussen können, sind zunächst der 29,5tägige Mondphasenzyklus, der 18jährige Saros-Zyklus, in dem sich die Deklination der Mondposition am Himmel verändert, der ca. 11jährige Sonnenfleckenzyklus und der 27tägige Bartels- oder Sonnenrotationszyklus. Erschwerend kommt mit hinzu, daß der Tagesdurchschnitt an durchgeführten Versuchen von 1997 bis Ende 1999 kontinulierlich angestiegen ist; es also demnach nicht möglich ist, zum Beispiel die Ergebnisse aus dem Winter 1997/1998 mit denen aus dem Winter 1998/1999 zu vergleichen. Damit bewegen wir uns in Bereichen, der nur schwer allgemeine Prognosen ermöglicht.

Analyse

Die Versuchsergebnisse des Formilab-RetroPsychokinesis-Project können im Internet eingesehen werden und stehen als aufgelistete Einzelergebnisse auch zum Download bereit. Am 25. Dezember 1999 waren vom Autor Daten von 46747 Versuchen heruntergeladen worden, die für diese Auswertung verwendet werden.

Datum und Uhrzeit der Versuchsdaten wurden in einen Mondphasenwinkel konvertiert, und anschließend wurde der Datenbestand aufsteigend sortiert. Dann wurde die akkumulierte Mittelwertabweichung berechnet, wobei von jedem Score-Wert der Durchschnittswert aller Versuche subtrahiert wurde.

Bild 1 zeigt die akkumulierte Mittelwertabweichung:


Bild 1: Lunarperiodischer Effekt in Fourmilabs RetroPK-Daten (Rohdaten) im Dezember 1999. Rot: Vollmond- und Neumondeffekt.

Ein erster Blick zeigt, daß geringere Effekte im Bereich der beiden Halbmondpositionen (90° und 270°) sichtbar sind, während hohe Effektampliduten vor Neumond und bei Vollmond auftreten (0°/360° und 180°). Bereiche starken Anstiegs bzw. Abfalls der Kurve sind identisch mit hohen Mittelwertabweichungen.

Radin und Rebman geben ein Interval von drei Tagen, zentriert um den Vollmondtermin an, in dem ein Spitzeneffekt gefunden wurde, und sie gingen dabei von 49 bis 50 Mondzyklen aus. Das traf für drei der fünf dort untersuchten Spielausschüttungen zu. Sie schreiben:

"The odds against chance that up to three of five casino games would independently show peak payout rates within one day of the full moon (i.e. slots, keno and roulette) is just over 2,000 to 1."

Unklar ist hier, welcher Zeitrahmen mit der Formulierung "within one day of the full moon" gemeint ist. Die Grafiken (Figure 10, 12 und 13 bei Radin und Rebman) zeigen maximale Gewinnausschüttungen für die genannten Glücksspiele im Bereich von drei Tagen um den Vollmondtermin: Für Slots und für Roulette wurde die maximale Gewinnausschüttung einen Tag nach Vollmond erzielt, für Keno einen Tag vor Vollmond. Die Formulierung "within one day of the full moon" wäre demnach als ein Abstand von plus/minus einem Tag vom Vollmondtag aus gesehen zu verstehen. Bezogen auf die Unterteilung des Mondzyklus in 29 gleichgroße Intervalle umfaßt ein Interval die durchschnittliche Breite von 12°24'. Wir können mit der vorliegenden Datenbasis wenigstens 36 Mondzyklen abdecken, und schauen uns hier diesen Bereich genauer an:

a) Bezogen auf unsere Auswertung wäre ein Tag vor und ein Tag nach Vollmondtermin das Interval von jm=166°30' bis jm=192°24'. Für unseren Auswertungszeitraum vom 11. Januar 1997 bis zum 25. Dezember 1999 finden wir im betreffenden Interval 3407 Versuchsergebnisse (Bitscore = 3131) mit einem z-Wert von insgesamt 3,352 und einer Wahrscheinlichkeit von p = 0,0004.

b) Eweitern wir dieses Interval noch um einen Tag, dann umfaßt das Interval den von Radin und Rebman umrissenen Bereich von jm=161°18' bis jm=198°36', in dem der Spitzeneffekt gefunden wurde. Wir finden hier bei dem Fourmilab-Experiment 4924 Versuche (Bitscore = 3856) mit einem z-Wert von 3,434 von einer Wahrscheinlichkeit p = 0,000297.

Die von Radin und Rebman gefundenen signifikante Intervalbreite für einen Spitzeneffekt bei den Gewinnausschüttungen in Spielbanken zeigt auch in den Fourmilab-Psychokineseversuchen signifikante Werte, wobei die Effektverteilung, ähnlich wie in der Spielbank-Auswertung ihren maximalen Wert im Interval von drei Tagen, zentriert um Vollmond, erreicht (z = 3,434, p = 0,000297). Damit können wir den Radin und Rebmanschen Befund über erhöhte Gewinnausschüttungen in den Tagen um Vollmond anhand der Ergebnisse aus den Fourmilab-Psychokineseversuchen bestätigen, die ebenfalls in diesem Interval eine überdurschnittliche und signifikante Mittelwertabweichung aufweisen, die mit der intendierten Richtung übereinstimmt.

 

Kontrollversuche

Die Kontrollversuche waren hinsichtlich der Mondphase in der zweiten Auswertung unauffällig und lassen keinerlei Effekt zum Vollmond- oder Neumondzeitpunkt erkennen. (In der ersten Auswertung gab es Hinweise auf einen Counter-Balancing-Effect, die an derer Stelle diskutiert werden.

 

Ergebnisse

Wiederholt wurden in der Literatur Mondeinflüsse auf den Menschen berichtet, die in Verbindung mit besonderen Anomalie-Effekten speziell bei Vollmond stehen. Nach der Vorgabe von Radin und Rebman, die Spitzeneffekte bei Gewinnausschüttungen in der Spielbank im Zeitraum von drei Tagen, zentriert um Vollmond, feststellten, fanden wir im Auswertungszeitraum vom 1. Januar 1997 bis zum 25. Dezember 1999 in den Fourmilab-PK-Versuchsdaten für diesen Zeitraum einen Spitzeneffekt von z = 3,434 mit einer Wahrscheinlichkeit von p = 0,000297. Damit können wir die Behauptung, es gibt keinen besonderen Effekt in der Zeit um den Vollmondtermin, zurückweisen. Im Detail läßt sich für den Auswertungszeitraum in den Fourmilab-PK-Versuchsdaten ein sichtbarer lunarperiodischer Effekt zum Vollmondzeitpunkt mit wechselnder Stärke und Breite feststellen (Minimale Breite: jm=167°30' bis jm=185°12' im April 1999, Maximale Breite: jm=159°48' bis jm=192°18' Ende Dezember 1999), der seit März 1998 bis Ende 1999 eine kumulative Tendenz aufweist. Seine Effektstärke reicht aus, um selbst bei doppelter Intervalbreite immer noch eine signifikante Mittelwertabweichung zu produzieren (z = 2,229, p = 0,0129). Schwankungen in der Effektstärke lassen sich vielleicht in Zusammenhang mit der Sonnenfleckenaktivität bringen.

Mehr erfahren Sie im 2. Heft der Grenzgebiete der Wissenschaft.

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Impressum, http://bs.cyty.com/menschen/archiv/science/, Stand: 3. Dezember 2003, ee