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[Kirche von unten]

Ottmar Palmer 1873 - 1964

Lebenserinnerungen

1. Kapitel


Kindheit und Jugend in Neuerkerode

1880 – 1886


„Einst lebt ich so harmlos...“

An einem schönen Frühlingsnachmittag des Jahres 1880 fuhr ein mit zwei kräftigen Pferden bespannter „Break“ im gemächlichen Trabe auf der von Braunschweig zum Elm führenden Landstraße dahin. (ein Break ist ein offenes Pferdefuhrwerk mit je einer Holzbank auf jeder Längsseite zum Personen- und Gepäcktransport, d. H.) Der „Anstaltsökonom“ Peter Gewehr von Neu Erkerode hatte den neuen Anstaltsgeistlichen mit seiner Familie am Bahnhof abgeholt, um sie in die neue Heimat zu bringen, der besonders die Augen der Kinder neugierig entgegensahen. Eine freundliche ältere Dame empfing sie vor dem noch nicht eingerichteten Pfarrhause und geleitete sie zunächst in das sogenannte Schulhaus, wo ein kräftiger Imbiß mit Kaffee bereitstand. Staunend bemerkte besonders der Jüngste die in den Formen eines Hühnervolkes angerichtete Butter, besonders imponierte ihm der stolze Hahn, man konnte es nur bedauern, diese Kunstwerke anschneiden zu müssen. Mit dieser mir noch genau erinnerlichen Szene begann der neue Lebensabschnitt unserer Familie im Lande Braunschweig.

Nicht ganz hundert Jahre war die Familie Palmer im damaligen Großherzogtum Hessen ansässig gewesen, von der Berufung meines Urgroßvaters nach Gießen bis zur Übersiedlung nach Bielefeld. Nun wurde sie nach kurzem Übergang in Westfalen (1877 – 1880) in die norddeutsche Tiefebene verpflanzt. Aber mein Vater hat die hessische Heimat nie vergessen, manche Reise hat ihn und auch uns Kinder dorthin geführt, wo ja auch noch eine ganze Anzahl lieber Verwandter lebte. Er hat sich aber auch in Braunschweig wohl gefühlt, und er sowohl als auch ich selbst habe dort von Behörden, Gemeinden und Freunden nur Gutes erfahren. Nur die unerquicklichen kirchenpolitischen Verhältnisse von 1933 und 1934 und den folgenden Jahren haben mich veranlaßt, die braunschweigische Heimat zu verlassen.


Der letzte Herzog und sein Land Braunschweig
Im Jahre 1880 regierte noch bis 1884 der Herzog Wilhelm, Sohn des „schwarzen Herzogs“ und Helden von Quatrebras, Friedrich Wilhelm, der letzte seines Stammes. Mit ihm starb die sog. ältere Welfische Linie aus, und mein damaliger Lehrer Giersberger hatte recht, als er beim Empfang der Todesnachricht sagte: „Das ist ein tragisches Ereignis“, was ich damals wohl kaum verstand. Es kam dann, weil Bismarck die Hannoversche Welfenlinie auf dem braunschweigischen Thron nicht zuließ, zu den zwei Regentschaften (1884 – 1913), die uns in diesen Erinnerungen noch begegnen werden.

Bei der Erinnerung an jene Ereignisse steht mir auch jene Szene vor Augen, als mich meine Eltern in den Dom zu Braunschweig mitnahmen, in dem der tote Herzog aufgebahrt war, flankiert von Husarenoffizieren, die mit gezogenem Pallasch unbeweglich wie aus Erz gegossen zu Häupten und Füßen des Sarges standen. Daß ich in Ermangelung der vorgeschriebenen schwarzen Kleidung nur in meinem Sonntagsanzug – einer grauen Jägerjoppe – erschienen war, erregte das Mißfallen des uns führenden Kammerherrn Baron v. Veltheim; meine Mutter konnte aber darauf hinweisen, daß ich doch wenigstens einen schwarzen Flor am Arm trug.

Braunschweig, mit damals etwa 450.000 Einwohnern, war als Besitzer vieler und sehr wertvoller Domänen und Forsten ein reiches Land. Die Steuern waren nach heutigen Maßstäben unwahrscheinlich niedrig, mein Vater mußte, irre ich nicht, bei einem Jahreseinkommen von 5 – 6000 Mark nur 24 M. Staatssteuer bezahlen. Das Herzogtum war ganz vorwiegend von agrarischer Struktur, bedeutende Industrie fand sich, abgesehen von den Zuckerfabriken, Kalischächten und den Hüttenwerken des Harzes wohl nur in der Hauptstadt. Gerade die nähere und weitere Umgebung von Neu Erkerode gehörte zu den fruchtbarsten Gegenden Norddeutschlands, der Boden war besonders geeignet für Weizen und Zuckerrüben. Täglich zweimal sahen wir als Kinder während der sog. „Kampagne“ von Oktober bis Januar die hoch beladenen Rübenwagen der benachbarten Rittergüter Luklum und Veltheim in langer Reihe an unserem Hause vorüber zur Zuckerfabrik Rautheim fahren. Diese Zuckerrüben bedeuteten für meinen Freund Albert Gewehr und mich einen wichtigen Bestandteil des Winterfutters für unsere Kaninchenzucht. Darum suchten wir täglich die Straße ab nach heruntergefallenen Rüben, nahmen dazu sogar einen Handwagen mit. Die Grenze des Erlaubten aber streiften wir, indem wir „Pollo“, Gewehrs Hund, auf die Pferde hetzten, sodaß der Fuhrmann hinter sich griff und mit Rüben nach dem Hunde warf, womit dann unser Zweck erreicht und die Beute des Tages wesentlich erhöht wurde.

Leider hatte ja die Wohlhabenheit oder sogar der Reichtum des Bauern zur Folge, daß weithin ein starker Materialismus die, wenn auch nicht wissenschaftlich fundierte, so doch praktisch beherrschende Weltanschauung geworden war. Gut Essen und Trinken war doch – auch bei den Stadtbewohnern – wichtiger als in dem um 1880 jedenfalls noch einfacher lebenden Hessen. Ein ordentliches Schlachtschwein mußte doch mindestens 3 – 400 Pfund wiegen. Wieweit dieser praktische Materialismus auch als Ursache der weithin herrschenden Unkirchlichkeit angesprochen werden mußte, soll und kann hier nicht untersucht werden, da spielen doch – mindestens seit 1880 – noch viele andere Gründe mit. Immerhin lag ein leider recht großer Teil Wahrheit darin, wenn man sagte, die Dörfer in der reichen Schöppenstedter Gegend müßten auf ihre Kirchtürme anstatt des Kreuzes eigentlich eine Zuckerrübe setzen. Als Scherz erzählte man sich, ein Pfarrer habe seine Erntedankfestpredigt damit begonnen, daß er den reichen Ertrag des Weizens, der Kartoffeln usw. rühmend aufgezählt und dann als Schlußeffekt gesagt habe: „und die Rüben, die Rüben, meine Lieben – lauter Zucker, Zucker, Zucker!“

Das Land Braunschweig hatte nicht nur gute Finanzen, sondern auch eine wohlgeordnete Verwaltung. Mein Vater hatte viel mit Behörden zu tun, und er hat sich oft dankbar über die wohlwollende und höfliche Haltung dieser Behörden ausgesprochen, die er als einen wohltuenden Gegensatz empfand gegen den wohl etwas derberen Ton, den er von Hessen her gewöhnt war. Ich möchte dabei besonders zwei Namen nennen, die es wert sind, der Vergessenheit entrissen zu werden: den Minister des Inneren Hartwig und den Kreisdirektor Langerfeldt, beides bewußt christliche Persönlichkeiten. Auch ich kann mich nur dankbar des Wohlwollens erinnern, das mir das „Herzogliche Konsistorium“ entgegenbrachte und darf dabei besonders den stets von mir hochverehrten Abt D. Moldenhauer erwähnen. Wenn das Konsistorium nicht immer in echt kirchlichem Sinne handelte, so lag das zum großen Teil an seiner staatskirchlichen Gebundenheit, hatten wir doch bis 1918, wie alle Landeskirchen, den Summepiskopat des Herzogs.


Die Berufung des Vaters nach Neu Erkerode und die Landschaft um Neu Erkerode
Wie kam es nun für meinen Vater und damit für uns zu dieser Übersiedlung nach Braunschweig? Der Gründer der „Idiotenanstalt Neu Erkerode“, P. Stutzer, bekannt durch seine Bücher „In Deutschland und Brasilien“, „Meine Therese“ u.a., hatte die Leitung der Anstalt niedergelegt und ein Sanatorium in Goslar übernommen, das er „Theresienhof“ nannte. Im Auftrage des Verwaltungsrates der Anstalt hatte sich der Pastor v. Schwartz in Erkerode (später Direktor der Leipziger Mission) an Pastor v. Bodelschwingh in Bethel gewandt mit der Bitte, einen ihm geeignet erscheinenden Nachfolger Stutzers zu nennen. Bodelschwingh hatte dann meinen ihm als Arbeiter der Inneren Mission wohlbekannten Vater vorgeschlagen und der Verwaltungsrat sprach nach persönlicher Vorstellung die Berufung nach Neu Erkerode aus.


Neu Erkerode und Umgebung
Die Anstalt, politisch zur Gemeinde Obersickte gehörig, lag 12 km östlich von Braunschweig unmittelbar an der großen Landstraße (heute Bundesstraße) von Braunschweig nach Schöppenstedt in einer landschaftlich nicht gerade „schönen“, aber doch durchaus nicht öden Gegend. In 25 Minuten konnte man in der „Ohe“, einem größeren Waldkomplex, in einer Stunde in dem nicht unbedeutenden „Elm“, und in 1½ Stunden auf der „Asse“, einem schon im Kreise Wolfenbüttel gelegenen Höhenzug sein, der noch große Ruinen der einst mächtigen „Asseburg“ trug. Bei klarem Wetter sah man aus unseren Fenstern die etwa 10 Stunden entfernte flache Kuppe des altehrwürdigen sagenumwobenen Brockens oder Blocksbergs. Wir haben jene nahegelegenen Wälder oft durchwandert, im „Ränzchen“ oder in der grünen Botanisiertrommel ein Stück trockenes Brot, desgl. ein Stück „dürre Wurst“ und ein Fläschchen verdünnten Himbeersaft. Kam Besuch aus der Verwandtschaft, so mußte er unbedingt den „Tetzelstein“ auf dem Elm kennenlernen, oft wurde auch der schon erwähnte „Break“ benutzt. Auf der abendlichen Heimfahrt wurde dann gesungen, das von meiner Mutter so geliebte Lied von der „goldenen Abendsonne“ oder „Wer hat dich, du schöner Wald?“ oder andere, und manches Mal blies dazu mein Bruder Heinrich auf dem Flügelhorn.

In der Ohe, bei dem kleinen Dörfchen Schulenrode, wo ich 1894 meine erste Predigt hielt, wurde alljährlich mit den Anstaltsinsassen, Großen und Kleinen, das „Kirschenfest“ gefeiert, wobei ähnlich wie beim Naumburger Kirschenfest alle „Kinder“, (so nannte man in Neuerkerode alle Pfleglinge, auch wenn sie längst erwachsen waren) mit Kirschen, Broten und Braunbier bewirtet wurden. Im Festefeiern war mein Vater erfinderisch: es gab ein Oktoberfest mit allerlei Wettspielen, Sacklaufen, Klettern nach der Wurst u.a.m. Als die Wasserleitung den Brunnen ablöste, gab es ein Wasserfest, bei dem alle Zapfstellen besichtigt und probiert wurden, eine einfache Laube an der Wabe wurde feierlich eingeweiht und „Hermannslust“ getauft, weil der Gärtner und zwei seiner Gehilfen Hermann hießen; das Osterfeuer wurde unter Beteiligung der ganzen Anstalt mit Posaunenschall und Liedersingen abgebrannt, usw.

Unmittelbar hinter dem Anstaltsgelände floß die oben erwähnte Wabe; in Erkerode am Elm in der starken „Ludquelle“ entsprungen, floß sie, mehrere Mühlen treibend, gen Westen und mündete nicht weit von Braunschweig in die Schunter, und diese wiederum in die Oker. Der muntere Bach hat in meiner Kindheit eine große Rolle gespielt; ich habe an, in und auf ihr mit meinem Freunde Albert Gewehr, dessen Vater den Landwirtschaftsbetrieb der Anstalt leitete, unvergeßliche Paradiesstunden der Kindheit erlebt. Teils träumte man einfach der Sonne, dem Wasser, den Wolken und Wiesenblumen hingegeben, darüber auch wohl die Essensstunde verpassend, teils betrieb man in regster Tätigkeit selbstgefertigte kleine Wassermühlen. Oder man fuhr auf einem selbstgezimmerten Floßholz den Bach hinunter, man fing kleine Fische („Stichlinge“), oder konnte nach Herzenslust „planschen“, an einer tieferen Stelle auch baden. Einige Minuten von der Anstalt entfernt war auch eine kleine Schleusenanlage; wenn der Wärter das Wasser nicht alles brauchte, wurde das „Schütt“ hochgezogen, und das Wasser ergoß sich in den mit allerlei Ufergebüsch gesäumten Mühlgraben, der unterhalb der Mühle wieder in den Bach mündete. Meistens aber war das Schütt ganz oder beinahe ganz geschlossen, und das unterhalb gelegene Becken mit feinstem Kies – von uns „Wasserfall“ genannt –, war nun unser idealer Spielplatz. Da wurden Kanäle gebaut, Teiche angelegt und mit Stichlingen bevölkert, da fing und bewunderte man auch die großen schwarzen Wasserkäfer. Am hohen Ufer dieses Beckens hatten wir ein ziemlich stabiles, verschließbares Häuschen erbaut, in dem wir später (ich war damals wohl schon Pennäler) artilleristische Versuche machten. Man konnte kleine Kanonen aus Messing kaufen, die mit Pulver und oft auch mit einem kleinen Geschoß von vorne geladen wurden. Durch das Zündloch wurde dann diese Kanone abgefeuert, was einen sehr erheblichen Knall verursachte. Zum Glück ist uns bei diesen militärischen Übungen, die wir aus begreiflichen Gründen sehr geheim hielten, nie ein Unglück passiert.

Da ich mit dem Vater meines Freundes, dem „Anstaltsökonom“ Gewehr, in einem sehr guten Verhältnis stand, spielte sich das Kindesleben auch weithin auf dem Felde ab, besonders natürlich in der Erntezeit, in der wir manches hohe Fuder mit heimgeleiten durften, um dann mit dem leeren Wagen wieder hinaus zu fahren. Manchmal entdeckten wir auch einen Hamsterbau, der dann natürlich ausgegraben wurde, so daß man die großen Vorräte an Korn fand, die die Tiere zusammen“gehamstert“ hatten. Daß im Herbst die Kartoffelfeuer und die darin gebratenen herrlichen Kartoffeln nicht fehlen durften, bedarf kaum der Erwähnung. Ich ahnte wohl damals noch nicht, daß ich später selbst als Pächter von zwei Morgen Land mit meinen Kindern Kartoffelfeuer machen und gebratene Kartoffeln essen würde. Jedenfalls ist in diesen Kinderjahren meine Liebe zu ländlichem Leben und Arbeiten der Grund gelegt worden. Im Gemüse- oder Blumengarten dagegen habe ich mich als Junge kaum betätigt, das habe ich erst in Ahlshausen gelernt, angeleitet durch das ehrwürdige „Gartenbuch für Anfänger“, das mit dem lapidaren Satz beginnt: „Kennst du Misterde, lieber Anfänger? Nein? Das ist schade!“


Der erste Schulunterricht
Natürlich waren die Jahre in Neu Erkerode nicht bloß mit Spiel und Genuß der Natur ausgefüllt. Es gab ja auch Unterricht und ernstes Lernen. Die blöden Kinder, soweit sie überhaupt bildungsfähig waren, unterrichtete Herr Gotthilf Ruh, der aus dem damals sehr gerühmten christlichen Lehrerseminar Beugo in der Schweiz hervorgegangen war. Sein Nachfolger war Herr Giersberger, bei dem ich zum ersten Mal eine Arm- und Handprothese sah, die mit einem schwarzen Handschuh bekleidet war. Diese beiden treuen Lehrer – der erstere hat uns in der Inflationszeit in Blankenburg besucht – haben mich in den Rudimenten des Wissens unterrichtet, und zwar teilweise in der Blödenschule, wo ich natürlich allein beschäftigt wurde. Das Zusammensein mit diesen schwachsinnigen Kindern, auch das Miterleben der häufigen epileptischen Krämpfe in der Kirche oder Schule oder auf den Spielplätzen hat mir keinerlei Schaden eingetragen, mit einigen dieser Ärmsten war ich gut befreundet.

Da ich für die U. III. des humanistischen Gymnasiums vorbereitet werden sollte, führte mich mein Vater in die lateinische und auch noch in die ersten Anfänge der griechischen Sprache ein. In Ersterer kamen wir bis zum Cornelius nepos, dem üblichen Quartanerpensum. Es war selbstverständlich ein Unterricht ganz und gar nach der alten Methode: mit viel „Pauken“, Übersetzen aus dem Deutschen ins Lateinische, Vokabellernen und vor allem mit den berühmten alten gereimten Genus-Regeln, anfangend mit: „Die Männer, Völker, Flüsse, Wind / und Monat masculina sind – die Weiber, Bäume, Städte, Land / und Inseln weiblich sind benannt – was man nicht deklinieren kann / das sieht man als ein neutrum an“.

Pünktlich jeden Morgen gleich nach dem ersten Frühstück mußte ich mich in meines Vaters Studierzimmer einfinden zur lateinischen Lektion; es wurde abgefragt, die tägliche Aufgabe, eine schriftliche Übersetzung aus dem Deutschen ins Lateinische nach dem alten „Ostermann“ nachgesehen und Neues dazu gelernt. Ich gestehe, daß mir diese Stunden keine reine Freude gewesen sind. Mein Vater kam aus einer strenger empfindenden Zeit, und ich habe manche Strafe bestimmt auch redlich verdient, aber ich bin doch froh, daß ich meine Kinder nicht selbst habe unterrichten müssen. Das ist dem schönen kindlichen Vertrauensverhältnis nur förderlich gewesen.


Offenes Elternhaus
Es war doch ein recht bewegtes Leben in meinem Elternhause. Unser altes Gästebuch berichtet von sehr vielen und schönen Besuchen. Da waren natürlich vor allen Dingen die Verwandten, sowohl von Vater- als auch von Mutterseite, die immer wieder bei uns einkehrten.

Auch mit den benachbarten Pfarrhäusern wurde ein regelmäßiger Verkehr gepflegt, der sich auch durchaus nicht in gemütlichem Kaffeetrinken und dgl. erschöpfte. Die „Elmkonferenz“ versammelte sich viele Jahre hindurch in den Pfarrhäusern, die Herren trieben eifrig und gründlich Theologie, was die Damen unterdes taten, weiß ich nicht. Besonders nah, örtlich und innerlich, standen meinen Eltern wohl die Pastoren Thomä – Destedt, Borchers – Veltheim, Fritz – Salzdahlum und v. Schwartz – Erkerode, später in Cremlingen. Drei der genannten hatten Söhne in meinem Alter, mit denen natürlich Besuche ausgetauscht wurden. Mit Johannes Thomä bin ich die ganze Braunschweiger Gymnasialzeit hindurch zusammengewesen, er war ein sehr begabter, aber auch besonders strebsamer Schüler, er lebt noch als Emeritus in Astendom in Westfalen. Mit Karl v. Schwartz war ich ein Jahr in Gütersloh zusammen, später trennten sich unsere Wege, kamen sich aber von 1908 an wieder näher, als er Domprediger in Braunschweig und ich Pastor in Wolfenbüttel wurde. Wirklich innerlich nah kamen wir uns aber erst in der Blankenburger Zeit, und zuletzt war er mit Heinrich Lachmund zusammen (Heinrich Lachmund, Pastor in Blankenburg 1926-1946, d.H.) mein bester Freund, mit dem ich auch 1933/34 das gleiche Schicksal teilte. Seine beiden Predigtbände zeigen ihn als einen theologisch gut durchgebildeten, voll auf dem Evangelium stehenden und für alles gute Neue weit aufgeschlossenen Prediger, in seinen Gottesdiensten sammelte sich ein sehr fester und großer Kreis. Wer ihn näher kennen lernte, erfuhr, daß sich hinter der kühl-intellektualistischen Außenseite ein warmes und immer hilfsbereites Herz verbarg. Er ist verhältnismäßig früh gealtert und im Januar 1943 in Braunschweig gestorben.


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