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[Kirche von unten]

Ottmar Palmer 1873 - 1964

Lebenserinnerungen

8. Kapitel


Pfarrer in Helmstedt

1935/1937


„Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden“
Luk. 17,20.

Stadt und Gemeinde; Gemeindearbeit
„Für jeden, der von Blankenburg kommt, ist es überall schwer“, sagte einmal Freund Lachmund zu mir. Er hatte recht, wir haben uns in Helmstedt, wie ich offen und heute nicht mehr ganz ohne Beschämung sage, nie ganz wohl gefühlt. Vielleicht hätte auch der Wille, sich einzuleben und über Unannehmlichkeiten hinweg zu sehen, manchmal stärker sein können. Ich versuche keine Rechtfertigung, sondern nur eine Erklärung für den so baldigen Abbruch unserer Zelte dort. Man war in Blankenburg verwöhnt: die unvergleichliche Lage, das stille Städtchen, sauber und gepflegt sowohl in seinen altertümlich-malerischen, als auch in seinen neueren und vornehmeren Vierteln, die verhältnismäßig kleine Kirche mit ihrer warmen und doch im besten Sinne sakralen Architektonik, dazu ein nicht kleiner Kreis geistig und geistlich angeregter und für die Verkündigung empfänglicher Menschen und schließlich eine im Laufe der Jahre immer mehr gewachsene und befriedigende Arbeit in Gemeinde und Kirchenkreis, das alles hatte vielleicht Maßstäbe und Ansprüche entstehen lassen, die andere nicht angelegt oder gestellt hätten. Und so haben denn damals auch manche meinen Schritt nicht verstanden.

Wohl hatte Helmstedt das alte Universitätsgebäude, das „Juleum“, im selben Spätrenaissancestil erbaut, wie die Hauptkirche und das alte Zeughaus in Wolfenbüttel, es hatte die prächtige, mir fast etwas zu prunkvolle Stephanikirche und das ehrwürdige Kloster Marienberg, dessen Propst mein Vater gewesen war, es hatte auch neuere, dem üblichen Stil angepaßte Villenviertel, und es konnte vor allem stolz sein – und war es auch! – auf den „grünen Kranz der Wälder“, der es umgab, sowie auf den nicht allzu weit entfernten Elm, der mir ja von Kindesbeinen an bekannt und vertraut war, aber die Innenstadt machte doch, abgesehen von zwei oder drei Geschäftsstraßen einen ziemlich öden, teilweise toten und fast verkommenen Eindruck, wozu besonders einige große unbelebte Plätze und ungepflegte oder sogar halb verfallene Gebäude wesentlich beitrugen.

Im ganzen war die Kirchlichkeit der Gemeinde, also auch der Kirchenbesuch und der mitarbeitende, das Gemeindeleben tragende Kreis deutlich kleiner als in Blankenburg. Die sog. Gemeindearbeit – Männer-, Frauen-, Jugendarbeit, Bekenntnisgemeinde, Bibelstunden, Redaktion des Gemeindeblattes – lag in festen Händen, und der Arbeitsstil entsprach nicht immer meinen Überzeugungen und Gewohnheiten, da die Arbeit aber treu und liebevoll getan wurde, mußte ich mich vor Änderungen hüten, die leicht zu Verstimmungen hätten führen können. Das alles ließ mich schwerer heimisch werden, als in Wolfenbüttel oder Blankenburg und mag seinerseits mit dazu beigetragen haben, Helmstedt so bald zu verlassen.

Doch darf ich schon hier ausdrücklich und mit gutem Gewissen bemerken, daß der tiefste Grund dazu doch wohl in den undurchsichtigen und unerquicklichen kirchenpolitischen Verhältnissen lag, da ja Kirchenbehörde und Landesbischof keine klare Linie verfolgten, noch immer, trotz Beyes Sturz, zwischen D.C.-Haltung und Bekenntnisfront schwankten und trotz wiederholter halber Versprechungen meine immer noch aufrecht erhaltene Forderung ablehnten, mich nach Blankenburg zurück zu versetzen. Alles in allem muß man wohl unser damaliges Verhalten auch aus der ganzen kirchlichen und kirchenpolitischen Stimmung und Atmosphäre heraus zu begreifen suchen, unter deren starkem Einfluß wir doch in jenen Jahren alle standen.

Meine Kollegen an St. Stephani waren der Pastor Fritz Clemen, ein Sohn des Kirchenrats Clemen in Braunschweig, Herausgeber der weit verbreiteten „Täglichen Andachten“, und der Pastor coll. Adolf Althaus, Sohn des Leipziger Pioniermissionares und späteren Seniors in Ostafrika. Mit beiden Amtsbrüdern und ihren Familien haben wir in bestem Einvernehmen gelebt und gearbeitet.

Meine Frau schaffte sich bald durch die Bildung einer Singgemeinde ein ihren Gaben angemessenes und sowohl sie als auch alle Teilnehmerinnen reich befriedigendes eigenes Arbeitsgebiet. In Marienberg war der Pastor Martin Wandersleb, mit dem wir freilich amtlich kaum Berührungen hatten, doch pflegten wir, besonders wegen der oben angedeuteten Beziehungen des Klosters zu meinem Vater, einigermaßen den Verkehr mit der Priorin und einigen Schwestern (Konventualinnen). Eine schöne Erinnerung sind uns aber vor allem die alljährlichen Missionsfeste in der herrlichen romanischen Klosterkirche.

Außer der Stephanikirche gehörte auch noch die St. Walpurgiskirche (auch Schusterkirche genannt) zu unserer Gemeinde. Es wurde auch dort sonntäglich gepredigt, im Sommer um 8, im Winter um 17 Uhr. Wir drei Pfarrer hatten uns in diese Arbeit zu teilen. Später hat man hier eine eigene Gemeinde gebildet und die Kollaboratur an St. Stephani aufgehoben.

Neben meiner eigentlichen Gemeindearbeit lag mir noch die Seelsorge an einer Frauenklinik mit wöchentlichen Andachten und Besuchen, sowie der Religionsunterricht an der landwirtschaftlichen Haushaltungsschule mit wöchentlich zwei Stunden ob. Bei letzteren haben mir meine Ausarbeitungen über die Evangelische Glaubenslehre aus Blankenburg gute Dienste getan.

Einen nicht geringen Teil meiner Zeit und meines Interesses erforderte aber nach wie vor die Zugehörigkeit zum damals noch recht lebendigen Pfarrernotbund und seinem leitenden Organ, dem Bruderrat. Es gab recht viele Fahrten zu den in Braunschweig stattfindenden Sitzungen oder Vollversammlungen, oft mit Abendmahlsfeiern verbunden. Auch wurden in den einzelnen Landesteilen Konvente eingerichtet, die dem stärkeren Zusammenschluß der Notbundpfarrer dienen und zugleich die so oft inhalts- und darum auch wertlosen Pfarrerkonferenzen der einzelnen Kirchenkreise ersetzen sollten. Sie fanden in den Pfarrhäusern möglichst monatlich, und zwar ganztägig statt, dienten der theologischen Arbeit und der Besprechung der kirchlichen Lage. Sie waren grundsätzlich mit einer Andacht oder einer Abendmahlsfeier in der Kirche verbunden und wirklich getragen von einer echten brüderlichen Haltung.

Der Pfarrernotbund war entstanden aus dem Protest gegen die bekenntniswidrige und brutale Machtpolitik der deutsch-christlichen Kirchenleitungen, die mit Hilfe der N.S.D.A.P. und des Staates ans Ruder gekommen waren. So hatte es immer wieder gegolten, Einspruch zu erheben gegen Gesetze oder Maßnahmen, die eindeutig dem Bekenntnis und der Bibel widersprachen (Arierparagraph!), und die Eingriffe in das Rechtsleben der Kirche, gegen Willkürmaßnahmen in Personalfällen und dgl.. Auch die Versammlungen des Notbunds befaßten sich vielfach mit diesen Dingen. Es wurde bald klar, daß man dem Einbruch außerkirchlicher Gewalten nicht mit Protesten, Prozessen und Rechtsvermahnungen, sondern einfach mit dem Evangelium zu begegnen habe, mit anderen Worten, daß es die vordringliche Aufgabe der angefochtenen Kirche sein müsse, ihre Diener und das Leben der Gemeinde im Evangelium zu begründen und zu vertiefen. Hätte doch auch die deutsch-christliche Lehre und im Grunde ja auch der ganze Nationalsozialismus nicht so viele Pastoren und Gemeinden einfach überrennen und faszinieren können, wenn sie tiefer, bewußter, persönlicher und lebendiger im Evangelium gegründet gewesen wäre. Aus dieser Erkenntnis heraus waren ja auch schon die erwähnten Notbundskonvente ins Leben gerufen worden. Andererseits aber galt es auch, in die Gemeinden vorzustoßen und das alte Evangelium in die neue Lage hinein und auf neuen Wegen zu sagen. Mit einem Wort: es galt, das über diesem Abschnitt stehende Motto mit ganzem Ernst in die Tat umzusetzen und die Folgerungen daraus zu ziehen.


Der volksmissionarische Arbeitskreis
So erwuchs auch mir in der Helmstedter Zeit ein ganz neuer Zweig meiner außergemeindlichen Arbeit. Im Sommer 1935 bat bzw. beauftragte mich der Bruderrat, nach dem Vorbild der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft einen Kreis von Amtsbrüdern zu bilden und zu leiten, der sich der Volksmission in den Gemeinden des Landes widmen sollte. Es fanden sich etwa fünfzehn Brüder bereit zur Mitarbeit, und schon im September konnte ich mit dem jungen und frischen Adolf Althaus zusammen an einer Rüstzeit des Hannoverschen Bruderkreises für Volksmission in Isernhagen teilnehmen, bei der ich die Arbeitsweise der Hannoveraner kennen lernte, die wir dann auch im wesentlichen für uns übernahmen. Dieser – natürlich viel größere – Kreis stand unter der Leitung des Pastors lic. theol. Elfers, des jetzigen Direktors der Hermannsburger Mission, und erarbeitete gemeinsam sechs oder sieben volksmissionarische Vorträge, die dann hauptsächlich im Winterhalbjahr in vielen Gemeinden der Landeskirche gehalten wurden.

So ähnlich hielten wir es dann auch. Regelmäßig im Frühjahr und im Herbst versammelten wir uns in einem Heim der Inneren Mission oder in einem Pfarrhaus. Im Frühjahr ging es nach gemeinsamer Bibelarbeit um allgemeine theologische oder volksmissionarische Anliegen, die meistens von tüchtigen, außerhalb unseres Kreises stehenden Referenten behandelt und gemeinsam besprochen wurden. Sodann wurden die Vortragsthemen für den nächsten Winter festgelegt und, wenn möglich, auch eine Abendveranstaltung mit der Gemeinde veranstaltet, in der einzelne der Brüder Ansprachen hielten, die dann in sehr offener brüderlicher Aussprache beurteilt wurden. Nachdem im Sommer jeder einzelne sich mit einem ihm zugeteilten Vortragsthema befaßt hatte, kamen wir im Herbst wieder zusammen, um die Themen und vorgelegten Entwürfe gründlich durchzusprechen und die Vorträge , wenn auch nicht zu fixieren, so doch auf eine gemeinsame große Linie zu bringen. Zweimal im Winter, etwa Anfang Dezember und im Januar oder Februar, verteilten wir uns in die Gemeinden eines zusammenhängenden Bezirks, Kirchenkreises oder dgl., kamen am Sonntag vor Beginn der „Kirchenwoche“ noch einmal zusammen, tauschten im Laufe der Woche in einer „vita communis“ die bisherigen Eindrücke und Erfahrungen aus und vereinigten uns noch einmal nach den Schlußpredigten am Sonntag Nachmittag zu einem Abschiedstreffen. Die Vorträge selbst wurden meistens in den Kirchen gehalten. Wenn es anging, hielt man auch Bibelstunden, und außerdem sollten Hausbesuche gemacht werden bei Kirchenvorstehern, Kranken und solchen, bei denen es der Pastor loci für erwünscht hielt. Ich kann mich noch heute dieser Arbeit und vor allem des sie tragenden Bruderkreises mit seiner echten Gemeinschaft nur mit großer Dankbarkeit erinnern; nie zuvor hatte ich – und so ging es auch anderen – einen Kreis gefunden, der so im Innersten aus demselben Grunde heraus leben, debattieren, sich gegenseitig helfen und tragen und dann auch arbeiten wollte und konnte.

Unser Bruderkreis wurde automatisch auch Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Volksmissionare“ unter der Leitung des weithin bekannten D. Füllkrug in Berlin, dem D. Rendtorff, Kiel und Pfarrer Helmut Kunz aus Nürnberg treu zur Seite standen. Diese Arbeitsgemeinschaft setzte sich aus Delegierten aus ganz Deutschland zusammen und hielt jährlich zweimal mehrtägige Arbeitskonferenzen ab, bei denen man nicht nur viele tüchtige Männer, sondern auch manch schönen Fleck Deutschlands kennen lernte. Da ich außerdem meistens auch noch an den Hannoverschen Bruderschaftstagungen teilnahm, kann ich eine ganze Reihe von Ortschaften aufzählen, an die mich diese Volksmissionsarbeit führte: Uchtenhagen in der Mark, Ferch bei Potsdam, Buckow in der Mark, Neuendettelsau, Schreiberhau, mit Ausflug nach Gablong und Reichenberg im Sudetengau, Neudietendorf, Isenhagen, Hermannsburg; dazu die Orte im Braunschweiger Lande, an denen wir zusammen kamen: Räbke, Harzburg, Salzgitter, Mariental, Kirchberg, Vorwohle, Oker, Berka, und diejenigen, an denen ich selbst die Volksmissionswoche durchführte: Eilum, Hoiersdorf, Kreiensen, Harzburg, Seesen, Timmerlah und Ahlshausen.

Ich habe diese Arbeit, die mir neben viel Belastung auch eine große Bereicherung meines Lebens und manche Freundschaft eintrug, bis zum Sommer 1939, also im Ganzen vier Jahre durchführen können. Dann kam der unsinnige, alles zerstörende Krieg. Die Zahl der mitarbeitenden Brüder schmolz mehr und mehr dahin, die ganzen Verhältnisse und Umstände waren der Arbeit, die gerade jetzt so nötig gewesen wäre, hinderlich, durch Rundschreiben habe ich den Zusammenhang unseres Kreises noch einigermaßen aufrecht zu erhalten gesucht, auch fanden noch einige Zusammenkünfte im Kreise der wenigen Zurückgebliebenen statt, ein Versuch nach 1945, den Kreis zu erneuern und zu ergänzen, mißlang. Doch ist einige Jahre später in Braunschweig ein neuer Volksmissionskreis jüngerer Brüder entstanden, der diese schöne und notwendige Arbeit, wenn auch nicht in der alten Methode, so doch im alten Geiste wieder aufgenommen hat, und in dem auch noch einige aus der alten Periode mitwirken.


Haus und Familie
Das recht geräumige Pfarrhaus – Papenberg 14 – in dem außer uns noch die Witwe des Superintendenten Länger mit ihrer Tochter wohnte, hatte, auch darin das gerade Gegenteil von Blankenburg, keine günstige Lage. In 50–100 m Entfernung führte die Hauptstraße der Stadt vorüber, die ein Stück der großen Reichsstraße Nr. 1 von Berlin an den Rhein war. Da die Autobahn Berlin-Hannover erst während unsrer Helmstedter Zeit fertig wurde, vollzog sich auf ihr ein ungeheurer Verkehr, besonders durch die schweren L.K.Ws und Lastzüge, so daß man ständig den fast nie unterbrochenen Lärm hörte und die dauernde Erschütterung des Erdbodens verspürte. Auch die Umgebung des Hauses war nicht freundlich, und die Südsonne fehlte ganz, da unsere Südwand zugleich die Nordwand des zweiten Pfarrhauses war. Nach Westen schloß sich ein kleines kümmerliches Höfchen und an dieses ein noch kümmerlicheres Gärtchen an, das eigentlich nur ein Sitzplatz war, und von dem der oben erwähnte Superintendent Länger gesagt hatte: „Mein Garten ist nicht groß, aber er reicht bis an den Himmel“. Um so froher waren wir, daß sich vor dem Tor, etwa sieben Minuten vom Hause entfernt, ein fruchtbarer, zur Pfarre gehöriger, von meinem Vorgänger nicht genutzter Garten befand, den man zwar der Entfernung wegen kaum zum Sitzen benutzte, in dem man sich aber doch durch leichte Arbeit von der geistigen erholen konnte, und der uns reichlich mit vorzüglichem Gemüse versorgte. Ich habe fast täglich von ½7–8 darin gearbeitet, nachmittags nur in wenigen Ausnahmefällen. Daß trotz der räumlichen Beschränkung auch die Hühnerzucht seitens meiner Frau erfolgreich fortgesetzt wurde, bedarf kaum der Erwähnung.

So kam der Sommer 1937 heran, in dem unsere Pläne, das Pfarramt zu wechseln, festere Gestalt gewannen. Über unsere Motive zu diesem Schritt habe ich oben ausführlich geschrieben. Eine regelrechte Übernahme in den Pfarrdienst der Hannoverschen Landeskirche wurde von dieser meines Alters wegen abgelehnt. Man gab mir anheim, mich in Braunschweig pensionieren und mir dann die Verwaltung einer nicht wieder zu besetzenden Pfarrstelle übertragen zu lassen. Durch Anzeige in kirchlichen Blättern wurde unsere Aufmerksamkeit auf die Gemeinde Berka, Kreis Northeim, gelenkt. Zu einer vorläufigen Sondierung fuhr unser Karl Otto nach Berka und besuchte den die damals vakante Pfarrstelle verwaltenden Pfarrer Karl Burgdorff in Katlenburg, freilich ohne zu ahnen, daß eine Nichte desselben zehn Jahre später seine Frau sein sollte. Sein Bericht („Die Gegend verdient, anmutig genannt zu werden“) machte uns Mut zu einer persönlichen Besichtigung, die am 7. Juni (1937), einem besonders heißen und drückenden Tage, so günstig ausfiel, besonders was Haus und Garten betraf, daß ich mich beim Kirchenvorstand um die Stelle bewarb. Eine gewünschte Gastpredigt hielt ich am 25. Juli, noch am selben Tage wurde der Vertrag abgeschlossen, der meine Vergütung, die beiderseitigen Kündigungsbedingungen und anderes festsetzte. Die Behörde hatte diesen Vertrag nur zu genehmigen und erteilte den förmlichen Auftrag. Die wenigen Wochen bis zum Abschied gingen schnell vorüber; im August ging meine liebe Frau mit Georg Christian für 3½ Wochen in das Solbad Salzdethfurt, ich erlebte zehn schöne Tage in Doberan, bei meinem Bruder Heinrich, der dort seit 1933 im Ruhestande lebte, und war dann auch noch elf Tage in Salzdethfurt. Anfang September führte uns noch eine kurze Reise mit Schwager Wilhelm und seiner Frau Hedwig in den Odenwald. Auf dem Rückweg gab es noch einen Abstecher nach Berka, um das Letzte des Umzugs, der Obsternte, der Einkellerung von Vorräten und dgl. zu besprechen, wobei sich besonders Kirchenvorsteher Wilhelm Bode als besonders willig und fürsorglich erwies. Der Amtsantritt wurde auf den 1. Oktober verabredet.

Am 8. Oktober früh ½8 kamen wir in unserem neuen Domizil an, in einem kleinen Zimmer neben der Küche empfangen und mit Kaffee und Kuchen bewirtet von den Frauen der Kirchenvorsteher. Sehr bald rollten die Möbelwagen an, und am Abend war das Haus so weit eingerichtet, daß wir für Nahrung und Obdach keine fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen brauchten. Wie in solchen Fällen üblich, gab es abends noch ein Begrüßungsständchen vor dem Hause durch den Posaunenchor, die Schulkinder und den Jungmädchenbund. Dann konnten wir uns froh und dankbar niederlegen und einer Zukunft entgegenschlafen, die uns nun auch wieder arbeitserfüllte und frohe, aber auch von dunkler Sorge und schwerer Trauer erfüllte Tage bringen sollte. Daß diese neue Zeit in Berka dreizehn und ein halbes Jahr dauern sollte, ahnten wir an jenem Abend nicht. Auf alle Fälle aber durften wir es wissen: „Unter dem Schatten Deiner Flügel habe ich Zuflucht!“



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