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[Kirche von unten]

Ottmar Palmer 1873 - 1964

Quellenstücke

7. Quellenstück


Zwei Texte zur Person von Oberlandeskirchenrat Dr. Breust


Breust selbst schrieb von seiner Entnazifizierung an Pastor Goetze in Allmersbach am 1.9.1949 u.a.:
„Meinen Erfolg in meiner Entnazifizierung verdanke ich einem großen Schriftsatz, in welchem ich sehr deutlich ausgeführt hatte, welche Beweisanträge ich noch zu stellen beabsichtigte, falls man das Verfahren mit einem anderen Ergebnis für mich als Gruppe V abzuschließen gedachte. Ich habe den Schriftsatz so abgefaßt, daß jedem Leser bange würde vor den Folgen, wenn das (doppelt unterstrichen) alles dann in einer öffentlichen Verhandlung, vielleicht sogar in der Berufungsinstanz in Hannover, hätte breitgetreten werden müssen. Wir haben ja inzwischen einen sehr vernünftigen „öffentlichen Ankläger“ für das Entnazifizierungsverfahren bekommen, nämlich den pensionierten Senatspräsidenten beim Oberlandesgericht Dr. Herbst. Als ich diesem meine Schrift überreicht hatte, sagte er mir, er wolle dafür sorgen, daß ich in Gruppe V käme, wenn ich einverstanden wäre, daß der Schriftsatz einstweilen Buttler nicht überreicht würde. So ist dann auch verfahren.“
( in LKA 2564 )

Lebenslauf des Oberlandeskirchenrats Dr. jur. Reinhold Breust in Wolfenbüttel vom 5.11.1949
Zunächst schilderte Dr. Breust seinen Lebenslauf bis 1919. Dann fährt er wörtlich fort:
„....Vom Juli 1919 bis zum 31. August 1923 war ich im braunschweigischen Justizdienst tätig. Im August 1923 wurde ich nach Fertigstellung der neuen braunschweigischen Kirchenverfassung zum Mitglied des Landeskirchenamtes und zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kirchenregierung der braunschweigischen evangelisch-lutherischen Landeskirche gewählt. Am 21. Juni 1934 wurde ich aus diesen Ämtern durch den vom Reichsbischof Ludwig Müller entsandten „kommissarischen Landesbischof“, den bisherigen Hauptpastor Dr. Helmut Johnsen aus Lübeck, „beurlaubt“. Zum äußeren Anlaß hierfür nahm Dr. Johnsen die Tatsache, daß ich 11 ar Pfarrland an einen Juden verkauft hatte und sich aus diesem Anlaß eine Pressehetze gegen mich entwickelt hatte; der wirkliche Grund lag darin, daß die 1933 innerhalb der braunschweigischen Landeskirche zur Macht gekommenen Nationalsozialisten von Anfang an die Parole ausgegeben hatten, ich müßte aus meinen Ämtern entfernt werden. Vom 21. Juni 1934 bis zum 20. Juni 1938 war ich ohne amtliche Beschäftigung, vom 21. Juni 1938 bis zum 30. Juni 1944 war ich Hilfsarbeiter in der Finanzabteilung beim Landeskirchenamt in Wolfenbüttel. Diese Tätigkeit mußte ich am 1. Juli 1944 wegen Krankheit aufgeben. Nach Wiederherstellung meiner Gesundheit wurde ich im November 1945 in meine kirchlichen Ämter wieder eingesetzt. Wolfenbüttel d. 5. November 1949 gez. Dr. Breust“

(Quelle: PA 1112)

Anmerkung des Verfassers:
OLKR Dr. Breust gehörte zu den engsten Mitarbeitern von Landesbischof Beye und setzte sich noch im Februar 1934 für dessen Verbleiben im Amt ein. Dr. Breust begrüßte Reichsbischof Müller und Rechtswalter Jäger und betrieb die Eingliederung in die deutsch-christliche Reichskirche im Juni 1934. Die Behauptung von Dr. Breust, daß „Nationalsozialisten von Anfang an die Parole ausgegeben hätten, ihn aus seinen Ämtern zu vertreiben“, widerspricht den Tatsachen und ist eine schwerwiegende Irreführung.

Auch die Bemerkung, Dr. Breust wäre „Hilfsarbeiter in der Finanzabteilung“ gewesen, ist irreführend. Nach dem Geschäftsverteilungsplan der Finanzabteilung leitete Dr. Breust seit 1943 in Range eines Oberlandeskirchenrates die Grundstücksabteilung. Nach einem Schreiben Westermanns vom 30.1.1943 leitete Dr. Breust vom 1.2.1943 die Abt. IV und war Justitiar der Finanzabteilung. (PA 1111)



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