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[Kirche von unten]

Gemeinsam - zärtlich - radikal

14. Kapitel

Projekt: Arbeit an der Dorfgeschichte

Offleben, Reinsdorf und Hohnsleben sind im Gegensatz zu Neu-Büddenstedt alte Dörfer. Es gab sie schon im Mittelalter.

Im Oktober 1971 veranstaltete der Kirchenvorstand im Konfirmandensaal eine Ausstellung "Aus der Geschichte Offlebens" mit Fotos und Zeitungsausschnitten über das Dorf und Kopien von Urkunden aus dem Kirchenarchiv aus den letzten hundert Jahren, die auf bunte Pappen geklebt und mehrere Wochen im Gemeindesaal des Pfarrhauses ausgestellt waren. Die Ausstellung wurde später auch bei Kirchenvorstandswahlen als Anziehungspunkt und bei den Goldenen Konfirmationen gezeigt. So entstand eine erste kleine Fotosammlung über die Geschichte des Dorfes.

Über die alten Zeiten wurde insbesondere bei den Olen Offleschen gekakelt, einem Kreis gebürtiger Offleber Frauen und Männer, der sich seit 1974 traf. An den monatlichen Abenden kamen erfrischende Geschichten zum Vorschein.

Der junge Udo Lieske aus Hohnsleben stöberte im Pfarrhaus gerne in alten Büchern und machte die Entdeckung, daß Hohnsleben früher eine starke sozialdemokratische Mehrheit hatte und bei den Märzwahlen 1933 die Nazis nur an dritter Stelle lagen, ganz anders als z.B. in vielen Heidedörfern, wo sie schon die erste Stelle erobert hatten, außerdem wäre Hohnsleben über 1000 Jahre alt. Er regte daraufhin beim Gemeinderat eine Jahrtausendfeier an.

Udo Lieske leitete damals auf dem Rathaus gerade den organisatorischen Ablauf der umstrittenen Volkszählung. Der Gemeinderat griff die Anregung auf und so feierte Hohnsleben im September 1983 mit einem großen Umzug seine lange Geschichte. In der Reinsdorfer Kirche hielten wir einen ökumenischen Festgottesdienst. Eine Gruppe von Jugendlichen und der Kirchenvorstand markierten im historischen Umzug den reformatorischen Einschnitt in der Dorfgeschichte. Der Gemeindebrief September 1983 war auf 28 Seiten nur diesem Ereignis gewidmet.

Auf die Hohnsleber Jahrtausendfeier folgte ein Jahr später die Offleber "Jahrtausendfeier". Es war eigentlich eine krumme Zahl, die da gefeiert wurde. Aber solche historischen Umzüge wurden ringsum auch in Schöningen und Helmstedt begangen. Der Gemeinderat gründete ein Festkomitee und organisierte mit den Vereinen des Ortes fröhliche Festtage im September 1984. Es begann wieder mit einem ökumenischen Gottesdienst, diesmal in der katholischen Kirche, beim historischen Umzug am Sonntag trugen Konfirmanden Plakate und die Frauenhilfe schwenkte die lila Tücher vom Hannoverschen Kirchentag. Dazu sangen wir: "Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn". Beim Festakt hielt Manfred Pohl den historischen Rückblick. Vom Fest existiert in der Kommunalgemeinde ein längerer Film. Zur Erinnerung wurde zwischen der knorrigen Eiche und der Klostergutmauer ein Gedenkstein "Offleben 1150 Jahre alt" aufgestellt.

Das historische Interesse wurde neu entfacht, als sich seit 1993 ein kleiner, historisch interessierter Arbeitskreis in der Pfarrhausküche traf und als "Barfußhistoriker" Dorfgeschichten zusammentrug. Die Dörfer sind ja voll von alten Geschichten, die niemals aufgeschrieben werden und die die Vergangenheit besonders lebendig werden lassen

Dem Kreis gehörten regelmäßig an: Lisa Gödecke, Ursula Schweineberg, Cläre Cranz, Anke v. Kowalski und zeitweise Anna Ziegler, Reni Langer, Adelheid Tobias, Else Bruns, Karl Heinz Isensee. Jede/r übernahm ein Thema und trug die schriftliche Ausarbeitung im Kreis vor, die dann im Gespräch ergänzt wurde.

Die meisten von uns sind inzwischen über 70 Jahre alt. So sind auch diese schriftlichen Ausarbeitungen selber bereits Teil der Geschichte des Dorfes. Vieles stammt noch aus eigener Beobachtung. Es ist geplant, diese Geschichten zusammen mit vielen Fotos in einer Bildergeschichte des Dorfes zusammenzufassen und zu publizieren.

Auch im Gemeindebrief erschienen regelmäßig Beiträge zur Geschichte des Dorfes, von denen hier einige wiedergegeben werden. Während sich die Beiträge des Arbeitskreises besonders mit dem früheren Geschäfts- und Landleben beschäftigen, habe ich hier einige vor allem politisch akzentuierte zusammengetragen, die den Rahmen eines gemütvollen Bildbandes sprengen würden.

Die historische Grenze zwischen Preußisch- und Braunschweigisch-Offleben

Der herrliche, geräumige Pfarrgarten von Offleben wurde von einem Bach durchflossen. Er trennte Braunschweigisch- von Preußisch-Offleben. Noch einige Jahre lang erlebte ich, wie dieser Bach viel Wasser führte. Es gab sogar einmal eine Überschwemmung im Garten. Über den Bach lagen zwei alte Grabplatten als Brücken. Der Wasserbach erinnerte mich an mein Zuhause in Ostpreußen. Dort hatten wir auch im Garten einen tiefen Bach mit einer Brücke. Dann wurde in den Offleber Wiesen "der Schütt", die Schleuse hinter dem nördlichen Bahndamm, geschlossen, der Graben trocknete aus und der Bachverlauf wurde nach Norden hin bis hinter die Eisenbahnbrücke zugeschüttet. Im Pfarrgarten blieb eine kleine Vertiefung als Erinnerung an die historische Grenze zwischen Preußen und Braunschweig, die dieser Bach durch das ganze Dorf hindurch markierte. Es war ein Grenzbach, Wirpke genannt oder auch Mühlenbach, weil er vom Pfarrgarten aus unterirdisch über das Wagenführsche Grundstück geführt wurde und dann auf dem Gelände der Mühle Jacobs wieder geöffnet war. Von dort unterquerte er die Schulstraße (Poststraße), bei der früheren Gaststätte "Zur Post" die Bahnhofstraße (Alversdorferstraße) und floß von dort geradeaus durch die Wiesen, bis er wieder in den Kupferbach mündete. Inzwischen ist die ganze Strecke im Ort verrohrt und zugeschüttet.

Dieser Bach trennte das Gebiet des Königreiches Preußen vom Herzogtum Braunschweig. Karl Rose hat sein Heimatbuch der Gemeinde Offleben aus dem Jahre 1954 noch nach diesen beiden Ortsteilen gegliedert: Teil A: Braunschweigisch-Offleben, Teil. B: Preußisch-Offleben.

Um eine Übersicht im Dorf über das Gebiet von Preußisch-Offleben zu bekommen, stellt man sich am besten vor das Grundstück "Zur Post". Das Haus liegt nicht in gerader Häuserlinie. Vor dem Haus befindet sich ein auffälliger, kleiner Platz. Vielleicht war das eine Stelle für haltende Fuhrwerke. Das Gebäude ist das alte Zollhaus auf preußischem Gebiet. Es ist über 200 Jahre alt. Hier wohnte der letzte Bürgermeister von Preußisch-Offleben, Georg Habenicht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Gebäude "Zum Zollkrug". Es ist noch etwas älter. Noch zu meiner Zeit konnte man den Namen an der Giebelwand des Hauses lesen. Der Name erinnert daran, daß an dieser Stelle früher ein Zoll bei der Überschreitung der Grenze erhoben wurde. Die älteren Offleber besinnen sich noch an den letzten Gastwirt Karl Ahrenholz.

Wenn wir von dieser Stelle aus in Richtung Dorfausgang Barneberg sehen, haben wir alle wichtigen Gebäude von Preußisch-Offleben vor uns: die dritte Kneipe, früher Grüne, mit großem Saal, heute die Gastwirtschaft "Zum roten Ochsen" von Christian Zeranski, ganz früher "Offleber Zollkrug" genannt; weiter dahinter der Friseur Jagemann, auf der anderen Straßenseite die ehemalige preußische Schule, weiter zum Ortausgang rechts das Gelände der früheren Zuckerfabrik und dahinter nach einem Ackerstück der preußische Friedhof, daneben ein Schrebergartengelände und nach Hötensleben zu die Ziegeleien. Preußisch-Offleben hatte also alles, was ein Ort braucht: Schule, Verwaltung, Friedhof, Friseur und Kneipen. Von diesem alten Preußisch-Offleben mit Zollkrug, Schule und Zuckerfabrik gab es auch eine alte Postkarte.

Noch heute befinden sich einige typische, an der Oberfläche eingeritzte Grenzsteine an der Seite der Gerhart-Hauptmannstraße, der früheren Hinteren Dorfstraße.

Man sagte, die Grenze ginge "über den Amboß" der Schmiede. Danach hatten die Pferde beim Beschlagen das Hinterteil im Preußischen und den Kopf im Braunschweigischen.

Diese Grenze war nicht bedeutungslos. Wer in die preußische Schule ging, hatte andere Schulbücher als die im Braunschweigischen. Die Eltern benötigten zur Taufe ihres Kindes einen Erlaubnisschein vom Hötensleber evangelischen Pfarrer, der eigentlich für die Taufe zuständig war, wenn sie ihr Kind verständlicherweise in der nahe gelegenen Offleber Kirche taufen lassen wollten. Solche Vermerke finden wir auch im Offleber Kirchenbuch. An Feiertagen war in der Regel das Schlachten verboten. Andrerseits hatten gerade an Feiertagen die Einwohner zum Schlachten am meisten Zeit. So begab man sich zum Schlachten auf das Gebiet, an dem die Arbeit erlaubt war. Wenn die Polizei wegen unerlaubter Arbeit nachforschte, war man eben gerade auf der anderen Seite der Grenze gewesen und ging straflos aus.

Als 1930 den Nationalsozialisten öffentliche Umzüge in Uniformen von der preußischen Regierung verboten, aber von der braunschweigischen Landesregierung erlaubt worden waren, marschierten die Nazis durch Braunschweigisch- Offleben bis zur Grenze und dann wieder zurück.

Als der Dachdeckermeister Karl Mühr von den Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 im Zuge der Braunschweiger Stahlhelmaffäre verhaftet werden sollte, flüchtete er sich zunächst auf preußisches Gebiet und war da für kurze Zeit sicher.

Wirklich bedeutsam aber wurde diese historische Grenze bei der Grenzziehung unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Die Siegermächte hatten vereinbart, sich am Verlauf der Ländergrenzen zu orientieren. Die Ländergrenze verlief in Offleben ohne Frage quer durchs Dorf. Würde also Offleben geteilt werden? war die bange Frage im Frühjahr 1945.

Die Engländer hatten ihre Kommandantur im Kindergarten aufgeschlagen und die Demarkationslinie an der Abbiegung der Landstraße nach Hötensleben gezogen. Eine der letzten Eintragungen von Pastor Reiche in die Offleber Kirchenchronik ist der Grenze gewidmet. Er schrieb in dicker deutscher Schrift folgendes hinein:

"Die Grenze der Besetzung war die Straße nach Hötensleben. Nach etwa drei Wochen wurde die Besetzung von den Engländern übernommen. Bald zogen sich diese vor den Russen zurück, die die Grenze näher an das Dorf verlegten, bis an die Zuckerfabrik. Nun wurden die Grenzen des Dorfes streng bewacht. Jetzt erfuhr Offleben, was russische Besatzung bedeutete. Wir durften nicht mehr nach den Nachbarorten, z.B. Hötensleben, Barneberg, Sommersdorf und Harbke gehen. Der neue Friedhof an der Straße nach Hötensleben und die dortigen Schrebergärten wurden gesperrt. In großen Scharen kamen die Leute aus der russischen Zone nach Offleben oder suchten die Grenze nach dem Osten zu überschreiten."

Dann wollten die Sowjets sogar das Schwelwerk kassieren, besetzten im Juli 1945 das zunächst wie im Niemandsland unbesetzt gebliebene Dörfchen Harbke und dessen Kraftwerk. Ein Hilfeschrei der BKB an die englische Besatzungsmacht verhinderte offenbar, daß die sowjetischen Truppen bis Schöningen vorrückten. Die Truppen postierten sich hart am Offleber Dorfrand.

Einer späten Notiz von Schulmeister Schulze zufolge waren er und Landrat Voigt bei der sowjetischen Kommandantur vorstellig geworden und hatten erreicht, daß die sowjetischen Truppen nicht bis zur eigentlichen historischen Grenze zwischen Preußen und Braunschweig, mitten im Dorf bei der Gastwirtschaft "Zur Post", vorrückten. Sie hätten ihnen verständlich gemacht, daß man mitten im Dorf viel leichter nach Westen fliehen könnte. Mir ist sehr fraglich, ob dies ein für eine Siegermacht 1945 einleuchtendes Argument gewesen ist. Möglicherweise also eine Legendenbildung des kalten Krieges. Die schriftliche Notiz von Kantor Schulze stammt aus der Zeit nach dem Mauerbau, also nach 1961.

Seit der Grenzziehung 1945 ist von Preußisch-Offleben nicht mehr die Rede. Ob die Rechtstitel wirklich verschwunden sind, ist mir fraglich. Die berühmte "Normativität des Faktischen" hatte auf die Dauer ein Recht gesetzt, mit dem die Bewohner und die Behörden bis heute leben.

Das Leben in der Fremde oder: Hohnsleben in den 30iger Jahren

von Margarete Schulze.

Es ist der 19. März 1929. Ich bin vom Offleber Bahnhof mit noch einem jungen Mädchen aus Hindenburg/Oberschlesien abgeholt worden. Und zwar landete ich auf dem Gut Bismarck in Reinsdorf. Ich habe dort schnell Fuß gefaßt. Die Einwohner waren sehr nett. Und ich fand bald meinen zukünftigen Mann. Und wir heirateten ein Jahr darauf und wohnten in Hohnsleben.

Landschaftlich war es sehr schön und wirtschaftlich gut. Es gab einen Schuster (Bremecke), einen Bäcker (Oster), einen Friseur, eine Schneiderin (Frl. Lene Przybilski ), zwei Landwirte (Wietfeld und Duckstein), eine Gastwirtschaft mit Lebensmittelladen. Ein Fleischer mit Namen Freytag kam aus Sommersdorf. Es fehlte uns an nichts. Obstbäume gab es jede Menge. Herr Ernst war ein tüchtiger Mann. Er hat neben seinem Laden und der Gastwirtschaft viele Ämter für die Gemeinde ausgeübt. Zum Beispiel das Standesamt, Post, Bürgermeister und hat auch noch Hausschlachtungen vorgenommen. Er hat uns getraut, uns kinderreichen Müttern das Mutterkreuz umgehängt. Er hat uns Bezugscheine für Hausartikel gegeben. Er war einfach für alles da. Und er besuchte trotz allem die Gottesdienste in Reinsdorf.

Die Kirche war sehr wenig besucht. Der Küster damals war Otto Schotte. Die Verstorbenen wurden in der Wohnung aufgebahrt. Dann setzte sich der Trauerzug von Hohnsleben nach Reinsdorf in Bewegung. Wenn sie auf der Höhe nach Reinsdorf sichtbar wurden, da läutete die Glocke.

Die Straße von Offleben nach Reinsdorf war sehr belebt. Da kamen die BKB-Arbeiter zu Fuß. In Erinnerung habe ich Herrn Hohlweg aus Offleben. Er marschierte immer treu und brav den Weg nach Wulfersdorf und die andere Seite Sommersdorf und Barneberg. Es war immer ein toller Betrieb auch auf dieser Seite.

Am schlimmsten waren die Jahre 1929 - 1933. Die Arbeitslosigkeit. Mein Mann ist 1929 Ende des Jahres arbeitslos geworden. Und das dauerte vier Jahre bis Oktober 1933. Es war eine schwere Zeit. Es gab sehr wenig Stempelgeld. Aber irgendwie sind wir doch zufrieden gewesen, denn einer half dem andern. Die 35 Mark Stempelgeld jede Woche wurden in viele Teile eingeteilt. 6 Mark Rate für die Ferkel bei Schliefert in Schöningen, 3 Mark für Schrot für die Ferkel. Die mütt wat tau freten kregen, sonst werd sei nich fett. Miete 9 Mark. 10 Mark tau wirtschaften. Und der Rest blifft in Sparpott leggen. Und wehe geist mig dabi. Un wenn das Brot nicht rekket, wird mittags ein Pott voll Suppe gekoket, und dann gifft es abends Suppe. Früher hat man Respekt vor dem Mann gehabt. Da galt das, was er gesagt hat. Ja, dann mußte noch Geld für Kohle über sein. Briketts kosteten im Jahr 29 1,50 Mark der Zentner. Der Mann nahm alle vierzehn Tage den Handwagen und holte zwei Zentner direkt von der Brikettfabrik. Wer würde das heute noch tun? Nun ja, die zwei Säcke reichten bei weitem nicht aus. Was hat man gemacht? Den Korb genommen und die Gleise der Kohlenbahn, die damals hinter dem Dorfe fuhr, hinter meinem Garten, und die verlorenen Briketts von den Zügen gesammelt und damit den Kaffee gekocht.

1932. Ich hatte Geburtstag. Es war ein Montag. Ich hatte für den Sonntag einen großen Topf voll Bohnensuppe gekocht, damit ich am Montag noch was hatte. Ich bekam Besuch. Da kam meine Schwiegermutter mit der Nachbarin Frau Fricke und brachten mir eine Leberwurst und eine Flasche Saft. Die Bäckersfrau Oster brachte mir ein Brot. Aber meine Briketts waren wieder alle. So saßen wir um den langen eisernen Gustav und anstatt daß er uns wärmen sollte, haben wir ihn gewärmt. In der Mühle Hohnsleben wohnt heute noch Frau Olga Brychzy. Sie wohnt dort in der Wohnung schon über 50 Jahre. Und sie saß auch oft bei mir und wärmte den Ofen. Wir unterhalten uns heute noch viel über die 30iger Jahre und die Arbeitslosigkeit.

Bleiben wir bei den Geldausgaben. Wir haben bei Wietfelds Rüben gehackt. Es fehlten die Kartoffeln für die Schweine. So haben wir einen halben Morgen Acker bekommen. Dafür mußten wir drei Morgen Rüben hacken. Es war gar nicht so einfach. Aber es war ein lustiges Treiben. Na, gut und schön, als die Rüben im September ausgewachsen waren, da gingen wir still und heimlich, einer wie der andere, der keine Kartoffeln mehr hatte, um Rübenblätter für die Schweine, die inzwischen rangewachsen waren und so ihre zwei Zentner wogen. War das eine Delikatesse. Aber wenn es zu viel wurde, dann bekamen sie Rotlauf und gingen ein. Ja, das war dann alles umsonst. Dann mußte man die letzten 5 Mark für das Abholen geben. Und wenn sie nicht versichert waren, mußte man sich auch damit abfinden und wieder aufs neue anfangen.

1933, als Hitler ans Ruder kam, da änderte sich alles. Die Arbeitslosigkeit wurde beseitigt, die Bettler von der Straße gefegt. Fast alle gingen sie in die Partei. Wir Frauen waren in der Frauenschaft. In Hohnsleben ging alles in Ruhe seinen Gang. Erst in Schöningen waren große Unruhen entstanden. Die großen Geschäfte von Hirsch und Lauterstein, jüdische Abstammung, wurden demoliert.

Wir haben auch eine Hebamme gehabt, die sehr tüchtig war. Da wurden die Kinder alle im Hause geboren. Es gab auch viel mehr Kinder als in der heutigen Zeit. Die Kinder mußten von Hohnsleben nach Reinsdorf in die Schule. Ich bin 1940 nach Reinsdorf gezogen. Wenn ich dort in meinem Garten arbeitete, da hörte ich von der Straße her die Schulkinder. Ihre Stimmen - sie sangen und jubelten. In Reinsdorf war die Schule sehr gut.

Aber bald war ein Durcheinander. Aber da möchte ich mich raushalten. Und schon wurden die schönen, jungen Männer eingezogen. Ich sehe sie noch vor mir stehen: Der erste, Horst Wietfeld. So ein strammer, junger Mann. Willi Ohk und Alfred Sprycha ebenfalls. Schon nach kurzer Zeit wurden sie verschluckt. Und die andern jungen Männer etwas später. Wie grausam alles war. Geblieben sind sie in der Fremde. Aber vergessen werden wir sie nie, solange uns diese heilige Erde trägt.

Ich könnte noch viel erzählen. Aber die Erinnerung reißt nur die alten Wunden wieder auf.

Ich bin meinem Schöpfer dankbar, daß er mich so zufrieden und gesund erhalten hat mit meinen Kindern: der Sohn, der bei vollem Fliegeralarm in der Stube zu später Abendstunde in Reinsdorf geboren wurde und meine älteste Tochter, gerade vierzehn Jahre alt, meine große Stütze war, und sich um alles kümmern mußte. Die Hebamme mußte geholt werden aus Büddenstedt. Wer holt sie nun? Sirenen heulten zum Verzweifeln. Und schon standen Leuchtkugeln und Christbäume am Himmel. Es mußte im Zimmer alles verdunkelt werden. Aber für alles sorgte Frl. Krusekopf und Frau Kraiger. Sie waren zur Stelle. Sie hatten keine Angst. Bald war Entwarnung, und ein Sohn löste den Vater ab, indem der Vater auszog fürs Vaterland zu dienen.

Dankbar bin ich den Braunschweigischen Kohlenbergwerken, die uns Kriegerwitwen sehr geholfen hat. Was es auch war, Wohnung, Feuerung, es war für uns eine Erleichterung, durch die wunderbare Hilfe der BKB bis zum heutigen Tage. Ich gedenke oft der lieben Menschen, die da zu meinem Wohlsein beigetragen haben und heute auch nicht mehr unter uns sind. Nun ist Schluß. Ach, wie flüchtig, ach, wie nichtig ist des Menschen Leben. Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet. So ist unser Leben, sehet.

Kurze Erklärung

Wir werden für die Leser und Leserinnen aus diesem Text kurz erklären müssen:

"eiserner Gustav" ist eine Umschreibung für einen eisernen Ofen. - Hohnsleben hatte 1937 142 Einwohner in 16 Häusern. - Die jüdischen Geschäfte in Schöningen wurden zum ersten Mal bei dem reichsweiten Geschäftsboykott am 1. April 1933 schwer getroffen. Sie waren gerade bei den kleinen Leuten beliebt, weil sie dort manchen preislichen Nachlaß erhielten. - Die BKB beschäftigten auch Zwangsarbeiter. Frau Schulze erzählte später, wie sie Zwangsarbeitern Essen zusteckte. - Fliegeralarm war in der Offleber Gegend deswegen nicht ungefährlich, weil das Schwelwerk als kriegswichtiger Betrieb und als Anziehungspunkt für feindliche Flieger galt. - Der Mann von Margarete Schulze wurde 1945 als vermißt gemeldet und später für tot erklärt wurde.

Ein Dorf verwaltet sich selbst - am Beispiel Hohnsleben -

Ein Blick in die Gemeinderatsprotokolle von Hohnsleben 1919-1942

1938 veröffentlichte Karl Rose sein "Heimatbuch des Dorfes Hohnsleben". Die Hohnsleber waren auf die 90 Seiten starke Abhandlung zu Recht ziemlich stolz, denn es war das erste Heimatbuch im Landkreis Helmstedt, das damals erschien. Der Rat der Gemeinde Hohnsleben genehmigte Karl Rose für die Arbeit 50 RM und versuchte, bei der Druckerei August Kleemann in Schöningen noch die Druckkosten von gut 600 RM zu drücken. Zum 50. Geburtstag von Adolf Hitler am 20. April 1939 erhielt jeder Einwohner ein Exemplar.

Es beschäftigt sich auf den ersten 30 Seiten mit der Geschichte des Dorfes und geht dann im zweiten Teil die einzelnen Höfe und Besitzer des Dorfes durch. Nur eine knappe Seite widmet Rose der spannenden Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Es ist die Zeit der beginnenden Demokratie und Selbstverwaltung und später dann des Versuches, die Kommunalpolitik im Sinne der Nazis umzugestalten. Da die Kommunalpolitik nach 1933 ein bisher sehr vernachlässigtes Thema ist, bildet das Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen von 1919-1941, das sich im Archiv der Gemeindeverwaltung befindet, eine erstklassige Quelle zum Verständnis dieser Zeit. Karl Rose hat diese Zeit, obwohl ihm das Protokollbuch ebenfalls vorlag, vernachlässigt. Auch die Darstellung der Verhältnisse in Hohnsleben im Heimatbuch der Gemeinde Reinsdorf aus dem Jahre 1956 ist kümmerlich.

Das Dorf

Hohnsleben hatte 1919 147 Einwohner, die in 15 Häusern wohnten. Zwei große Höfe beherrschten das Dorf, Duckstein und Wietfeld. In der Dorfmitte lag das Backhaus, an der Wirbke beim Dorfausgang nach Sommerdorf zu die Gastwirtschaft, die zunächst Duckstein gehörte und die er an Heinrich Ernst verpachtete. Ernst war in Offleben geboren und vor dem Kriege nach Hohnsleben gezogen. Duckstein hatte aber auf einem Sofa in der Dorfkneipe seinen Stammplatz, von dem jeder aufsprang, wenn er die Wirtschaft betrat. Die Ernstsche Gastwirtschaft war auch der Ort für die Gemeinderatssitzungen. Die Gastwirtschaft war zugleich neben der Bäckerei der einzige Laden im Ort.

Etwa zwei Drittel der Bevölkerung war evangelisch, ein Drittel war katholisch, meist zugereiste Arbeiter aus Oberschlesien.

Hohnsleben war für sich und Reinsdorf auch. Die Felder zwischen Reinsdorf und Hohnsleben waren tief aufgerissen durch den Tagebau, aus dem Braunkohle gefördert wurde.

Die Straße von Hohnsleben nach Reinsdorf führte, anders als heute, an der Kippe entlang. Sie mündete zwischen den Grundstücken von Jacobs und (heute) Bauermeisters in Reinsdorf. Das ist an der Pflasterung noch etwas zu erkennen. Die heutige Straße zwischen Hohnsleben und Reinsdorf wurde 1936 fertig. Der Neffe des Gastwirtes Ernst, der nach dem Kriege die Hohnsleber Gastwirtschaft übernahm, erzählt, daß der Verlauf dieser Straße ursprünglich anders geplant war, nämlich von der Ziegelei der BKB zum Dorfausgang. Sein Onkel habe dies mit seinen persönlichen Beziehungen zur Kreisdirektion verhindert, weil dies auch eine Schädigung seines Geschäftes bedeutet hätte, vor allem aber wäre der Weg von Reinsdorf nach Hohnsleben sehr viel umständlicher gewesen.

Die Hohnsleber arbeiteten entweder in der Landwirtschaft oder in der Industrie. Sie hatten sich gegen die Beschädigungen des Dorfes durch die Harbker Werke zu Anfang des Jahrhunderts erfolgreich vor Gericht gewehrt und eine verbesserte Wasserversorgung durchgesetzt.

Keine November-Revolution auf dem Dorfe

Der Arbeiter- und Soldatenrat sollte nach dem verlorenen Krieg und nach der Absetzung des Herzogs im November 1918 die politische Gewalt in Stadt und Land übernehmen. Das schlug vollkommen fehl, weil die gewählten Männer und Frauen dazu nicht sachkundig genug waren und weil vor allem die bisherigen Verwaltungsfachleute z.B. im Schöninger Rathaus und in der Helmstedter Kreisdirektion an den Schreibtischen blieben und einfach gut weiterarbeiteten. Vor der Kreisdirektion stand zwar ein Matrose Posten und irgendwo wehte auch eine rote Fahne, aber die sachliche Arbeit ging weiter wie bisher, und das war ein Glück. Vor allem ließen sich die Verhältnisse in der Stadt Braunschweig nicht auf die kleineren politischen Einheiten in den Dörfern übertragen, wo einer den andern nach seiner Herkunft und seinen Fähigkeiten genau kannte.

Wie in den meisten Dörfern um Schöningen herum wurde im November 1918 auch in Hohnsleben ein Arbeiter- und Soldatenrat gewählt. Ihm gehörten einer Nachricht in der Schöninger Zeitung vom 26.11.1918 zufolge an: Jos. Kasperwitz, Paul Peukert, Karl Fricke, Fritz Rademacher, Frau Stock, Frau Giesecke. Es ist bei der Wahl des Hohnsleber Soldatenrates bemerkenswert, daß Frauen, die bisher politisch nicht tätig sein durften und kein Wahlrecht hatten, politisch verantwortlich hervortraten.

Während in der Landeshauptstadt der Herzog dem Arbeiter- und Soldatenrat wich und abdankte, blieben auf dem Lande die alten Herrschaftsverhältnisse unberührt. Die beiden großen Bauernhöfe Duckstein und Wietfeld wurden nicht enteignet, an den Eigentumsverhältnissen und an den durch Arbeit bedingten Abhängigkeitsverhältnissen hatte sich nichts geändert.

Einen Monat später fanden im Lande Braunschweig Gemeinderatswahlen statt. Die Hohnsleber konnten in der Schöninger Zeitung vom 19.12.1918 nachlesen, wer in den Gemeinderat gewählt worden war: Landwirt Jakob Wietfeld, landwirtschaftlicher Arbeiter Karl Fricke, landwirtschaftlicher Arbeiter Fritz Fricke, landwirtschaftlicher Arbeiter Friedrich Rademacher, Gastwirt Heinrich Ernst und Baggermeister Ferdinand Teichert. Es ist fraglich, ob die Hohnsleber wirklich zur Wahl gingen oder ob dieser Gemeinderat von den alten Gemeinderatsmitgliedern aufgestellt wurde.

Neben dem gewählten Gemeinderat gab es den Gemeindevorsteher Hugo Duckstein. Duckstein war der Besitzer des großen Hofes, dessen Gebäude und Stallungen heute noch in Hohnsleben stehen und einen Eindruck von der Bedeutung der Ducksteins für den Ort wiedergeben. Duckstein war seit 1905 Gemeindevorsteher. Er eröffnete auch die erste Sitzung des neuen Gemeinderates am 10. Februar 1919. Er legte routinemäßig die Haushaltsvoranschläge für das Jahr 1919/20 vor, die vom Gemeindeeinnehmer vorgelegte Rechnungslegung wurde geprüft und ihm Entlastung erteilt, es wurde ein Zuschuß zu den Volkslesebüchern für Schulkinder genehmigt. Dieses erste Protokoll ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie die bisherige Arbeit mit den neuen Ratsmitgliedern weiterging. Duckstein sagte ihnen, wo es längs ging und arbeitete weiter wie bisher. Von revolutionärer Aufregung war nichts zu spüren. Das Ratsprotokoll unterschrieben Gastwirt Ernst und Gemeindevorsteher Duckstein.

Es waren die "Dinge vor Ort", die vom Rat in die Hand genommen wurden, so z.B. in der nächsten Sitzung am 22. März 1919 die Zusammensetzung der Feuerwehr. Die Feuerwehr war nicht wie heute freiwillig, sondern in Hohnsleben war jeder Einwohner zum Feuerschutz verpflichtet. Es wurde eine Spritzenmannschaft A mit 19 Einwohnern aufgestellt unter Führung von F. Teichert und H. Ernst, eine Ersatzmannschaft B mit 7 Einwohnern unter Führung von F. Fricke und eine Wachmannschaft C von sechs Personen unter Leitung von J. Wietfeld.

Hohnsleben wählt rot

Während die Arbeit vor Ort wesentlich von Personen und nicht von Parteien bestimmt war, zeigten die Hohnsleber bei den Wahlen zur Nationalversammlung und zum Landtag Farbe. Erst durch das neue Wahlrecht kamen die echten Stimmungsverhältnisse zu Tage. Vor dem Kriege hatten die Besitzenden mehr Stimmen als die Besitzlosen und sicherten sich damit ihre Macht. Neu ist die Tatsache, daß ab November 1918 auch jede Frau über 25 Jahre eine Stimme bei den Wahlen hatte. Mit diesem neuen Wahlrecht zeigten die Hohnsleber, wie sie parteipolitisch dachten, nämlich knallrot.

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erhielten die scharf linken Sozialisten (USPD) mit 33 Stimmen die Mehrheit, es folgten die Konservativen, sagen wir: die Herzogtreuen (LWV) mit 29 Stimmen; danach die Sozialdemokraten mit 15 Stimmen und Linksliberalen mit 2 Stimmen. Wenn man die Linksliberalen noch zu den Herzogtreuen zurechnet, stehen sich 48 Stimmen von den "Roten" gegen 31 Stimmen von den "Blauen" gegenüber. Dieses klare Mehrheitsverhältnisse änderte sich bis 1922 nicht. Die Herzogtreuen sackten sogar auf 18 Stimmen ab. Hohnsleben war "ein rotes Dorf".

Hier die genauen Wahlergebnisse:

SPDUSPD LWVDDP
Nationalversammlung 19.01.1919 1533 292
Landtag 16.05.1920 345 188
Landtag 22.01.1922 1439 181

Bewährtes in der Ortspolitik

Man kann den Eindruck gewinnen, daß die Hohnsleber bei der großen Politik "Luft abließen" und bei dieser Gelegenheit den "Großen""die rote Karte" zeigen wollten. In den überschaubaren dörflichen Verhältnissen dagegen setzten sie lieber auf "Bewährtes". In der Ratsitzung am 30. April 1919 schlugen sie Ernst Wietfeld zum Gemeindevorsteher vor. Da bis zum Mai keine weiteren Vorschläge eingingen, galt E. Wietfeld ab Mai 1919 als Gemeindevorsteher gewählt. Ein Gang zur Wahlurne entfiel.

Aber schon nach einem guten halben Jahr, am 20. Februar 1920, stellte Wietfeld den Antrag, von seinem Amt als Gemeindevorsteher entbunden zu werden. Warum er das Amt abgegeben hat, ist unklar. Ob es persönliche oder politische Gründe gewesen sind, geht aus den Ratsprotokollen nicht hervor. Vom 31. Oktober 1919 bis zum 20. Februar 1920 fanden auch keine Sitzungen statt, was etwas auffällt, da in der Regel monatlich getagt wurde.

Während der Gemeindevorsteherzeit von Wietfeld wurde in drei Sitzungen in der zweiten Jahreshälfte 1919 über "die Verstaubung der Gemeinde durch die Grube" verhandelt. Der Tagebau war nahe an den Ort herangekommen. Als Entschädigung handelte der Rat die Lieferung von 300 Zentnern Brikett aus, die auf jeden Einwohner, der ein halbes Jahr in Hohnsleben wohnte, für 50 Pfennig Fuhrlohn verteilt wurden.

Als Nachfolger wurde Gastwirt Heinrich Ernst vorgeschlagen, der das Amt bis Sommer 1923 ausübte.

Unter dem Gastwirt Heinrich Ernst kehrte der Rat zu monatlichen Sitzungen zurück, mit Ausnahme der Monate Mai bis August, also der Erntezeit, sowie dem Monat Dezember 1920.

Im Laufe des Jahres änderte sich auch die Zusammensetzung des Rates. Leider gibt es in den Protokollen keine vollständige namentliche Auflistung der Ratsmitglieder. Dem Rat gehörte im Jahr1920 J. Przybilski an, und Gustav Drewes rückte für E. Wietfeld nach.

Stabile personelle Zusammensetzung des Gemeinderates

1921 waren wieder Gemeinderatswahlen. Ihm gehörten wie bisher Ferdinand Teichert, Hugo Duckstein, Heinrich Ernst, Karl Fricke, J. Przybilski und als neue Mitglieder W. Bremecke und Franz Fuhrmeister an.

Der neue Rat tagte 1921 noch neun Mal. Ein Wohnungsausschuß wurde gebildet und der Anschluß an das Mieteinigungsamt in Schöningen beschlossen, ein Hinweis auf die schwierige Wohnungssituation im Dorfe. So begrüßte der Rat einen Antrag von zwei Bewohnern, ein Zweifamilienhaus zu bauen (20. April 1921). Die Aufnahme eines Kriegsbeschädigten von der Kreisfürsorge lehnte er so lange ab, "bis die Wohnungsnot in der eigenen Gemeinde behoben ist."

Hugo Duckstein verhandelte mit den Harbker Werken offenbar wegen der Erhöhung der Stromkosten, das neue Ratsmitglied Fuhrmeister profilierte sich mit Anfragen zum Nachtwächter des Ortes, der seiner Arbeit nicht gründlich genug nachginge. Die Aufgabe nahm der Bäcker wahr, der vermutlich nach dem frühen Aufstehen eine Runde im Dorfe drehte. Tatsächlich erwirkte der Bäcker eine Nachtwächterentschädigung von 400 Mark pro Jahr.

Immer wiederkehrende Themen in den Ratsitzungen waren das Backhaus in der Dorfmitte, das die Gemeinde verpachtete, und die Preise, die die Gemeinde festsetzte, z.B. Hallerkuchen 10 Pf., Kuchen, das Blech 50 Pf., Obstkuchen 60 Pf., Semmel bis zu 4 Pfund 25 Pf., über 4 Pfd. 30 Pf., Obsttrocknen Pflaumen 1,00 Mark und Obsttrocknen Birnen 0,80 Mark (in der Sitzung am 20. Februar 1920). Andere Themen waren Ackerverpachtung, Verpachtung von Gemeindeacker, die Wahl eines Schiedsmannes, die Unterstützung bedürftiger und erwerbsloser Bewohner durch einmalige Zahlungen, Mietnachlässe oder die Abgabe von Kartoffeln und Brennmitteln.

Rechte Hand des Gemeindevorstehers war der Gemeindeeinnehmer, der die Kassen verwaltete und die Steuern von Haus zu Haus einsammelte. Im oblag die Vorlage der jährlichen Haushaltsvoranschläge und Rechnungslegung. Er verwaltete außer der Gemeindekasse noch eine Wegebaukasse und eine Armenkasse.

In Hohnsleben wurde sparsam gewirtschaftet. Als die Kreisdirektion den Antrag auf Anschaffung einer Feuerwehrspritze stellte, weil die Spritze schnell am Ort sein müsse, lehnte der Hohnsleber Rat ab. Die Entfernung nach Reinsdorf wäre nur kurz und es bestünde eine Telefonverbindung zur Nachtglocke des Führers der Reinsdorfer Feuerwehr. Eine Anschaffung würde die Gemeindekasse zu sehr belasten.

Gelegentlich wirkte der Rat knickerig: Als Reinsdorf einen neuen Lehrer erhielt, tagte der Hohnsleber und Reinsdorfer Gemeinderat am 29. Oktober 1921 gemeinsam und einigte sich über die Umzugskosten für Lehrer Vogt. Sie betrugen insgesamt 750 Mark. Reinsdorf zahlte einen Zuschuß von 240 Mark und Hohnsleben einen Zuschuß von 120 Mark. 290 Mark mußte Lehrer Vogt alleine tragen.

Da die sozialdemokratische Landesregierung im fernen Braunschweig den Wunsch nach Anschaffung von Fahnen für die Schulen geäußerte hatte, stimmten beide Gemeinderäte diesem Wunsche mit der bezeichnenden Einschränkung zu "soweit sich dieses aus alten Beständen ermöglichen läßt". Vermutlich bezog sich der Wunsch der Landesregierung auf eine Fahne in den neuen republikanischen Farben schwarz-rot-gold, die sich wohl kaum in den alten Beständen befunden haben dürfte. Man hißte wohl die Landesfarben blau/gelb.

Im April/Mai 1923 gab es Schwierigkeiten, das Gemeindevorsteheramt zu besetzen. Vom 25. Juli 1923 an unterzeichnete die Gemeinderatsprotokolle wieder Hugo Duckstein als Gemeindevorsteher. Da das Amt des Gemeindevorstehers von dem des Gemeindeeinnehmers getrennt wurde, übernahm zunächst Ewald Teichert und ab März 1924 Gastwirt und Kaufmann Ernst das Amt des Gemeindeeinnehmers.

Die Entschädigungen und Pachten stiegen im Laufe des Jahres 1923 in schwindelnde Höhen. Die Hundesteuer betrug am 31.10.1923 zwei Milliarden Mark.

Entspannung nach der "Währungsreform"

Das Jahr 1924 brachte mit der Einführung der Mark eine wirtschaftliche Entspannung.

Nach den Landtagswahlen im Dezember 1924 wurde die sozialdemokratische Landesregierung abgelöst und auch in Hohnsleben überflügelten die "rechten" Stimmen die linken. Die SPD erhielt nur 30 Stimmen, DNVP, DVP, DDP und Zentrum zusammen 35. Erstmals nahmen katholische Einwohner von Hohnsleben die Gelegenheit wahr, "ihre" Partei, das Zentrum, zu wählen. Es erhielt 6 Stimmen.

In diesen leicht entspannten Zeiten nahm die Anzahl der Gemeinderatssitzungen ab. Der Rat tagte 1924 vier Mal und 1925 drei Mal. Möglicherweise fanden 1925 sogar keine Gemeinderatswahlen statt, sodaß der Rat in folgender Zusammensetzung weiterarbeitete: E. Wietfeld, K. Fricke, Hugo Duckstein, Franz Fuhrmeister, Ferdinand Teichert, Przybilski, Fritz Schulze. Franz Fuhrmeister verzog, für ihn kam 1927 Karl Fricke. Fricke verstarb plötzlich 1929 und wurde durch W. Ohk ersetzt.

Hugo Duckstein wurde am 23.4.1925 erneut als einziger Kandidat zum Gemeindevorsteher vorgeschlagen und galt damit als gewählt.

Da Alwin Graß, der Gemeindevorsteher von Offleben, seine Arbeit als Fleischbeschauer kündigte, übernahm der arbeitslose Fritz Fricke aus Hohnsleben diesen Posten. Die Ausbildungskosten trug die Gemeinde. Ein Gemeindekoffer zur Aufbewahrung von Akten wurde angeschafft. Für die Benutzung des Triftweges nach Wulfersdorf sollte von den Harbker Kohlenwerken eine Jahresentschädigung von 100 Mark herausgeholt werden. Der Autobusverkehr von Hermann Wahnschaffe nach Helmstedt sollte mit 20 Mark bezuschußt werden, damit die Fahrt nach Helmstedt ebenso günstig war wie nach Sommersdorf.

Es spricht für eine günstige finanziellen Lage, daß die Gemeinde am 3.11.1929 plante, ein Dreifamilienhaus zu bauen, für das der Offleber Mennecke eine Zeichnung vorlegen sollte.

Die zahlreichen Wahlen jener Zeit erforderten jeweils die Bildung von Wahlausschüssen, die bei den Ratssitzungen zusammengestellt wurden und für die sich Hohnsleber Einwohner bereiterklärten. Es entsteht der Eindruck einer sorgfältigen Selbstverwaltung einer sehr kleinen Kommunaleinheit. Ein Dorf versteht, sich selbst zu verwalten.

14 Sitzungen allein im Jahre 1930 signalisieren aufgeregter werdende politische Zeiten. Es gibt Meinungsverschiedenheiten mit Hugo Duckstein, der sein Amt als Gemeindevorsteher am 23. September niederlegte und in der Oktobersitzung durch Heinrich Ernst ersetzt wurde. Offenbar wegen eines Formfehlers mußte die Wahl auf Anraten der Kreisdirektion wiederholt werden. Im Rat wurden in der Dezembersitzung 1930 folgende Ausschüsse gebildet: Finanzausschuß (Duckstein, Wietfeld), Wohnungsausschuß (Teichert, Schulze), Pachtlandausschuß (Prochotta, Bremecke, Wietfeld), Wohlfahrtsausschuß (Ohk, Teichert, Napieralla).

Im Verlaufe des Jahres 1931 erhöhten sich die Ausgaben der Fürsorgekasse in der Kreisgemeindekasse, die auf die Kommunen abgewälzt wurden. Der Hohnsleber Rat hob die Staatsgrundsteuer um 25% und die Gewerbesteuer um 90% an. Es wurde eine Notgemeinschaft gebildet, dem der Gemeinderat, der Wohlfahrtsausschuß und Duckstein als Vorsitzender angehörten.

Ernst Wietfeld, der seit 1930 die Gemeinderatsprotokolle schrieb und mit dem Gemeindevorsteher Ernst unterzeichnete, verstarb im Dezember 1932. Für ihn trat erneut Hugo Duckstein in den Rat ein. Als Vorstehergehilfe amtierte seit Dezember 1932 das älteste Ratsmitglied Ferdinand Teichert. Weihnachtsbeihilfe, Festsetzung des Pachtpreises für Gemeindeland, Pflasterung des Hofes des Gemeindebackhauses, Mietzuschüsse für vier Erwerbslose im Ort, Neuvergabe der Gemeindebäckerei, Beseitigung der Hamsterplage durch Aussetzung eines Quote von 5 Pf. pro Hamster waren einige Tagesordnungspunkte des Jahres 1932.

Gemeindearbeit im "Dritten Reich".

Die Protokolle des Jahres 1933 erwähnen mit keinem Wort Hitler und die Nazis. Während die erste Maisitzung etwa des Offleber Gemeinderates deutlich auf die Gleichschaltung Bezug nahm und mit Sieg Heil und Horst-Wessel-Lied schloß, erfährt der Leser aus der Lektüre der Hohnsleber Gemeinderatsprotokolle nichts vom Anbruch einer "neuen Zeit". Es ging weiter wie bisher: die Ausschüsse blieben, wie am 22.12.1930 beschlossen, bestehen, also eine klare Kontinuität Es erfolgte die Prüfung der Kassen und Entlastung, es wurden die Wahlvorstände für die verschiedenen Wahlen gebildet und Hohnsleben wählte trotz des braunen Terrors in Schöningen und anderswo nach wie vor rot.

Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielten die SPD 37 Stimmen, die NSDAP nur 13, die nationale Front schwarz/weiß/rot 18, das Zentrum 5 und sogar die Kommunisten 4 Stimmen. Der dritte Platz für die NSDAP, während sie in anderen Dörfern meist an erster Stelle standen. Das war eine Blamage, auf die die Hohnsleber stolz sein könnten.

Wahlergebnisse in Hohnsleben:

SPDKPD NSDAPZTR* DNVPDVP Landv.BMS* NF*WP*
Landtagswahl 14.09.1930 36- 1- Bürgerliche Einheitsliste 36 -- -- -
Reichstagswahl 14.09.1930 37- 24 162 84 --
Kreistagswahl 02.03.1931 43- 3- -- -8 15-
Reichstagswahl 31.07.1932 41- 178 15- -- -1
Reichstagswahl 06.11.1932 412 56 182 -- --
Reichstagswahl 05.03.1933 374 135 -1 -- 18-

*ZTR = Zentrum, BMS = Braunschweiger Mittelstand, NF = Nationale Front, WP = Wirtschaftspartei

Diese Wahlergebnisse sind für Braunschweiger Verhältnisse wahrhaft bemerkenswert. Hohnsleben hat eine unbeirrbar stabile sozialdemokratische Mehrheit bis ins Jahr 1933 hinein: bei der Kreistagswahl am 2.3.1931 hatte die SPD in Hohnsleben ihr bestes Ergebnis mit 43 Stimmen erreicht und sich bei den Reichstagswahlen 1932 mit 41 Stimmen außerordentlich stabil gezeigt, die anderen mit 17 Stimmen (NSDAP) und 15 (DNVP) weit hinter sich gelassen.

Daß sich im März 1933 vier Einwohner sogar zur Kommunistischen Partei bekannten, ist geradezu tapfer. Sie hatten vermutlich früher SPD gewählt. Dieser eindrucksvollen linken Mehrheit stand eine ebenso stabile konservative Minderheit gegenüber, die sich bei den Deutsch-Nationalen (DNVP) und bei der Partei der Stahlhelmer, der Nationalen Front, sammelte.

Die NSDAP, die bereits 1930 in die Landesregierung eingedrungen war, hatte in Hohnsleben nur eine einzige Stimme. Ein im Vergleich zum Landesdurchschnitt sehr auffälliges Ergebnis. Das mag an der überlegten und überzeugenden Kommunalarbeit gelegen haben. Das Hohnsleber Wahlergebnis ist auch ein starkes Argument gegen die vielfach geäußerte Behauptung, daß die Arbeitslosigkeit die Wähler in die Arme der NSDAP getrieben habe. Auch in Hohnsleben gab es Erwerbslose, um die sich jedoch die Kommune gekümmert hatte. So ist es erklärlich, daß sich auch in den Gemeinderatsprotokollen keine besonderen braunen Flecke in dieser Zeit finden.

Die Bemerkung in Roses Heimatbuch des Dorfes Hohnsleben: "Als der Führer Adolf Hitler im Januar 1933 die Macht übernahm, wurde ihm von den Hohnslebener Bewohnern willig Folge geleistet" ist falsch und führt in die Irre. Die Hohnsleber wählten noch zwei Monate später gerade nicht Hitler.

Im Gegenteil: die SPD hatte seinerzeit die Kandidatur Hindenburgs zum Reichspräsidenten unterstützt. So erhob sich der Hohnsleber Gemeinderat anläßlich des 80. Geburtstag des Reichspräsidenten in der Oktobersitzung 1933 von den Sitzen und der Gemeindevorsteher Ernst gedachte "unseres verehrten Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg". Wer zwischen den Zeilen lesen kann und das völlige Fehlen des Namens Adolf Hitler bemerkt, der entnimmt daraus einen deutlichen Unwillen gegenüber den neu eingetretenen politischen Verhältnissen.

Als die Nazi-Landesregierung die Empfehlung gab, einen Schulverband Offleben-Reinsdorf-Hohnsleben zu gründen, muckte der Hohnsleber Gemeinderat in der Sitzung am 20. Juni 1933 dagegen auf. 95% der Familien wären gegen diesen Vorschlag. "Hierauf wünscht der Gemeinderat einstimmig die bisherige Selbständigkeit der eigenen Schule." So entzog sich der Gemeinderat den Zentralisierungswünschen der Landesregierung. Duckstein und Ernst, die beide in den nächsten Jahren die Protokolle unterzeichneten, sind offenbar die ruhenden Pole in der Kommunalpolitik und wehrten braune Einflüsse mit Erfolg ab. Es fehlte in Hohnsleben an fanatischen Parteigängern wie etwa in Offleben, die auf Gleichschaltung drängten, denn dort wurde im Frühjahr 1933 ohne viel Federlesen der langjährige Gemeindevorsteher Alwin Graß abgesetzt und durch Landwirt Adolf Kempe ersetzt.

In der Regel wurden alle Dörfer mit sozialdemokratischen Mehrheiten bei den Märzwahlen 1933 in den folgenden Wochen von den Nazis "überholt", d. h., es wurden Schlägertrupps in die Dörfer geschickt, die oppositionelle Ratsmitglieder zusammenschlugen oder in den "Schwarzen Adler" nach Schöningen verschleppten und dort so lange folterten, bis sie auf jede Kommunalarbeit verzichteten.

Die Nazis konnten in Hohnsleben offenbar nicht auf parteitreue Bewohner zurückgreifen. Erst 1934 gab es erste Anzeichen für die "neue Zeit" in Hohnsleben. Es wurde eine NS-Frauenschaftsgruppe gebildet, von der Frau Margarete Schulze in ihrem Bericht schreibt, daß alle Frauen dort eingetreten wären. Sie erhielten in der Januarsitzung 1934 einen Zuschuß für Nähabende von 25 Mark.

In der Aprilsitzung wurde die Anschaffung von Hitlers "Mein Kampf" beschlossen. Zur Maisitzung waren offenkundig einige Hitlerjungen bei der Ratssitzung anwesend, denn der Gemeindevorsteher Ernst verlas eine "Äußerung der Hitlerjugend zwecks Bereitstellung von Freiquartieren für Kinder und SA-Mannschaften." Er forderte danach alle unverbindlich zur Mitarbeit auf und schloß die Sitzung "mit einem Sieg Heil auf den Führer Adolf Hitler." Das war er der anwesenden HJ wohl schuldig. In den nächsten Sitzungen ging man ohne "Sieg Heil" auseinander.

Mitten in der Propagandawelle anläßlich der Saarabstimmung im Januar 1935 schloß Ernst die Sitzung originell "mit einem dreifachen Sieg Heil!" nicht etwa auf den heißgeliebten Führer, sondern: "Auf unser liebes Saarland."

Politischer Leiter im Ort und Aufpasser wurde Walter Pukallus, der auch in den Gemeinderat nachrückte.

Im Sommer 1935 trat eine neue Kommunalverfassung in Kraft, wonach die Stellung des Bürgermeisters außerordentlich gestärkt wurde und ihm zwei Beigeordnete zugeordnet wurden, die vier Gemeinderäte hatten mehr beratende Funktion.

Gemeindevorsteher Ernst blieb an der Spitze und wurde Bürgermeister, das dienstälteste Ratsmitglied Ferdinand Teichert wurde 1. Beigeordneter und Hugo Duckstein 2. Beigeordneter. Er führte auch das Protokoll weiter. Die Namen der neuen Gemeinderäte waren vom Gauinspekteur Fäthe genehmigt, sie wurden am 2. Oktober vom Bürgermeister Ernst vereidigt. Es waren Wilhelm Ohk, Walter Pukallus, Otto Bremecke, A. Napieralla.

1937 wurde Lorenz Prochotta als Ratsmitglied vereidigt. A. Napieralla war ausgeschieden. Schuster August Bremecke verwaltete die Kasse und Karl Bettin wurde sein Stellvertreter. Zur Berufung der Beigeordneten mußten alle feierlich im Schöninger Rathaus vor Gauinspekteur Fäthe erscheinen.

Das Protokoll bemerkt zwar, daß die Gemeinderatsmitglieder alle Parteigenossen und also der NSDAP beigetreten waren, aber es überwiegt der Eindruck der personellen Kontinuität zur kommunalen Selbstverwaltung vor 1933.

Eine Sonderrolle spielte Walter Pukallus. Als Pukallus, vom Protokollführer Duckstein als "der hiesige Vertreter der N.S.D.A.P" im Protokoll tituliert, in der Februarsitzung 1936 vorbrachte, daß der Weg zur Mühle, wo er wohnte, gebessert werden müßte, erwiderte Bürgermeister Ernst kühl, "daß er dafür schon Disposition getroffen hätte." Als die NS-Baugenossenschaft den Gemeinderat zur einer Zahlung von 5000 Mark aufforderte, herrschte wenig Begeisterung. "Es wird dem Bürgermeister überlassen, die Zahlung so zu fördern, daß es den Haushalt nicht schädigt", war die diplomatische, nichtssagende Antwort. Als Pg. Pukallus im Juli 1937 die populistische Anregung gab, eine Freibadeanstalt zu schaffen, vermerkt das Protokoll übereifrig, der Bürgermeister würde die Vorarbeiten sofort in Angriff nehmen. Als Pukallus später nachfragte, erhielt er den zu erwartenden Bescheid, daß es Sondervorschriften für einen solchen Bau gäbe und die Einstellung einer Aufsichtsperson das Projekt zu teuer machte. Der Parteineuling stieß auf alte kommunalerfahrene Hasen, die sich das Heft nicht aus der Hand nehmen ließen.

Die Nazis organisierten besondere Parteifeste. Auf dem Lande soll seit 1933 das Erntedankfest des Propagandaministers Goebbels auf dem Bückeberg populär gewesen sein. Es fällt auf, daß erst 1935 ein solches Fest in Hohnsleben organisiert wurde, und zwar nicht zusammen mit der Showveranstaltung auf dem Bückeberg, sondern eine Woche später. Der Bürgermeister berief am 12. Oktober 1935 zur Ratssitzung eine Gemeindeversammlung ein, es wurde die neue Satzung vorgelesen, einige Personalien bekanntgegeben und dann ausgiebig gefeiert. "Hierauf wurde zum ersten Mal ein Dorferntedankfest gefeiert, Musik und Tanz hielten die Einwohner in treuer Volksgemeinschaft zusammen", vermerkt das Protokoll und daß von 38 Familien nur 6 Familien gefehlt hätten.

Als 1938 die zentrale Feier auf dem Bückeberg wegen der Sudetenkrise ausfiel, regte der Bürgermeister Ernst trotzdem ein Fest an, aber nicht zum Termin des staatlichen Feiertages, am ersten Sonntag im Oktober, sondern als Gemeinschaftsabend am letzten Sonntag im November, "da die Feldarbeit (namentlich die Rüben) noch im Rückstand wären." Praktische Erwägungen erhielten also den Vorzug gegenüber dem nazistischen Festkalender.

Auch Hitlers Geburtstag am 20. April wurde im Dorf wie allüberall begangen. Auffällig ist die Reserviertheit bei der Frage der Gestaltung des 50. Geburtstags Hitlers im Jahre 1939. Die Feier würde "wie alljährlich für richtig" gehalten, bemerkt das Protokoll ohne Begeisterung, ein Zuschuß aber wurde nicht, wie im Vorjahr, bewilligt. Alle Einwohner mögen mit allen Kräften zur Verschönerung des Abends beitragen, heißt es.

Überwiegend stehen bei den Sitzungen Themen zur Beratung an, die auch bisher den Rat beschäftigt haben: die Verpachtung von Land, Verhandlungen mit den BKB wegen Tauschland, die Ausbesserung von Wegen, die Säuberung der Wirbke, Verbesserung im Backhaus, wo ein Verkaufsschrank angeschafft wird, "damit die Backwaren staubfrei vor den Augen der Käufer liegen." Bürgermeister Ernst sah zu, daß er das Geld in der Gemeindekasse zusammenhielt. Als die Preise der bei der Kreisbauernschaft bestellten Pflanzkartoffeln bekannt wurden, beschloß der Rat 1936, sie wieder abzubestellen, weil sie zu teuer wären. Als die Kreisleitung der NS-Volkswohlfahrt einen festen Jahreszuschuß fordert, beschloß der Rat im selben Jahr, man wollte sich zunächst einmal mit den Reinsdorfern besprechen. Es wurde ein Beitrag von 100 RM ins Auge gefaßt.

Aufgeschlossener wirkte der Rat, wenn eine Spende im Dorf blieb und bewilligt zum Beispiel wiederholt eine "Konfirmandenspende" anläßlich der Konfirmation eines Hohnsleber Jugendlichen.

Die Nazis faßten gerne fremden Leuten in die Taschen. Sie erpreßten deutsche Juden, wenn sie ausreisen wollten, sie plünderten ihre Geschäfte, schließlich raubten sie deren ganzen Besitz.

Aber auch die Kommunen standen plötzlich vor unvorhergesehenen Ausgaben. Der Bau der Elm-Autobahn von Schöningen durch den Elm nach Königslutter war nicht rechtzeitig solide finanziert. Der Kreisausschuß in Helmstedt beschloß am 5. Juni 1935, die Kosten auf die Kommunen zu verteilen, und die Hohnsleber sollten 3000 RM zahlen und zwar innerhalb von 14 Tagen. Am 30. Juli tagte daraufhin der Bürgermeister Ernst mit den Beigeordneten und den Gemeinderäten, gab aber keine Stellungnahme ab.

Ein anderes finanzträchtiges Projekt war der Bau des Kreisjägerhofes in Helmstedt.

Die Rechnungsprüfung für das Rechnungsjahr 1936/37 ergab einen Überschuß von 650 Mark, wurde in der Sitzung am 28. Juli 1937 festgestellt, allerdings mit der Einschränkung: "ohne die notwendigen Zahlungen an NS-Bauvereinigung und zum Kreisjägerheim." Auf diese Weise wies die Hohnsleber Ortsbehörde darauf hin, daß sie für den Kreisjägerhof in Helmstedt kein Geld zur Verfügung hätte und offenbar nicht bereit war, die Rücklagen dafür anzugreifen.

In ernste Schwierigkeiten gerieten Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinderäte, als sich die Einnahmenseite des kommunalen Haushaltes einschneidend veränderte und daher in der Sitzung am 23.Mai 1938 noch kein Haushaltsplan vorgelegt werden konnte.

In der Sitzung am 30. August 1938 erfuhren die Mitglieder, daß der Kommunalgemeinde nur noch die Grund- und Gewerbesteuer verblieben. Einkommenssteuer, Umsatzsteueranteil und Grunderwerbssteuer gingen in den Besitz des Kreises über. Von den 12.337 RM Gewerbesteuer verblieben der Gemeinde nur 2000 Mark. Es sei größte Vorsicht bei den Ausgaben angebracht. Es wird spürbar, wie Bürgermeister, Beigeordnete und Räte den Kern der kommunalen Selbstverwaltung, nämlich das Recht der Steuererhebung und die eigene Verwaltung der Kassen, zu verteidigen suchten.

Die ungeliebte Zusammenlegung

Nach dem Einfall deutscher Truppen ohne Kriegserklärung im September 1939 in Polen wurde von den Kommunen eine "Kriegsumlage" gefordert. Bürgermeister Ernst, dem gute Beziehungen zur Kreisdirektion nachgesagt werden, gelang es, die Kriegsumlage von 13.000 RM auf 2.500 RM zu drücken, "sodaß der Haushalt nicht gefährdet sei", heißt es im Protokoll vom 19. Dezember 1939.

Im Zuge größerer Gebietsaustausche - der Weserkreis gegen das Salzgittergebiet - waren im Lande Braunschweig während des Krieges weitere Gebietsreformen vorgesehen, so auch die Zusammenlegung von Reinsdorf mit Hohnsleben. Am 16. Mai 1940 kam es darüber zu einer langen Aussprache zwischen dem Bürgermeister, den Beigeordneten und den Gemeinderäten, der Vorschlag einer Zusammenlegung wurde abgelehnt. Die Verwaltung des Dorfes dürfe nicht nach Reinsdorf verlegt werden - und Bürgermeister Ernst zog den stärksten Trumpf aus der Tasche und gab ihn zu Protokoll: "da die Finanzkraft der Gemeinde zur Zeit stark ist". Die Sitzung schloß ohne Siegheil. Es wirkt erstaunlich, daß auch der politische Leiter Pukallus dieser Ablehnung zustimmt. Offenbar war der Einfluß der alten Dorfeliten auf ihn noch zu groß und er traute sich nicht, dagegen aufzubegehren.

Bereits in der nächsten Sitzung aber wurde ein Schreiben des Landrates verlesen, in dem die Zusammenlegung der beiden selbständigen Kommunalbehörden mit einer Abwanderung der Bevölkerung aus der Gemarkung Hohnsleben und daher mit schwankenden Einnahmen begründet wurde. Die Gründe waren offensichtlich hergeholt. Die Sitzung dauerte nur eine halbe Stunde und war damit die kürzeste Sitzung aller Zeiten. Der Gemeinderat beugte sich dem Zwang. Der politische Leiter Pukallus, der nunmehr die Protokollführung übernahm, vermerkte etwas orthographieschwach: "Der Gemeinderat erkennt die Zusammenlegung nach kurzer Aussprache als dringend Notwendig an und empfiehlt ohne wiederspruch die baldige Regelung."

Es wirkt wie ein besonderes Zeichen, daß mit der beschlossenen Zusammenlegung der Gemeinden Hohnsleben mit Reinsdorf auch Hugo Duckstein das Dorf verläßt. Er hatte seinen Acker schon längst an die BKB verkauft und dann auch seine Häuser im Dorf. Mit seinem Namen verbindet sich eine ausgezeichnete, im Kleinen sorgfältige, konservative Dorfpolitik. Die Erinnerung an das kinderlose Ehepaarpaar ist geprägt von großer Freigiebigkeit gegenüber den Kindern im Dorfe.

Hugo Duckstein schenkte der Gemeinde zum Abschied seine Drillmaschine. Am 9. Oktober 1940 wurde er vom Gemeinderat ehrenvoll verabschiedet. "Der Bürgermeister ehrte den scheidenden II. Beigeordneten mit bewegenden Worten und gedachte der hohen Verdienste, die derselbe für die Gemeinde während der 30jährigen Mitarbeit als Vorsteher und Gemeinderatsmitglied und II. Beigeordneter zum Wohle der Gemeinde schaffte. Pg. Pukallus schloß sich in längeren Ausführungen den Worten des Bürgermeisters an."

Auf die Ausführungen des Letzteren hätte Duckstein vermutlich gerne verzichtet, aber offenbar konnte es sich der Parteigenosse nicht verkneifen, sich an die Verdienste dieses Hohnslebers anzuhängen. Die Gelegenheit war auch zu günstig.

Das Ehepaar Duckstein verzog nach Helmstedt, wo Frau Duckstein begraben liegt. Nach dem Tod seiner Frau zog Hugo Duckstein zur Nichte nach Harbke, kam nach 1945 auch noch einmal kurz nach Hohnsleben und ist in Harbke begraben. Das Dorf hat ihm viel zu verdanken.

Mit dem erzwungenen Beschluß der Zusammenlegung begann allerdings erst der Kampf um die Form der Zusammenführung. Die Hohnsleber lösten zunächst einmal einen Teil ihrer Rücklagen auf und beschlossen am 15. April 1941 den Kauf der Mühle. Bürgermeister Ernst konnte für den Kauf die Genehmigung der Kreisdirektion erhalten und bereits in der nächsten Sitzung wurde der Verkaufsabschluß für eine Summe von 13.500 Mark bekanntgegeben. Eigentlich war der Betrag als Rücklage anläßlich der Zusammenlegung der Gemeinden gebucht, aber "diese Zusammenlegung sei noch nicht geregelt", gab Bürgermeister Ernst am 13. März 1941 bekannt.

In der Augustsitzung 1941 rechnete der Kassenverwalter August Bremecke dem Rat vor, daß er einen Überschuß von 4.321, 86 RM erwirtschaftet habe und strafte die Behauptung des Landrates von den schwindenden Einnahmen Lügen. Davon beschloß der Rat die Erhöhung des Dorfplatzes, der oft unter Wasser stünde.

In der letzten protokollierten Sitzung am 16. Oktober 1941 wurden die Mietverträge für die vier Wohnungen in der Mühle beschlossen. Es müßten 729 Zentner Kartoffeln von der Einwohnerschaft für den Weiterverkauf gesammelt werden. Wer Kartoffeln abgäbe, erhielte darüber eine Bescheinigung vom Ortsbauernführer Wietfeld. Pukallus fragt nach dem Termin der Zusammenlegung und erhielt den 1.4.1942 genannt.

Mit dem Protokoll dieser Sitzung enden, wenn nicht noch weitere Sitzungen andernorts protokolliert sind, die offiziellen Aufzeichnungen der selbständigen Kommunalvertretung Hohnsleben.

Damit war der Kampf um möglichst viel Kompetenzen im Ort nicht vorbei. Der Rat hatte in der Sitzung vom 13. März 1941 die Wohnung der verstorbenen Lieschen Fricke im Gemeindehaus vorsichtshalber für Gemeindezwecke vorgesehen und nicht weiter vermietet. Tatsächlich verblieb die Verwaltung der vereinigten Gemeinde Reinsdorf-Hohnsleben auffälligerweise in Hohnsleben, also in dem kleineren Ortsteil. Heinrich Ernst wurde Bürgermeister der vereinigten Gemeinde und blieb es auch noch nach 1945. Wer von den Reinsdorfern nach dem Kriege Lebensmittelmarken haben wollte, mußte zu Ernst nach Hohnsleben.

Im Offleber "Heimatboten", einem Rundbrief von Bürgermeister Schulze an die Frontsoldaten, gab Bürgermeister Ernst in der Mainummer 1942 selber einen kleinen Bericht von den Feierlichkeiten der Zusammenführung:

Liebe Kameraden! Am 1.4. ist durch Verfügung des Herrn Reichsstatthalters die Zusammenlegung der Gemeinden Reinsdorf und Hohnsleben angeordnet. Die neue Gemeinde führt den Namen Reinsdorf mit Ortsteil Hohnsleben. Zum Bürgermeister ist der bisherige Leiter der Gemeinde Hohnsleben, Pg. Heinrich Ernst und zum Kassenwalter Pg. August Bremecke bestellt. In einer kleinen Feierstunde, an der auch der stellv. Landrat in Helmstedt, Herr Regierungsrat von Hinüber, der Bereichsleiter Kreisleiter Nies, der stellv. Ortsgruppenleiter Schulze sowie die alten Beigeordneten und Gemeinderäte teilnahmen. (hier endet der Satz im Original. D.K). Um es den Reinsdorfern bequem zu machen, finden jeden Dienstag und Freitag Sprechstunden im Reinsdorfer Lehrerzimmer statt. Es wird nun in der neuen Gemeinde fleißig gearbeitet, um durch verstärkte Kraft mit der Zeit mitzugehen und die Eigenentwicklung unseres neuen Gemeinwesens zu fördern.

Die Saatzeit geht ihrem Ende entgegen. Durch Zusammenschluß aller Kräfte ist das meiste geschafft.

Am Schluß möchte ich Euch die traurige Mitteilung machen, daß unser Ortsbauernführer, der Bauer Albert Jacobs, verstorben ist. Heil Hitler! Heinrich Ernst.

Wie bei allen Berichten aus jener Zeit, muß auch in diesem Bericht "zwischen den Zeilen" gelesen werden. Bürgermeister Ernst verweist eingangs darauf, daß die Zusammenlegung von oben verordnet ist, also keineswegs von unten begehrt und forciert worden war. Die Gemeinderatsprotokolle von Hohnsleben dokumentieren das deutlich und Ernst läßt es durchklingen. Nicht ohne Stolz meldet er, daß alle kommunalen Funktionen bei den Hohnslebern geblieben sind und etwas herablassend klingt es, wenn er für die Reinsdorfer Einwohner Sprechstunden in der Reinsdorfer Schule abhält. Reinsdorf war schließlich der größere Ort mit mehr Bewohnern. Reinsdorf hatte 1937 210 Einwohner, Hohnsleben nur 142.

Mit der Nachricht, daß er den Reinsdorfer Bürgermeister Friedrich Voss anläßlich der Zusammenlegung abgelöst hat, verschont er seine Leser an der Front, um die Reinsdorfer Leser nicht zu verärgern. Ausgesprochen schlicht, wenn nicht kümmerlich, fällt die Feier anläßlich der Zusammenlegung aus. Das liegt gewiß nicht nur an den Kriegsumständen, von denen die Dörfer sehr viel weniger betroffen waren als die Städte, sondern ist auch ein Ausdruck der Reserviertheit über die erzwungene Zusammenlegung.

Hohnsleben und Reinsdorf wuchsen äußerlich zusammen. "An der neuen Chaussee zwischen Reinsdorf und Hohnsleben entsteht allmählich wieder das alte Ackerland. Schon in diesem Jahre war die Getreideernte recht gut. Um diese Zeit könntet Ihr lange Reihen von Kartoffelsäcken dort stehen sehen", berichtet Ernst im Oktoberbrief des "Heimatboten". 100 junge Apfelbäume seien am Feldwege in Reinsdorf und in Hohnsleben 100 Kirschbäume am Stiegfoldwege gepflanzt worden, berichtet er später.

Die Sitzungsprotokolle des Hohnsleber Gemeinderates über 23 Jahre, von 1919 bis 1941, dokumentieren eindrucksvoll, wie eine kleine Dorfeinheit sich unter Zustimmung der Dorfbewohner selber verwalten kann, wie die Behandlung der kommunalen Sachprobleme den Vorrang behält gegenüber ideologischen Einflüssen und wie dieser Vorrang sogar in der Hitlerdiktatur sich lange Zeit erfolgreich zu behaupten wußte.

Offleben zwischen 1918 und 1933

Am 21. September 1984 hielt der 80jährigen Lehrer Siebert vor der Frauenhilfe und den Olen Offlesche im Rahmen des 1150. Jubiläums einen Vortrag. Das neun Seiten lange Manuskript be-findet sich im Kirchenarchiv. Lehrer Arno Siebert, geb. 1903, war zunächst Lehrer in Alversdorf und von dort an die neue Reformschule in Offleben versetzt worden. Er ist 1995 in Braunschweig verstorben. Er erzählte uns damals u.a.:

Das sozial-politische Offleben der 20iger Jahre.

Von Arno Siebert

In Offleben gab es zwei Gruppierungen: 1. die SPD, später beraten und geführt vom Kollegen Klages, der selbst nicht in der Partei, sondern Mitglied des sogenannten Nelsonbundes war, der den Kampf um "das Recht" führte, also den Linksparteien nahestand. 2. die sogenannten bürgerlichen Parteien: Deutschnationale, Deutsche Volkspartei, Deutsche Demokratische Partei. Bei jeder Wahl gab es erhitzte Köpfe, immerhin wurde im Gemeinderat sachlich gut gearbeitet. Ortsvorsteher war lange Zeit Alwin Graß, dessen Wort man etwas zu wichtig nahm, der im ganzen aber fleißig arbeitete und viele Sorgen der Gemeinde zu tragen hatte.

Diese waren in der Hauptsache finanziell begründet. Mit Ärger und Neid blickte man auf das kleine Alversdorf. Dieses war schwer reich. Da die Verwaltung der "Treue" auf Alversdorfer Gebiet lag, gingen enorme Steuersummen hierhin. Alversdorf konnte als Bankier für fast alle darbenden Gemeinden gelten. Es gewährte gelegentlich sogar zinsfreie Darlehen. Der elektrische Strom war preislich so gering, daß er fast als kostenfrei angesehen werden konnte.

Dagegen das arme Offleben. Es trug schwere Lasten schon durch den Bau der Siedlungen, es mußte hauptamtliche Schulhausmeister (für) die Reinigung der vielen Klassen besorgen. Es benötigte einen Nachtwächter, einen Kassierer (Herr Kasten war zugleich Fleischbeschauer), die Flußläufe waren zu reinigen, die Müllabfuhr (mußte) finanziert werden und es drückte noch vieles anderes. Wie es die Gemeinde fertigbrachte, 1929 ein hübsches 4 Familienhaus zu bauen (ich selber erhielt eine der Wohnungen), das ist mir dabei rätselhaft.

Das Verhältnis zur Schule war im allgemeinen erträglich. Viele tonangebende Menschen waren verärgert, daß man nicht den Kantor Bergholz zum Rektor ernannt hatte, sondern den demokratischen, sehr fleißigen und reformfreudigen Otto Bierfreund.. Es gab im Schulvorstand oft Reibereien, und es wurde durchaus nicht immer fair gekämpft. Aber die Schule arbeitete durchaus perfekt. Sie veranstaltete sehr schöne Schulfeste, Maskeraden, die jüngeren Lehrer führten ihre Klassen in den Harz, im Winter in die Großstädte Magdeburg und Braunschweig und begeisterten sie für die Weihnachtsmärchen in den großen Theatern. Die schulischen Leistungen waren musterhaft, sodaß auch viele auswärtige Familien ihre Kinder in die Schule nach Offleben schickten."

Wie Offleben wählte

von Kai Tobias

Offleben war nach dem ersten Weltkrieg immer ein rotes Dorf.

Die SPD bekam bei den Wahlen mit über 400 Stimmen jeweils die Mehrheit. Im Jahr 1923 erreichte sie mit 552 Stimmen den Höchststand.

Die KPD wuchs von 30 Wählern bis auf 145 im Jahr 1932 an.

Die liberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) war im Dorf bedeutungslos.

Das Zentrum war die Partei der Katholiken. Sie hat über die Jahre einen festen Wählerstamm von ungefähr 80 Personen.

Die rechtsliberale Deutsche Volkspartei (DVP) und die konservative Deutschnationale Volkspartei (DNVP) waren die bürgerlichen Parteien. Sie erreichten meist 100-200 Stimmen. Das waren die Landwirte, Landarbeiter und Kleinbetriebe.

Die NSDAP wurde schon 1924 in Offleben gewählt. Die Wählerschaft nahm bis auf das Jahr 1933 mit 307 Stimmen ständig zu. In diesem Jahr wurde Hitler vom deutschen Volk an die Macht gewählt. In Offleben hätte er keine Chance gehabt. Gegen 508 "rote" standen nur 416 "reaktionäre" Wähler.

(aus Gemeindebrief September 1984)

Wahlen zumJahr SPDKPD DDPDVP ZTR*BMS* WP*DNVP NSDAP
Landtag1924 44038 27116 650 38126 16
Reichstag1924 44841 30142 700 0143 0
Kreistag1925 38134 2781 790 13981 0
Landtag1927 47827 17116 039 39122 7
Reichstag 1928 55220 2437 770 11147 29
Reichstag 1930 53135 017 8121 0141 161
Landtag1930 54429 0bürgerliche Koalition233 138
Kreistag1931 50139 bürger-liche Koalition329 138
Reichstag1932 48973 06 900 086 326
Reichstag1932 449145 02 743 0103 264
Reichstag1933 401107 09 840 00 367

* ZTR = Zentrum, BMS = Braunschweiger Mittelstand, WP = Wirtschaftspartei

Die Gemeinde Offleben im Spiegel der Gemeinderatsprotokolle 1924-1941

Durch einen Zufall fiel mir das Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen in Offleben in die Hände. Das Ehepaar Bernhard und Grete Schulze, geb. Bergholtz, verzog nach seiner Goldenen Hochzeit aus Offleben und räumte das Haus aus. Bücher, Schulhefte, der ehrwürdige Zylinder, Kreide, alte Liederbücher kamen auf den Container. Dort fischte ich mir zusammen mit Herrn Schulze allerlei heraus. Unter anderem auch das Protokollbuch, das Lehrer Bernhard Schulze seit 1924 geführt hatte, dessen Führung er später abgegeben, aber dessen letzte Eintragungen er als stellvertretender Bürgermeister wieder selber notiert hatte. So war das Protokollbuch der Jahre 1924 bis 1941in seinem Besitz geblieben.

Es ist unklar, ob Karl Rose diese Gemeinderatsprotokolle bei der Abfassung seines Heimatbuches der Gemeinde Offleben benutzt hat. Er gibt in seinem Quellenverzeichnis auf Seite 234 an: "21. Protokollbücher der Gemeinde Offleben 1873-1939 und 1945-1953", die sich im Besitz der Gemeindeverwaltung befinden sollen. Das mir vorliegende Protokollbuch geht aber bis 1941, es lag auch nicht bei der Gemeindeverwaltung. In keinem Fall jedoch hat Karl Rose dieses Protokollbuch ausreichend ausgewertet.

Das Protokollbuch beginnt mit einer handschriftlichen Eintragung des damaligen Gemeindevorstehers Graß: "Motto: Es ist ein tiefer Segen / der aus dem Worte spricht: / Erfülle allerwegen / Getreulich deine Pflicht". Dieser schöne, altdeutsche Spruch, der aus einem Poesiealbum stammen könnte, gibt eine Gesinnung wieder, die in der Pflichterfüllung noch ein besonders hohes Gut sah.

Alwin Graß, im Juli 1879 in Offleben geboren, 1905 hier verheiratet mit Sophie Müller, war von Beruf Friseur und Fleischbeschauer. Er soll der DNVP (Deutsch-Nationale Volkspartei) angehört haben. Er spielte eine gewisse gesellschaftliche Rolle im Dorf, erzählen einige Zeitgenossen. Er bewohnte ein Haus an der Bahnhofstraße (heute Alversdorfer Straße, das Haus gehört heute Deutschmann). 1919 war er Gemeindevorsteher geworden.

Jeder neue Gemeinderat konnte einen Vorschlag für die Gemeindevorsteherwahl aufstellen. Alwin Graß wurde 1925 mit 4:3 Stimmen bei einer Enthaltung erneut zum Vorschlag gebracht. Hier können parteipolitische Gesichtspunkte eine Bedeutung für das knappe Ergebnis gespielt haben. Ein Jahr später aber beschloß der Gemeinderat, den Gemeindevorsteher Graß hauptamtlich auf 12 Jahre bis zum Jahre 1937 zu ernennen. Dazu mußte noch ein Ortsgesetz erlassen werden.

Die erste protokollierte Sitzung fand am 26.6.1924 statt, die letzte ist undatiert, die vorletzte fand am 30.7.1941 statt. Man tagte meistens im Sitzungssaal der neuen Schule.

Die personelle Besetzung des Gemeinderates bis 1933

Der Gemeinderat bestand 1924 aus folgenden Ratsmitgliedern: Becker, Dunker, Globisch, Hinze, Lohse, Roloff, Seidenfaden, Wagenführ, Weljehausen.

Albert Wagenführ repräsentierte die bäuerliche Dorfelite. Er gehörte neben Brandes, Jäger und Bockmann zu den großen Hofbesitzern. Seidenfaden hatte eine höhere Position bei den BKB. Auch sein Sohn wurde später Betriebsleiter in der Alversdorfer Brikettfabrik. Globisch stammte aus Polen, war Aufseher bei der "Treue" und im Dorf als Kartenspieler im Park bekannt. Becker, von den Kindern "Onkel Becker" gerufen, war lange Zeit Gemeindediener und Nachtwächter. Heinrich Hinze war BKB-Arbeiter. Seine Frau Meta unterhielt einen kleinen Gemischtwarenladen.

Zur Neuwahl im Frühjahr 1925 hatte es nach einer Nachricht aus dem Schöninger Anzeiger vom 16.2.1925 verschiedene Gruppen gegeben. Dem neuen Gemeinderat gehörten danach an: für die Sozialisten: Becker, Kasten, Schoppe und Frau Röse; für die "Liste Wagenführ": Dunker und Wagenführ, für die "Liste Hinze": Hinze, sowie für das Zentrum: Bengsch. Sie waren für drei Jahre gewählt. Unerwähnt bleibt Seidenfaden, dessen Name in dem Protokoll auftaucht.

Neben den "Eliten" Wagenführ und Seidenfaden sowie den alten Mitgliedern Becker und Hinze trat Franz Bengsch neu in den Gemeinderat. Von großer stattlicher Statur hatte er den Spitznamen "Polenkönig". Er war Hausschlachter und später besonders dem Fußball verbunden. Hermann Kasten dagegen war Bürokaufmann und übernahm bald die Gemeindekasse. Wilhelm Boog war BKB-Arbeiter, galt als SPD-Mann, seine Frau hat den ersten Konsumladen in Offleben gegenüber der neuen Schule eröffnet.

Gemeindevorstehergehilfe wurde 1927 H. Hinze. Wegewärter, der für die Reinigung der Gemeindestraßen zuständig war, wurde Becker.

Am 14.3.1928 trat der neugewählte Gemeinderat zusammen. Dem Rat gehörten an: Kasten, Bunke, Jogmin, Becker, Seidenfaden, Wagenführ. Neben den früheren Mitgliedern Wagenführ, Seidenfaden, Becker und Kasten traten Bunke und Jogmin neu in den Gemeinderat ein. Bunke galt als strammer Sozialist. Er wohnte in der Siedlung Nord im sogenannten "Proletenhaus". Paul Jogmin wohnte am Bahnhof und war Bahnhofswärter. Er stammte aus Kaukehmen, aus dem Osten und wurde später auch beruflich wieder versetzt. Er war Sozialdemokrat. Seine Tochter heiratete Otto Piper sen.

Kasten wurde von diesem Gemeinderat mit 4:3 Stimmen als Gemeindevorstehergehilfe gewählt.

Standesbeamtenstellvertreter wurde Herr Wagenführ, Protokollführer mit 4:3 Stimmen Herr Koch. Man bildete einen Fürsorgeausschuß, einen Wohnungsausschuß und einen Bau-, Wegebau und Lichtausschuß.

Am 21.9.28 wurde aus 12 Bewerbern Söchtig zum Gemeindediener und Nachtwächter gewählt.

Nach der Wahl im Jahr 1931 trat am 14. Mai 1931 der neue Gemeinderat zusammen. Ihm gehören an: Gemeindevorsteher Graß, sowie Schulze, Wagenführ, Matthias, Rost, Klages, Jogmin, Bunke, Kasten. 1932 trat für Klages erneut Becker in den Rat ein.

Neu im Gemeinderat waren Matthias, Rost, Klages, Schulze. Ernst Matthias wohnte am Bahnhof und war ein politischer Redner mit einer unüberhörbarem Stimme. Ich habe ihn selber noch bei Nachrufen am offenen Grabe erlebt. Er war durch und durch ein "Altdeutscher", wie man im Dorfe sagt. Klages war Lehrer und galt als intellektueller Kopf des SPD-Ortsvereins. Heinrich Rost war Dreher bei den BKB und aktiv in der katholischen Kirchengemeinde.

Lehrer Saffe wurde Protokollführer, die Wahl des Gemeindevorstehergehilfen verlief unentschieden mit 4:4 Stimmen bei einer Enthaltung. Das Los fiel auf Kasten. Er übernahm damit in sehr schwieriger Zeit die Führung der Gemeindekassen. Offenbar standen sich jetzt im Rat zwei gleich starke Fraktionen gegenüber. Herr Rost wurde stellvertretender Gemeindevorstehergehilfe. Bernhard Schulze kannte die Gemeindearbeit aus der langjährigen Protokollführung. Es ist auffällig, daß sich in dieser Periode mit Klages, Schulze und Saffe drei Lehrer der Offleber Volksschule im Gemeinderat engagierten.

Dieser Rat bildet eine Fürsorgekommission, Baukommission, Finanzkommission und Wohnungskommission.

Aufgaben und Schwerpunkte des Gemeinderatsarbeit

Die wichtigste Aufgabe des Gemeinderates war die Erhebung und der Einzug von Steuern. Dafür gab es den sogenannten Vorstehergehilfen, eine etwas unscheinbare Bezeichnung für den wichtigen Posten der Gemeindekassenführung. Wir würden heute sagen: Gemeindekämmerer, damals hieß es: Gemeindesteuereinnehmer. Er war zugleich die rechte Hand des Gemeindevorstehers. Leider erfahren wir aus den ersten Jahren der Protokolle nichts über den Finanzhaushalt der Gemeinde. Aber der Rat bildete 1924 einen Grunderwerbs- und Gewerbesteuerausschuß. Es wurde auch eine Schul-, Wegebau- und Fürsorgekasse geführt. Im September 1926 beschloß der Rat einen Zuschlag zur Grundsteuer auf 150% und eine Zugtiersteuer von 50%. Der Gastwirt Traupe hatte eine Kinosteuer zu entrichten. Im Grunde aber galt die Gemeinde Offleben als arm, im Gegensatz zu Alversdorf, Reinsdorf und Hohnsleben, die außerordentliche hohe Gewerbesteuereinnahmen durch die BKB hatten.

Die Gemeinde Offleben verfügte über mehrere Gemeindehäuser, deren Wohnungen begehrt waren. Der Rat hatte eine Wohnungskommission eingerichtet. Die Wohnungsnot war in den 20iger Jahren sehr groß. Leerstehende Wohnungen wurden nicht geduldet, auch wenn sie nicht im Gemeindeeigentum standen. So wurde z.B. am 4.5.1926 beschlossen, Amtsrat Brandes aufzufordern, die von Brzeczinski geräumte Wohnung weiter zu vergeben, sonst könnte sie von der Gemeinde beschlagnahmt werden. Offenbar konnte sich auch nicht jeder einen ihm genehmen Mieter suchen. Für die leerstehende Wohnung wurden dem Schuhmachermeister Kruse die nächsten drei Wohnungssuchenden namentlich genannt. Bei Schlachter Linke wurde eine freigewordene Wohnung beschlagnahmt, wogegen sich dieser an das Mieteinigungsamt in Schöningen wandte. Weil die Wohnungsnot so groß war, weigerte sich die Gemeinde, Baracken, die offenbar den BKB gehörten, abzureißen. Sie schlug vor, die BKB möchten zunächst entsprechenden Wohnraum schaffen. Andere Einwohner klagten beim Kreis wegen Wohnungsräumung.

Die Gemeinde verfügte auch über Ackerflächen, die verpachtet werden mußten.

Es mußte der Schulvorstand gewählt und die Stelle des Hausmeisters in der Schule besetzt werden. Auch die Anstellung von Lehrern erforderte einen Ratsbeschluß.

Ein Gemeindediener, der zugleich als Nachtwächter arbeitete, sorgte für die Bekanntmachungen im Dorf. Er erhielt 100 RM als Entschädigung für die Kleidung und 30 RM für die Hundehaltung. Als 1927 der Gemeindediener und Nachtwächter Meyer erkrankte, erhielt sein Vertreter Bengsch für den Nachtwächterdienst 20 Mark pro Woche.

Besonders groß war der Andrang, wenn die Stelle eines Fleischbeschauers zu besetzen war. Am 5.8.1926 lag eine Liste von 13 Personen vor, von denen die auswärtigen aussortiert und von den örtlichen fünf kriegsbeschädigten Bewerbern schließlich Herr Kasten gewählt wurde.

Bedürftige Dorfbewohner erhielten eine Unterstützung.

Das Aschefahren mußte geregelt und der Kupferbach gesäubert werden.

Wenn einer Schnaps brennen wollte, brauchte er die Genehmigung des Gemeinderates.

Die Brunnen waren in öffentlicher Verwaltung und mußten gewartet werden. Auch die Neuanlage eines Brunnens bedurfte der Zustimmung des Rates.

Nicht alle Straßen waren öffentliche Straßen, für die der Rat zuständig war. So überlegte sich der Gemeinderat, ob er die Straßen in der Siedlung Nord übernehmen sollte, aber er lehnte das Angebot ab, denn die Straßen wären in einem schlechten Zustand (5.11.24).

Die Friedhöfe mußten verwaltet werden.

Die Feuerwehr und Anschaffungen für sie gehörten zum beständigen Thema.

Zur Konfirmation, zu Weihnachten oder zu besonderen Anlässen waren Zuschüsse zu verteilen, z.B. für die Sanitätskolonne (1.11.28), oder den Pfadfindern, dem Fußballklub und dem Arbeitersportverein wurden mal 50 Mark aus dem Fonds für Jugendpflege bewilligt. (4.8.31)

Für die verschiedenen anstehenden Landtags- und Reichstagswahlen mußten Wahlvorstände gebildet werden.

Für größere Investitionen fehlte das Geld. Immerhin plante und baute die Gemeinde aus der Brandentschädigung für die frühere Röhrenfabrik von 15.000 Mark ein Vierfamilienhaus.

Besondere Notstände gab es schon 1927 durch die Zahl der Erwerbslosen. Einige von ihnen wurden beim Brunnenbau am Gemeindehaus eingesetzt. Sie erhielten dafür einen Stundenlohn von 45 Pf. Der Rat stellte am 28.4.1927 fest, daß dieser Stundenlohn neben der Erwerbslosenunterstützung zu viel (!) wäre. Die zuviel bezahlten Beträge müßten ratenweise an die Fürsorge zurückgezahlt werden.

In die Zahlungsunfähigkeit

Erstmals wird am 7.5.1931 die ungewöhnlich schlechte Finanzsituation erwähnt. Der Haushalt hatte einen Fehlbetrag von 19.700 Mark. Für das Rechnungsjahr 1931/32 wurden die üblichen Steuern erhoben: Grundsteuer 175%, Gewerbesteuer 75%, Hundesteuer 10 Mark, für den zweiten Hund 16 Mark. Zusätzlich wurde nun die Erhebung einer Bürgersteuer eingehend erörtert. Wegen der "besonders schlechten Lage der Einwohnerschaft" durch Erwerbslosigkeit und Kurzarbeit wurde die Einführung einer Bürgersteuer aber einstimmig abgelehnt (7.5.31). Die Aussichten auf einen Zuschuß zu den Gemeindefinanzen aus dem Ausgleichsstock der Landesregierung waren jedoch nur dann realistisch, wenn eine Bürgersteuer erhoben wurde. Trotzdem wurde die Erhebung dieser Steuer am 13.7.1931 mit 5:1:1 Stimmen erneut abgelehnt.

Auch der Etat 1932/33 wurde einstimmig angenommen. Aber der Fehlbetrag betrug 34.759 Mark. Der Gemeinderat verfaßte daher eine Entschließung, die an die Kreisdirektion und an das Staatsministerium gerichtet war: der Etat würde nur unter schwersten Bedenken verabschiedet, vor allem nur deshalb, um eine Zwangsetatisierung abzuwenden. In vielen Dörfern und Städten war bereits ein Staatskommissar eingesetzt worden. Das hatte Offleben bisher verhindern können.

Der Fehlbetrag wäre "durch die bekannten besonderen Verhältnisse hervorgerufen, die dringend einer Abänderung bedürfen." Der Gemeinderat beanstandete in vornehmer Ausdrucksweise zu Recht, daß die Soziallasten einseitig auf die Kommunalhaushalte abgewälzt wurden. Er bat daher die Kreisdirektion, diese Entschließung auch dem Staatsministerium zu unterbreiten. Er erhoffte sich durch einen einmaligen Sonderzuschuß aus dem Ausgleichsstock der Landesregierung eine Besserung seiner finanziellen Verhältnisse.

Die Kreisdirektion jedoch empfahl dem Gemeinderat die Erhebung eines dreifachen Satzes der Bürgersteuer, was der Gemeinderat einstimmig am 20. Juli 1932 mit einleuchtenden Gründen ablehnte. Die Zuschläge zur Grund- und Gewerbesteuer überschritten bereits den Landesdurchschnitt, die meisten umliegenden Nachbargemeinden erhöben ebenfalls keine Bürgersteuer. Der Fehlbetrag würde auch durch die Bürgersteuer nicht beseitigt. Man erhoffte sich einen Zuschuß aus dem Landesausgleichsstock. Ein gewährter Zuschuß aus dem Ausgleichsstock in Höhe von 2.000 Mark wäre viel zu wenig und der Gemeindeeinnehmer Kasten schlug vor, mit der Staatsbank eine Erhöhung des Kreditrahmens und die Aufnahme eines Kredites von 5.000 Mark zu beantragen.

In der Sitzung am 29.10.1932 faßte der Gemeinderat einstimmig nach ausführlichem Vortrag von Gemeindeeinnehmer Kasten den Beschluß, sich für zahlungsunfähig zu erklären.

Am 8.2.1933 lag dem Rat ein Antrag der Erwerbslosen vor, eine Verbilligung des Fleisch-, Brot- und Strompreises zu erreichen. Die Ratsmitglieder Rost und Bunke sollen mit einigen Geschäftsleuten verhandeln.

Mit diesem Protokoll vom 8.2.33 schließt der demokratische Zeitabschnitt in der Geschichte des Offleber Gemeinderates ab.

Die Gemeinderatsprotokolle vermitteln den Eindruck, daß sich das Dorf durchaus selbst verwalten und einen gerechten Interessenausgleich herstellen konnte. Der Gemeinderat bestand aus allen Schichten der Bevölkerung des Dorfes. Er wurde keineswegs einseitig von den bäuerlichen Eliten dominiert. Diesen Teil des Dorfes vertrat offenbar Wagenführ, der bei besonderen Anlässen in schwieriger Mission die Dorfvertretung übernahm. Ansonsten setzte sich der Gemeinderat aus Einwohnern zusammen, die mit gesundem Menschenverstand ihr Dorf verwalteten wie einen geordneten Haushalt. Die Lehrer des Ortes beteiligten sich mal als Protokollführer, mal als Ratsmitglied. Parteilichkeit spielte, soweit aus den Protokollen ersichtlich, keine entscheidende Rolle. Sie kam lediglich bei Personalentscheidungen zum Vorschein. Propagandaanträge wie der der kommunistischen Partei am 4.4.1932, der Gemeindevorsteher und Gemeindeeinnehmer mögen einmalig auf ihr Monatsgehalt zur Sonderunterstützung der Erwerbslosen verzichten, waren die Ausnahme.

Das gerne vermittelte Bild von der Unfähigkeit der Weimarer Demokratie ist für die Kommunalstruktur in Offleben vollständig unzutreffend. Bis 1933 hatte Offleben eine gerade auch in schwieriger Zeit bei kümmerlicher finanzieller Ausstattung gut funktionierende Kommunalverwaltung. Die schwierigen, unpopulären Sachentscheidungen wurden einstimmig getroffen, später aber einseitig den Sozialisten in die Schuhe geschoben. Manche Auseinandersetzungen, die sich bei Aufzügen und Umzügen auf der Straße plakativ aufdrängten, hatten in der nüchternen Arbeit des Gemeinderates keinen Platz.

Die Nationalsozialisten konnten sich nicht als Retter einer instabilen Kommune aufspielen. Aber sie taten es wirksam und manche glauben dieser Propaganda bis auf den heutigen Tag.

Der gleichgeschaltete Gemeinderat

Das Protokoll vom 4.5.1933 markiert den ersten entscheidenden Einschnitt. Es beginnt eine neue Zählung. "Erste Sitzung nach der Gleichschaltung" schreibt der alte Protokollführer Lehrer Saffe in die Überschrift des Protokolls.

In den drei Monaten seit der Februarsitzung 1933 war offenbar eine "Gleichschaltung" erfolgt. Allein das Wort verursacht mir heute ein Frösteln. Es klingt nach langweiliger Gleichmacherei durch Schaltung und auf Druck von außen. Es riecht nach Gewalt. Damals war es zu einem Modewort geworden, das von den Parteigängern und Nazisympathisanten begeistert aufgenommen und bei den Regierungsgegnern gefürchtet war. Es wurde offiziell in die Gesetzessprache der Koalitionsregierung Hitler/Hugenberg aufgenommen. Man sprach von Gleichschaltung der Länder, von Gleichschaltung der Beamtenschaft und der Vereine und auch von Gleichschaltung der Gemeinderäte. Die Vielfalt der Parteien und Vereine, gegensätzliches Denken und die Unterschiedlichkeit der Lebensformen sollten verschwinden und durch eine braune Einheitsfront ersetzt werden.

Eine einzige Partei, uniformes und uniformiertes Denken, auf Naziparteizugehörigkeit zugeschnittene Vereine - ein Rausch ging durch Deutschland, aber es gab auch eine massive Gegenbewegung und die zeigte sich ganz deutlich in Offleben und in den Nachbardörfern. Sie wurde sichtbar bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933.

Diese Wahlen standen unter dem schockartigen Eindruck, daß am 27. Februar der Reichstag in Berlin angesteckt worden war und völlig ausbrannte. Die Hitlerregierung sah die Kommunisten am Werk, die Linke vermutete Nazis als Täter. Es kann heute als erwiesen gelten, daß der Reichstagsbrand die Tat eines Einzelgängers aus Holland war. Damals aber hatte Hitler bereits so viel Macht, daß er durch den Reichspräsidenten eine Notverordnung erwirkte, wonach die persönlichen Freiheitsrechte, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit "zum Schutz von Volk und Staat" stark eingeschränkt werden durften. Häuser konnten durchsucht und verdächtiges Material beschlagnahmt werden. Die Notverordnung nutzte Hitler aus, um im ganzen Reich gegen Kommunisten und Sozialdemokraten vorzugehen. Die Druckschriften der KPD und SPD wurden beschlagnahmt und die Pressehäuser besetzt. Die Abgeordnetendiäten der kommunistischen Reichstagsabgeordneten wurden sofort gesperrt.

Die braunschweigische bürgerlich/nationalsozialistische Koalitionsregierung unter dem Staatsminister Küchenthal verbot für die folgenden vierzehn Tage das Erscheinen der kommunistischen und sozialdemokratischen Presse und verbot auch jede Versammlung dieser beiden Parteien. Damit war ein gleichberechtigter Wahlkampf in seiner entscheidenden letzten Phase unmöglich geworden.

Für den 28. Februar, also einen Tag nach dem Reichtagsbrand, war in Offleben eine Wahlveranstaltung der sogenannten "Eisernen Front", einer Gruppierung der engagierten Sozialdemokraten, mit Otto Grotewohl, dem früheren Minister der Braunschweiger Landesregierung und damaligen Reichstagsabgeordneten, im Saal von Otto Hartmann angekündigt. Grotewohl sollte sprechen über "Kapitalismus oder Sozialismus". Möglicherweise ist es zu dieser Veranstaltung schon gar nicht mehr gekommen. Die Nazis spielten sich nun als Hüter der Demokratie auf, die Volk und Staat vor einem bolschewistischen Umsturz bewahren wollten. Wer ihren Reden nur oberflächlich zugehört hatte, wußte, daß Hitler mit der Demokratie in Deutschland aufräumen und sie von Anfang an und von Grund auf beseitigen wollte.

Einige Tage vor der Wahl wurde im Lande Braunschweig sogar eine "Hilfspolizei" aus Angehörigen von SA, SS und Stahlhelm eingerichtet, die solche Hausdurchsuchungen und Verhaftungen vornehmen durften. Es herrschte in Deutschland und in Braunschweig gefährliche Selbstjustiz. Auch in Schöningen wurde eine Hilfspolizei aufgestellt und am 2. März kommunistische Funktionäre verhaftet.

Es liest sich fast wie eine Trotzreaktion, daß der Schöninger Anzeiger am Sonnabend vor der Wahl am 4. März die Konfirmandenliste 1933 veröffentlichte und darin auch die Liste der katholischen Erstkommunikanten und der (sozialdemokratischen) Jugendweihe sowie der kommunistischen Jugendweihe. Zu den Teilnehmern der Jugendweihe gehörte aus Offleben Walter Pfeiffer und aus Büddenstedt Liesbeth Thiemann.

Die unter diesen offen terroristischen Umständen erfolgte Wahl hätte schon allein unter dem massiven Eindruck der Einschüchterung ein überwältigendes Ergebnis für die NSDAP bringen müssen. Die NSDAP war im Reich zwar die mit Abstand stärkste Partei mit 288 Sitzen vor den Sozialdemokraten (119 Sitzen) und den Kommunisten mit 81 Sitzen, aber sie hatte nicht die absolute Mehrheit. Sie brauchte einen Koalitionspartner. Im Lande Braunschweig schnitten die Nazis noch etwas besser ab. Sie erhielten 49% der Stimmen, die SPD 30,5 %, die Kommunisten 8,8 % und die Konservativen (Kampffront Schwarz-weiß-rot) 7,6 %.

Völlig anders und total entgegen dem Reichsdurchschnitt und dem Landesdurchschnitt war das Ergebnis in Offleben. Die Nazis erreichten, weit abgeschlagen hinter der SPD, die 401 Stimmen erhielt, nur den zweiten Platz mit 307 Stimmen, gefolgt von den Konservativen mit 119 Stimmen und den Kommunisten mit 107 Stimmen.

In Reinsdorf war das Ergebnis noch blamabler. Die NSDAP wurde nur Dritter mit 35 Stimmen. Erster war die SPD mit 51 Stimmen und Zweite die Konservativen mit 39 Stimmen.

Ebenso blamabel, wenn nicht noch peinlicher, verlief die Wahl in Hohnsleben, wo die NSDAP ebenfalls nur den dritten Platz erreichte mit kümmerlichen 13 Stimmen, hinter der SPD, die 37 Stimmen erhielt und den Konservativen, die 18 Stimmen erhielten.

Auch in Alversdorf hatte die SPD eine haushohe Mehrheit mit 264 Stimmen vor der NSDAP mit 154 Stimmen, den Kommunisten mit 47 Stimmen und den Konservativen mit 44 Stimmen.

In Büddenstedt war der Abstand zwischen SPD (277 Stimmen) und NDSAP (238 Stimmen) schon etwas knapper. In Schöningen war die Lage schon wieder anders: dort kletterte die NSDAP auf den ersten Platz, wie auch in allen Dörfern des Heeseberges. Alle Wahlergebnisse sind dem Schöninger Anzeiger vom Tag nach der Wahl entnommen. Ohne Frage sind Offleben, Reinsdorf, Hohnsleben und Alversdorf eine historisch bedeutsame Ausnahme im Landkreis Helmstedt, auf die sie stolz sein könnten.

Wie ernst es den Nazis mit der Demokratie war, wurde bereits ein paar Tage nach der Wahl anschaulich. Sie verbrannten auf dem Schöninger Marktplatz am Freitag nachmittag öffentlich die offiziellen, natürlich noch geltenden schwarz-rot-goldenen Fahnen, also die Staatssymbole der Republik zusammen mit den verhaßten roten Fahnen und kein Amtsrichter in Schöningen war tapfer genug, die Brandstifter zur Rechenschaft zu ziehen. Dann wurden zwei Tage später durch einen peinlichen Erlaß des Reichspräsidenten Hindenburg die Hakenkreuzfahne und die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreiches zu den offiziellen Staatsfahnen erklärt.

Einen Tag nach der Fahnenverbrennung auf dem Schöninger Marktplatz wurde Rektor Neddermeyer von der Bürgerschule in Schöningen vor den Schülerinnen und Schülern die Treppe heruntergestoßen und schwer verprügelt. Es herrschte offene Willkür. In der Braunschweiger Landtagssitzung am 14. März, an der die Abgeordneten von SPD und KPD bereits nicht mehr teilnahmen, wurde eine SPD-Anfrage behandelt, in der die Ereignisse der Märztage zutreffend als "politisches Verbrechertum" bezeichnet wurden.

Am 10. März traf sich der Arbeiter- Turn- und Sportbund Offleben-Alversdorf im Hartmannschen Saale. Aber es wurden keine politischen Entscheidungen getroffen. Am 18. März kam der Arbeiter-Gesang-Verein "Vorwärts" im Vereinslokal Otto Hartmann zu einer außerordentlichen Generalversammlung zusammen.

In Preußen fanden am 12. März Kommunalwahlen statt. In Preußisch-Offleben stellte man eine Einheitsliste auf und der Gang zur Wahlurne hätte entfallen können. Auf der Einheitsliste standen: Aufseher Otto Gatzemeier, Justizkanzleisekretär Fritz Cortecar, Wegewärter Franz Schneider, Fabrikarbeiter Walter Helmecke, Wiegemeister Ernst Schumann, Aufseher Franz Gorni, Schneidermeister Gustav Kretzschmer, Zimmermeister Ernst Rheinsberg und Fabrikarbeiter Heinrich Herforth. Die Wahl für einen Gemeinderat entfiel also.

Aber die Preußisch-Offleber mußten auch einen Kreistag in Haldensleben wählen. Dabei erhielt die NSDAP 81 Stimmen, die SPD 34 Stimmen, KPD 3, Zentrum 1, Wirtschaft 20, Hausbesitzer 3 Stimmen. Preußisch-Offleben hatte also, anders als Braunschweigisch-Offleben, keine sozialdemokratische Mehrheit, sondern hier hatten die Nazis die absolute Mehrheit.

Am 29. April 1993 berichtete die Schöninger Rundschau, daß der Wegewärter Franz Schneider sein Mandat niedergelegt habe und für ihn Karl Eckhardt nachgerückt wäre.

Im Schöninger Anzeiger vom 18. April 1933 konnten die Offleber folgende sonderbare Mitteilung über die "Neugewählten Gemeindevertretungen" lesen. So lautete die Überschrift und enthielt für Offleben folgende Namen: "6 Nationalsozialisten: Kraftfahrer Walter Wahnschaffe, Landwirt Adolf Kempe, Bäckermeister Heinrich Wächter, Rektor Hermann Bosse, Stellmachermeister Willi Dunker, Techniker Adolf Quante. 2 Kampffront Schwarz-Weiß-Rot: Bergmann August Matthias, Lehrer Bernhard Schulze." Die Namen der eigentlichen Sieger der Wahl, der Sozialdemokraten und der Kommunisten kamen nicht mehr vor. Es wurde auch keine Verzichterklärung bekannt gegeben. Offenbar hatte man überall für die Sitzverteilung nur die Stimmen der Nazis und der Konservativen, die sich in der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot gesammelt hatten, berücksichtigt. Ein glatter Verfassungs- und Rechtsbruch.

Ohne Frage aber war es ein Sieg für den Erstgenannten, der an dem Tage der Veröffentlichung, dem 18. April, seinen 23. Geburtstag feierte: Walter Wahnschaffe.

Zwei Tage später feierte ganz Offleben begeistert den 44. Geburtstag Hitlers, seinen ersten als Reichskanzler. Es gab einen Fackelzug durch das ganze Dorf, die Straßen waren mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Die Beteiligung am Umzug wäre sehr groß gewesen, der Saal mit anschließendem Konzert hätte vor Überfüllung geschlossen werden müssen, die Ortsgruppe der NSDAP hätte ein reichhaltiges Programm geboten. So berichtete jedenfalls die Schöninger Rundschau am 21. April 1933. Es wird wohl nicht alles Zeitungspropaganda gewesen sein.

Nunmehr ließen sich auch andere Vereine "gleichschalten". Der Gesangverein "Frohsinn" hielt am 23. April im Hartmannschen Saal eine außerordentliche Generalversammlung ab, der gesamte amtierende Vorstand trat zurück. Fritze Weljehausen wurde erster Vorsitzender. Ernst Husemann zweiter Vorsitzender.

Mitten in diesem Gleichschaltungsrausch fällt eine Nachricht vom 26. April auf, die im folgenden komplett wiedergegeben wird.

Schöninger Anzeiger 26. April 1933

Offleben

. Hier wurde ein langjähriger Pionier im Feuerwehrwesen, Gemeindevorsteher Graß, im Beisein des Kreisbranddirektors Göbel, des Stadtbranddirektors Ivers, Schöningen, geehrt. Gemeindevorsteher Graß war ein Mitbegründer der Wehr und beteiligte sich lange Zeit als Hauptmann, bis er dann zum Bezirksfeuerwehrhauptmann gewählt wurde. Stadtbranddirektor Ivers sprach über die hervorragendsten Dienste, die der Jubilar auf dem Gebiete des Löschwesens geleistet habe. Er ehrte ihn seitens des Amtsverbandes mit einem Sessel. Im Anschluß schenkte ihm die hiesige Feuerwehr ebenfalls einen Sessel. Hauptmann Traupe ernannte ihn zum Ehrenhauptmann.

Das ist eine vielsagende Zeitungsmeldung. Zunächst wird hier nichts von einer Gleichschaltung der Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt berichtet. Graß wird als Gemeindevorsteher bezeichnet. Offenbar hatte er zu diesem Zeitpunkt dem Druck der NSDAP, sein Amt niederzulegen, noch widerstehen können. Möglicherweise benutzte Graß diese Meldung, um seinen Anspruch auf das Gemeindevorsteheramt noch einmal gegenüber der Orts-NSDAP zu bekräftigen und untermauerte ihn mit seiner Popularität im Dorfe und der Anerkennung seiner Leistungen im Feuerwehrdienst sogar auf Bezirksebene.

Zum 1. Mai zog die NSDAP wieder eine große Veranstaltung im Dorfe auf. Die beiden Säle Traupe und Hartmann waren gefüllt. Um 20.00 Uhr hörten die Offleber die Rede Hitlers, der Männergesangverein sang einige stimmungsvolle Lieder, eine Parteigenossin trug ein Kitschgedicht auf Hitler vor.

In dieser aufgeheizten Stimmung trat vier Tage später der neue Gemeinderat zusammen.

Der Sturz des Gemeindevorstehers Graß

und die personelle Zusammensetzung des Rates 1933-1942

Der alte, eigentlich bis 1934 gewählte Gemeinderat war vollständig aufgelöst, nämlich "gleichgeschaltet" worden. Ob die SPD-Vertreter des ehemaligen Rates (Kasten, Jogmin, Klages, Bunke) freiwillig zurückgetreten sind oder zur Aufgabe des Mandates gezwungen wurden, ist noch nicht erhoben. Überall im Braunschweiger Land wurden die Ortschaften und Städte mit sozialdemokratischer Mehrheit "überholt", so wurde auch in der Schöninger Gaststätte "Schwarzer Adler" eine regelrechte Folterzentrale eingerichtet, in die die Offleber Herbert Bockmann, Karl Mühr, Ernst Roehse, Herbert Pfeiffer, Heinz Kasten und andere eingeliefert wurden. Wie weit der braune Terror sich auch auf andere Gemeinderatsmitglieder auswirkte, ist bisher nicht überliefert. Aber es ist mit guten Gründen stark zu vermuten, daß sie auch in Offleben gewaltsam zur Aufgabe des Ratsmandates gezwungen wurden.

Das Reichsbanner Schwarz-rot-gold wurde verboten. Der Arbeiterradverein und der Arbeitergesangverein hörten auf, zu bestehen.

Der Gemeindevorsteher Graß wäre "zurückgetreten", berichtete Walter Wahnschaffe dem Gemeinderat in seiner ersten Sitzung. Das war angesichts der die Leistungen Graß hervorhebenden Zeitungsnotiz vom 26. April eine Überraschung. Ohne Angabe von Gründen berichtete auch der Schöninger Anzeiger am 6. Mai, daß Graß sein Amt niedergelegt hätte. Fünf Tage später schob die NSDAP-Kreisleitung eine unbewiesene Begründung nach und ließ öffentlich erklären, Graß wäre wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung verhaftet worden. Graß hätte einen "üppigen Lebenswandel" geführt und die Höhe der lange Jahre veruntreuten Gelder wäre noch nicht festzustellen.

Es handelte sich bei dieser Parteimeldung um eine nazistische Modebegründung, die zahlreichen linken Parteigenossen angehängt wurde. Sie hatte die vordergründige Absicht, einen Anlaß für den Rückritt von Graß herbeizuzaubern. So meldete beispielsweise die NSDAP-Kreisleitung auch von der "Flucht der BKB-Direktoren". Es wäre zu Protestkundgebungen vor den Häusern der Direktoren Kraiger und Huschke gekommen, Kraiger wäre der "größte Sünder am deutschen Volksvermögen" und es würde ernstlich damit gerechnet, "daß die Direktoren Kraiger und Huschke das Helmstedter Straßenpflaster nicht mehr betreten." (Schöninger Anzeiger vom 19.5.33).

Graß betrat das Offleber Straßenpflaster nicht mehr, verzog nach Grasleben, fand Arbeit im Volkswagenwerk, starb im Juni 1947 in Helmstedt und wurde in Offleben auf dem Friedhof an der Bahnhofstraße begraben. Sein Grab ist inzwischen eingeebnet.

Sein Nachfolger im Amt des Gemeindevorstehers wurde im Mai 1933 zunächst kommissarisch der Landwirt Adolf Kempe.

Vom alten, 1931 gewählten Gemeinderat waren lediglich Bernhard Schulze und Ernst Matthias in der "ersten Sitzung nach der Gleichschaltung" anwesend. Der Lehrer Bernhard Schulze gab zu Beginn der Ratssitzung die fällige Erklärung für seine Anwesenheit. Er erhielt vom neuen Vorsteher Kempe sogleich das Wort und begründete in längeren Ausführungen seinen Übertritt zur Nationalsozialistischen Partei und schloß sie mit einem dreifachen Sieg Heil auf das deutsche Vaterland, Hindenburg und Hitler.

Schulze hatte wie Graß der DNVP angehört, Schulze war als 2. Vorsitzender auch Mitglied des Landwehrvereins, in dem sich alle Konservativen des Ortes zu Geselligkeit sammelten. Bei der Generalversammlung in der ersten Aprilhälfte hatte Lehrer Schulze bereits seiner Begeisterung für die NSDAP freien Lauf gelassen, er würdigte die gesetzgeberische Tätigkeit der nationalen Erhebung, schloß mit einem Hoch auf Hindenburg, Hitler und das geliebte deutsche Vaterland und stimmte das Deutschlandlied an. So war sein Übertritt zur NSDAP keine Überraschung mehr.

Als neue Gemeinderatsmitglieder traten nunmehr auf: Adolf Kempe, Walter Wahnschaffe, Heinrich Wächter, Fritze Kufel, Adolf Quante, Willi Dunker und Rektor Bosse.

Walter Wahnschaffe hatte sich als Führer der nationalsozialistischen Zelle Offleben früh in der NSDAP engagiert. Er war 23 Jahre jung Er kann als der eigentliche Einfädler des neuen Gemeinderates gelten. Heinrich Wächter war Bäckermeister in Ort und übernahm den Posten des Gemeindevorstehergehilfen, also des Kassenwartes.

Auf der Tagesordnung stand noch die Neubildung der Ausschüsse. Als der wichtigste wird wohl der Finanzausschuß gegolten haben. Ihm gehörten Rektor Bosse, Wächter, Schulze und Quante an. Adolf Quante war Techniker bei den BKB, später Betriebsleiter auf dem Schwelwerk. Zusammen mit den beiden Lehrern Bosse und Schulze war der Ausschuß tatsächlich hochkarätig besetzt. Es war Walter Wahnschaffe gelungen, einflußreiche Einwohner für die Ratsarbeit zu interessieren. Neben Bäckermeister Wächter vertrat der 32jährige Willi Dunker, der wie sein Bruder Fritz Stellmachermeister war, den Mittelstand. Fritze Kufel, der Gemeindiener wurde, sollte wohl den Arbeiterstand repräsentieren, denn die NSDAP gab sich ja als "Arbeiterpartei" aus.

Diese Ratssitzung hatte eine weitere Signalwirkung auf die örtliche Vereinsarbeit. Der Arbeiter-Turn- und Sportverein ließ sich nicht gleichschalten, sondern löste sich auf. Das war gewiß die ehrlichste Lösung. Die Freiwillige Feuerwehr ließ melden, in ihrem Vorstand brauchte nichts geändert zu werden, er entspräche bereits der Gesetzeslage.

Der Kaninchen- und Geflügelzuchtverein habe seinen Vorstand "etwas geändert", hieß es. Seine Mitglieder wären nun allesamt Mitglieder der NSDAP: 1. Vorsitzender: Ahrenholz, 2. Vorsitzender: W. Dunker, Schriftführer H. Hinze und W. Winter, Kassierer: W. Rheinsberg und Hanko.

Es folgte die Gleichschaltung des TSV, der sich nun aus dem Vorstand Otto Felker, Hermann Hinze, R. Köhler und Oberlandjäger Volk zusammensetzte.

Am 13. und 14. Mai demonstrierten "Braune Bataillone im Braunkohlengebiet". Es wurmte die NSDAP, daß die Arbeiter im Kohlenrevier ihr bei den Reichstagswahlen eine so deutliche Abfuhr erteilt hatten. Nun mußten sie mit viel Getöse und Propaganda der Einwohnerschaft vorgaukeln, daß "der Arbeiter der Bannerträger des neuen Deutschlands" wäre, wie die Zeitungsüberschrift des Schöninger Anzeigers vom 15. Mai lautete.

Nachdem Adolf Kempe als ordentlicher Bürgermeister gewählt worden war, blieb der Gemeinderat in dieser Zusammensetzung bis 1935 zusammen. Dann wurde die Gemeindeordnung einschneidend verändert, die Stellung des Bürgermeisters wesentlich im Sinne eines "Führers" erweitert. Dem Bürgermeister waren zwei Beigeordnete an die Seite gestellt, die weiteren Ratsmitglieder sollten vor allem Sprachrohr der Bevölkerung sein. Diese neue Zusammensetzung des Gemeinderates aus Bürgermeister, zwei Beigeordneten und sechs Gemeinderäten erfolgte nicht durch Wahl, sondern durch Berufung aus systemtreuen Parteigenossen.

Am 1.10.1935 rief Bürgermeister Kempe folgende sechs Parteigenossen als Gemeinderäte im Gemeindebüro zu einer Sitzung zusammen: Arbeiter Erich Wittkowski, Stellmachermeister Willi Dunker, Lehrer Bernhard Schulze, Lokomotivführer Fritz Weljehausen, Lokomotivführer Emil Frankenfeld, Techniker Adolf Quante. Aus dem Rat ausgeschieden waren Bäckermeister Wächter, Rektor Bosse, Adolf Kufel und Ernst Matthias. Aus der Zeit vor 1933 war nur noch Lehrer Schulze übriggeblieben, der für die längste Zeit mit einigen Unterbrechungen auch wieder das Protokoll übernahm. Bisher ohne jede Ratserfahrung waren die drei Arbeiter Wittkowski, Weljehausen und Frankenfeld. Bürgermeister Kempe forderte sie "zu treuer Pflichterfüllung" auf und vereidigte sie. Als Beigeordnete berief der Beauftragte der Partei erwartungsgemäß Walter Wahnschaffe, der damit stellvertretender Bürgermeister wurde, und Fr. Weiß.

Mitglieder des Rates wurden im Protokoll nun auch in der Regel als Pg. (Parteigenosse) tituliert. Im Vergleich zu der Zeit vor 1933 bedeutete dies eine einseitige Parteipolitisierung des Rates. Es kam auch vor, daß wie z.B. am 5.2.1940 der stellvertretende Ortsgruppenleiter Emil Fischer an einer Ratssitzung teilnahm. Allerdings schlossen die Sitzungen laut Protokoll nicht mit einem "Sieg Heil" auf den Führer, wie in anderen Gemeinderäten, die Bemerkung am Ende der Sitzung vom 27.2.1936 "Die öffentliche Sitzung wurde 21.45 mit einem Gruß an den Führer geschlossen" ist die Ausnahme. Ein anderes Mal hörte der Gemeinderat zu Beginn einer Sitzung eines Führerrede.

Am 3.1.1938 trat Bürgermeister Kempe von seinem Amt zurück. Gründe wurden offiziell nicht bekanntgegeben. Immerhin erfahren wir, daß Kempe 1938 seinen Hof an die BKB verkaufte und ihn von den BKB wiederum pachtete. Nun erhielt Walter Wahnschaffe als 1. Beigeordneter mehr Einfluß auf die Führung der Geschäfte, so, wie er es sich möglicherweise auch gewünscht hatte.

Eine wesentliche Veränderung wurde dann im Sommer 1939 vorgenommen: Walter Wahnschaffe wurde zum Bürgermeister ernannt, Bernhard Schulze wurde 1. Beigeordneter, Gustav Isensee 2. Beigeordneter und in den Rat rückte für Bernhard Schulze nun Albert Kluge nach. Gustav Isensee führte die Kassengeschäfte in der Jacobsschen Mühle.

Das Märchen von der Sanierung der korrumpierten Finanzen durch die Nazis

Immer wieder ist zu lesen, wie die Nationalsozialisten mit der "Unordnung der Weimarer Demokratie" radikal aufgeräumt und vor allem auch die Finanzen im Handumdrehen in Ordnung gebracht hätten. Eine genaue Durchsicht des Protokollsbuches ergibt eine andere Sicht.

Schon einen Tag nach Zusammentritt des neuen, gleichgeschalteten Gemeinderates tagte der Rat am 5. Mai 1933 erneut, um die Finanzlage zu verbessern. Er hatte allerdings auch keinen anderen Einfall, als den Kredit bei der Staatsbank von 2.000 Mark auf 10.000 Mark zu erhöhen. Bei der nächsten Sitzung, sechs Tage später am 11.5.1933, mußte der nationalsozialistische Gemeinderat kleinlaut zugeben, daß selbst die Kreisdirektion eine Kreditaufnahme in dieser Höhe nicht bewilligte und die 10.000 Mark um 5.000 Mark kürzte. Um die Finanzsituation in Offleben zu verbessern, wurde die Gemeinde Alversdorf gedrängt, einen 75prozentigen Zuschuß zu den benötigten 10.000 Mark zu zahlen.

Die hochtrabenden Hoffnungen des nationalsozialistischen Gemeinderates, im Hauruckverfahren die finanzielle Situation zu verbessern, waren schon im Oktober verflogen. Bei seinem Bericht über die Kassenlage stellte H. Wahnschaffe in der Sitzung am 17. Oktober fest, daß das Ergebnis nicht günstig wäre, weil Alversdorf nicht zahle und ein Gespräch mit Ministerpräsident Klagges noch ausstehe.

Auch dieser Gemeinderat weigerte sich anfangs, eine 500prozentige Bürgersteuer zu erheben, wenn Alversdorf darauf völlig verzichten könne. Allerdings drang er mit seinem ablehnenden Beschluß nicht durch, sondern wurde von der Kreisdirektion gezwungen, diese Bürgersteuer auch in den folgenden Jahren zu erheben. Die Nationalsozialisten baten also, in ganz erheblichem Maße anders als der Vorgängerrat, die Einwohnerschaft zur Kasse.

Erst im November entschied der Minister des Innern, daß Alversdorf 95% der entstandenen Schul- und Wohlfahrtskosten zu zahlen habe. Mit Recht stellte der Gemeinderat jedoch am 16. November 1933 fest, daß mit diesem Zuschuß das Defizit nicht behoben wäre. Es betrug für das Rechnungsjahr 1933/34 12.700 RM. Zum Ausgleich wurde von Alversdorf ein Betrag von 17.013 RM erwartet. Alversdorf zahlte die 6.841,77 Mark, jedoch nur sehr zögerlich. Soweit ging die NS- Volksgemeinschaft noch nicht. Und der Reinsdorfer Gemeinderat lehnte jedes Unterstützung durch einen Zuschuß ab.

Die Gemeinde erhielt immerhin aus dem von der Reichsregierung aufgestellten Milliardenprogramm über das Arbeitsamt Niedersachsen einen verlorenen Zuschuß von 19.500 Mark zu dem vorgelegten Notstandsprogramm in Höhe von 37.453 Mark. Von diesen Geldern wurde die Badeanstalt gebaut, eine Idee, die schon vor 1933 im Rat diskutiert worden war, sowie das Schützenhaus, das den Spitznamen "Kempes Höh" erhielt. Vom Triftweg wurde eine Obstbaumallee zum Schützenhaus angelegt. Nach 1945 wurde alles wegen des Tagebaus beseitigt.

Der Gemeinderat bekam außerdem ein anderes zinsloses Darlehen von 5.000 bis 6.000 Mark für Reparaturkosten an den Gemeindehäusern.

Die Zuschüsse erbrachten allerdings keinen sich selbst tragenden Aufschwung, sondern, nachdem sie verbraucht waren, wurden weitere Notstandsmaßnahmen "wegen der finanziellen Lage" nicht mehr vorgesehen. (10.8.1934).

Im Gegensatz dazu wurde die Einwohnerschaft stärker mit Steuern belastet als vor 1933. Am 27.10.1934 beschloß der Gemeinderat folgende erhebliche steuerliche Belastung für die Einwohnerschaft: 175% zur Staatsgrundsteuer; 175% Grundsteuer von staatsgrundsteuerfreien Gebäuden, 97% von der Staatsgewerbesteuer. Außerdem eine 500prozentige Bürgersteuer. Diese enorme Bürgersteuer wurde auch in den folgenden Jahren erhoben und eine Senkung 1935 von der Kreisdirektion in Anbetracht der anhaltenden hohen Verschuldung der Gemeinde abgelehnt. Anfang Januar 1938 beanstandete Walter Wahnschaffe Steuerrückstände in Höhe von 3.000 Mark, die unbedingt eingetrieben werden müßten.

Der Etat 1936/37 schloß in Einnahme und Ausgabe mit 59.333 Mark ab.

Eine Besserung kam erst in Sicht durch das 1936 auf Grund und Boden der Gemeinde errichtete Schwelwerk. Der Bürgermeister deutete in der Sitzung am 27.2.1936 geheimnisvoll an, daß die Einnahmenseite unübersichtlich sei, "da man noch nicht weiß, ob Einnahmen aus dem neuen Schwelwerk zu erwarten sind."

Die Rechnungslegung 1937/38 schloß in Einnahmen und Ausgaben bereits mit 147.491 Mark ab, also mit einer 100prozentigen Steigerung. Nun sollten auch die Firmen, die das Schwelwerk gebaut hatten, zusätzlich zur Gewerbesteuer herangezogen werden.

Der Haushaltsplan 1939/40 schloß wiederum mit einer enormen Steigerung von auf 268.292,50 RM im Einnahme und Ausgabe ab. Es war also der Bau des Schwelwerkes, der den Haushalt der Gemeinde Offleben wesentlich entlastete. Aber auch der Rückgang der Wohlfahrtslasten wurde vom Bürgermeister Kempe zu Recht bereits bei seinem Finanzbericht am 27.2.1936 als Quelle der verbesserten Haushaltslage hervorgehoben.

Es entstanden allerdings andere Probleme. Die zahlreichen, beim Bau des Schwelwerkes eingesetzten Arbeiter konnten infolge der bereits herrschenden Wohnungsknappheit nicht alle privat untergebracht werden. Der Gemeinderat beschloß daher am 29. August 1935 den Kauf von 2 Eisenbahnwaggons als Notwohnungen. Der Bauausschuß kümmerte sich um einen Platz "für die zu errichtenden Notwohnungen oder Baracken."

Ein anderes Problem war die einsetzende ungeheure Umweltbelästigung, gegen die auch der Gemeinderat scharf protestierte (siehe dazu den Artikel auf Grund eines anderen Aktenbestandes "Waren die Nazis die ersten Grünen?" weiter unten). Auch in den Gemeinderatsprotokollen schlägt sich der ungewöhnliche Umweltschaden nieder. In der Sitzung vom 25. Oktober 1936 gab Bürgermeister Kempe einen Bericht über die kurz vorher stattgefundenen Verhandlungen über mögliche Entschädigungen für die durch das Schwelwerk verursachten Belastungen. Die BKB hatten den Bau einer Wasserleitung und die Verbilligung des Lichtpreises in Aussicht gestellt.

In der nächsten Sitzung am 25. Januar 1937 konnte Bürgermeister Kempe offenbar einen positiven Bericht über Entschädigungen an die Gartenbesitzer vorlegen. Verhandlungen über Entschädigungen für Mobiliar und für Grundstücksschäden würden noch geführt. Die Bevölkerung hatte die Gemeinderatsmitglieder unter erheblichen Druck gesetzt und der 1. Beigeordnete Walter Wahnschaffe spielte offenbar die Macht der Partei gegenüber dem konservativen Konzernvorstand der BKB aus.

Zwei Monate später faßte der Gemeinderat am 4.3.1937 eine Stellungnahme zur Entschädigungsfrage "bei den Mobiliarschäden bei der Verstaubung durch das Schwelwerk". Leider ist das Protokoll dieser Sitzung unvollständig.

Die außerordentlich gestiegenen Gewerbesteuereinnahmen und die erfolgreichen Verhandlungen mit dem BKB-Vorstand ermöglichten dem Gemeinderat am 6. April 1938, ein anspruchsvolles Bauprogramm zu planen. Der Bau eines Badehauses wurde in Auftrag gegeben und der Bau einer Wasserleitung genehmigt. Ebenfalls sollte ein Kindergarten gebaut werden. Das Protokoll verzeichnet dann, was innerhalb der nächsten fünf Jahre erstellt werden sollte: eine Turnhalle, ein Anbau von zwei Klassen an die Schule, ein Hitlerjugendheim, ein Feuerwehrhaus, die Kanalisation der Straßen. Im Laufe von zehn Jahren sollten 120.000 Mark in den Straßenbau investiert und Wohnungen für 25.000 Mark gebaut werden. Weiter war geplant, für 20.000 Mark noch Ackerpläne zu kaufen und "spätestens im Jahre 1945 soll der Grundstein zum Bau eines Gemeinschaftshauses gelegt werden."

Das DGH war also ein Idee des nationalsozialistischen Gemeinderates. Da auch nach dem Kriege die günstige finanzielle Lage anhielt, erbaute der sozialdemokratische Gemeinderat in den 50iger Jahren aus eigenen Mitteln das Dorfgemeinschaftshaus an der Grenze.

In der Zeitung wurde über diese Pläne ausführlich berichtet. Schon in der Sitzung am 17. Mai 1938 wurden den Gemeinderäten Zeichnungen des Architekten für den Bau eines Badehauses und der Wasserleitung gezeigt. Allerdings brachte dieses enorme Bauprogramm die Kritik gegenüber den Schwelwerkschäden nicht zum Verstummen. Unter Tagesordnungspunkt "Verschiedenes" "wurde eine allgemeine Aussprache über die allgemeinen Schäden des Schwelwerkes in Offleben besprochen."

Es könnte sein, daß die plötzliche Besserung der Finanzsituation in Offleben auch Pläne für eine Zusammenlegung von Preußisch- und Braunschweigisch-Offleben gefördert hat. Bisher war von beiden Orten der preußische infolge der Gewerbesteuereinnahmen von der Zuckerfabrik und der Ziegeleien auf seinem Gebiet gewiß der sehr viel besser situierte. Eine Zusammenlegung hätte für das reiche Preußisch-Offleben eine Verschlechterung bedeutet. Nun schien ein gewisser Gleichstand erreicht worden zu sein, und im Protokoll der Ratssitzung vom 28.1.1939 erscheint als Tagesordnungspunkt drei: "Bericht über die Zusammenlegung der Gemeinden Br. und Pr. Offleben". W. Wahnschaffe hatte am 25. Januar 1939 an einer Sitzung beim Landrat in Helmstedt teilgenommen und teilte mit, "daß beide Gemeinden und ebenso die Aufsichtsbehörden mit der Zusammenlegung einverstanden seien. Die ganze Angelegenheit liegt vorläufig in Händen der Aufsichtsbehörden."

Über eine Eingemeindung von Preußisch-Offleben gab es bereits eine Korrespondenz mit dem Deutschen Gemeindetag. Dabei schielte der Offleber Gemeinderat auf eine anteilmäßige Verteilung der Körperschaftssteuer im Hinblick auf die dort befindlichen Industriebetriebe wie Zuckerfabrik und Ziegeleien.

Zwei Jahre später tagten die Gemeinderäte von Preußisch- und Braunschweigisch-Offleben und beschlossen die Erweiterung des preußischen Friedhofes, da der damals benutzte Friedhof an der Bahnhofstraße infolge des Schweldreckes unbenutzbar geworden war.

Der Gemeinderat im Kriege

Auch im Kriege gingen die Gemeinderatssitzungen geordnet weiter. Allerdings änderte sich die personelle Besetzung doch erheblich. Bürgermeister Walter Wahnschaffe wurde an die Front einberufen. Die Leitung der Gemeinderatssitzungen und die praktische Arbeit kam auf Bernhard Schulze zu. Hauptamtlich blieb dieser aber Lehrer an der Offleber Volksschule. Nur wenn Bürgermeister Wahnschaffe gelegentlich auf Urlaub war, übernahm er auch die Sitzungsleitung. Da auch Isensee und Quante zeitweise zur Wehrmacht eingezogen waren, wurde Willi Dunker kommissarischer Beigeordneter für Isensee. Der Einfluß der Partei scheint größer geworden zu sein, denn mehr als sonst erschien der stellvertretende Ortsgruppenleiter Fischer in den Sitzungen. Möglicherweise wollte sich Walter Wahnschaffe noch durch einen zweiten Mann einen Bericht über die Gemeinderatsarbeit geben lassen.

Die Anzahl der Sitzungen verringerte sich: 1940 tagte der Gemeinderat noch fünf Mal, 1941 drei Mal. Es werden 1941 keine Sitzungsteilnehmer mehr genannt. Schulze ist nicht nur stellvertretender Bürgermeister, sondern auch Protokollführer.

Zeitgenossen berichten, es wäre staunenswert, daß Lehrer Schulze die viele Arbeit unter den erschwerten Bedingungen der Kriegswirtschaft in Schule und Kommunalgemeinde mit zwei Bürosekretärinnen, Gisela Boog und Frau Lisa Mahlfeld, später verheiratete Uhr, bewältigt hätte. Dazu gehörte auch die Verteilung von Lebensmittel-, Milch-, Kleider- und Schuhkarten. Es herrschte seit Kriegsbeginn strenge Zwangsbewirtschaftung. Otto Piper wurde 1941 als Lehrling in das Gemeindebüro aufgenommen. Seit 1940 hatte das Gemeindebüro im heutigen Asylbewerberheim, zusammen mit der Post und anderen Institutionen, Quartier bezogen.

Der Krieg veränderte die günstige finanzielle Lage, denn die Kommunen wurden mit einer hohen Kriegssteuer belegt. Das Rechnungsjahr 1939/40 hatte noch einmal eine bedeutende Steigerung des Haushaltsvolumens auf 357.579,49 RM in Einnahmen und Ausgaben erbracht.

Der Kassenverwalter Lohoff stellte am 5.2.1940 eine günstige Prognose in Aussicht. Es würde trotz der Kriegssteuer ein Überschuß von 15.000 bis 20.000 RM erwirtschaftet werden. Der neue Haushaltsplan für 1940/41 sah eine stark reduzierte Summe von 260.382 RM vor, aber schon in der nächsten Sitzung am 23.8.1940 wurde deutlich, daß dieser Haushaltsplan durch eine Neufestsetzung der Kreisumlage und der Kriegssteuer nicht zu halten war. Schulze teilte mit, daß "trotz stärkster Einschränkungen ein Ausgleich nicht möglich" wäre. Alle nicht unbedingt notwendigen Vorhaben müßten zurückgestellt werden.

Zu den Maßnahmen, die nicht zurückgestellt werden konnten, gehörte der Bau des Kindergartens, der bereits in der zweiten Jahreshälfte 1940 fertiggestellt wurde und die Kinderbetreuung aufnahm. Allerdings war er bereits im Winter 1943 von der Schließung bedroht, weil die Mütter ihre Kinder nicht in den Kindergarten gaben.

Eine weitere Maßnahme war die Friedhofsverlegung, die in drei Sitzungen 1941 im Gemeinderat behandelt wurde. Beide Landratsämter, die BKB und die Schadenskommission waren übereinstimmend zur Auffassung gelangt, daß der Friedhof am Bahnhof nicht mehr belegt werden konnte. Im Anschluß an den preußischen Friedhof sollte eine neuer Friedhof angelegt werden. Schon am 30.7.1941 besichtigte der Gemeinderat das neue Friedhofsgelände, allerdings zogen sich die Verkaufsverhandlungen hin. Im Laufe des Jahres 1943 wurde der neue Friedhof belegt. Im "Heimatbote" Nr. 18, Mai 1943, berichtete Schulze: "Auch am neuen Friedhof ist bereits wieder fleißig gearbeitet. Die Anpflanzungen haben sich gut erholt und lassen schon die künftige Gestaltung erkennen. Schwer war es, eine Einfriedungen zu beschaffen. Wenn auch nicht um die ganze Anlage, so wird doch der größte Teil noch in diesem Jahre eingefriedet werden. Der Hauptweg wird ebenfalls noch befestigt. Auf dem für Ehrengräber vorgesehenen Platze haben wir den Kameraden Walter Weljehausen mit militärischen Ehren zur letzten Ruhe bestattet. Wir nehmen sein Grab in liebevolle Obhut und werden es schmücken und pflegen in stolzer Dankbarkeit."

In derselben Ausgabe berichtete Schulze von der Übernahme der Straßen in der Siedlung Süd und Siedlung Nord.

Ich komme zu folgendem zusammenfassenden Ergebnis:

Die viel gescholtene Weimarer Zeit mit ihren "Parteienhader" hat sich auf der hiesigen dörflichen Kommunalebene nicht schädlich ausgewirkt. Die meisten wichtigen Sachbeschlüsse wurden einstimmig gefaßt. Bis 1933 gab es keine erkennbar parteipolitisch beherrschten Sitzungen.

Der Beginn des Nationalsozialismus war für die Zusammensetzung des Rates ein radikaler Einschnitt, der jedoch kein einziges Sachproblem löste.

Während im Reich die demokratischen Institutionen abgebaut wurden, Reichstag und Landtag kaum noch tagten, gingen auf der Ortsebene die klassischen Gemeinderatssitzungen weiter. Anfangs sogar vermehrt. Der Gemeinderat tagte 1933: 17mal, 1934: 13mal, 1935: 9 mal, 1936: 6mal.

Das stramme Führerprinzip setzte sich bis nach unten nicht fort. Die Bezeichnung des Ratsherren als Parteigenossen bedeutet noch keine Parteipolitisierung der Ratsarbeit. Die kommunalen Sachzwänge und Notwendigkeiten wie Straßenbau, Wasserleitungen, Umweltschutz, Wohnungsnot waren stärker als eine braune Parteipolitisierung der Gemeinderatsarbeit. Allerdings war die personelle Verzahnung von örtlicher Parteileitung und kommunaler Gemeindearbeit in der Person von Walter Wahnschaffe stark ausgeprägt. Eine Zurückstellung kommunaler Interessen gegenüber Parteiinteressen ist indes nicht zu erkennen.

Der nationalsozialistische Gemeinderat belastete die Bürger durch die 500prozentige Bürgersteuer erheblich. Trotzdem könnte man infolge des steilen Anstieges der Gewerbesteuer auch in Offleben von einem "braunen Wirtschaftswunder" reden, das zu dorfunüblichen, hochfliegenden Vorhaben führte.

Diese Pläne wurden durch Krieg und weitere schwere steuerliche Belastungen zunächst undurchführbar. Sie wurden erst, da die günstige finanzielle Situation erhalten blieb, mit einiger Zeitverzögerung nach 1945 durchgeführt, wie die Straßensanierung, Kanalisation und der Bau des Dorfgemeinschaftshauses.

Offleben ohne Industrie bis 1934 - ein Brief von Walter Wahnschaffe

Wie sah es in Offleben aus, als es keine Industrie gab, etwa 1934? Das erfahren wir aus einem Brief des damaligen Ratsherren Wahnschaffe an die Kreisdirektion vom 27. November 1934 Wahnschaffe beruft sich dabei auf Angaben des früheren Gemeindevorstehers Graß und schreibt:

Einzig und allein durch die Herverlegung der Siedlung ist die Gemeinde Offleben seit Jahren in schwierige Verhältnisse gekommen; diese wirkte sich besonders aus, als die B.K.B. Rationalisierungsmaßnahmen ergriff, und die Arbeiter auf die Straße gesetzt wurden. Die Einwohnerschaft betrug im Jahre 1919 ca. 1050 Personen, heute (1934 !) sind es ca. 1875 Personen.

Interessant ist eine Gegenüberstellung der Ausgaben zu der Wohlfahrtskasse. Im Rechnungsjahre 1918/19 betrugen diese Ausgaben 1.160,44 RMk, im Jahre 1919/20 1.660,64 RMk. Schon im Rechnungsjahre 1924/25 machten sich die steigenden Wohlfahrtslasten bemerkbar. Hier sind die Ausgaben für Wohlfahrtspflege 3.105,69 RMk, 1927/28 bereits 11.967,68 RMk, 1929/31 23.599,13 RMk und erreichten schließlich mit 44.786,52 RMk im Jahre 1932/33 die größte Ausgabe. Neben dieser Belastung wuchsen naturgemäß auch die Schullasten. Zu Ende des Krieges waren in der Gemeinde Offleben 2 Lehrer, heute dagegen sind 10 Lehrkräfte vorhanden, wofür die Gemeinde Offleben neuerdings jährlich 3000,-- RMk Anteil an der Lehrerbesoldung aufzubringen hat. Die Kinderzahl ist von Jahr zu Jahr gestiegen. Nur aus Mangel an finanziellen Mitteln mußte in diesem Jahre ein Klassenanbau zurückgestellt werden. Die Kinder müssen im Hausflur turnen, weil keine Turnhalle vorhanden ist. Die Schulen kosten der Gemeinde nicht unerhebliche Reparaturkosten.

Auch sonst hat die Herverlegung der Bergmannssiedlung der Gemeinde Offleben keinen Nutzen gebracht. Wie schon öfter erwähnt, steht die Siedlung auf einem wasserarmen Buntsandsteinrücken. Die Folge ist, daß die Einwohner der Siedlung dauernd mit Wasserschwierigkeiten zu kämpfen haben und das Wasser nur zu festgesetzten Zeiten in geringer Menge abgegeben werden kann. Die Siedler sind daher gezwungen, aus dem alten Dorfe mit Fässern das Wasser in die Siedlung zu bringen. Die Gemeindebehörde hat gerade in letzter Zeit wiederholt die Bergmannssiedlungsgesellschaft in Magdeburg gebeten, hier Wandel zu schafften; leider ist von dieser Seite noch nichts wesentliches unternommen worden. Auch die Straßen, die nur geschüttet sind, sind in einem furchtbarem Zustande.

Offleben 1932-1937 aus der Sicht des Schuljungen Rolf Söchtig

in Auszügen

Ostern 1932 wurden wir Jungen (28) in der Neuen Schule eingeschult. Unser 1. Klassenlehrer war Karl Wöhler, der in meiner unmittelbaren Nachbarschaft in der Alten Schule wohnte, verheiratet war und eine Tochter (Inge) hatte. Die Anfänger begannen damals noch in der 8. Klasse und trugen den Tornister (mit Schiefertafel und Wischlappen), außerdem eine lederne, um die Schulter gehängte Brottasche und einige auch noch die Schülermütze, die jährlich bei Versetzung ein anderes farbiges Band bekam.

In dieser Klasse war Reinhold Stapperfendt aus Preußisch-Offleben. Ich erinnere mich noch gut, daß er mit uns Jungen nicht so herumtoben konnte, und daß er kein normales Schulbrot aß, sondern häufig Äpfel und andere Sachen, die ich nicht kannte. Bald erfuhren wir dann, daß unser Mitschüler zuckerkrank war. Er verstarb noch während seines ersten Schuljahres.

In der Neuen Schule lernten wir das ABC und zwar begann man damals noch mit der deutschen Schrift - die lateinische Schrift, wie sie damals noch genannt wurde, erlernte man erst im 5. Schuljahr - und geschrieben wurde mit dem harten Griffel auf der Schiefertafel. Das kleine "i" war der erste zu schreibende Buchstabe. Lehrer Wöhler hatte seinen Reim - rauf, runter, rauf und ein Pünktchen drauf - für diesen und auch für weitere Buchstaben. Alle mußten nun größengerecht in das Sütterlinsche Liniensystem hineingeschrieben werden. Später gab es noch Buchstaben mit Schleifen, mit Eselsohren (L) oder einer Kiepe auf dem Rücken (kleines k) und die vielen Strichmännchen, aus denen Lehrer Karl Wöhler neue Buchstaben entstehen ließ. Ich meine, er war ein guter Pädagoge, der uns die ersten Anfänge im Lesen, Schreiben und Rechnen beibrachte. In der 7. Klasse bei Lehrer Striepe (1.Halbjahr 1933/34) zog unsere Jungenklasse für ein halbes Jahr in die kleine Preußische Schule um. Das 2. Halbjahr wurden wir wieder bei Lehrer K. Wöhler in der Neuen Schule unterrichtet. Im 3. Schuljahr (Klasse 6a) erneut ein für mich sehr vorteilhafter Umzug in die Alte Schule (nur wenige Meter für mich). Zum ersten Mal bekam unsere Jungenklasse eine weibliche Lehrkraft: Margarete Schnuge. In der 5a (4. Schuljahr) erneuter Umzug in die Neue Schule. Klassenlehrer wurde Bernhard Schulze, der seinerzeit schon Ortsgruppenleiter der NSDAP gewesen ist. Er wurde - zu unserer Freude - häufig mitten aus dem Unterricht herausgerufen oder der Beginn der Stunde verzögerte sich manchmal erheblich.

Bei unsern nachmittäglichen Freizeitunternehmungen mieden wir nach Möglichkeit die Lehrerwohnungen. Vom Klassenlehrer Friedrich Hasse, der hinter der Kupferbachbrücke im Winkel im oberen Stockwerk des Hauses Wilhelm Sittel wohnte. Zwei wohnten in der Schulstraße: oben in der Alten Schule und im Krusekopfschen Hause, und in der Preußischen Schule und im Haus von B. Schulze in der Bahnhofstraße.

Wenn die Unterrichtslage und die Wetterlage es zuließen und der gesamte Schulhof für uns Jungen in der Sportstunde frei war, dann wurde Fußball über den ganzen Schulhof gespielt. Da Lehrer Wöhler selber gerne mitspielte, mußte für die andere Mannschaft ein zweiter Erwachsener mitwirken. Das war dann der Hausmeister in der Neuen Schule "Männe" Roth.

Lehrer K. Wöhler war aber auch politisch tätig und gehörte der deutsch-nationalen Richtung an. Außerdem war er ein bedeutender Stahlhelmführer der Region. Diese Vereinigung der Weltkriegsteilnehmer 1914/18 trat in Offleben einmal an die Öffentlichkeit, wenn ein besonderer Gedenktag der deutschen Geschichte (Sieg von 1871, Hindenburg-Geburtstag u.a). gefeiert wurde. Ich erinnere mich noch, daß unmittelbar vor dem Treffen Hugenberg-Hitler in Harzburg im Oktober 1931 sehr viele fremde Stahlhelmer und SA-Leute 1-2 Nächte in den Offleber Sälen und zum Teil privat untergebracht waren.

Als sechsjährige Kinder durchblickten wir ebenso wenig die politischen Hintergründe. Nur aus den Gesprächen der Erwachsenen, die wir ja hin und wieder mithörten, spürten wir manchmal, daß eine Unruhe unter Teilen der Bevölkerung vorhanden war. Hörten wir allerdings Musik, dann rannte ich erst mal dort hin, um den Anlaß zu erkunden. Beerdigungen von ehemaligen Kriegsteilnehmern - die ja häufig mit Trauermusik zu Grabe getragen wurden - begleiteten viele Jungens, um die sogenannte Ehrensalve am Kriegerdenkmal und auf dem Friedhof mitzuerleben. Die Kommandos, die Gewehrgriffe, der krachende Ehrensalut - das wollten wir auch sehen und hören. Der Rückmarsch ging dann flotter, bei Marschmusik ging es dann dem Vereinslokal entgegen.

Ab 1935 kamen dann auch immer häufiger Manövertruppen durch den Ort oder sie bezogen auch mal für 1-2 Nächte Quartier in den einzelnen Häusern. Die Offiziere (bei berittener Artillerie) wurden dann wegen der Stallungen auf den Gutshöfen untergebracht, die Feldgeschütze standen unter Bewachung auf dem großen Hof der Zuckerfabrik. Soldaten und Mannschaftsdienstgrade wurden beim Eintreffen im Ort meistens von den Quartiersgebern und deren Kindern abgeholt. Häufig gab es dann auch ein Platzkonzert der Militärmusik auf dem Platz bei Traupe.

Von den großen Machtkämpfen hinter den Kulissen wie der "Gleichschaltung" aller bisherigen Organisationen oder dem "Röhm-Putsch" und der Auflösung des "Stahlhelm" bekamen wir wenig mit, bzw. es interessierte uns im Alter von 8-10 Jahren kaum. Dennoch ist mir noch ein Erlebnis in Erinnerung. An einem heißen Sommertag - wahrscheinlich 1934 - ging ich nach dem Mittagessen zur alten Eiche vor dem Klostergut in der Hoffnung, dort jemand zum Spielen zu finden. Dort befanden sich zwei große Personenautos mit heruntergelassenem Verdeck, darinnen saßen einige schwarzuniformierte SS-Leute, die anscheinend gelangweilt auf etwas warteten. Nachdem ich dies gesehen hatte und auch keine Spielkameraden in Sicht waren, verließ ich diesen Platz wieder. Erst später hörte ich bei Gesprächen der Erwachsenen zu Hause, daß die SS-Leute den Dachdeckermeister Karl Mühr aus Pr. Offleben gesucht, aber nicht gefunden hätten. Einige Wochen später kam die SS wieder, fand den Dachdeckermeister dann und verhaftete den Stahlhelm-Anhänger. Er blieb für viele Wochen und Monate verschwunden. Danach war er - so hörte man bei den Erwachsenen - still und schweigsam gewesen, hat fortan kaum noch mal eine Gaststätte zum Abendschoppen aufgesucht.

Mit Beginn des Schwelwerkbaues waren viele fremde Arbeiter und Monteure nach Offleben gekommen und zum größten Teil außer in Gastwirtschaften bei Familien untergebracht. Wir hatten auch ein Zimmer abgegeben, in dem abwechselnd mal einer oder auch mal zwei Personen wohnten. Wegen häufiger Wechsel waren persönliche Kontakte nur selten. Viele gingen ihrer Arbeit nach und waren sonst schweigsam. Als wir wieder einmal nach einem Wechsel zwei Leute als Logiergäste hatten, verschwanden diese nach etwa einer Woche spätabends fluchtartig aus unserem Hause. Tags darauf erschienen zwei Herren in Zivil, befragten meine Eltern und Großeltern und verschwanden ziemlich wortkarg wieder. Später hieß es unter den Erwachsenen, daß beim Bau des Schwelwerkes Spione gefaßt und hingerichtet worden seien. Ob es der Wahrheit entsprach, war in jener Zeit für den einfachen "Volksgenossen" in dem damals schon etablierten Überwachungsstaat nicht zu überprüfen.

In der ersten Zeit des Jahres 1937 hatten etliche Jungen - und dazu gehörte ich auch - noch keine vollständige Uniform. Durch das Reichsjugendgesetz waren sogenannte Engpässe bei der Herstellung und Auslieferung entstanden. Es fehlten anfangs noch schwarze Hosen, Braunhemden, Koppelzeug und andere Dinge. Nun, eines Tages wurde ich auch "eingekleidet". Per Zug fuhren meine Großmutter und ich nach Schöningen. Obwohl es schon vorher in Schöningen zu Boykottaufrufen gegen jüdische Geschäfte gekommen war, kaufte meine Großmutter die Kleidung weiter im Geschäft Lauterstein in der Niedernstraße. Sie war dort immer gewesen und kaufte dort, solange das Geschäft als Textilgeschäft geöffnet war. Der Jude Lauterstein hatte als 1. Weltkrieg-Teilnehmer ein Bein verloren, war dekoriert aus dem Krieg heimgekehrt und erlebte nun - wahrscheinlich fassungslos - die "neue Zeit". Offleben hatte inzwischen auch an der Straße nach Reinsdorf das damals übliche Propagandaschild - Juden sind hier unerwünscht, so lautete in vielen Dörfern der Text. Ich erinnere mich noch an Albert Lauterstein, wenn ich als Junge mit im Laden war und er mir fast immer - vor 1937 - kleine Pappsoldaten schenkte und dann mit seinem steifen Bein weghumpelte. Ich glaube, er war ein Mensch, der total deutsch fühlte - wie muß ihn und seine Familie das Ausmaß der antijüdischen Hetze und ihre Auswirkungen getroffen haben.

(zusammengestellt aus "Erinnerungen eines früheren Offlebers an seine Kindheit und Jugend zwischen 1932 und 1943. Vorgetragen anläßlich der Goldenen Konfirmation des Jahrgangs 1940 am 23. Juni 1991, hektographiertes Manuskript).

Vor 50 Jahren - im Jahre 1933, erzählt von Anna und Ernst Roehse

"Am 11. Juli 1933 haben sie meinen Mann geholt. Das war einige Tage, nachdem sie im Pappelhof bei Rieseberg 10 Kommunisten umgebracht haben. Wenn ich hier gewesen wäre, erzählte später "Vati Volk", der Dorfpolizist, dann hätte ich ihn nach Helmstedt aufs Polizeipräsidium gebracht. Aber so kam er nach Schöningen, in den "Schwarzen Adler". Am nächsten Tage habe ich ihm nach Schöningen Essen gebracht. Da haben sie gesagt, ich könnte ihn wieder nach Hause nehmen. Ernst war vom Nacken bis zum Hacken blau geschlagen. Dr. Schnabel hat ihn am nächsten Tag transportunfähig geschrieben. Aber am Nachmittag kam die SA wieder. Er sollte wieder mitkommen. Nur zum Verhör. Ich wollte ihn nicht lassen, aber Ernst meinte, dann kämen die andern vielleicht auch frei. So ging er auf Pantoffeln, ohne Schuhe und bloß mit einer Jacke nach Schöningen mit. Von dort brachten sie ihn gleich nach Braunschweig in die AOK."

"Ich war jüngstes Mitglied des Betriebsrates bei der "Caroline" seit 1926. Die Nazis unterwanderten die Betriebe mit NSBO-Leuten. Nach dem 30. Januar 1933 boten sie mir einen Posten als Aufseher im Rang eines Steigers in Bitterfeld an. Das hab ich nicht gemacht. Ich war seit 1931 bei der KP. Die KP-Leute haben bei mir eine Druckmaschine untergestellt. Den Apparat und viel Druckmaterial haben die Nazis im Juli 1933 mitgenommen. In der AOK habe ich 10 Tage im Baderaum gelegen. Dem Kirchhof aus Braunschweig haben sie eine Spritze gegeben. Wenn die Leute schon tot waren, hat die SA immer noch Essen angenommen, das die Kinder den Verhafteten brachten. Nierösel aus Alversdorf, der noch 1932 gesagt hatte, bald wehen über ganz Deutschland rote Fahnen, war schon im Juni 1933 im SA-Reitersturm. Viele sind in die SA reingegangen aus Feigheit. Ich bekam ein Jahr Wolfenbüttel und habe 10 Monate abgesessen."

"Ich bin mit dem Rad nach Braunschweig gefahren zur AOK und habe Ernst Essen gebracht. Da waren vor der Tür viele Frauen und auch Männer. Wir warteten, bis wir die Wäsche bekamen. Sein Hemd war hinten zerrissen und blutig. Kantor Wöhler hat uns in dieser Zeit viel beigestanden und die Kinder oft mit nach Schöningen ins Kino genommen. Ich bin auch nach Wolfenbüttel gefahren. Einen Tag vor Ostern 1934 kam er wieder zurück." "Ich krieg meinen Vati in der Ostertüte", sagte Helga, die sechsjährige Tochter, als sie Ostern 1934 in die Schule kam."

1934 mußte Ernst Roehse bei der Autobahn arbeiten. Dann wollten sie ihn noch einmal wegholen.

"Aber da hat "Kanter" Schulze gesagt: "Aus meinem Dorf kommt keiner mehr raus."

Mein Junge war Führer bei der Hitlerjugend.

Als das Schwelwerk 1936 gebaut wurde, bekam ich Arbeit bei der BKB. Wahnschaffe war für mich auf der Verwaltung und hat gut für mich gesprochen. Dann kam ich bei der BKB an.

Am Kriegsende war ich sogar Angestellter. Mit dem alten Smuda haben wir uns einen Sender gebaut. Wir hatten keine Volksempfänger. Dadurch wußte ich genau, was los war. Ich habe auch andere Sender gehört, was schwer verboten war. An meinem Geburtstag im Oktober 1941 hat mir eine Frau gesagt: "Wenn der Krieg Weihnachten nicht vorbei ist, dann ist er verloren." Unsre Polin Nadja aus dem Alversdorfer Lager sagte mir 1943: "Ihr braucht euch nicht zu wundern, wenn der Russe herkommt."

Und nach dem Krieg: die ganzen Richter sind geblieben. Die Nazigeneräle sind alle geblieben. Adenauer hat sie alle wieder rausgeholt. Aus der Geschichte haben die noch nicht gelernt."

(aus dem Gemeindebrief April/Mai 1983, die Weglassungen aus dem Original sind wieder eingefügt).

Vor 50 Jahren - über Karl Mühr

Von Lieselotte Knüttel

Mein Vater Karl Mühr kam 1918 aus dem Krieg und heiratete meine Mutter Klara Wiederhold am 14. September 1919. Arbeit bekam er auf der Caroline. 1921-1922 machte sich mein Vater, da er das Dachdeckerhandwerk erlernt hatte, selbständig. Unsere Werkstatt war zuerst in der Lindenstraße bei Sittel, dann zogen wir zu Graß, und zuletzt bei Grünhagen. Das Arbeitsgebiet war hauptsächlich Offleben, außerdem die Orte Schöningen, Alversdorf, Reinsdorf, Hohnsleben, Barneberg, Ausleben, Hötensleben und Völpke. Wir hatten einige Gesellen im Sommerhalbjahr, denn im Winter war Dacharbeit unmöglich. So ging mein Vater dann zur Zuckerfabrik als Zuckerbodenmeister. Die Freizeit nutzte er als Mitglied im Stahlhelm. Er baute das Stahlhelmhaus "Haus Langemarck" und einen Schießstand mit Unterstützung von vielen Offlebern, Bauern, Gutsbesitzern, Lehrern usw. Jetzt ist es die Jugendherberge in Schöningen.

1933 kam dann die schwere, böse Zeit für viele Stahlhelmer Vom Stahlhelm Offleben war aber nur mein Vater infolge seiner Betätigung geschädigt. Zweimal konnte er sich der SS entziehen. Er ging über den Tusculum nach Völpke oder noch weiter und hielt sich dort bei Kameraden, die hier nicht bekannt waren, versteckt auf. Da dies immer während der Arbeitszeit geschah, lieh er sich immer Wäsche und Anzug vom Domänenpächter Benno Brandes oder Landwirt Herbert Bockmann. Meine Mutter und ich, seine Tochter Lieselotte, gingen dann immer zu den Herrenhäusern essen, da wir ja auch keine Reichtümer hatten. Dann war es soweit! Mein Vater hatte ja nichts verbrochen, wurde aber trotzdem mit Mistgabeln in Heu und Stroh gesucht und dann aus der Wohnung Bockmann von 7 SS-Männern abgeführt. Bevor er in Schöningen im "Schwarzen Adler" abgeliefert wurde, bekam er die ersten Schläge. Nachdem er ein Protokoll nicht unterschreiben wollte, erhielt er die zweiten Schläge und immer von 5-7 Männern der SS. Erst kam er in den Keller, später nach Helmstedt ins Gefängnis. Vor der Übergabe fielen sie noch mal über ihn her. Ungefähr war er dort 3-4 Wochen. Sie hatten ihn so verprügelt, daß er anschließend lange Zeit im Krankenhaus lag. Sein Geschäft litt natürlich sehr darunter. Er mußte es wieder neu aufbauen und wurde gezwungen, 1936 in die Partei einzutreten, sonst bekam er vom Stadtbauamt und vom Staat keine Arbeit mehr. Später, als die Bomben fielen, wurde mein Vater in den Städten Kassel, Osnabrück, Hamburg und Helgoland zum Wiederaufbau eingesetzt und unser Geschäft lag still.

1943 wurde mein Vater fürs Vaterland gebraucht und wurde mit 52 Jahren eingezogen. Dieses hatte er auch vielen Offlebern, denen seine Nase nicht gefiel, zu verdanken. Er kam nach Frankreich, machte dann später den Rückzug mit und wurde in Bad Aibling gefangen gehalten. Abgemagert kam er zu uns zurück. Wir pflegten ihn so gut, daß er wieder arbeiten konnte.

Eine Entschädigung für die Mißhandlungen im 3. Reich hat er nicht erhalten, da er aus Stolz einen Antrag nicht stellte.

1953 starb mein Vater an einer schweren Krankheit in Offleben. Ich, seine Tochter, ging zu der gegebenen Zeit zur Mittelschule in Schöningen, mußte sie aber verlassen, da ich wegen meines Vaters nicht tragbar war. Meine Mutter starb Anfang August 1978.

(aus: Gemeindebrief 1. September 1985)

Umweltprotest im Dritten Reich oder: waren die Nazis die ersten Grünen?

Ich dachte, bei den Nazis durfte man nicht protestieren. Wer widersprach, wurde gleich an die Wand gestellt. In Offleben kann man ab 1936 das Gegenteil feststellen. Es gab öffentliche, wütende, wirksame Proteste gegen die Belästigung durch das Schwelwerk.

Im Mai 1935 trafen sich im Verwaltungsgebäude der "Treue" in Alversdorf das Direktorium der BKB (Kraiger, Weinholz, Haubner), Leute vom Landesbergamt, von der Kreisdirektion (Allers, Lehmann), von der Domäne (Richter, Brandes) und Wahnschaffe als Ortsgruppenführer und Mitglied des Gemeinderates von Offleben. Es solle sofort eine Kohleverflüssigungsanlage gebaut werden und im Frühjahr 1936 fertig sein, und zwar "auf Anordnung des Führers und Reichskanzlers". Daher waren die Proteste eigentlich nicht ungefährlich.

Am Dorfrand von Offleben sollte also Kriegsindustrie entstehen. Für das Luftfahrtministerium besichtigte General v. Bockelberg noch im selben Monat das Gelände. Die ganze Anlage sei "erhöht luftgefährdet". Man befürchtete Luftangriffe (und zwar bereits 1935!!), aber die Bedenken wurden beiseite gewischt. Die Domäne überließ "nach längeren Verhandlungen" 10 Hektar Land im Austausch gegen anderes BKB-Gelände.

Zehn Schwelöfen, Koksbunker, eine Generatorenanlage zum Trocknen der Rohkohle, eine dampfbeheizte Destillationsanlage, zwei Tanks mit je 500 cbm Inhalt zur Lagerung des Benzins, zwei Tanks für Teer mit je 2.500 cbm Inhalt, dazu drei Absetztanks mit je 500 cbm, alles mit einer Umwallung umgeben, sowie weitere Gebäude wie Transformationsstation, Wiegehäuser, Magazin, Büro- und Unterkunftsräume wurden in kürzester Zeit hochgezogen. Nach einem Jahr Bauzeit lief der Betrieb an.

Aber bereits wenige Monate danach hagelte es Proteste von der Offleber Bevölkerung, die Bürgermeister Kempe an das Staatliche Gesundheitsamt in Helmstedt weitereichte. Es schrieb an die Kreisdirektion: "Bei gelegentlichen Durchfahrten habe ich feststellen können, daß die Verunreinigung der Luft in der Tat sehr erheblich ist und geeignet erscheint, die Gesundheit der Bevölkerung zu gefährden."

Auf Veranlassung des Landesbergamtes kam es zu einer Besprechung mit der Bergbehörde, der Kreisdirektion, Bergwerksdirektor Haubner, Bürgermeister Kempe und Ortsgruppenführer Wahnschaffe in Offleben. Die BKB versprachen, sich wegen der Wasser- und Lichtversorgung mit dem Bürgermeister in Verbindung zu setzen. Außerdem bekämpfe man die schädlichen Wirkungen. Eine Besserung wäre Mitte Dezember zu erwarten.

Inzwischen hatten die Einwohner von Offleben Unterschriften gesammelt, ein für die Verhältnisse im Dritten Reich ganz ungewöhnliches Verhalten.

Eine Eingabe unterzeichneten für alle anderen Hermann Müller, Reinhold Strebe, Heinrich Wächter, Bäckermeister, C. Jaeger. Darin hieß es: "Besonders in der Gegend des Bahnhofes und in den Siedlungen regnet es förmlich Feinkohle, sodaß schon im Vorbeigehen jegliches Zeug mit einer Kohlenschicht überzogen ist. Wer ersetzt der Bevölkerung diesen Schaden? An regnerischen Tagen machen sich Rauch- und Gasgeruch in den Wohnungen unerträglich bemerkbar, und die Möbel werden mit einer dicken Staubschicht überzogen. Wenn diese kaum noch tragbaren Belästigungen, die es unmöglich machen, Früchte aus den Gärten zu genießen, die die Felder mit einer braunen Staubschicht überziehen, bisher von der Bevölkerung getragen wurden, so deshalb, weil sich wohl jeder einzelne in der hiesigen Gemeinde bewußt ist, daß das Werk aus wehrpolitischen Gründen errichtet werden mußte, weil die Benzinerzeugung keinen Aufschub mehr duldet. Selbstverständlich müßte es jedoch sein, daß der bisherigen Bevölkerung das Leben hier wenigstens erträglich gemacht wird, und daß sie nicht mit Zukunftsmusik vertröstet wird." Die Unterzeichner fordern den Bau einer Wasserleitung, weil auch das Regenwasser vollständig verschmutzt sei, einen Erlaß des Strompreises und Steuerermäßigung. Den Ausgleich müßten die BKB zahlen. Das ist für so ein kleines und widerstandsunerprobtes Dorf ein beachtliches Dokument für Bürgercourage im totalen Staat.

Die BKB antworteten hinhaltend, die Belästigung wäre nur vorübergehend und über Entschädigungen könnte man später reden.

Bürgermeister Kempe schloß sich inhaltlich der Eingabe an und gab die Forderung der Offleber Einwohner nach einer Mietpreisverminderung an die BKB weiter. "Die Einwohnerschaft bedrängt mich fortgesetzt, Abhilfe zu schaffen."

Das Staatliche Gesundheitsamt verschärfte nun seinen Ton und schrieb am 7. Dezember 1936 an die Kreisdirektion: "Die Einwohner von Offleben beschweren sich immer häufiger darüber, daß die Luftverunreinigung durch das Schwelwerk Offleben unerträglich und gesundheitszerstörend geworden sei. Die Bewohner klagen über Kopfschmerzen, Übelkeit bis zu Erbrechen, Augenbeschwerden, Magendruck, Schlaflosigkeit. Da durch einen Vertreter des Reichsnährstandes der Genuß des Wintergemüses ... wegen Vergiftungsgefahr verboten worden ist, so muß die Bevölkerung mit Recht annehmen, daß die Abgase der Schwelerei auch den menschlichen Organismus zu schädigen geeignet sind."

Alle Versprechungen der BKB wurden nicht eingehalten. Ausgerechnet zu Weihnachten 1936 waren Dreck und Schwefelgase wieder extrem. Da setzte sich der Ortsgruppenleiter Walter Wahnschaffe an den Schreibtisch und verfaßte eine dreiseitige geharnischte Denkschrift. "Am 1. Weihnachtstag waren die Kohlenstaubschwaden dermaßen stark, daß die Einwohnerschaft von Offleben den zweiten Weihnachtstag benötigte, ihre vollständig verstaubten Wohnungen und Häuser notdürftig wieder zu reinigen. Die Bewohner der besonders gefähr(de)ten Siedlung sind weinend zu mir gekommen und haben um Abhilfe gebeten. Offen stehende Speisen und Getränke sind in den Zimmern mit einer dicken Kohlenstaubschicht überzogen gewesen und ungenießbar geworden. Neue Mäntel und Hüte der zum Bahnhof gehenden Leute waren mit Staub bedeckt und haben Schaden genommen. Betten und Möbel waren ebenfalls mit einer dicken Staubschicht überzogen. Gesichter und weiße Wäsche der zum Bahnhof gehenden Personen trugen sichtbare Zeichen braunen Kohlenstaubes und mußten gewaschen bzw. gewechselt werden. In den Häusern war jeder Schritt durch Hinterlassen einer Fußspur gekennzeichnet. An ein geregeltes Schlafen war in dieser Nacht durch die Schwelgase nicht zu denken. Desgleichen ist das Regenwasser hier in Offleben vollständig unbrauchbar. Die behelfsmäßige Belieferung mit enthärtetem Wasser durch die BKB genügt bei weitem nicht den tatsächlichen Bedürfnissen. Tagelang müssen Einwohner bei geschlossenen Fensterläden und elektrischer Beleuchtung ihr Leben fristen. Die moralische Wirkung dieser Plage ist furchtbar. Es ist mir nicht mehr möglich, die Einwohner zusammenzuhalten, wenn nicht in kürzester Frist fühlbare Änderungen getroffen werden..."

Diese Denkschrift war etwas Besonderes. Es war ja bekannt, daß der "Führer" hinter dem Werk stand und daß die neue Anlage für das "Dritte Reich" sehr wichtig war. Leicht hätte man mit diesem Hinweis jeden Protest im Keim ersticken können. Aber die NSDAP stellte sich hinter den bürgerlichen Protest des Bäckermeisters und Landwirtes und schützend vor die erschütterte Bevölkerung. Am 30.12. kam es zu einer Besprechung, und die BKB versprachen Besserung durch die Inbetriebnahme einer Entstaubungsanlage. Die Wasserlieferung mit Wasserwagen solle verstärkt werden.

Die Protestfront verstärkte sich sogar noch. Der Landrat des Landkreises Neuhaldensleben schrieb am 16. Januar 1937 an die Helmstedter Kreisdirektion, es scheine "dringend und erforderlich, daß beide Kreise einheitlich gegen das Schwelwerk Offleben vorgehen." Das Straßen- und Wasserbauamt meldete einen Monat später, die Landstraße Schöningen - Offleben sei bei Ostwind auf eine Länge von 200 bis 300 m von dichtem Wasserdampf eingehüllt. Die Scheinwerfer der Kraftwagen könnten sie nicht durchdringen. Bei einer Besprechung mit der Landesanstalt für Boden-, Luft- und Wasserhygiene in Berlin versprachen die BKB einen Beobachtungsdienst auf eigene Kosten einzurichten. Die Proteste zeigten also Wirkung.

Als am Sonntag und Montag, dem 11. und 12. Juli 1937, sich eine riesige Kohlenstaubwolke mit Regen vermischte, kam auf einen Hilferuf von Bürgermeister Kempe Oberregierungsrat Allers vom Landkreis zur Besichtigung und hielt schriftlich fest, daß in einer Entfernung von 600 bis 700 Metern vom Schwelwerk das Wachstum der Pflanzen zu einem erheblichen Teil zerstört sei. "Die Bevölkerung der Siedlung war wegen der Einwirkungen des Schwelwerkes in ziemlicher Erregung." Der Gemeindefriedhof habe einen "ganz traurigen Eindruck" gemacht.

Bei einer Tage darauf folgenden Sitzung mit der BKB-Direktion und dem Bergamt wurde sogar von einer Stillegung des Werkes gesprochen oder eine Belieferung mit anderen Briketts vorgeschlagen, was die BKB aus technischen und wirtschaftlichen Gründen ablehnten. Aber sie versprachen den Einbau einer Entschwefelungsanlage und eines Trockenvorabscheiders. Der Protest hatte sich also gelohnt, und er ging auch innerhalb der NS-Partei weiter.

Der Landesvertrauensarzt Dr. med. Schmücking berichtete an die NSV-Gauamtsleitung nach einer Besichtigung Offlebens durch Parteigrößen und die Ärztekommission am 31. Juli, man habe "die allergrößte Befürchtung für die Zukunft der dort wohnenden Volksgenossen." Der Ort habe ausgesehen "wie von einer Katastrophe heimgesucht." In der ganzen Psyche der Bevölkerung präge sich das Elend und die Angst vor der Zukunft aus, die vielen hoffnungslos erscheine.

Nun wurde die Einrichtung eines Dauerkindergartens vorgeschlagen, eine großzügige Verschickung von Kindern und Eltern, die Einstellung eines hauptamtlichen Betriebsarztes beim Schwelwerk und eines zweiten Knappschaftsarztes. Bereits sechs Tage später suchte die NSDAP- Kreisleitung in Offleben nach einem Platz für einen Kindergarten. Einige Bewohner baten sie, sich mal die Gärten anzusehen. Daraufhin versammelten sich in Windeseile 80 bis 100 Offleber um die Parteigrößen. Im Bericht an den Kreisleiter Lehmann schrieben sie: "Ich kann bestätigen, daß die Gesichter dieser Menschen verzweifelt aussehen, und sie selbst seelisch kolossal leiden. Blaß und verärgert über die Vernichtung der ideellen Werte möchten sie am liebsten Offleben den Rücken kehren und sich eine neue Heimat suchen."

Der Protest schwoll weiter an. Der Kohlenstaubausstoß muß damals wirklich furchtbar gewesen sein. Noch für das Jahr 1938 wurde von einer Meßstelle 500 Meter von Schwelwerk entfernt ein Ausstoß von 5046g/100qm gemessen. Anfang März 1938 gingen von 600 Haushaltungen in Offleben allein 549 Beschwerden bei der Gemeindebehörde ein. Wahnschaffe meldete "sehr große Beunruhigung der Bevölkerung". Am 13. April 1938 telegrafierte die Leiterin der NS-Frauenschaft und Hebamme Alma Meier: "2000 Offleber verzweifelt! Helfen Sie uns!" Berghauptmann Seiffert eilte mit einem anderen Beamten des Bergamtes nach Offleben und stellte tatsächlich eine stärkere Rauchentwicklung als sonst fest. Es müßten eventuell "einschneidende Maßnahmen" durchgeführt werden.

Alle diese Proteste bewegten die BKB zu einer Erhöhung der Abzugsschlote und zu einer Entschädigungszahlung, die allerdings in der Bevölkerung ihrerseits heftige Einsprüche auslöste. Es bildete sich 1938 der Haus- und Grundbesitzerverein als Interessenvertretung gegenüber den BKB und Wahnschaffe schlug sogar "einen gerichtlich eingetragenen Zweckverband der Schwelwerkgeschädigten" vor, von dem ihm aber der Landrat abriet.

Der Kohlestaubausstoß verringerte sich in den ersten Kriegsjahren, schwoll 1941 aber wieder an, was zu erneuten Klagen von Bürgermeister Schulze und vom Haus- und Grundbesitzerverein führte. Vor allem aber die Verlegung des Kupferbaches und die geplante Hochkippe im Süden des Dorfes wurden vom Bürgermeister Schulze nicht kritiklos hingenommen. "Die Aufschüttung der Oberflächen, ansteigend vom neuen Bachstück bis zur Bahnhofskippe halte ich für die Gemeinde Offleben untragbar", schrieb er am 1. März 1943 an den Landrat. Die Abgase der Industriewerke würden sich "im Offleber Talkessel sammeln und halten." Eine andere Lösung sollte von der Reichsanstalt für Boden-, Luft- und Wasserhygiene geprüft werden. Tatsächlich reagierten die BKB und versprach eine andere, verbesserte Lösung.

Dieser kleine Bericht aus dem Dorf Offleben in den Jahren 1936-1943 zeigt, daß die nationalsozialistische "Gleichschaltungswelle" durchaus ihre Grenze an den vitalen Interessen der Dorfbevölkerung an einem gesunden, lebenswerten Leben fand und daß Proteste sogar im "totalen Staat" möglich und wirkungsvoll waren.

Terror und Wirtschaftswunder

Als die Nationalsozialisten 1933 bei den Reichstagswahlen keine Mehrheit im Dorf bekamen, machte sich das Dorf bei ihnen verdächtig. Die sozialdemokratische Mehrheit im Gemeinderat wurde mit Terror beseitigt. Zum Vater von Herta Meier, verheiratete Hasse, kamen Nazis aus dem Ort und suchten die Fahne des sozialdemokratischen Reichsbanners, die auf dem Boden versteckt war. Aber sie fanden nichts. Von der Verhaftung und Verurteilung Ernst Roehses haben seine Frau und er oben berichtet.

Der Gemeindevorsteher Alwin Graß wurde von seinem Posten abgesetzt. Viele Jahrzehnte später sagte im Vorbeigehen der damalige Ortsgruppenführer und nunmehrige Busunternehmer Walter Wahnschaffe zum Graß-Enkel Rüdiger Schwarz: "Du, was wir damals mit Graß gemacht haben, war auch nicht schön." So wirkten die Erinnerungen an weit zurückliegendes Unrecht noch lange fort.

Dann wurde das Dorf von der Aufbruchstimmung angesteckt: es wurde ein Freibad mit einem Schützenhaus gebaut (Spitzname: "Kempes Höh"), eine Obstbaumallee mit Ruhebänken und der Volkspark wurden angelegt, an den Mieten der zahlreichen, am Schwelwerkaufbau arbeitenden Monteuren verdienten die Offleber zusätzlich etwas, die Mühle bekam ein neues Getreidesilo, 1939 wurde Offleben an eine zentrale Wasserversorgung angeschlossen, 1940 wurde der Kindergarten eingerichtet. Es gab also so etwas wie ein "braunes Wirtschaftswunder", und zwar nicht nur in Offleben, sondern im ganzen Reich.

1942 feierte man das ungewöhnliche Fest einer 250 Jahre andauernden Pacht des Klostergutes durch die Familie Brandes. Zu diesem Anlaß kam sogar der nationalsozialistische Ministerpräsident Dietrich Klagges nach Offleben auf das Klostergut und die Dorfbewohner bestaunten über den Zaun den Aufmarsch der "braunen" Gäste.

In der Offleber Schule fand eine gräßliche Ausstellung über die nazistische Rassenkunde statt, auch die einzige jüdische Frau aus dem Dorf verschwand für einige Zeit, kam dann aber wieder. Als sie wieder weggeholt werden sollte, soll der stellvertretende Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Bernhard Schulze sich erfolgreich dagegen gewandt haben.

Die Pogromnacht am 9. November 1938 bekamen die Offleber dadurch mit, daß sie nun in den "jüdischen Geschäften" in Schöningen nicht mehr einkaufen durften. Manche erinnern sich noch heute an die eingeschlagenen Schaufensterscheiben und die zerstörten Geschäfte von Lauterstein und Hirsch und Probst.

Es gab auch "Taufen" und Eheschließungen "unter der Fahne", wie man sagte. Man verabschiedete sich von den jahrhundertealten kirchlichen Bräuchen und feierte Lebensbeginn und Partnerschaft unter Runenzeichen und Hakenkreuzfahne. Die Zeremonie nahm "Kantor" Schulze im Gemeinderaum der Verwaltung vor. Nach dem Kriege "korrigierten" die meisten diesen voreiligen Schritt.

Der Offleber Heimatbote

Über die Kriegszeit in Offleben bieten die 22 Nummern "Der Offleber Heimatbote", die von der Parteileitung und dem Gemeindebüro herausgegeben wurden, einen besonders umfassenden Einblick. Ich habe sie seinerzeit zusammen mit den Gemeinderatsprotokollen von Bernhard Schulze erhalten.

Das Dorf hatte sich durch den Krieg äußerlich verändert. "Das sonst wie ein Märchenschloß feenhaft erleuchtete Wahrzeichen Offlebens, das Schwelwerk, liegt scheinbar in einem Dornröschenschlaf! Sogar die fünf großen, weithin sichtbaren Gasflammen sind verschwunden. Ein feindlicher Flieger kann unser Offleben bei Dunkelheit bestimmt nicht finden. Bei uns glaubt kein Mensch mehr an einen Luftangriff auf Offleben. Dazu ist das Vertrauen zu unserer Luftwaffe zu groß."

Der Offleber Heimatbote

175 Offleber Männer waren zu Kriegsbeginn eingezogen und fehlten nun bei der Arbeit. Aus dem Saarland mußten 100 Flüchtlinge als Gäste aufgenommen werden. Zur Arbeit wurden polnische Kriegsgefangene eingesetzt. Schulze schreibt im November 1939: "30 polnische Kriegsgefangene hat Offleben erhalten. Sie wohnen in den Baracken der alten Badeanstalt und sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Es scheinen ja ganz ordentliche Kerle zu sein, aber Vorsicht ist trotzdem geboten. Manche Dorfbewohner müssen auch noch lernen, den nötigen Abstand zu bewahren! Es sind immerhin noch unsere "Kriegsgefangenen."

Verwundungen, militärische Auszeichnungen und die Todesfälle an der Front füllen den Heimatboten. Hermann Rheinsberg, Sohn von Wilhelm Rheinsberg und Walter Fleischhauer, Sohn des Schneiders Franz Fleischhauer, waren die ersten "Gefallenen".

Mit Jubel begleiteten die Offleber wie alle Deutschen die Siege der Armee Hitlers.

Ich habe mit einer gewissen spöttischen Bewunderung und zugleich Ratlosigkeit gelesen, wie sich ein ganzes Dorf auf den alljährlich wiederkehrenden braunen Festzyklus eingelassen hat, und zwar bis zum letzten Jahr 1944. Im Heimatboten Nr. 15 wurden die Feste der ersten Jahreshälfte 1942 aufgezählt:

30. Januar 1942:

Tag der Machtübernahme. Die Politischen Leiter trafen sich zu einer Arbeitstagung im Apelschen Saale. - Zwei Jahre später fand zu diesem Anlaß dort eine Großkundgebung statt. Der stellvertretende Kreisleiter Gericke "ließ noch einmal die heilige Verpflichtung vor dem geistigen Auge aller erstehen, die darin gipfelte, auch in den kommenden Tagen ebenso treu und beharrlich, so gläubig und entschlossen in unwandelbarer Treue zum Führer alles dranzusetzen, um mitzuhelfen, den Endsieg zu erkämpfen."

15. März 1942:

Heldengedenktag unter "außerordentlich starker Beteiligung". Programm: 1. Gemeinsames Lied "Wir treten zum Beten", 2. Gedicht: "Den Helden des großen Krieges", 3. Ansprache des stellvertretenden Ortsgruppenleiters Schulze, 4. Kranzniederlegung, 5. Gedicht "Wir Jungen", 6. Ehrensalve, 7. Gemeinsames Lied "Heilig Vaterland", 8. Schlußwort, 9. Nationallieder. - Im nächsten Jahr wurden Kränze auf dem Friedhof an der Bahnhofstraße, auf dem neuen Friedhof und am Ehrenmal vor der evangelischen Kirche niedergelegt.

23. März 1942:

Verpflichtung der Jugend.

20. April 1942:.

Geburtstag des Führers. Politische Leiter im Apelschen Saal. - Zwei Jahre später eine Kundgebung im Thieleschen Saale. - Feierfolge: 1. Fahneneinmarsch, 2. Gemeinsames Lied "Wann wir schreiten Seit an Seit", 3. Gedicht "Unser Glaube", 4. Gemeinsames Lied "Nichts kann uns rauben", 5. "Worte des Führers", 6. Gemeinsames Lied "Volk ans Gewehr", 7. Feieransprache, 8. Gemeinsames Lied "Heilig Vaterland", 9. Bekenntnis "Dem Führer", 10. Gemeinsames Lied "Niedersachsenlied", 11. Führerehrung, 12. Nationalhymne 13. Fahnenausmarsch. - Diese Feierfolge ist mit Chorälen, Evangelium, Predigt, Bekenntnis, Hymnus dem Ablauf eines Gottesdienstes nachempfunden.

1. Mai.1942

: Besprechung der Zellenleiter der Ortsgruppe in Reinsdorf.

Am 9. November trafen sich die politischen Leiter in der Gastwirtschaft Ahrenholz..

Zu Weihnachten wurde für das Winterhilfswerk getrommelt und gesammelt und besonders den Kindern, deren Mütter bereits Kriegswitwen waren, eine Weihnachtsbescherung bereitet. Frau Schuppe schreibt von der Bescherung der älteren Kinder: "Die Größeren, die den Schmerz der Mutter schon besser verstehen und mitfühlen, sind wohl stiller, denn gerade bei solchen Anlässen wird vieles wieder wachgerufen, das im Getriebe des Alltags mit Müh zurückgedämmt worden ist."

Gewiß waren die Berichte besonders parteitreu, sonst hätten sie gar nicht an die Front weitergereicht werden können. Sie spiegeln aber m.E. doch eine echte Situation wieder.

Es ist "begreiflich", daß nach dem "leider" mißglückten Attentat auf Hitler B. Schulze die Bevölkerung zu einer gewaltigen Treuekundgebung für Hitler zusammenrief und die Offleber mit einem kräftigem "JA" ihre Treue zu Hitler erneuerten.

Der Luftkrieg spielte im Verlauf des Krieges eine immer größere Rolle. Der BKB-Betrieb wurde als kriegswichtige Industrie zum Schutz gegen Fliegerangriffe eingenebelt. Hinter den Beamtenhäusern am oberen Dorfausgang befand sich ein großer Stollenbunker, in den sich die Bevölkerung flüchten sollte. Auf dem Sportplatz verursachte eine Bombe einen größeren Bombentrichter. Im unteren Dorfteil wurden Deckungsgräben angelegt. Die wichtigsten Gemeindeakten, Gemeindechronik, Urkunden wurden "bombensicher" untergebracht. Immer wieder ermahnte Schulze die Bevölkerung, bei Angriffen die Luftschutzkeller aufzusuchen und nicht draußen zu bleiben. Bei Angriffen auf Nachbarorte wäre es streng verboten, aus Neugierde dorthin zu laufen. Die Landwacht riegelte in diesem Falle die Ortsausgänge ab.

Einmal hing ein englischer Pilot, dessen Flugzeug abgestürzt war, an einem Fallschirm im Baum des Volksparkes. Die Polizei holte ihn ab. B. Schulze warnte im Heimatboten Nr. 21 vom Juli 1944: "Auf Fallschirmspringer darf nicht blindlings, wie hier auch geschehen, geschossen werden. Es können auch deutsche Flieger sein. Erst wenn der Feind genau erkannt und sich zur Wehr zu setzen versucht, ist natürlich jedes Mittel recht, um ihn zu vernichten."

Die zweiundzwanzig Nummern des "Heimatboten" müssen noch gründlich für die Dorfgeschichte aufgearbeitet werden.

Anderes steht nicht im "Heimatboten"

Die mageren Kriegszeiten überbrückten die meisten Offleber und Reinsdorfer mit Schwarzschlachten, was verboten war. In Braunschweig fanden vor dem Nazi-Sondergericht wiederholt Prozesse gegen Schwarzschlachter statt, die zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Aber das Dorf hielt zusammen. Der Fleischbeschauer aus Hohnsleben drückte ein Auge zu, wenn plötzlich im Schlachtekessel zwei Schweineköpfe auftauchten, obwohl nur ein Schwein angegeben war. "Wir haben keine Not gekannt", sagte mir einmal eine ältere Frau. Sie meinte damit, den Dorfbewohnern waren Hunger und Flucht und Bombennächte erspart geblieben.

In Alversdorf wurde ein großes Gefangenenlager eingerichtet. Für eine genaue Beschreibung müßten die BKB endlich das Archiv öffnen.

Es kursieren auch Geschichten, wie die Dorfbevölkerung den Kriegsgefangenen begegnet war. Mancher Bewohner steckte den Gefangenen heimlich etwas zum Essen zu.

Frau Margarete Schulze aus Reinsdorf warf den zur Arbeit vorbeiziehenden gefangenen Italienern - Badoglios nannten die Reinsdorfer sie - aus dem Fenster abgekochte Kartoffeln zu, auf die sich die verhungerten Gefangenen stürzten. Beim Bauern Jacobs arbeitete ein polnisches Ehepaar, dessen erstes Kind starb und auf dem Reinsdorfer Friedhof begraben wurde. Zu diesem polnischen Ehepaar unterhielt Frau Schulze geradezu freundschaftliche Beziehungen. Sie konnten sich gemeinsam auf polnisch verständigen. Da gab es dann "scharfe Nazis" im Dorf, die Frau Schulze drohten.

Frau Frieda Krebs, die Mutter von Frau Lisa Pfeiffer, kochte für etwa 20 russische Zivilgefangene, Männer und wenige Frauen, in Wulfersdorf. Sie gehörten zum "Gut Bismarck", das von Ehepaar Kraiger bewirtschaftet wurde, Otto Krebs war dort Hofmeister. Als Wulfersdorf vor Kriegsende abgerissen wurde, verlegte man die russischen Zivilgefangenen in eine Baracke auf der Höhe zwischen Reinsdorf und Hohnsleben. Otto Krebs unterließ es meistens, die Baracke um zehn Uhr abends abzuschließen. Diese Zivilgefangene hatten durchaus Kontakt zur Dorfbevölkerung. Im Garten von Krebs beschäftigte sich gelegentlich einer von ihnen. Der Tochter schenkte ein anderer ein gemaltes Bild. Es kam aber auch vor, daß einer der Gefangenen - er hieß Alexander - ins berüchtigte Lager 21 in Salzgitter verbracht wurde.

Als dann später Frau Lisa Kraiger das Kochen übernahm, versuchten die Zivilgefangenen, woanders unterzukommen.

Es gab auch solche, die die Gefangenen schikanierten. Als sich eine Frau aus Offleben mit einem Franzosen anfreundete, wurde sie verhaftet und vom Sondergericht Magdeburg zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Sie kam erst nach dem Kriege wieder ins Dorf zurück. Anläßlich einer Goldenen Konfirmation erzählte sie mir in einer langen Nacht ihre Leidensgeschichte.

Eine andere Frau wurde denunziert, sie habe sich mit einem Gefangenen "eingelassen". Sie kam zunächst in die SS-Schule, in das ehemalige Schloß nach Braunschweig in die Küche, dann von dort in das KZ-Frauenlager Ravensbrück. Nach dem Krieg kehrte sich ins Dorf zurück und wurde vom Denunzianten zuvorkommend bedient.

Es hat auch Kinder, die aus einer Verbindung mit einem Kriegsgefangenen geboren worden sind, gegeben. Darüber liegt nicht nur in Offleben ein lastendes, lebenslanges Tabu.

Das Kriegsende

Vom Kriegsende schreibt Pastor Reiche in die Kirchenchronik: "1945. Als unsere Truppen sich immer mehr zurückzogen und die Feinde sich Offleben näherten, wollten einige Nazis den Ort verteidigen. Am Bahnübergang nach Alversdorf wurde eine Barrikade errichtet. Aber der stellvertretende Bürgermeister, Lehrer Bernhard Schulze, war vernünftiger. Er übergab ohne Kampf das Dorf den Amerikanern."

Zu den "paar Nazis", die Pfarrer Reiche erwähnt, gehörte Karl Heinz Ruhe. Es waren wenige, von nazistischen Gedankengängen völlig eingefangene Jugendliche, die mit Pistolen das Dorf am Eingang "verteidigen" wollten. Ich kenne das aus meiner eigenen Biographie. Bernhard Wicki hat es lebensecht in seinem Nachkriegsfilm "Die Brücke" dargestellt.

Die Jungens vor Offleben wurden von einigen farbigen Amerikanern verhauen, nach Schöningen gebracht und dann wieder nach Hause entlassen. Deutsche Soldaten haben sich in Weißrußland gegenüber solchen "Partisanen" nicht so "zimperlich" verhalten.

800 Panzer, so berichtet Karl Rose in der Chronik, sollen auf der alten Reichsstraße durch Hohnsleben gefahren sein. Die Amerikaner richteten ihre Kommandantur in der Reinsdorfer BKB-Villa ein.

Das Kriegsgefangenenlager Alversdorf wurde geöffnet und einen der Lagerführer, Otto Golus, Malermeister des Ortes, verprügelten die Gefangenen. Auch Frau Lisa Kraiger mußte sich vor der Wut der Gefangenen verstecken. Der Reinsdorfer Rademacher flüchtete sich in eine Jauchegrube. Von den Landwirten klauten die freigelassenen Gefangenen Vieh, eine lächerliche Geringfügigkeit gegenüber den Unmenschlichkeiten deutscher Soldaten z.B. in Weißrußland. Diejenigen, die sich menschlich gegenüber den Gefangenen verhalten hatten, wurden aber geschützt.

Panzermeyer und kein Ende vom Lied

Kurt Meyer

Das war jedoch nicht das Ende vom Lied. Denn bis zum Kriegsende erlebten die Offleber einen für sie besonderen Mitbürger. Der Sohn der Hebamme des Dorfes Alma Meyer, Kurt Meyer (geboren 1910), bekam als junger Soldat das Ritterkreuz, dann das mit Eichenlaub und schließlich das Ritterkreuz mit Schwertern (1944) aus der Hand des "obersten Kriegsherrn Adolf Hitler".

Kurt Meyer war SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. Er war überzeugter Nationalsozialist, mit 15 Jahren Mitglied der NSDAP (1925) und mit 21 Jahren (1931) Mitglied der SS. Er wurde im Dezember 1945 von einem kanadischen Militärgericht in Aurich zum Tode verurteilt, weil er auf Grund von anfechtbaren Zeugen für die Erschießung von Kriegsgefangenen verantwortlich gemacht worden war.

Im Januar 1946 wurde er zu lebenslänglicher Haft begnadigt, die er im Zuchthaus Dorchester in Neu-Braunschweig in Kanada verbüßte. Auf hartnäckiges Betreiben eines deutsch-kanadischen Unternehmers um Revision des Urteils erfolgte 1951 die Verlegung nach Westdeutschland ins Zuchthaus Werl. Die kanadische Regierung reduzierte 1954 das Urteil in eine 14jährige Haftstrafe, sodaß Meyer im September 1954 entlassen wurde.

Er arbeitete danach in einer Brauerei in Hagen und veröffentlichte 1957 seine Memoiren unter dem Titel "Grenadiere", die 1994 in 10. deutscher Auflage und auch in englischer und französischer Übersetzung erschienen sind.

Im Klappentext des Buches heißt es: "In diesem starken, überaus fesselnden persönlichen Erlebnisbuch weht der heiße Atem der Front, spiegelt sich die Kriegs- und Truppengeschichte von Panzermeyers Einheiten ebenso, wie es eine Fundgrube praktischer Panzertaktik und Führungskunst auf der unteren und mittleren Führungsebene ist." Es berührt mich seltsam, daß der "heiße Atem der Front" bereits 12 Jahre nach Kriegsende in der Adenauerzeit wieder gelesen wurde.

Am 23.12.1961 verstarb Kurt Meyer mit 51 Jahren.

Auf Panzermeyer war das ganze Dorf stolz, und auch heute ist seine "Ruhm" keineswegs verblaßt. Er ist bis heute das Kennzeichen für die "braune" Seite des Ortes.

"Geweint wird, wenn der Kopf ab ist"

Sein Sohn Kurt Heinrich Meyer wurde im Februar 1945 in Offleben geboren. Die Familie verzog Anfang der 50iger Jahre aus Offleben weiter in den Westen, aus Angst, sie würde von den Sowjets verschleppt werden.

Der Sohn Kurt Heinrich wurde Lehrer und Lehrerausbilder und setzte sich kritisch mit der vom nationalsozialistischen "Wertesystem" beherrschten Erziehung durch seinen Vater und dem Bild seines Vaters in der Öffentlichkeit und in der Familie auseinander. Er schrieb darüber 1998 das aufschlußreiche und wichtige Buch "Geweint wird, wenn der Kopf ab ist. - Annäherungen an meinen Vater "Panzermeyer", Generalmajor der Waffen-SS". Darin verbindet der Sohn die intellektuelle kritische Distanz zum "idealistisch-nationalsozialistischen" Vater mit dem emotionalen Respekt vor dem Erzeuger seines Lebens und Gestalter einer glücklichen Familie.

Anläßlich der 750-Jahrfeier der Offleber Kirche lud ihn der Kirchenvorstand im Sommer 1999 zu einem Gesprächsabend in den Pfarrgarten ein und es wurde eine bewegende Begegnung zwischen jenen Offlebern, die ihren Panzermeyer immer noch bewunderten und seinem kritischen Sohn, der sich gegen den Geruch eines "Nestbeschmutzers" zur Wehr setzen mußte. Es wurde aber doch eine zögernde Annäherung, die insbesondere von Kurt Heinrich Meyer dankbar erwidert wurde.

Der Schrebergartenverein "Österling" in Preußisch-Offleben und die grüne Grenze 1945

verfaßt vom Arbeitskreis nach mehreren Treffen mit Zeitzeugen.

(Der Redestil wurde so getreu wie möglich beibehalten).

Der Anlaß, in Preußisch-Offleben einen Schrebergartenverein zu gründen, war die furchtbare Verschmutzung der Gartenanlagen in den Siedlungen Nord und Süd und am Bahnhof durch das Schwelwerk. Der Schrebergarten "Hartmannslust" hatte fast die Hälfte seiner Gärten durch das Umlegen des Kupferbaches verloren. Auch diese Gärten sollten durch eine Neuanlage ersetzt werden. Für die verseuchten Gärten an den Häusern wurden sozusagen Ersatzgärten gestellt. So kam es zu der im Jahre 1941 von Bürgermeister Schulze in Angriff genommenen Gründung der Gartenanlage "Am Österling" im Anschluß an den preußischen Friedhof.

Vom Landesdomänenamt hatte die Gemeinde Offleben eine Fläche erworben, die vorher von Offleber Einwohnern als Ackerland genutzt wurde, z.B. von der Mühle Jacobs für die Mitarbeiter, von Prüße, Döhlecke und anderen. Diese Fläche wurde von August Mennecke im Herbst 1942 vermessen.

Die Gartenanlage bestand aus einem Hauptweg, der von einer Hecke umzäunt war und jeweils drei davon abgehenden Nebenwegen für die insgesamt 127 Gärten. In die Schrebergärten bauten sich die Pächter kleine feste Häuser mit schrägen Dächern, einem kleinen Wohnzimmer, Geräteraum, Plumpsklo und Vorbau. Die Materialien für den Bau und die Herrichtungskosten übernahmen die Pächter selber. Der Boden des Gartenlandes war ausgesprochen gut und die Erträge sehr ergiebig. Der Pachtzins war niedrig. Er betrug zwischen 2 und 5 Pfennigen pro qm.

Zu den Pächtern gehörten Wilhelm Boog, der auch erster Vorsitzender wurde, Maschinist Otto Drewes, Else Bode, Anna Ziegler, Else Bruns, Lene Vogel, Reinhold Noack, Mirzislaus Nowak, Josef Sawadski, Bernhard Schulze, Christoph Luhn, Anna Lange, Martha Kruschel, Friedrich Schuppe, Johann Frontzak, Marie Ulrich, Willi Pollok, Albert Madry, Erich Krauel, Adolf Knackstedt, und "Vogel" Strauß, so genannt, weil er das kleinste Gartenhaus hatte.

Im Mai 1945 wurde die Grenze gezogen. Sie bestand nur aus einem Schlagbaum in Höhe der "Kasernen" der nun stillgelegten Zuckerfabrik. Das Gartengelände konnte weiter bewirtschaftet werden, aber die Bewohner Offlebens wurden beim Grenzübertritt kontrolliert. Die kontrollierenden Soldaten waren im Sommer 1945 wegen ihres Aussehens Furcht erregende sowjetische Soldaten aus der Mongolei. Sie lagen meist in einem Graben an der Abbiegung nach Hötensleben, wo ein zweiter Schlagbaum mit einem Schilderhäuschen stand. Die Kontrollen waren wegen der ausgedehnten Schiebereien und Tauschereien aus der Sicht der Besatzungsmacht notwendig. "Franz Gorny ging mit zwei Pferden rüber und kam mit sechsen zurück", erzählt Else Bruns, "das konnte nicht lange gutgehn." Karl Cranz war als Nachtwächter an der Darre der stillgelegten Zuckerfabrik tätig und hatte den Schlüssel für das Tor, das zur Darre führte. Er hat manchen an den Weiden entlang bei Redeckers über die "grüne Grenze" gebracht. Andere gingen durch den Tagebau und hängten sich unter die Loren. Ein anderer Schleichweg bestand über den Tusculum. Ein weiterer Schleichweg ging von der Badeanstalt rechts an Hötensleben vorbei nach Kauzleben.

Zucker aus Offleben wurde gegen Stroh aus Barneberg getauscht. Ein beliebtes Ziel im Mai/Juni 1945 war ein noch gefülltes Militärdepot in Hamersleben auf dem ehemaligen Zuckerfabrikgelände. Da fand man Lebensmittel, Tabak, Schnaps, Konserven. "Da haben sie Mehlsäcke aufgerissen und geplündert." Noch im selben Jahr wurde das Depot abgebrannt. In einem zweiten Lager befanden sich Kleiderstoffe und Fallschirmseide, ein beliebter Stoff für Hochzeitskleider.

Ein besonderes Hindernis beim Schmuggeln war das Polenlager in der Kaserne der Zuckerfabrik. Die Bewohner stammten aus dem Alversdorfer Lager, das nach der Besetzung im April 1945 aufgelöst worden war, sie hatten sich nun in Offleben einquartiert. Einige wohnten auch "auf dem Amte", in den heutigen Häusern Gerhart-Hauptmannstraße. "Die haben sich allerhand erlaubt", erzählt Frau Cranz, die damals dort wohnte. Die Polen kamen gerne mit den Fahrrädern hinterher und haben die Sachen weggenommen.

Aus Angst, geschnappt zu werden, gingen die Männer meist nicht über die Grenze, um den Schrebergarten zu bewirtschaften. Die Angst war nicht unbegründet. "Einmal wurde ein Fremder geschnappt, am Kopf blutig geschlagen, ins Krankenhaus gebracht und kam nicht wieder zurück", erzählt Frau Cranz. Als Dieter Bruns unvorsichtigerweise mit HJ-Uniform und Koppelschloß mit Hakenkreuzabzeichen in den Schrebergarten will, wird er gleich abgefangen. Der Durchlaß war völlig willkürlich. Einige konnten gut deutsch. Auch Intelligente waren dabei. "Du Deutscher, nach elf Uhr, geh mal in die Kirche." Weggenommen haben sie nichts. Menschlich waren sie auch. Einmal haben sie das Fahrrad weggenommen. Frau Isensee protestierte und bekam das Fahrrad zurück. "Die haben auch gern in die Luft geschossen."

"Horst Ebel, Otto Wittkowski und Karl Heinz Isensee sind oft rübergefahren und haben geerntet, Globisch war als Tagelöhner tätig. Es wurden ganze Familien, Eltern und Kinder unter dem Stroh versteckt. Grete Kruschel holte sich so die Möbel aus Dessau. Das war lebensgefährlich. Der Fahrer hat am Herrenhaus bei der Caroline meist eingeladen. Die Schafe von Franz Günther wurden über die grüne Grenze getrieben, ungefähr 200 Stück, und machten erst an den Toren der Zuckerfabrik Halt."

Aber auch die Frauen haben viel Ängste auszustehen. Einmal wurde Frau Napirata und Frau Helmuth festgehalten, in die Bockmannsche Ziegelei eingesperrt und von Frau Redecker erst dann befreit, als sie laut aus dem Fenster um Hilfe riefen.

Meistens aber ließen die Soldaten die Bewohner auch durch. Die Grenze war noch keineswegs "dicht", sondern auch nach dem Gesetz passierbar. Einmal fuhren Zieglers zur Beerdigung nach Bitterfeld. Einen Kranz zur Beerdigung hatten sie auf den Rücken geschnallt. In Magdeburg wurden sie beim Umsteigen angesprochen. "So machen wir das nächstes Mal auch, wenn wir über die Grenze wollen." Auf dem Rückweg wurden sie von dem Lokomotivführer bis zum Gut Bismarck gefahren. Von Völpke aus ging's einen Feldweg entlang auf Offleben zu. Da wurden sie von Soldaten angehalten, aber "die waren ganz vernünftig", erzählt Frau Ziegler. "Du gehen", sagten die Soldaten und erleichtert konnten sie den Weg nach Offleben fortsetzen. Der Schreck aber ist Frau Ziegler heute noch gegenwärtig.

"Frau Dr. Krause wurde von vergewaltigten Frauen oft in Anspruch genommen." "Die sollten nicht so oft rübergehen", sagte sie dann.

"Viele gingen bei der Ziegelei arbeiten."

"Die Landwirte konnten nach 1946 nicht mehr Rüben bestellen."

Die Gärten vom "Österling" wurden noch bis 1961 von den Hötenslebern genutzt. Bald nach 1961 wurde auch den Hötenslebern der Zugang zu den Gärten verwehrt und das Gelände der Wagenführschen Ziegelei nach Westen mit einer Mauer abgeschlossen.

Anfang des Jahres ist die lesenswerte und verdienstvolle Arbeit von Achim Walther/Joachim Bittner "Heringsbahn - Die innerdeutsche Grenze im Raum Hötensleben/Offleben/Schöningen 1945-1952" erschienen. Achim Walther hat zahlreiche Berichte vom Zustand und Leben an der Grenze sowohl aus der Sicht eines Volkspolizisten als auch von zahlreichen Grenzgängern aus der damaligen Zeit und auch von Offlebern gesammelt und hierin veröffentlicht.

Die Folgen der Grenzziehung für die Landwirtschaft

Die Landwirte waren von der Grenzziehung sehr unterschiedlich betroffen. Der Landbesitz verteilte sich nach dem Adreßbuch von Gütern und Höfen im Freistaat Braunschweig 1929 folgendermaßen:

in Offleben: Herbert Bockmann 19 ha, Benno Brandes 21 ha, Gustav Jäger 63 ha, Fritz Kempe 6 ha, Albert Wagenführ 108 ha;

in Reinsdorf: BKB 44 ha, Albert Jacobs 66 ha, Heinrich Lambrecht in Wulfersdorf 90 ha, Ernst Wietfeld 118 ha.

Das ist das Land, das im braunschweigischen lag. Dazu kamen die erheblichen Ländereien auf preußischem Gebiet.

Während die Landwirte in Reinsdorf und vor allem in Hohnsleben nur sehr wenige Hektar Land in der Ostzone hatten, verlor Herbert Bockmann in Offleben seine Existenz. Ihm blieben nur 7 Hektar. Die Bockmannsche Ziegelei lag an der Straße nach Hötensleben, also ebenfalls im Osten. Herbert Bockmann baute sich als neue Existenz ein Fuhrgeschäft in Schöningen auf.

Der größte Hof in Offleben, Wagenführ, bewirtschaftete ca. 150 Hektar und verlor durch die Grenzziehung etwa 45 Hektar sowie die Ziegelei auf dem Weg nach Hötensleben. Dieter Wagenführ verkaufte sein Land an die BKB und kaufte einen größeren Hof in Schönhagen. Die Ställe wurden in den 70iger Jahren abgerissen und es verblieb nur das Herrenhaus an der Kirchstraße.

Auch der Jägersche Hof mit rund 90 Hektar verlor etwa die Hälfte seiner Ländereien, konnte zwar in den ersten Jahren von den BKB hinzupachten, dann aber übernahmen die BKB Haus, Hof und Land und Jägers verzogen aus dem Ort.

Am meisten betroffen war allerdings das Klostergut, dem von 210 Hektar nur 28 Hektar verblieben. Die Fütterung von Kühen und Schafen erwies sich als unmöglich, sodaß das Vieh notgeschlachtet werden mußte. Von den BKB konnten dann im Laufe der Zeit einige Hektar zugepachtet werden, sodaß der Betrieb unter schwierigen Bedingungen doch erhalten blieb.

Die besondere Lage Offlebens als Grenzort

Von Rudi Chmilewski

In den Monaten vor der Schließung der Grenze war Offleben in besonderer Weise einbegriffen. Denn ab Offleben Bahnhof konnte man mit dem Zug nach Westen weiter fahren. Die Bahnverbindung war unterbrochen. Alle Reisenden aus dem Osten mußten in Eilsleben den Zug verlassen. So begann eine Völkerwanderung bei Nacht von Eilsleben nach Offleben.

Es fand ein reger Warenaustausch mit Hilfe der Bahn statt. So lagerten oft sehr viele Reisende vor dem Bahnhof Offleben und warteten auf den nächsten Zug. Es waren zu 80% Reisende, welche aus Bremen beladen mit Fischen zurück in ihre Dörfer in der SBZ unterwegs waren. Wer von Offleben den Zug nach Schöningen benutzte, konnte kaum die Sitzgelegenheit benutzen. Es war alles mit Fischgeruch behaftet.

Ich konnte oft aus meinem Fenster aus der "Kaserne" beobachten, wie die Menschen von den Russen zusammengetrieben wurden und in dem Keller der Ziegelei oft sehr lange warten mußten bis sie weiter durften.

Beliebt war auch der Tausch von Mehl beim Müller in der Mühle von Hötensleben. Es waren jede Nacht Menschen unterwegs durch den Tagebau Viktoria zu der Mühle nach Hötensleben, um dort Mehl gegen Getreide einzutauschen, welches hier im Westen gegen Tausch von Kohle-Weizen erfolgte. Die Mühle Jacobs hat sich an diesem Tauschgeschäft nicht beteiligt.

Im Jahre 1950 wurden wir von unseren Verwandten zur Konfirmation nach Gunsleben Kr. Oschersleben eingeladen. Ich bin dann zum Schichtwechsel mittags zur Kreuzung der Straße am Friedhof - Ziegelei gegangen und habe mit dem Russenposten, so gut es ging, verhandelt, um unbehelligt die Grenze zu passieren. Wir kamen überein, daß ich pro Person 2 DM West entrichten sollte und nachts um 3.00 Uhr erscheinen dürfte. Es ist auch alles glatt verlaufen. Ich wurde von dem Posten ermahnt, den Ort Hötensleben zu umgehen, da dort Kontrollen stattfanden, wobei dann auch die Grenzposten mit inbegriffen waren, weil sie wohl wenig achtsam waren. Zum andern wollten sie sich nicht ihre Möglichkeiten nehmen lassen, an der Grenze auch etwas Profit zu machen. Wir sind dann ab Barneberg über Feldwegen bis nach Wackersleben gegangen und dann auf der Straße nach Gunsleben. Dort haben wir uns überreden lassen, doch einige Tage länger zu bleiben, als mit dem Grenzposten vereinbart. Dennoch hatten diese ihre Nachfolger im Grenzdienst informiert, diese Familie durchzulassen, was dann auch geschehen ist. So gab es damals auch menschliche Berührungen, die es später bei den Vopos nicht mehr so gegeben hat.

Es gab auch zwei Morde; einmal eine Frau am Tusculum, sowie ein Mann an der Kippe. Dieses ist aber den Russen nicht anzulasten. Es wurde von der Polizei hier im Westen verfolgt. Das Bild von der jungen Frau war im Aushangkasten der Gemeinde veröffentlicht. Es wurden Zeugen gesucht zu dieser Tat.

Das ganz besondere Ereignis war dann aber die Grenzschließung im Mai 1952. Es lag schon in der Luft und es wurde auch darüber diskutiert: was dann, wenn es zur Grenzschließung kommt und der preußische Teil Offlebens mit einbezogen werden könnte. So fanden dann auch vor der Schließung bei Nacht Umzüge statt, um einige Möbel und andere Wertgegenstände auszulagern, um so zu retten, was zu retten war.

Da ja auf dem Gelände der Zuckerfabrik sehr viele Flüchtlinge Unterkunft gefunden hatten und auch ich davon betroffen war, habe ich nach Rücksprache mit Herrn Kurzbuch Herrn Scheibe im Büro aufgesucht. Wir haben ihn bedrängt, etwas zu unternehmen, um zumindestens den Bürgern die Angst zu nehmen, davon überrollt zu werden. Nach langen Telefonaten hat sich dann der Oberkreisdirektor Conrady bereiterklärt, in Offleben zu erscheinen und Rede und Antwort zu stehen. Er ist dann auch am späten Nachmittag hier an der Grenze angekommen. Der Bürgermeister Herr Smuda wurde von seiner Arbeit herausgeholt. So standen wir denn alle am Eingang zur Zuckerfabrik an dem Wiegehaus. Es waren einige betroffene Menschen erschienen, so weit sie nicht in Schicht waren, sodaß immerhin sich eine Gruppe um den OKD versammelt hatte. Der Oberkreisdirektor machte keinen Hehl daraus, daß noch alles offen sei und er selber, wenn es dann soweit käme, dieses auch nicht verhindern könnte. Denn das sei Sache der Besatzungsmächte. Immerhin haben wir doch den Oberkreisdirektor soweit beeinflußt, daß er versprach, sich mit dem Bundesgrenzschutz in Verbindung zu setzen und möglicherweise auch mit der Besatzungsmacht eine Beruhigung zu erreichen. Das war für uns schon sehr viel, denn deutsche Verwaltungen waren nur für innere Angelegenheiten zuständig. Hier aber haben wir erreicht, daß der OKD wagte, einen Schritt weiter zu gehen. Das alles war nur möglich, weil die betroffenen Bürger nicht bereit waren, das alles so hinzunehmen. Das hatte auch der OKD erkannt und es führte zum Erfolg. Denn als wir am nächsten Morgen aufwachten, befand sich in der preußischen Schule eine Abteilung Bundesgrenzschutz mit Funkwagen. Es wurde Stellung bezogen und es fand Tag und Nacht an der Grenze

Der Musikverein Offleben

ein Streifendienst statt. Am Bahndamm am Tusculum wurde eine Stellung errichtet. In der Blatt-Trocknung war ein MG in Stellung und auf der Kippe Viktoria gab es auch einen Posten. Wie lange der Bundesgrenzschutz hier war, weiß ich nicht mehr genau. Aber es blieb alles, wie gehabt. Ob nun unser Bemühen dazu beigetragen hat, weiß ich auch nicht. Dennoch hatten wir das Gefühl der Sicherheit wieder zurückerlangt.

Der Musikverein Offleben und das Theater in der Nachkriegszeit

Die Jahre 1946-1954 waren durch die vollständige Überfüllung des Dorfes, die große Wohnungsnot, die Lebensmittelbeschränkung, den strengen Winter 1946, die auseinandergerissenen Familien, die schwer enttäuschte Generation derer, die auf die Nazis vertraut hatten, die Währungsumstellung und die Ungewißheit der politischen Zukunft Notzeiten, die sich tief in das Bewußtsein des Dorfes eingegraben haben. Genauso nachhaltig aber ist die Erinnerung daran, wie man im Dorfe versuchte, diese Notzeiten zu überleben. Dazu gehören die Schilderungen von den überfüllten Theateraufführungen, die vom Musikverein Offleben aus eigener Kraft und mit eigenen Leuten, meist am 1. Weihnachtstag, im Traupeschen Saal geboten wurden.

Der Offleber Musikverein war von Ernst Roehse am 3. Januar 1946 ins Leben gerufen worden. Im Verein sollten - so die Satzung - Hausmusik und Laienspiel gefördert werden. Karl Rose schildert auf den letzten drei Seiten seiner Dorfchronik anhand des Protokollsbuches die Anfänge des Vereins. Der Musikverein spielte zum Tanz auf und bot die musikalische Umrahmung zu zahlreichen Dorfveranstaltungen. Er wurde zunächst von Gustav Schetsche aus Reinsdorf geleitet, das Mandolinenorchester von Franz Juja.

Zum Musikverein gehörten Streicher und Bläser.

Unvergeßlich sind die Theateraufführungen mit Sprech- und Gesangrollen, die sämtlich von den Dorfbewohnern dargeboten wurden. Karl Orschel trat als Tenor auf, Kurt Globisch in "Schwarzwaldmädel", Cordula Schuppe war eine "Carmen" und Hermann Lier als "Neger" geschminkter Hauptdarsteller im "Graf von Olala". Otto Bartels arbeitete als Hausmeister an der Schule, hatte aber in Braunschweig Theaterluft gerochen, man sagte, er sei "Kulissenschieber" gewesen Er spielte vor allem die komischen Rollen. Wilhelm Hartmann fielen die Rollen älterer Herren zu, Lehrer Alfred Böhm hatte in "Flammen über Mexiko" vor allem Sprechrollen. Herbert Schuppe saß im Souffleurkasten.

"Hannchen, mein Sonnenschein", "Drei alte Schachteln", "Fischermädchen von Helgoland", "Wenn der Himmel voller Geigen hängt", "Fischerin vom Bodensee" hießen die Stücke von Leon Jessel, Hans Sarwo und anderen. Es waren Volksstücke mit derben Charakterrollen und eingängigen Liebesgeschichten, in denen sich Tenor und Buffo gegenseitig die angehimmelten Mädchen ausspannten.

Rudi Puppke aus Schöningen war Pianist und übte mit den Darstellern. Auf der Zuckerfabrik wohnte Frau Schwarz, die ausgebildete Sängerin und Pianistin war. Mit ihr probte unter anderen Gustav Matthias (Tenor). Das Schminken übernahm der Friseur "Kalle Helms" und die Kulissen baute Malermeister Otto Golus.

Zu den Stücken gehörte ein Chor, sodaß bei einer Aufführung etwa 30 Dorfbewohner mitwirkten, eine enorme Gemeinschafsleistung, in einer Zeit, in der es noch kein Fernsehen gab. Hier trafen sich alt und jung. Jürgen Bettge, Klaus Dieter Globisch, Peter Kerbel gehörten u.a. zur "zweiten nachrückenden Generation" der jüngeren Darsteller. Der Traupesche Saal hatte ein Bühne, eine Rampe, auch eine Galerie.

Ernst Roehse organisierte als Vorsitzender des Musikvereins zahlreiche Aufführungen auch in den umliegenden Ortschaften, wobei ihm, wie auch dem Gründungsmitglied Willi Smuda, seine Stellung bei den BKB zugute kam, wo er ganze Belegschaftsgruppen für einen Besuch begeistern konnte.

Flüchtlinge in Offleben (1946)

von Rudi Chmilewski

Als nach Beendigung des Krieges der Flüchtlingsstrom nach Westen zog, blieb auch Offleben davon nicht verschont. Es traf alle unvorbereitet. Bei sehr vielen Flüchtlingen war immer noch die Hoffnung, daß in Kürze eine Heimkehr möglich sein werde. Dennoch mußte man versuchen, sich einzurichten, ob es nun für eine kurze Zeit oder auf für eine längere oder gar für immer sein würde. So berief dann auch der damalige Gemeindedirektor Pfeiffer eine Versammlung ein, auf der eine gewisse Ordnung im Zusammenleben gesucht werden sollte. Der Saal Grüne konnte fast so viel Menschen nicht aufnehmen. Es waren nicht nur alle Stühle besetzt. Die Menschen standen in allen Gängen und freien Nischen. Auch waren alle Fensterbänke voll besetzt. Denn ein jeder war daran interessiert, zu erfahren, wie es weitergehen sollte "mit so vielen Habenichtsen". Es hatte niemand mehr, als was er an hatte. Es mußte zuallererst Wohnraum beschafft werden. Auf dieser Versammlung wurde dann ein Flüchtlingsausschuß gewählt. Er bestand aus fünf Personen (eine Frau, vier Männer). Auch wurde ein Flüchtlingsbetreuer gewählt, welcher dann auch vom Landkreis als amtlicher Betreuer bestätigt wurde. Es war Max Jüppner. Nun ging man auch dazu über, sich ordentlich zu organisieren, was ja zunächst von der Besatzungsmacht verboten war. Dies wurde dann auf Kreisebene gestattet. Auch in Offleben wurde darüber nachgedacht. Auf einer dafür durch den Flüchtlingsausschuß einberufenen Versammlung wurde ein Vorstand gewählt: erster Vorsitzender: Ing. Wieczorek, 2. Vorsitzender: Max Jüppner, Schriftführer: Lehrer Kurzbuch, Kassenwart: Alfred Hartwig und fünf Unterkassierer als Beisitzer. Eine Satzung war bereits durch den Kreisverband erstellt worden. Selbige wurde dann auch durch die Versammlung so übernommen. Dieser gewählte Vorstand hatte jedoch nur eine kurze Lebensdauer, weil die politische Vergangenheit doch von Bedeutung war. Herr Wieczorek war bei der Raketenforschung auf Usedom bei Prof. Braun tätig gewesen. Nach einer sehr kontroversen Auseinandersetzung wurde dann Rudi Chmielewski zum ersten Vorsitzenden gewählt und blieb es 16 Jahre. Die erste Zusammenkunft war eine Weihnachtsfeier in Saal Thiele. Sie war aus der Not geboren. Die Mühle Jacobs spendete Mehl zum Backen, Bäcker und Kaufleute Zucker und Mehl und vieles andere wurde durch Spenden aufgebracht. Es wurde gesungen, Gedichte vorgetragen, die Pastöre hielten Ansprachen. Die Flüchtlingskinder wurden durch den Weihnachtsmann mit einer Tüte Kuchen und Äpfel beschert. Es wurden auch noch Reste an ganz Bedürftige, sowie an Alte und Kinder verteilt. Für neugeborene Kinder haben dann Sammler des BdV Windeln und andere Wäsche bei der Bevölkerung gesammelt. Die Weihnachtsfeiern wurden noch einige Jahre beibehalten.

Es war bei allen eine gewisse Ungeduld vorhanden. So kam es denn auch zu einer Großkundgebung in Helmstedt, um so der Besatzungsmacht zu dokumentieren, welcher Sprengstoff sich möglicherweise ansammelte, wenn es nicht zu menschenwürdigen Lösungen käme. Redner war Pater Reichenberger. Dazu waren einige Sonderzüge eingesetzt, ein Zug aus Jerxheim, einer aus Königslutter, einer aus Offleben, Alversdorf, Büddenstedt, Schöningen. Etwa zehntausend Menschen waren in Helmstedt erschienen, um für das Recht auf Heimat zu demonstrieren. Der Holzberg war von Menschen total überfüllt. Dennoch verlief alles friedlich.

Aber das Leben ging weiter auch in Offleben. So wurde dann auch eine Vereinbarung getroffen, daß bei Belegung von Neubauwohnungen immer ein Drittel Vertriebene sein sollte. Die Verwaltung hat bei den Landwirten erwirkt, daß Herr Wagenführ einige Morgen Acker zur Verfügung stellte, sodaß alle, welche an Acker interessiert waren, auch diesen bekommen haben zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse.

Es zeichnete sich bald ab, daß wir hier wohl länger bleiben würden. So wurde dazu übergegangen, sich am kulturellen Leben zu beteiligen. Aus den Reihen der Mitglieder wurde durch Herrn Nikolaus eine Theatergruppe gegründet, welche auch einige Jahre in den Wintermonaten mit einem Stück aufgetreten ist. Auch hat Herr Nikolaus eine Mundharmonikagruppe gegründet. So wurde von der Versammlung beschlossen, für alle Landmannschaften Fahnen zu nähen und diese dann mit einem Fest der Bevölkerung vorzuführen. Herr Oberspielleiter Gieseler hat in einer Feier das Zeremoniell durchgeführt. Am Abend wurde im Saal ein Vortrag gehalten, bei dem alle verlorenen Gebiete erwähnt wurden.

Bei der ersten Kommunalwahl wurden von den Vertretern drei Einzelkandidaten aufgestellt und sind auch gewählt worden. Es waren Kurzbuch, Jüppner und Wieczorek.

Wir haben an allen Heimattagen in Schöningen teilgenommen und waren da gern gesehen, weil wir landsmannschaftliche Fahnen hatten. Auch an den Volksfesten in Offleben waren wir mit Fahnen und Wagen dabei.

Unser Vereinsbeitrag betrug 0,20 DM im Monat, davon wurden an den Kreis 0,10 DM abgeführt. Zusätzlich hatten wir noch eine örtliche Sterbeversicherung. Dafür wurden noch einmal 0,10 DM kassiert. Wir waren mit einer Person bei der Wohnungsschlichtungsstelle im Landkreis vertreten und wurden auch in allen wesentlichen Seminaren des Landkreises, welche Flüchtlingsangelegenheiten betrafen, mit einbezogen. Durch Neubau von Wohnungen innerhalb der Gemeinde sowie in den Städten wurde auch die Wohnungsnot etwas lockerer. Dann kam es zum Lastenausgleichsgesetz. Hier wurde der BdV auch örtlich eingespannt. Es hat einige Monate gedauert, bis alle Anträge erledigt waren. Hier wurde von der Verwaltung Schreibmaschine und ein Raum zur Verfügung gestellt. Uns wurde dem BdV für drei Personen eine Aufwandentschädigung gezahlt. Das alles war doch sehr schwierig, denn ein solcher Fragebogen hatte nicht nur sehr viele Fragen, sondern es mußten auch Belege und vieles mehr beschafft werden, wobei manches noch oft von der Behörde angezweifelt wurde. Der BdV hatte einmal in der Woche eine Sprechzeit im Verein mit den Flüchtlingsbetreuern.

Die UWG (1946-1962)

Von Rudi Chmilewski

Bei den ersten Wahlen zum Gemeinderat nach dem Kriege hatten die Vertriebenen für den Rat in Offleben drei Einzelkandidaten aufgestellt. Da jeder Wähler drei Stimmen hatte, sind auch alle drei gewählt worden mit über 300 Stimmen für jeden. Es waren Kurzbuch, Jüppner und Wieczorek. Nach Ablauf der Sitzungsperiode waren wir uns darin einig, daß dieses nur eine einmalige Sache gewesen sein konnte. So wurden dann Erkundigungen in Schöningen und Büddenstedt eingeholt, wie wir uns dann wohl bei der nächsten Wahl verhalten sollten. Es war die allgemeine Ansicht, die Bürger nicht zu spalten in Vertriebene und Einheimische, sondern uns über eine gemeinsame Liste an der Wahl mit eigenen Kandidaten zu beteiligen. Dieses war natürlich auch möglich mit den Listen der SPD und auch der CDU. Es ergab sich aber durch Umfragen, daß diese Parteien wohl nicht geeignet sein würden. Die Belange der Vertriebenen wurden in der Tagespolitik von diesen Parteien doch zu wenig vertreten. Denn die SPD war ja eine Partei mit langer Erfahrung in der Frage des Regierens, aber in der Frage des Ostens gab es damals nur wenige Stimmen, welche geeignet waren, dieses großen Probleme anzugehen. Bei der CDU und der DP konnte man auch nicht gerade eine ausgewogene Meinung feststellen. Wohl versprachen beide, sich ernsthaft in dieser Richtung zu engagieren. Dennoch waren alle Vertriebenen nicht genügend davon überzeugt. Da wir aber in den örtlichen Parlamenten vertreten sein mußten, insbesondere schon wegen des übergroßen Problems des Wohnens, suchten wir Verbindung auch in den Gruppen der Bevölkerung, welche auch mit den Parteien nicht zufrieden waren. Es bildeten sich in einigen Gemeinden Wählergemeinschaften. Nun wurde ich vom BdV-Vorstand beauftragt, zu erkunden, welche Möglichkeiten es denn für uns Vertriebene gab. So gab es Gespräche mit Schöningen, denn hier bestand bereits eine Wählergemeinschaft. Auch in den Gemeinden Reinsdorf und Büddenstedt konnte man solche Gedanken finden. Nun wurde in Offleben eine Versammlung von interessierten Bürgern einberufen. Es waren auch über 20 Bürger erschienen, dabei auch einige ältere Altbürger. So wurde eine Wählergemeinschaft gegründet. Zum Vorstand wurden Chmilewski, Kurzbuch, Fricke, Weimann gewählt. Es wurde ein Beitrag beschlossen. Das Wahlergebnis ergab vier Sitze im Rat: Kurzbuch, Jüppner, Weimann, Marsch. Herr Marsch erhielt eine Anstellung bei der Stadt Schöningen, so rückte ich für Herrn Marsch 1954 in den Rat nach.

Es war natürlich nicht leicht im Rat für uns, denn es war doch ein mehr oder weniger geschlossener Block vorhanden. Aber da wir doch in der Bevölkerung anerkannt wurden, glaubten wir doch auch uns mit diesem Schritt bewährt zu haben. Auch hatten wir durch Versammlungen immerhin gut gestaffelten Kontakt zu der Bevölkerung. Auch in unseren Nachbargemeinden waren ähnliche Ergebnisse zu verzeichnen. Ähnliche Gruppen gab es auch in anderen Landkreisen. So konnten wir schon in der Neuwahl mit Erfahrung einsteigen und hatten mit besseren Finanzmitteln etwas mehr Bewegung. Das alles schlug sich auch im Wahlergebnis nieder. Denn diese Wahl brachte uns einen enormen Stimmenzuwachs. Es zogen in den Rat ein: Kurzbuch, Chmilewski, Jüppner, Cortekar, Isensee. Herr Jüppner verstarb aber und es rückte Herr Prüße nach. Auch hatte sich der Kreisvorstand gefestigt. So wurde ich zum zweiten Kreisvorsitzenden gewählt. Es wurde auch bei der Landtagswahl der Sprung versucht, welcher aber mißlang. Es gab in Reinsdorf eine rege Truppe im Rat so wie auch in Büddenstedt. Es gab gemeinsame Zusammenkünfte und einen regen Gedankenaustausch.

Dieses aber änderte sich durch die Anwesenheit von Herrn Ponczek. Dieser war nicht bereit, auf der UWG-Liste zu kandidieren und gründete den CDU-Gemeinde-Verband der Kohledörfer. Er hatte dabei auch Erfolg. So waren denn bei der nächsten Wahl drei CDU-Kandidaten und nur noch zwei UWG Kandidaten durchgekommen. Da es bis dahin hier keine CDU-Ortsgruppe gab, war das auch für uns die Stunde des Nachdenkens über den Weiterbestand der UWG. Wir zogen es vor, uns in der CDU weiter zu betätigen. So wurde in einer dafür einberufenen Versammlung der Beschluß gefaßt, uns als UWG aufzulösen, wir traten zur CDU über und waren dann weiter tätig im Rat der Gemeinde als CDU-Fraktion. Alle Wähler haben - auch in meiner Person - diesen Schritt nicht mitvollzogen. Ich hatte einen enormen Stimmenverlust zu verzeichnen und habe seither auch nie auf Anhieb das Mandat gewinnen können. Ich bin immer nur noch als Nachrücker in den Rat hineingekommen.

Als Abschluß würde ich dennoch sagen, daß wir in all den Jahren uns bewährt haben, aber alle Jahre nur als Opposition, und das war nicht immer leicht.

Offleben - ein rotes Dorf?

Offleben hatte vor 1933 eine sozialdemokratische Mehrheit. In der Zeit nach 1919 hatte sich im Dorfleben eine ausgeprägte sozialistische Arbeiterkultur entwickelt, die leider von Karl Rose in seinem Heimatbuch nicht erwähnt wird. Das liegt daran, daß das Heimatbuch im dritten Reich zu großen Teilen schon fertiggestellt war. Es gab einen Arbeitergesangverein und einen Arbeitersportverein und einen Arbeiterradverein. Im Dorfe spielte auch eine parteieigene Musikkapelle auf, zu der Herrmann Topf gehörte. Zu den Sozialdemokraten aus der Zeit vor 1933 gehörten noch Willi Smuda und Braatz und die Mitglieder des Reichsbanners.

Es gab auch eine starke kommunistische Gruppe. Zu ihr gehörten Ernst Roehse, Richard Nierösel und Otto und Karl Kohlrausch. Offleben galt mit Alversdorf und Hohnsleben als "rot".

Damals machte auch die Parole "Heraus aus der Kirche" in Offleben die Runde. Der "Volksfreund" schilderte in seiner Ausgabe vom 28. Mai 1924 die Gründung eines Freidenkervereins mit 44 Personen und daß 40 Kinder der aus der Kirche Ausgetretenen einen lebenskundlichen Unterricht erhielten. Insgesamt lebten in Offleben 150 Dissidenten, 90% von ihnen in den beiden Siedlungen. Im "alten Offleben" hingegen waren nur drei Familien aus der Kirche ausgetreten.

In der Nazizeit wurde auch Offleben "gesäubert", Kommunisten verhaftet und im "Schwarzen Adler" gefoltert. Es bestand gerade in kleinräumigen Verhältnissen dringender Anlaß unterzutauchen.

Auch in Offleben gab es Wendehälse. Gestern rot und einen Tag später hing die längste Hakenkreuzfahne aus dem Fenster, so erzählt man es von Fritze Weljehausen. Erich Nierösel wechselte zur Reiter-SA. Wer seiner Überzeugung treu blieb, mußte schweigen, hob vielleicht nicht den Arm zum Hitlergruß und sagte "Guten Tag" statt "Heil Hitler". Auch so etwas gab es. Offleben wurde ein braunes Dorf.

Als die Heere Hitlers besiegt waren, meldeten sich 1945 die Sozialdemokraten im politische Alltagsgeschäft wieder. Dem Gemeinderat, der am 15. September 1946 gewählt worden war, gehörten von der SPD an: der BKB-Arbeiter Otto Asche, Willi Becker, der bei der Gemeinde eingestellt war, Otto Freise, der Aufseher auf dem Schwelwerk war, BKB-Arbeiter Ernst Husemann, der später lange Zeit Schiedsmann war, Willi Kowalski, der eine führende Rolle bei den Gewerkschaften spielte und bald ins Ruhrgebiet verzog, Wilhelm Ragge, der nach Offleben eingeheiratet hatte und zwar die Tochter des Schafmeisters Meier vom Wagenführschen Hof und bereits 1945 als Bürgermeister ernannt und 1946 zum Bürgermeister gewählt worden war. Otto Piper, Otto Salomon, Willi Smuda und Otto Röse arbeiteten bei den BKB.

In der Chronik von Karl Rose wird außerdem noch eine Irma Bockmann als Mitglied des Gemeinderates von Offleben genannt. Vermutlich ist das ein Schreibfehler. Es handelt sich um Irene Bockmann, die Frau des Landwirtes Herbert Bockmann.

Der Offleber Gemeinderat von 1946 bestand mit einer Ausnahme aus Sozialdemokraten. Andere Gruppierungen aus den früheren konservativen Schichten wurden nicht berücksichtigt. Das mag auch am Gemeindedirektor Otto Pfeiffer gelegen haben. Otto Pfeiffer gehörte zum linken Flügel der SPD. Er war 1933 von den Nazis nach Schöningen gebracht und dort mißhandelt worden. Nun sorgte er nach 1945 für eine gründliche "Säuberung". Er wurde Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe.

Ergebnis der Kommunalwahl am 28. November 1948

Die Ergebnisse der Kommunalwahl habe ich nicht ermitteln können.

Dem Gemeinderat gehörten an:

Für die SPD

: Willi Smuda, Otto Pfeiffer, Willi Kowalski, Ernst Husemann, Otto Piper sen., Wilhelm Ragge und Willi Becker, die schon dem alten Gemeinderat angehört hatten. Für die SPD rückten neu in den Gemeinderat: Otto Pfeiffer und Heinrich Westphal, der bei den BKB Schichtführer wurde und Franz Bengsch, der schon vor 1933 im Gemeinderat wirkte. Für Willi Becker rückte Werner Breuling nach.

Für die UWG

die Flüchtlinge: Max Jüppner, der Lehrer H. Kurzbuch.

Außerdem:

H. Wieczorek und Otto Golus.

Wilhelm Ragge verzog nach Schöningen und sein Nachfolger im Bürgermeisteramt wurde der damals 37jährige Willi Smuda.

Willi Smuda, im November 1912 geboren, fühlte sich schon als 16jähriger zur Sozialistischen Arbeiterjugend hingezogen und besuchte mit Rudi Ackermann die Veranstaltungen in Schöningen. 1930 trat er in die SPD ein. Seit 1936 war er bei den BKB tätig. Er hatte den Krieg von 1939-1945 mitgemacht und war 1945 aus der englischen Gefangenschaft entlassen worden. Er war in den BKB Schichtführer, blieb bis 1974 Bürgermeister in Offleben und hat in dieser 25jährigen Zeit der SPD einen im Vergleich zu Otto Pfeiffer eher ausgleichenden, nach außen hin weniger ideologischen Charakter gegeben. Es ist im wesentlichen sein Verdienst, daß die SPD die Mehrheit im Rate behielt, solange er Bürgermeister war.

Ergebnis der Kommunalwahl am 10. November 1952

Offleben:

SPD

: 2.728 Stimmen und 9 Sitze; BHE: 1.999 Stimmen und 4 Sitze

Für die SPD

waren im Gemeinderat: Willi Smuda, Otto Piper sen., Franz Bengsch, Ernst Husemann, H. Wieczorek, Willi Kowalski, die schon dem alten Gemeinderat angehörten. Neu zogen für die SPD in den Rat: Ernst Roehse, Kurt Rühmann, Otto Golus,

für den BHE/UWG

waren wieder im Gemeinderat: Max Jüppner, Hermann Kurzbuch. Neu zogen Guido Marsch und Weimann in den Rat. Die BHE/UWG hatte ihre Sitze verdoppelt.

LOR=#000000>Ernst Roehse war vor 1933 Kommunist gewesen, fing 1936 bei den BKB an, war lange Zeit Vorsitzender des Schrebergartenvereins Oesterling, wurde später Betriebsrat bei den BKB und war 1956 SPD-Ortsvereinsvorsitzender. Damals war der SPD-Ortsverein mit 150 Mitgliedern nach einer Zeitungsmeldung vom 14.11.1956 der mitgliederstärkste im Kreis Helmstedt. Roehse ist seinen linken, ideologisch durchaus gefestigten Ansichten bis ins Alter treu geblieben. Er ist 1993 gestorben.

Die Zugehörigkeit von Otto Golus ist unklar. Er war wohl Parteiloser in Fraktionsgemeinschaft mit der SPD. Otto Golus war katholisch und lange Zeit Vorsitzender des katholischen Pfarrgemeinderates. Seine Zugehörigkeit zur SPD-Fraktion ist untypisch, zeigt aber, wie sehr die Gemeinderatswahl eine Persönlichkeitswahl gewesen ist.

Guido Marsch verzog 1954 nach Schöningen. Für ihn rückte Rudi Chmilewski nach.

Reinsdorf: Wahlgemeinschaft: 415; SPD: 352; BHE: 269

Neu Büddenstedt: SPD 2.437; Wahlgemeinschaft: 2415

Alversdorf: SPD: 1.087; BHE: 1.213; Wahlgemeinschaft: 970

Ergebnis der Kommunalwahl am 28. Oktober 1956

Offleben:

SPD

: 2.567 Stimmen und 8 Sitze; UWG 1.264 Stimmen und 4 Sitze; CDU 378 Stimmen und 1 Sitz.

Für die SPD

: in Klammern die erhaltenen Stimmen: Willi Smuda (746) Heinrich Westphal (508), Ernst Roehse (328), Alfred Böhm (145), Walter Wahnschaffe (133), Otto Golus (117), Otto Piper (103), Franz Gorny (95),

für die UWG

: Rudi Chmilewski (338), Hermann Kurzbuch (260), Max Jüppner (218), Wolfgang Cortekar (136),

für die CDU

: Hans Gusinda. (126)

Die SPD behielt zwar mit 8 von 13 Sitzen ihre absolute Mehrheit, aber noch nie hatte sie 5 Sitze gegen sich. Erstmals tauchte die CDU mit einem Sitz im Gemeinderat auf.

Die SPD-Fraktion hatte mit Walter Wahnschaffe, Otto Golus und Franz Gorny Bürger mit geringem sozialdemokratischem Hintergrund bei sich. Franz Gorny war bis 1945 Hofmeister bei Brandes gewesen und mußte sich selbständig machen. Er machte einen Kohlenhandel auf. Walter Wahnschaffe war Ortsgruppenleiter der NSDAP und Bürgermeister gewesen und führte nach 1945 ein florierendes Busunternehmen.

Reinsdorf: UWG 582 Stimmen und 5 Sitze; SPD 444 Stimmen und 4 Sitze

Neu-Büddenstedt: SPD 2.196 Stimmen und 7 Sitze, UWG 2.176 Stimmen und 6 Sitze

Alversdorf: SPD 1.221 Stimmen und 6 Sitze; UWG 651 Stimmen und 3 Sitze; BHE 543 Stimmen und 2 Sitze

Ergebnis der Kommunalwahl am 19. März 1961

Offleben:

SPD

776 Stimmen und 7 Sitze; UWG 382 Stimmen und 4 Sitze; CDU 205 Stimmen und 2 Sitze

Für die SPD

: Willi Smuda, Heinrich Westphal, Waltraud Buchholz, Ernst Roehse, Horst Smuda, Franz Gorny, Walter Wahnschaffe als Parteiloser, für die UWG: Rudi Chmilewski, Max Jüppner, Wolfgang Cortekar, Karl Heinz Isensee

für die CDU

: Horst Ponczek, Hans Gusinda

Es ist für die SPD in Offleben das knappste Ergebnis in der Nachkriegszeit. Es steht nur noch 7:6. Zünglein an der Waage hätte Walter Wahnschaffe spielen können, wenn er sich als Parteiloser der UWG angeschlossen hätte. Es soll nach einem Zeitungsbericht vom 19.4. auch vergebliche Abwerbungsversuche gegenüber Heini Westphal gegeben haben.

Für die SPD sind neu im Gemeinderat Waltraud Buchholtz, Lehrerin und Konrektorin an der Offleber Grundschule und Horst Smuda, der als Betriebsschlosser bei den BKB arbeitete und als Betriebsrat freigestellt wurde.

Für die UWG kommt Karl Heinz Isensee neu in den Gemeinderat, dessen Vater schon in den 30iger Jahren im Gemeinderat gewesen war. Isensee arbeitete auch auf den BKB.

Durch den Mittelschullehrer Horst Ponczek verschärft sich der Ton im Rat. Ponczek war Kreisvorsitzender der Jungen Union und gehörte damals zu den forschen Rechten, mehr ein Trommler als ein Vermittelnder. Er war praktizierender Katholik und konnte, da Otto Golus aus der Gemeinderatsarbeit ausgeschieden war, nun die katholische Kirche als "Hausmacht" betrachten. Er betrieb klug die Zusammenführung von CDU und UWG und weitschauend auch die Zusammenfassung der CDU-Ortsvereine zu einem Ortsverband Kohledörfer.

Reinsdorf: UWG mit 173 Stimmen 5 Sitze; SPD mit 160 Stimmen 4 Sitze

Neu Büddenstedt: SPD mit 839 Stimmen 7 Sitze; UWG mit 715 Stimmen 6 Sitze

Alversdorf: SPD mit 355 Stimmen 7 Sitze; UWG mit 157 Stimmen 3 Sitze; BHE mit 92 Stimmen 1 Sitz

Ergebnis der Kommunalwahl am 27. September 1964

Offleben:

SPD

722 Stimmen und 8 Sitze; CDU 313 Stimmen und 3 Sitze; UWG 187 Stimmen und 2 Sitze

Für die SPD

: Willi Smuda, Horst Smuda, Heinrich Westphal, Waltraud Buchholtz, Ernst Roehse, Kurt Hackethal, Heinz Kasten, Hans Wawerczin,

für die CDU

: Horst Ponczek, Hans Gusinda, Paul Willenbrink,

für die UWG

: Rudi Chmilewski, Karl Heinz Isensee.

Die SPD gewann einen Sitz wieder zurück. Während fünf Mitglieder bereits dem alten Rat angehörten (Willi Smuda, Horst Smuda, Heinrich Westphal, Waltraud Buchholtz, Ernst Roehse), sind drei SPD-Ratsmitglieder neu: der Rektor der Grundschule Heinz Kasten, auch kein geborener Sozialdemokrat, der in seiner Pensionszeit auch wieder in der politisch äußeren Rechten seine Heimat wiederfand. Kurt Hackethal war stark engagiert beim TSV, wie auch Walter Wahnschaffe, der nun aus dem Rat ausgeschieden war. Hans Wawerczin war Polizist und Vorsitzender der Pommerschen Landsmannschaft. Es kann sein, daß er frühere UWG/BHE Stimmen auf sich gezogen hat.

Die CDU hat die UWG an Stimmen deutlich überflügelt. In dieser Zeit löst sich die UWG in die CDU auf.

Reinsdorf: SPD: 138; CDU: 120; UWG 51; FDP:3

Neu-Büddenstedt: SPD 840; CDU: 343; UWG: 305; FDP: 17

Alversdorf: SPD: 255; CDU: 83; UWG: 73; FDP: 9

Ergebnis der Kommunalwahl am 29. September 1968

Offleben:

SPD

: 674 Stimmen 7 Sitze; CDU 479 Stimmen 4 Sitze

Im Gemeinderat sind: für die SPD: Willi Smuda, Ilse Piper, Horst Smuda, Heinrich Westphal, Hans Wawerczin, Heinz Bläsing, Karl Heinz Ruhe,

für die CDU

: Rudi Chmilewski, Karl-Heinz Isensee, Heinz Prüße, Horst Ponczek, der im November 1970 von Heinz Völkel abgelöst wird.

Die Anzahl der Sitze verminderte sich um zwei, aber der alte Abstand von drei Sitzen blieb zwischen SPD und CDU erhalten.

Für die SPD schieden mit Ernst Roehse und Kurt Hackethal aus Altersgründen zwei klassische sozialdemokratische Profile aus dem Rat aus. Frau Buchholtz war nach Neu-Büddenstedt verzogen. Für sie zog Ilse Piper in den Rat ein, die bei der Post arbeitete und die Frau des Gemeindekämmerers Otto Piper war. Heinz Bläsing arbeitete als Elektriker bei den BKK und Karl Heinz Ruhe als Laborant auf dem Schwelwerk.

Für die CDU kam Heinz Prüße neu in den Gemeinderat, der Elektromeister bei den BKB war. Herr Ponczek verzog nach Helmstedt, für ihn rückte Heinz Völkel nach, der Elektriker bei den BKB war und dessen Frau eine Gärtnerei und ein Blumengeschäft in Offleben betrieb.

Das Ausscheiden von Ernst Roehse und Horst Ponczek konnte das Ende einer klassischen Polarisierung bedeuten. Ernst Roehse hat noch 25 Jahre lang die Gemeindearbeit kritisch beobachtet und ist 1993 gestorben.

Reinsdorf: SPD: 167 Stimmen 4 Sitze; CDU 154 Stimmen 3 Sitze

Neu Büddenstedt: SPD: 879 Stimmen 8 Sitze; CDU: 332 Stimmen 3 Sitze, UWG 295 Stimmen 2 Sitze

Alversdorf: SPD: 200 Stimmen 5 Sitze; CDU 71 Stimmen 2 Sitze

Ergebnis der Kommunalwahl am 22. Oktober 1972

Offleben: SPD 683 Stimmen 7 Sitze; CDU 433 Stimmen 4 Sitze

Dem Gemeinderat gehörten an: für die SPD: Horst Smuda, Ilse Piper, Willi Smuda, Hans Wawerczin, Heinrich Westphal, Karl Heinz Ruhe, Heinz Bläsing,

für die CDU

: Karl Heinz Isensee, Rüdiger Kaiser, Gerhard Golus, Wilhelm Köhler, nach dessen Tod Rudi Chmilewski ab 16.5.1973.

Der Stimmenabstand von drei Sitzen hat sich durch die Wahl nicht geändert.

In der SPD-Fraktion hat sich personell auch nichts verändert. Es ist auffällig, daß alle Ratsmitglieder bereits dem vorherigen Gemeinderat angehörten. Das spricht für stabile Verhältnisse. Offleben ist ein "rotes Dorf" mit stabiler sozialdemokratischer Mehrheit.

In der CDU-Fraktion gab es einen größeren personellen Wechsel: von den vier Fraktionsmitgliedern waren drei neu: Lehrer Rüdiger Kaiser, Malermeister Gerhard Golus, der, anders als sein Vater, sich fest der CDU anschloß, und Wilhelm Köhler. Nach dessen Tod rückte ab Mai 1973 mit Rudi Chmilewski ein erfahrenes Ratsmitglied in die CDU-Fraktion nach.

Reinsdorf: SPD 200 Stimmen 5 Sitze; CDU 118 Stimmen 2 Sitze

Neu Büddenstedt: SPD 867 Stimmen 7 Sitze; CDU 349 3 Sitze; FWG 365 Stimmen 3 Sitze

Als am 1.3.1974 die Einheitsgemeinde Büddenstedt gebildet wurde, blieb bis zur Wahl am 9.6.1974 der Offleber Gemeinderat mit den anderen Räten in Reinsdorf und Neu-Büddenstedt als Interimsrat zwei Monate bestehen.

Zusammenfassung

Der Gemeinderat in Offleben hatte durchgehend von 1946 bis zum Ende seiner politischen Selbständigkeit im Jahre 1974 eine absolute sozialdemokratische Mehrheit. Diese sozialdemokratische Mehrheit wurde verkörpert durch Bürgermeister Willi Smuda.

Die Stärke der SPD im Orte war ihre Nähe zu den BKB. Da konnten Arbeitsplätze vermittelt und Aufträge für die Firmen im Ort locker gemacht werden. Schließlich bescherten die außerordentlich hohen Gewerbesteuereinnahmen den Gemeinderatsmitgliedern gewisse Einflußmöglichkeiten. Der Bau der Kanalisation, der Wohnungsbau, die Errichtung des Dorfgemeinschaftshauses schuf einen großen Einfluß für jene, die die Aufträge für diese Vorhaben zu vergeben hatten.

Die Gemeinde besaß zahlreiche Gemeindewohnungen. Noch Jahrzehnte später erzählte man sich im Dorf, daß das Parteibuch bei der Vermietung von gemeindeeigenen Wohnungen eine große Rolle gespielt hat.

Aber auch die BKB profitierten von der stabilen sozialdemokratischen Mehrheit im Ort. Sie konnte sich darauf verlassen, daß ihnen von der kommunalpolitischen Seite aus keine Schwierigkeiten gemacht würden, etwa durch erhöhte Entschädigungsforderungen für den angerichtetem Umweltschaden.

Die Offleber SPD hielt sich für alle Bevölkerungsgruppen offen. Nur die Flüchtlinge gingen zunächst, wie auch in allen anderen Orten, einen eigenen Weg. Es waren nicht so sehr politische Gegensätze, die die SPD vom BHE unterschieden, sondern landsmannschaftliche.

Es ist auffällig, daß sich in der SPD auch ausgesprochen "rechte" Vertreter wiederfinden, also solche, die nicht in einer bodenständigen Arbeiterkultur aufgewachsen waren. Die Offleber kannten Walter Wahnschaffe, der als Parteiloser bei der SPD mitmachte, noch aus der Zeit, als er NS- Ortsgruppenleiter gewesen war, und Otto Golus stand als Aufseher im Lager Alversdorf dem nationalsozialistischen System auch aktiv nahe. Aber warum sollten sie sich nun nicht in der SPD demokratisieren? Walter Wahnschaffe hatte sich ein Busunternehmen aufgebaut und Otto Golus ein angesehenes Malergeschäft. Vermutlich wandten sie sich der Demokratie zu, weil das neue politische System Geschäfte und Profit versprach. Das war eine typische Nachkriegserscheinung im Westen, die sich nach der Wende 1990 im Osten wiederholte. Die Kandidaten für die Offleber SPD im Gemeinderat deckten ein ideologisch sehr unterschiedliches, breites Meinungsspektrum ab. Das wirft aber die Frage auf: war Offleben wirklich ein "rotes Dorf"?

Es fehlte im Bevölkerungsdurchschnitt des Dorfes eine bürgerliche Mittelschicht. Es gab zwar die Höfe und mit den Hofbesitzern Brandes, Jäger, Bockmann, Wagenführ und Kempe eine sich von der Arbeiterkultur abhebende Gruppierung. Aber die Grenzziehung hatte die Besitzverhältnisse grundlegend verändert und damit verloren sie auch an gesellschaftlichem und ortspolitischem Einfluß und verließen bis auf Brandes den Ort.

Dazu kommt, daß in engräumigen Verhältnissen jede Kommunalwahl vor allem eine Persönlichkeitswahl ist, abseits vom Parteienprofil. Man wählte, wen man kannte und von wem man sich Vorteile versprach.

Daneben gab es auch jene, die sozusagen von Geburt an und ohne zu Zögern SPD wählten, weil es eigentlich zu ihrer Familientradition gehörte. Diese hatten sich in der braunen Zeit auch nicht rasch vereinnahmen lassen oder waren wenigstens untergetaucht. Zu ihnen gehörten meinem Eindruck nach Ernst Roehse, Kurt Hackethal, Otto Piper, Vater und Sohn.

Typisch sozialdemokratische Prägungen im Ort waren die Lernmittelfreiheit für die Offleber Kinder, niedrige Mieten, Gemeinschaftseinrichtungen wie die Gemeindewäscherei und gemeinsame Kühlfächer, das Vorhandensein von zwei Gemeindeschwestern und die Errichtung des großzügigen Dorfgemeinschaftshauses.

Im Gemeinderat gab es daher keine regelrechte "Opposition". Die SPD konnte davon ausgehen, daß mit der Zeit die Flüchtlingsfrage politisch befriedigend gelöst werden würde und damit keine Notwendigkeit für eine gesonderte politische Gruppierung im Gemeinderat bestehen würde. So ist es auch gekommen: der BHE ging schließlich in anderen Parteien auf.So war es doch eine Überraschung, als durch den Mittelschullehrer Horst Ponczek eine, dem politischen Bewußtsein im Grunde fremde, ideologisierende Argumentation in die Arbeit des Gemeinderates eindrang und an Einfluß und Sitzen gewann. Die Sitze der CDU wuchsen von einem Sitz (1956) auf 2 (1961), 3 (1964), wobei sie erstmals die UWG überflügelte, die zwei Sitze erhalten hatte und 4 (1968). Aber nie gelang es der CDU, auch nur annähernd die Mehrheit der SPD zu gefährden. Das Milieu, das die CDU auf Ortsebene umgab, war doch stark konfessionell-katholisch geprägt und orientierte sich mit der wachsenden Ideologisierung auch an den Vorgaben der konservativen Bundespolitik.

Auf diesem Hintergrund ist es interessant, der Frage nachzugehen, unter welchen Voraussetzungen die SPD 1976 ihre Mehrheit für 20 Jahre verlor. Das wird weiter unten beschrieben.

und Reinsdorf?

Reinsdorf unterschied sich in der Zusammensetzung der Bevölkerung doch von Offleben, weil es längst nicht in der auffälligen Weise industriell geprägt und auch nicht so geschädigt war. Die Reinsdorfer erhielten, anders als die Offleber, von den BKB keine Entschädigung, weil sie nicht in derselben Weise den Belästigungen des Schwelwerkes ausgesetzt waren. Der Gemeinderat erhielt auch keine vergleichbar hohen Gewerbesteuereinnahmen. Die Höfe dominierten das Dorfbild.

Es ist nicht zufällig, daß es 1952 in Reinsdorf, wie auch in Alversdorf und Neu-Büddenstedt, rechts von der SPD noch zwei größere politische Gruppierungen gab: zum einen eine Wählergemeinschaft, in der sich jene sammelten, die sich traditionell im Orte von der SPD absetzen wollten. Daneben gab es in Reinsdorf noch den größerer Block der Flüchtlinge, der beiden nicht traute. Die Wählergemeinschaft erhielt die meisten Stimmen: 415; und neben der SPD mit deutlich weniger Stimmen (352) erreichte der BHE mit 269 Stimmen ein sehr beachtliches Ergebnis. Bezeichnenderweise gehörten diesem Gemeinderat mit Ernst Wietfeld und Albert Jacobs auch die beiden größeren Hofbesitzer an. Möglicherweise hatte sich Albert Jacobs Hoffnungen auf den Bürgermeisterposten gemacht. Er schied jedenfalls nach wenigen Wochen bereits wieder aus dem Gemeinderat aus. Bezeichnenderweise gab es diese Wählergemeinschaft nicht in Offleben, weil die SPD dort auch die politisch rechts von ihr stehenden Gruppen aufgesogen hatte.

Prägender als die Parteien war in Reinsdorf die Mitgliedschaft in der traditionellen Feuerwehr oder im Schützenverein. Dort wurde kräftig Politik gemacht. Bürgermeister Dallmann war bezeichnenderweise lange Feuerwehrhauptmann und zum Schluß sogar Bezirksbrandmeister. Das ist eine auffällig andere politische Bewußtseins- und Gemengelage als in Offleben.

Andrerseits waren aus diesem Grund die parteipolitischen Grenzen nicht kantig-trennend.

Reinsdorf blieb als die deutlich kleinere Ortschaft mit der geringeren Einwohnerzahl im politischen Schatten von Offleben. Reinsdorf hob sich aber auch von Alversdorf ab, das ebenso wie Offleben bis zu seiner Auflösung eine starke sozialdemokratische Mehrheit hatte und hinsichtlich der Gemeindefinanzen so gut gestellt war wie Offleben. Offleben und Alversdorf tendierten daher parteipolitisch nach Schöningen, das ebenfalls seine sozialdemokratische Mehrheit seit dem Kriegsende nicht aufgegeben hat.

Etwas anders sahen die Mehrheitsverhältnisse in Neu-Büddenstedt aus. Auch Neu-Büddenstedt hatte seit Kriegsende einen sozialdemokratischen Bürgermeister. Aber die SPD mußte ihre Mehrheit meist knapp verteidigen.


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