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[Kirche von unten]

Das Braunschweigische Gesangbuch

Ergänzendes

von Dietrich Kuessner

1. Kapitel




Einsichten und Ausblicke

Ich will zum Schluß noch einmal folgende Einsichten zusammenfassen:

So wenig eine Kirchenverfassung etwas über die Gemeindewirklichkeit aussagt, so wenig erfahren wir aus Gesangbüchern etwas über das Gemeindesingen.

Die Gesangbücher der ersten Generation waren keine sondern waren Liedersammlungen.

Der mit Hilfe der Choräle von der Reformation geplante Beteiligungsgottesdienst anstatt der Messe als Zuschauergottesdienst ist im Grunde nicht geglückt. Die Gemeinde erhielt sonntäglich ständig wiederkehrende Stücke der Liturgie zugewiesen, aber ein von der Gemeinde gesungenes Lied zum Beginn des Gottesdienstes und zwischen den Lesungen und nach der Predigt bürgerte sich erst Jahrhunderte nach der Reformation mit der Gottesdienstreform Ende des 19. Jahrhunderts ein.

Die Liedersammlung/ das Gesangbuch ist eine hervorragende und längst noch nicht genügend ausgewertete Quelle des kulturellen Bewußtseins der Bevölkerung.

Für die Umsetzung des Gesangbuches in den Gottesdienst der Gemeinde war bis 1918 die Schule wesentlich. Der Zusammenhang von Schulsingen und Singen im Gottesdienst der Gemeinde ist nicht zu trennen.

Da die Schulverhältnisse insbesondere auf den Dörfern jahrhundertelang kümmerlich waren, blieb auch der Gesang im Gottesdienst der Gemeinde kümmerlich.

Zur Durchsetzung des Gesangbuches ist der Grad der Alphabetisierung der Braunschweigischen Bevölkerung wichtig. Die Ansichten darüber schwanken erheblich.

Mit Gesangbüchern ging die Mehrheit der Braunschweiger Gemeindemitglieder erst ab etwa 1830 in den Gottesdienst.

In den ersten 250 Jahren nach Einführung der Reformation wurde auswendig gesungen. Die Anzahl der auswendig bekannten Lieder schwankt zwischen acht und zwanzig.

Der Einbau von Orgeln im 18. und 19. Jahrhundert war für die Hebung des Gemeindegesanges nicht förderlich.

Aus der Zusammenschau der Lieder zu der festlichen Hälfte des Kirchenjahres ist zu ersehen, daß wir gegenwärtig im Vergleich zu früheren Generationen ein besonders ausgebreitetes Angebot an Liedern und ein lebendiges Singen in den Gemeinden erleben. Die Kirchenmusik hat historisch gesehen gegenwärtig einen besonders hohen Stand.

Die fortschreitende Säkularisierung erfordert eine Weiterarbeit besonders an den Texten der Lieder des Gesangbuches.

Das ist für eine Vertiefung des Kirchenjahres im kirchlichen und auch öffentlichen Bewußtsein wichtig.

Sowohl Kontinuität wie der starke Wechsel der Lieder von Paul Gerhardt ist ein Zeichen für einen lebendigen Umgang der Landeskirche mit ihrem Liedererbe.


Zum Teil 2: Literaturhinweise






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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/gesch/Gesangbuch/T4K1.htm, Stand: Dezember 2007, dk

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