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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Die Geschichte der Pauligemeinde von 1930 - 1960

von Dietrich Kuessner

(Download des gesamten Textes als pdf hier)


Abschluß eines Geschichtsabschnittes


Der Schluß dieses Geschichtsabschnittes war von erheblichem personellem Wechsel markiert. Schon im Herbst 1957 hatte nach 29jährigem Dienst in bewegter Zeit der Küster Fritz Ahrens 66jährig sein Küsteramt niedergelegt. Bei der Kirchenvorstandswahl im März 1960 wurde nicht, wie immer noch in den meisten Gemeinden üblich, auf ein Wahlgang verzichtet, sondern es waren zwei konkurrierende Listen mit insgesamt 23 Kandidaten aufgestellt, von denen nur noch acht dem bisherigen Kirchenvorstand angehörten. Fünf andere hatten sich nicht mehr aufstellen lassen. Sechs Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher wurden wiedergewählt (Höse, Peters, Vestner, Köhler, Kaysser, Lüddeckens), zwei wurden nicht wiedergewählt (Wagner und Dr. Hanke) und sechs zogen neu in den Kirchenvorstand ein (Frau Bürger, Frau Bloens und die Herren Bender, Brandt, Paret, Ritmeyer). Im Juni 1960 ging Pastor Schwarze nach 33 Jahren an Pauli in den Ruhestand.
So markiert Jahr 1960 einen neuen Abschnitt, der mit einer traurigen Kuriosität schloß. Pastor Goetze war 1955 nach Braunschweig gesundheitlich angeschlagen in sein Haus in der Bernerstraße zurückgekehrt. Es hatte in den vergangenen zehn Jahren keinen gemeinsamen Gottesdienst der Pfarrer Henneberger, Schwarze und Goetze in der Paulikirche gegeben. Es hatte Versuche gegeben, das beschädigte Verhältnis zu Goetze in Ordnung zu bringen. Am 8. Mai 1945 hatte OLKR Röpke einen Brief an Goetze geschrieben und ihn um Rückkehr in das Pfarramt Pauli II gebeten. Das bittere Unrecht, das ihm geschehen wäre, wäre auf „höhere Anweisung“ erfolgt. Das war weniger als die halbe Wahrheit. Nur gut drei Jahre vorher hatte Röpke am Heilig Abend 1941 an den Reichskirchenminister geschrieben, er halte „auch aus persönlicher Sicht die Versetzung in den Ruhestand für geboten“. Aber Goetze wollte in der Gemeinde seines inzwischen an der Front gefallenen Sohnes bleiben. Nun war er 75 jährig wieder in seine alte Gemeinde zurückgekehrt. Es mag auch eine Portion schlechtes Gewissen dabei gewesen sein, daß Landesbischof Erdmann ihm unter dem Datum des 26. Juli 1960, Goetzes 80. Geburtstages, mitteilte, daß die Kirchenregierung ihm den Ehrentitel Kirchenrat verliehen hatte. Zwei Tage vorher war Goetze verstorben.

Ein Rückblick auf die dreißig Jahre Paulikirchengeschichte kann unser Nachdenken schärfen, den Beginn neuer Entwicklungen in unserer Landeskirche daraufhin zu prüfen, ob sie mit dem Evangelium vereinbar sind, ob sie vor dem Recht Bestand haben, ob sie den Gemeindemitgliedern dienen, ob sie das geistliche und gesellschaftliche Leben in der Kirchengemeinde fördern und ob sie jedem autoritären Geist in Kirche und Gesellschaft widerstehen.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/gesch/Pogromnacht/Pauli_1930-1960.htm, Stand: Dezember 2006, dk

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