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[Kirche von unten]

Gott dem Herrn Dank sagen

Festschrift für Gerhard Heintze

Joachim Hempel

"Es war einmal ein Kaiser und ein Landesbischof.."

Notizen aus dem Tagebuch eines braunschweigischen Vikars

Wenn im fernen Afrika das Telephon klingelt und im Rauschen der in die Jahre gekommenen Leitung sich eine Stimme mit "Landeskirchenamt Wolfenbüttel", ich verbinde" meldet, zuckt ein gerade vor wenigen Wochen ausgereister Vikar doch zusammen. Aber die Nachricht löste freudiges Erstaunen aus: "Landesbischof Heintze wird als Vertreter der EKD nach Addis Abeba kommen, um aus der Hand Kaiser Haile Selassie I. einen Preis als Anerkennung für das soziale Engagement der deutschen Kirchen in Äthiopien entgegenzunehmen."

Am Donnerstag, dem 1. November 1973 stehe ich mit meiner Frau seit 6.00 früh zusammen mit dem äthiopisch-deutschen Empfangskomitee auf dem Flughafen der Hauptstadt. "Sie kennen den Bischof doch und wissen, wie er aussieht."- Erwartungsvoll schauen wir auf den VIP-Ausgang und da ist er: das unverwechselbar freundliche Lächeln im Gesicht entdeckt der Landesbischof unter den zahlreich ihn willkommen heißenden Menschen auch "seinen Vikar" und dessen Frau. "Ich habe Ihnen auch etwas von Zuhause mitgebracht", sagt er schmunzelnd, vielversprechend.

Gart nicht müde wirkt er nach dem langen Nachtflug, wach der Blick voller Erwartung, was ihn wohl in dieser unbekannten Ecke der Welt erwarten würde. Sein Interesse gilt neben allem Offiziellen sofort der Sozialarbeit der deutschen Gemeinde, die auf ihrem Kirchengrundstück – direkt neben der Kreuz-Kirche – ein Schulprojekt für Kinder aus den benachbarten Slums der Hauptstadt unterhält, getragen von Mitteln der "Kindernothilfe" und von "Brot für die Welt". Dr. Gerhard Heintze hört interessiert zu, schaut, lobt, dass die deutsche Gemeinde mit dieser Arbeit in die unmittelbare Nachbarschaft ausstrahlt.

Abends trifft sich alles, was geladen ist in der "Africa-Hall", dem Sitz der OAU (Organisation für Afrikanische Einheit) und weiterer internationaler Organisationen. Auf der Empore hat die Musikkapelle der Kaiserlichen Leibgarde Platz genommen, unten steht der Thronsessel des Kaisers. Staatsgäste werden erwartet, u.a. Präsident Leopold Senghor, der große Staatsmann des francophonen Afrikas aus dem Senegal, der Patriarch der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche ist da, der Kaiser kommt, die festliche Zeremonie beginnt.

Nach verschiedenen Ehrungen heißt es plötzlich: "Prize for Humanitarian Activities presented by His imperial Majesty to His Excellency Bishop Dr. Gerhard Heintze on behalf of the Evangelical Church of Germany, die Türen öffnen sich, im Lutherrock erscheint unser Bischof und steht vor dem Kaiser, nimmt die Ehrung entgegen und bedankt sich in englischer Sprache mit eindrucksvollen Worten. Wir spüren, der Bischof hat in seiner liebenswürdigen Art die Herzen und mit seinen Worten den Respekt der Anwesenden erreicht. Beifall brandet auf, das Musikkorps spielt die deutsche Nationalhymne.

Eher ungewöhnlich in jener Zeit, wie hier ein Bischof als Repräsentant einer sich sozial engagierenden Kirche geehrt wird. Später kommt es zu einer weiteren Begegnung mit dem Kaiser – der übrigens ein Jahr danach vom Militär gestürzt und interniert werden wird.

Dr. Gerhard Heintze hat in seiner weder aufdringlichen noch sich selbst inszenierenden Art Sympathien erworben, für sich selbst, für unsere Kirche, für Deutschland.

Am Sonntag begleite ich den Bischof zum Gottesdienst bei der evangelischen Mekane-Yesus-Kirche, wo seine Predigt ins Amharische übersetzt wird. Der übersetzende äthiopische Pfarrer übersetzt je länger je mehr, bis der Bischof plötzlich sagt "Jetzt haben Sie aber mehr übersetzt, als ich eben gesagt habe.." Die Lacher sind auf seiner Seite. Wieder gewinnt er mit seiner Art die Herzen der Menschen und mit seinen Gedanken ihre Gedanken.

Die Tage sind reich gefüllt mit Begegnungen, Gesprächen und dennoch bleibt Zeit, sich nach Wohl und Wehe des Vikars und seiner Frau im fremden Land zu erkundigen. Ach ja, und was hatte der Bischof den beiden mitgebracht? Zuhause hatte er dessen Eltern befragt, was er denn mitnehmen solle: ein ordentliches Heidebrot und eine Braunschweiger Schlackwurst.

Joachim Hempel 1973-1974 erster Auslandsvikar der Braunschweiger Landeskirche

Addis Abeba

Das Foto zeigt Dr. Gerhard Heintze mit den Kindern des Sozialzentrums der deutschen Gemeinde

Foto: Gisela Hempel


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Impressum, http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/FS90Heintze/, Stand: 18. November 2002, dk

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