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[Kirche von unten]

Gott dem Herrn Dank sagen

Festschrift für Gerhard Heintze

Konrad Minkner

Hrotsvit von Gandersheim

Versuch einer weiterführenden Nacharbeit der Ottonen-Ausstellung

 

Was für die Braunschweiger die Troja-Ausstellung im vorigen Jahr gewesen ist, war für die Magdeburger die in ihrer Landeshauptstadt gezeigte Europa-Ausstellung "Otto der Große – Magdeburg und Europa".

Vom 27.08. – 02.12. 2001 haben über 300 000 Besucherinnen und Besucher diese bemerkenswerte Schau besichtigt und reichen Gewinn für die Vertiefung ihres historischen Wissens erhalten. Wurde doch auf 2 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche eine Vielzahl von Leihgaben aus 170 Museen und Institutionen präsentiert. Damit gewährte die Ausstellung mit ihren Prunkhandschriften, Elfenbeinschnitzereien, Goldschmiedearbeiten, Reliquien und archäologischen Funden in einmaliger Weise Einblick in die Gestaltungskraft einer mächtigen Herrscherdynastie des 10. Jahrhunderts.

Eine wesentliche Bereicherung erfuhr die Ottonen-Schau durch die Frauentheatergruppe "Die Seraphime", die an mehreren Abenden das Stück "Adelheid und ihre Kaiser" von Bernd Götz unter der Regie von Gisela Begrich dargeboten hat. In dieser Collage treten sechs Frauen und Männer auf, die historisch verbürgt sind: Adelheid, Theophanu, Mathilde, Otto I., Otto II. und Otto III.. Besucherinnen und Besucher, die während des Rundganges durch die Ausstellung vom Betrachten und Lesen müde geworden waren, wurden wieder hell wach. Denn hier wurde Geschichte lebendig, deutlich war zu sehen, wie Frauen in hohem Maße an der Ausübung der politischen Macht beteiligt waren. Sehr zu Recht hat man Adelheid als consors regni, d. h. als "Gefährtin der Königsherrschaft" bezeichnet.

Für die Nacharbeit wurde historisch Interessierten sowohl ein Katalog als auch ein Aufsatzband zu einem erschwinglichen Preis angeboten.

Im Aufsatzband haben namhafte Historiker Beiträge zu den 6 Themen der Ausstellung geschrieben. So steuert Gerd Althoff zum 1. Sachkomplex "Geschichte und Überlieferung" einen Aufsatz mit dem Titel "Otto der Große in der ottonischen Geschichtsschreibung" bei. Oder Matthias Springer nimmt in Kapitel IV "Herrschaft und Reich" zur Lechfeldschlacht das Wort. Gerade dieser Beitrag versucht, die Ausstellung mit ihren Exponaten über die Auseinandersetzung mit den Ungarn in einen größeren geschichtlichen Zusammenhang zu stellen. Er spricht deshalb von einer Zeitenwende, die Otto der Große mit seinem Sieg 955 eingeleitet hat.

Der Katalog ermöglicht der Besucherin oder dem Besucher durch seine gründliche Beschreibung der Exponate, sich immer wieder die einzelnen Stücke zu vergegenwärtigen, die in den Vitrinen zu sehen sind.

Zu den wertvollsten Objekten gehörte zweifellos die Heiratsurkunde der Theophanu. Sie war Leihgabe aus dem Niedersächsischen Staatsarchiv und bestätigt nicht, wie der Name vermuten lässt, die Heirat Kaiser Ottos II. mit der byzantinischen Prinzessin, sondern listet den Besitz auf, den dieser Herrscher seiner Gemahlin anlässlich der Hochzeit als Morgengabe überträgt. Als Material für das Schriftstück wurde Pergament genommen, das man mit einer Lasur aus Krapplack versehen hat. Schwarze Federzeichnungen und Goldschrift schmücken dieses einzigartige Kunstwerk, das zu sehen ein Augenschmaus ist.

Die Ausstellung und deren Zubehör fordern geradezu heraus, sich auf die eigene Spurensuche zu begeben und zu vertiefen, welche Rolle auch Frauen in der Geschichte und Literatur spielten, und wie deren breite Würdigung im mitteldeutschen Raum noch verstärkt geschehen sollte.

Das soll nun im Folgenden an Hrotsvit von Gandersheim gezeigt werden.

Deren Lebensleistung wird im Sachkomplex V "Magdeburg –´die königliche Stadt`", unter der Katalognummer 32, insofern gewürdigt, als Ausschnitte von einem Codex gezeigt werden, der im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts von sechs Magdeburger Händen geschrieben wurde und 151 Pergamentblätter umfasst. Die in der Bayerischen Staatsbibliothek zu München aufbewahrte Handschrift enthält mit Ausnahme der Gründungsgeschichte des Stifts Gandersheim alle überlieferten Werke der Hrotsvit von Gandersheim. "Sie stellt die älteste und größtenteils auch die einzige Überlieferung für Hrotsviths Werke dar."

Bevor wir uns Hrotsvits zwei historischen Werken und deren Bedeutung für die ottonische Geschichtsschreibung zuwenden, sei ein kurzer Überblick über ihre allgemeine Bedeutung in der Literaturgeschichte sowie über das Leben der Gandersheimer Nonne und ihr umfangreiches Werk erlaubt.

"Zu den auffallendsten Gestalten des politisch instabilen und von enormen kulturellen Einbußen gezeichneten 10. Jahrhunderts gehört die sächsische Kanonisse Hrotsvit von Gandersheim. Sie ist die erste bedeutende lateinische Autorin seit der Antike und die erste Dramatikerin der christlichen Welt überhaupt." Lange Zeit in Vergessenheit geraten, haben die deutschen Humanisten Hrotsvit als Vertreterin nationaler lateinischer Literatur gefeiert. 1501 wurde ihr literarisches Werk zum ersten Male in Nürnberg mit Holzschnitten aus der Schule Albrecht Dürers gedruckt. Jedoch erst seit der Romantik hat die Nonne aus Gandersheim einen festen Platz unter den Autorinnen und Autoren in Deutschland. Peter Hacks lässt sie in seinem 1975 im Ostberliner Maxim-Gorki-Theater aufgeführten Drama "Rosie träumt" auftreten.

Hrotsvits Lebensdaten sind nur aus ihrem literarischen Schaffen erkennbar.

Ihr "Geburtsdatum ca. 935 ergibt sich aus ihrem Hinweis, sie sei älter als ihre Lehrerin und spätere Äbtissin Gerberga (940-1001) bzw. sie sei longo tempore / nach dem Tode des Liudolfinger Herzogs Otto (912) geboren." Wahrscheinlich stammte sie aus einem adelsfreien Geschlecht und ist in jungen Jahren in das von den Liudolfingern gegründete und geleitete Frauenstift in Gandersheim eingetreten. Dort lebte sie als Kanonisse, d. h. Nonnengelübde und Ordensregel waren für sie nicht bindend, auch wenn sie sich, wie sie selbst mehrfach betont, freiwillig danach gerichtet hat." Hrotsvits Todesjahr ist unbekannt."

Nach dem Urteil von Dieter Kartschoke lässt sich die geistige Entwicklung, die Hrotsvit genommen hat, an den Prosa-Praefationes ablesen, die" bei der Endredaktion ihrer Schriften jedem der drei nach ihrer literarischen Gattung unterschiedenen Bücher vorangestellt "sind.

Dazu kommt noch ein Brief, den sie zusätzlich dem Dramen-Buch beigegeben hat. Das erste der o. g. Bücher ist das Legendenbuch, das außer der schon erwähnten Einleitung eine Widmung an Gerberga enthält. Dann folgen acht Verslegenden in leonischen Hexametern, die neben der Erinnerung an Maria und Christus vor allem die Verehrung von sechs Heiligen zum Inhalt haben. Die meisten Legenden kreisen dabei um das von der Dichterin bevorzugte Thema der Jungfräulichkeit. Das zweite Buch enthält sechs Dramen , " in welchen Hrotsvit Terenz imitiert und durch Exempel von `löblicher Reinheit heiliger Jungfrauen `ein Gegengift zu seiner verführerischen Lektüre geben will." Diese Dramen haben den Ruhm der Dichterin begründet und sollen deshalb in Kurztiteln genannt werden: Gallicanus, Dulcitius, Calimachus, Abraham, Pafnutius und Sapientia.

Nun wollen wir eingehen auf die Bedeutung der historischen Aussagen der Hrotsvit von Gandersheim.

Für Historiker und Historikerinnen ist besonders das dritte Buch aufschlussreich, weil es folgende zwei geschichtliche Epen zum Inhalt hat: Gesta Ottonis ( "Die Taten Ottos ") und Primordia coenobii Gandesheimensis (Anfänge des Stiftes Gandersheim). Beide Geschichtswerke bietet Hrotsvit wiederum in leonischen Hexametern dar, allerdings sind beide nur mit großen Lücken überliefert. In der Zeit zwischen 968 und 973 hat Hrotsvit sie zum Abschluss gebracht.

Die Gesta Ottonis hat Hrotsvit nach eigenem Bekunden als schwache ungebildete Frau verfasst, die sich nicht auf quellenkritische Kenntnis berufen kann, m. E. eine starke Untertreibung, denn ihre Auftraggeberin Gerberga hat sie mit ausreichendem Material aus der Familie der Ottonen versorgt, so dass die Gandesheimer Kanonisse durchaus in die Lage versetzt worden ist, eine Geschichte der Ottonen "aus der stolzen, religiös sublimierten Sicht des sächsischen Hauses" zu schreiben.

Dementsprechend führt sie die Lebensleistung Ottos des Großen auf das Walten Gottes mit den Worten zurück:

"Ihn hat die Gnade des Himmels bedacht mit so reichlichen Gaben,

dass er, von allen zu recht gefeiert,

alle Könige übertraf an Ruhm seiner Taten,

deren Länder des Ozeans Fluten bespülen.

Auch hat die heilige Hand unsres mächtigen Gottes

ihn so gütig bewahrt vor feindlichen Tücken und Listen,

dass man fast glauben könnte, der gläubige David regiere

und erneure den Glanz seiner einstmals errungenen Siege."

Solche Reflexionen, die sich beliebig vermehren ließen, werden gemeinhin auf eine fromme Gemütslage der Autorin nach der Weise zurückgeführt: So schrieb man halt zur Ottonen-Zeit! Aber der Hinweis auf David und damit auf seine Bewertung durch den Deuteronomisten macht deutlich, dass die Beweise göttlichen Beistandes nicht frommes Stilmittel darstellten, sondern offenbar wichtiges Kriterium für die Einschätzung königlicher Amtsführung ausmachten.

Man war nicht nur fromm, sondern wurde mit der Erwartung konfrontiert, auch fromm zu handeln. Frömmigkeit und Regieren sollten einmünden in die Verantwortung vor Gott. "Erfolge Ottos im Kampf werden also geradezu stereotyp als Ergebnis göttlicher Hilfe erklärt."Trotz dieser im Glauben wurzelnden Akzentuierung haben "Die Taten Ottos" für die heutigen Historiker und Historikerinnen einen nicht hoch genug anzusetzenden Wert.

Und sie bedauern es, wenn Hrotsvit etwa zur sogenannten Krise der Herrschaft Ottos des Großen, die in die Zeit von 937 bis 941 hineingehört, im Vergleich mit Liutprand von Cremona und Widukind von Corvey, aus welchen Gründen auch immer, mehr oder weniger beharrlich schweigt.

Man sieht es ihr nach, dass sie in Form eines Lobgedichts über die Ottonen-Zeit berichtet, weil sie die Verlautbarungen anderer zeitgenössischer Quellen glaubhaft bestätigt und ergänzt. Ihr Geschichtswerk beginnt mit der Zeit Heinrichs I. und endet, wenn auch nur bruchstückhaft, bei der Kaiserkrönung Ottos I.. Als einzige unter den damaligen Schreibenden berichtet sie ausführlich von der Brautwerbung für Otto. Für sie ist das ein erwähnenswertes Thema.

So führt sie aus, dass Editha, die 1.Gemahlin Ottos, vom ersten englischen Märtyrerkönig St. Oswald abstammt und schildert in diesem Zusammenhang ausführlich den Empfang der deutschen Gesandtschaft am englischen Hof, und lässt auch die Reise der beiden Königstöchter nach Deutschland nicht unerwähnt.

An der Darstellung dieser Geschehnisse wird deutlich, dass Hrotsvit die Schilderung solcher Begebenheiten bevorzugt hat, die Otto persönlich betrafen. Anderes lässt sie dagegen fort, wie etwa die Darstellung der häufigen Kämpfe mit Slawen und Ungarn, auch wenn sie Kenntnis davon gehabt hat. An dem, was Hrotsvit für berichtenswert hält, ist zu sehen, wie Historikerinnen einen anderen Blick auf Geschichte wählen als Historiker. Historikerinnen ist es offensichtlich unnütz, immer nur und immer wieder über Schlachten und Metzeleien Bericht zu geben, sie versuchen, den Menschen ins Blickfeld zu rücken.

Sicher hat Hrotsvit Rücksicht auf die kaiserliche Familie genommen, wenn es galt, über die Vergangenheit Heinrichs von Bayern oder über den Konflikt mit Liudolf zu berichten. "Aber daneben gab es doch auch unverfänglichen Stoff, und da hat Hrotsvit uns viele wichtige Tatsachen und Umstände aufbewahrt, manches in sehr ansprechender dichterischer Form, wie die Flucht der Königin Adelheid 951 aus ihrem Gefängnis."

Bei der Darstellung dieses Vorgangs, aber auch bei dem Erzählen anderer Geschehnisse wie dem der Ereignisse in Italien hat sich Hrotsvit nach der Bewertung von F.-J. Schmale korrekt an den Ablauf der Dinge gehalten, so dass man den Satz wagen kann: Wo Widukind schweigt, schließt teilweise Hrotsvit die Lücke.

Die Primordia coenobii Gandesheimensis behandeln die wiederum legendär ausgestalteten Anfänge des Gandesheimer Stifts im Jahre 846 bis zum Jahre 919, also genau bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Gedicht von Ottos Taten einsetzt.

Wenn man so will, ist diese Gründungsgeschichte dem Otto-Epos vorgeschaltet und "vermittelt vielleicht am wirkungsvollsten die hohe Dichtkunst der Hrotsvit von Gandersheim. "Die Primordia sind als Tendenzschrift (gegen den Anspruch des Bistums Hildesheim) zu verstehen und waren Anfang des 11. Jahrhunderts wichtigste Quelle für die sogenannte Gandersheimer Denkschrift im Streit zwischen Mainz und Hildesheim." Diese Einschätzung eines namhaften Kenners der historischen Werke der Gandersheimer Nonne macht deutlich, dass sich Hrotsvit zwar anderer Stilmittel bedient als ihre Zeitgenossen, dennoch greift sie als dichtende Historikerin in kirchenpolitische Auseinandersetzungen ein und bezieht Stellung.

Aufschlussreich ist, dass ihre Darstellung mit den Anfängen der Liudolfinger, also der Gründerfamilie des Gandesheimer Stifts, beginnt.

Das Gedicht setzt bei Aeda (vielleicht mit der späteren Äbtissin von Herford identisch) ein und schließt mit der Geburt Otts I., die noch kurz erwähnt wird.

Liudolf, den Ahnherrn des nach ihm genannten Geschlechts, nennt Hrotsvit mehrfach dux (=Herzog). Als Liudolf nach Rom zieht, um die ins Auge gefasste Gründung des Stifts Gandersheim vom Papst zu erbitten, wird er ausdrücklich in dem mitgeführten königlichen Empfehlungsschreiben dux genannt.

Mag sein, dass sich Hrotsvit der ganzen Tragweite dieses Titels nicht bewusst gewesen ist, doch will sie auf alle Fälle herausarbeiten, dass nicht irgendein Adliger die Gründung des Damenstifts zu Gandersheim vollzogen hat, sondern ein mit dem dux-Titel ausgestatteter Herrscher, der dann auch dafür sorgen konnte, dass diesem Nonnenkloster Immunität zugesichert wurde, d. h. Befreiung von bischöflicher und weltlicher Jurisdiktion.

Bezweifelt wird, ob Liudolf als dux über alle Sachsen geherrscht hat, wahrscheinlich nur über Ostsachsen. Aber eins ist sicher: "Als Grundherr stand Luidolf dem Stift als Laienabt vor," dem mit seiner Familie das Privileg zukam, Einfluss auf die Vorsteherinnenwahl zu nehmen. Und in der Tat, die drei ersten Äbtissinnen waren Töchter von Liudolf und Oda.

Mit Sicherheit konnte sich Hrotsvit dabei auf Aufzeichnungen stützen, die nach der Wahl der jeweiligen Äbtissin angelegt wurden.

Die Lektüre des Gründungsgedichts verdeutlicht zudem, dass seit der Stiftung des Klosters bis in die Tage von Hrotsvit hinein - und das ist ja doch ein Zeitraum von 70 Jahren – die dort wohnenden Frauen in großer Beschaulichkeit ihren religiösen und anderen Pflichten nachgehen konnten. Da gibt es keinerlei sprachliche Einbrüche, die auf dramatische Ereignisse, von außen an das Kloster herangetragen, schließen lassen. In Ruhe gleitet das Epos dahin, und seine Verfasserin nimmt sich die Zeit, auch bei Betrachtungen der Natur und der Tages- und Nachtzeiten zu verweilen:

"Kaum hatten Nacht und Nebel bedeckt unsre Erde

als überall im Kreise, ringsum auf den waldigen Hügeln,

dort, wo dann später der herrliche Bau errichtet,

zahlreiche Lichter erglühten, harmonisch geordnet.

Mit ihren lichten und klaren Schein durchdrangen die Strahlen."

Eine erlebnisreiche Historie wird uns vermittelt, die eine Symbiose mit tiefer Religiosität eingeht. Und nur eine Geschichtsbetrachtung, wie sie von dem Mediävisten Johannes Fried angestrebt und vertreten wird, kann das Geschichtswerk von Hrotsvit, das von " überragender geistig-geistlicher Bildung" zeugt, verstehen.

Zusammenfassung: In den oben skizzierten Geschichtswerken ist uns eine ungewöhnliche Frau begegnet. Themen, die sonst nur von Männern abgehandelt wurden, hat Hrotsvit aufgenommen und bearbeitet. Sie ist den Historikern ihrer Zeit insofern überlegen, als Geschichte bei ihr in der Form transparent wird, dass sie ihre Gefühle und Stimmungen in die Darstellung einfließen lässt. Deshalb können wir in ihren historischen Epen etwa Naturbetrachtungen lesen. Oder auch Rede und Gegenrede.

Zudem wagt sie es, am Leben Ottos des Großen entlangzugehen und es in seiner Vielfältigkeit, aber auch in seiner Sprödigkeit sichtbar werden zu lassen. Damit setzte sie sich über die Konvention ihrer Zeit hinweg und wurde dadurch zur Wegbereiterin anderer Frauen, die nach ihr ebenfalls versucht haben, die Geschichte ihrer Zeit zu verdeutlichen. Für diese ihre Pionierarbeit, die von Kühnheit und Entschlossenheit bestimmt war, zollen wir ihr Respekt und dankbare Anerkennung.

Literatur

Ausgaben der Werke und damit besonders der historischen Darstellungen von Hrotsvit:

Hrotsvithae opera rec. emendavit Paulus de Winterfeld, MGH. SRG, 1902, Nachdruck Berlin und Zürich 1965. "Grundlegend bleibt die Ausgabe von Winterfelds wegen ihres kommentierenden Apparates und der reichen Indices (S. 251-548), die diese Ausgabe zugleich zur besten Arbeit über Hrotsvits Sprache machen."

Hrotsvithae opera, denuo ed. K. Strecker, 2.Auflage, Leipzig 1930. Diese Ausgabe geht vom letztgültigen Text aus.

Hrotsvithae opera. Mit Einleitungen und Kommentar von Helene Homeyer, Paderborn 1970.

Übersetzungen: Helene Homeyer, Roswitha von Gandersheim, Werke in deutscher Übertragung, Paderborn 1970.

Hrotsvit von Gandersheim, Sämtliche Dichtungen. Vollständige Ausgabe. Aus dem Mittellateinischen übertragen von Otto Bannhauer (Legenden), Jacob Bendixen (Dramen) und Theodor Pfund (Epen), München 1966.

Hrotsvitha von Gandersheim, Gedicht über die Gandersheimer Gründung und die Taten Oddo I., übersetzt von Theodor Pfund, neu bearbeitet von Wilhelm Wattenbach (Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit 32), Leipzig 1941.


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Impressum, http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/FS90Heintze/, Stand: 18. November 2002, dk

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