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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 40 - September 1989


Entwurf für einen Einspruch gegen SCHACHT KONRAD

von Eberhard Fincke

Ich erhebe Einspruch gegen die geplante atomare Endlagerstätte SCHACHT KONRAD.
Mit dem Projekt werden die religiösen Grundlagen unserer Gesellschaft unterhöhlt. Worauf sich viele Generationen vor uns als Christen verlassen haben worauf sie ihr Leben gegründet und woran sie sich im Sterben gehalten haben, das wird mit der Planung der Endlagerstätte SCHACHT KONRAD in Frage gestellt.

Von alters her kommt dieser Glaube zum Ausdruck im Glaubensbekenntnis, in dem es heißt:
ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Demgegenüber vertraut die Planung auf die Sicherheit einer Deponie für radioaktiven Müll, der auf 100 000 oder auch nur auf 1 000 Jahre nicht in die Biosphäre gelangen darf.


Im Einzelnen:
Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen - das heißt:

Ich vertraue für mein Leben darauf, daß es Gemeinschaft qibt - auch die Gemeinschaft der Generationen - in der die einen nicht willentlich auf Kosten oder zu Lasten der anderen leben.

Die atomare Endlagerung belastet dagegen alle folgenden Generationen auf ewig.


Ich Glaube an die Vergebung der Sünden - das heißt:

Ich vertraue für mein Leben darauf, daß alles vergeben werden kann, was jener Gemeinschaft widersprach oder sie gar zerstörte. Ich vertraue darauf, daß ein neuer Anfang immer möglich ist. Was auch immer geschehen sein mag, es darf schließlich dem Vergessen anheimgegeben werden, wie auch in unserer Umwelt bisher alles Gestorbene und Verdorbene gnädig verrottet oder versunken ist.
Die atomare Endlagerung verrottet "mit Sicherheit" ewig nicht. Sie darf deswegen auch nie vergessen werden. Wird sie uns jemals vergeben werden können?


Ich glaube an die Auferstehung der Toten - das heißt:

Ich vertraue für mein Leben darauf, daß alle Menschen dem Leben gehören so wie sie sind und nicht, wie sie sein sollten, mögen sie unfähig sein, resigniert oder gar tot.
Sie alle können und werden aufstehen. Es muß nichts so bleiben, wie es war.

Die atomare Endlagerung dagegen muß eine "Auferstehung des Toten" fürchten. Auf ewig muß bei ihr alles bleiben, wie es ist.


Ich glaube an das ewige Leben - das heiBt:

Ich vertraue darauf, daß mir wie allen Menschen das Leben zugedacht ist auf ewig, jeden Tag neu geschenkt.

Leben auf der Erde gibt es erst, seit radioaktive Strahlung auf ihr abgeklungen ist oder durch Schutzschichten in der Tiefe oder in der Atmosphäre weitgehend abgeschirmt wird.
Wer radioaktive Stoffe produziert, holt den "ewigen Tod" zurück.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu040/dritterartikel.htm, Stand: September 1989, dk

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