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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 40 - September 1989


Entwurf für eine Einwendung gegen SCHACHT KONRAD

von Eberhard Fincke

Ich erhebe Einspruch gegen das geplante atomare Endlager SCHACHT KONRAD. Mit der Planung und Schaffung dieses Endlagers wird das Vertrauen verraten, ohne das unsere Gesellschaft nicht leben kann.
Ohne dies Vertrauen werden auf die Dauer Resignation und Menschenverachtung, Gewalt und Apathie überhandnehmen.

Begründung:

Von Generation zu Generation wurde unsere Kultur aufgebaut im Vertrauen darauf, daß die Fülle des Lebens unerschöpflich ist, alles Gestorbene und Verdorbene gnädig verrottet und alles Verwundete wieder heil werden kann. Freilich hat dieses Vertrauen auch zu der ungeheuren Verschmutzung der Umwelt geführt.

Es ist auch das Vertrauen darauf, daß bei allen Menschen der Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit überwiegt und sie deswegen dazu kommen können, Ungerechtigkeit zu beenden und Verfehlungen zu vergeben und zu vergessen. Freilich ist diese Bereitschaft unendlich oft ausgenutzt und mißbraucht worden.

In diesem Vertrauen konnten sich Kinder und Enkel immer darauf verlassen, daß die Eltern ihnen keine untragbaren Lasten aufbürden und die Alten konnten darauf hoffen, daß ihre Kinder sie nicht im S4h lassen (sog. Generationen-Vertrag).
Seit der Errichtung von Atomkraftwerken ist alles anders. Die radioaktive Strahlung, die durch sie entsteht und aus ihnen entweicht, bleibt für unendlich lange Zeit in Erde, Luft und Wasser. Der radioaktive Müll verrottet "ewig" nicht und darf deswegen nie vergessen werden.

So vergiften wir mit der Atomwirtschaft allen nachfolgenden Generationen die Lebensmittel und laden ihnen unseren Abfall auf.

Damit kündigen wir das Vertrauen auf, das bis r wirksam war, bewußt oder unbewußt. Seinen Ausdruck fand es seit 2000 Jahren in unserer Kultur Z.B. in dem immer wiederholten Gebet

Vater unser im Himmel,

Diese Worte sagen:
Wir wollen unser Vertrauen nicht auf die Sicherheit physikalischer Berechnung und technischer Vorsorge setzen,
sondern
darauf, daß alle Menschen eine brüderliche Gemeinschaft bilden können, wie Kinder, deren Eltern es gut mit ihnen meinen.

Geheiligt werde dein Name

Diese Worte sagen:
Uns ist die Quelle des Lebens heilig, darum schrecken wir davor zurück, restlos alles der Berechnung und Machbarkeit zu unterwerfen, die natürliche Umwelt und die Zukunft der Kinder und Kindeskinder.

Dein Reich komme,

Diese Worte sagen:
Wir wollen unsere Hoffnung nicht auf den Reichtum einer grenzenlos wachsenden, preiswerten Energieversorgung setzen, die sich bereits jetzt als Illusion erwiesen hat,
sondern
wir setzen unsere Hoffnung auf ein neues Reich, in dem immer mehr Menschen zum Teilen bereit sind und zum Frieden mit der Natur.

Dein Wille geschehe.

Diese Worte sagen:
wir setzen unsere Hoffnung nicht darauf, daß der Mensch sich die Erde untertan machen und der Natur immer mehr seinen Willen aufzwingen kann,
sondern
glauben daran, daß der Mensch glücklich sein und in Frieden leben wird, wenn er das Recht der anderen Menschen und der Natur beachtet, wie es Z.B. in den Geboten zum Ausdruck kommt.

Unser täglich Brot gib uns heute.

Diese Worte sagen:
Wir glauben nicht an Wunschträume von unbegrenzt verfügbarer, billiger Energie,
sondern
verzichten bewußt darauf, auf Kosten anderer Vorräte anzusammeln oder auf Kosten der Nachkommen die Reserven zu verschwenden.
Wir vertrauen darauf, daß das zum Leben Notwendige von Tag zu Tag genügend vorhanden sein wird, wenn Keiner mehr haben will als er braucht.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern

Diese Worte sagen:
Wir sind uns dessen bewußt, daß alle Menschen und Völker angewiesen sind auf Nachsicht, Vergebung und Erbarmen, ob sie es nun wahrhaben wollen oder nicht. Wir erteilen damit allen Versuchen eine Absage, eine Gesellschaft oder auch eine Technik zu entwickeln, die vom Menschen verlangt, daß er perfekt und fehlerlos handelt.
Wir wollen uns darauf verlassen, daß alles wieder gut werden kann, so oft der Mensch sich zu seinen Verfehlungen bekennt. Wir glauben an die Unerschöpflichkeit des Erbarmens auch in jedem Menschen.
Atomarer Müll kann nach menschlichen Maßstäben "ewig" nicht wieder gut werden. Er kann uns darum auch nie vergeben werden.

Und führe uns nicht in Versuchung

Diese Worte sagen:
Wir wissen aus Erfahrung, wie schnell man versucht sein kann, etwas zu tun, was anderen ihre Freiheit und ihr Recht nimmt, ohne daß dies beabsichtigt war. Mit der Atomenergie ist es genau so. Darum wollen wir unbedingt vor solchen Versuchungen bewahrt werden.

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Diese Worte sagen:
Wir vertrauen darauf, daß wir der Bosheit u4 der lebensfeindlichen Übermacht, der herrschenden Gleichgültigkeit und technischen Zwängen nicht hilflos ausgeliefert sind, auch wenn es oft so scheint.

Wir glauben daran, daß das Gute im Menschen erlöst werden kann und eines Tages erlöst werden wird. Wie glauben, daß alles Böse und Ungerechte nicht ewig dauert, wie atomarer Müll.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen


Diese Worte sagen:
Wir bekräftigen die feste Zuversicht, daß Leben und Wohlstand nicht abhängen von einer höchst riskanten und gegenüber den Nachkommen rücksichtslosen Technik,
sondern
von unserem Vertrauen in die Macht der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe. Wenn wir weiterhin Atomkraftwerke betreiben und radioaktiven Müll produzieren, sagen wir uns los von den diesem Glauben und zerstören damit die Grundlage unserer Kultur.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu040/vaterunser.htm, Stand: September 1989, dk

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