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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 43 - März 1990


KERNKRAFT kontra KLIMA-KATASTROPHE?

von Eberhard Fincke

Wenn man/frau sich gegen Schacht Konrad engagiert, wird einem jetzt häufig entgegen gehalten, angesichts der drohenden Klimakatastrophe brauchten wir die Kernkraft. Wir müßten dringend den Ausstoß vor. Kohlendioxyd (CO2) und anderen Gasen verringern, also die Verbrennung von Kohle und Öl. Wirksam und realistisch sei das nur durch den Einsatz von Kernkraftwerken möglich. Wer gegen die Kernkraft sei, trage so dazu bei, daß die Verbrennung von Kohle und Öl weitergeht. Er sei mitschuldig am Treibhauseffekt. Das verunsichert einen als Gegner der Kernkraft natürlich.
Was ist dran an solcher Argumentation?
Nichts!
Das läßt sich leicht zeigen:
Mit Kernenergie kann man nur Strom erzeugen. Der Einsatz von Kernenergie ~st also nur dort möglich,
wo man Strom benutzt. Strom ist weltweit aber nur mit 13 % am Energieeinsatz beteiligt. In wesentlichen Bereichen der Energienutzung wie Hausbrand, Industrie und Verkehr kann Strom technisch oder wirtschaftlich nicht eingesetzt werden. Mit Strom zu heizen ist bekanntlich Energieverschwendung, und Elektroautos haben wir auch nicht.
Von dem, Strom, der insgesamt 13 % des Energieeinsatzes
ausmacht, stammen gegenwärtig weltweit 16 % aus Atomkraftwerken. Vom Gesamt-Energieeinsatz sind das 2 %.

Daraus folgt:
1. Wollte man den Anteil des Atomstroms wesentlich erhöhen, müßten weltweit sehr viele Atomkraftwerke gebaut werden.

2. Trotzdem würde dies, aufs Ganze gesehen, wenig verändern. Die 87 % Energieeinsatz blieben unberührt.

3. Wollte man in diesem Bereich {Hausbrand, Industrie) den Stromanteil wesentlich erhöhen, müßte z.B. bei uns in der BRD die Heizung in großem Stil auf Elektroheizung umgestellt werden. Das wäre unsinnig. Bekanntlich gehen bei Kernkraftwerken 65 % der eingesetzten Energie als Kühlwasser u.a. verloren. Aus der Steckdose kommen nur noch 35 % maximal. Das ist zwar auch bei den großen Kohlekraftwerken so. Kohlekraftwerke kann man aber auch klein und in Stadtnähe bauen, so daß sie als Fernheizung dienen. Dann steigt der Ausnutzungsgrad etwa auf das doppelte. Bei Kernkraftwerken geht das aus Sicherheitsgründen nicht.

4. Abgesehen von dem Unsinn, mit Strom zu heizen, sind Kernkraftwerke mit allen Folgekosten sehr teuer. Wollten wir viele Atomkraftwerke bauen, so würde dies ungeheure Summen kosten. Nicht einmal die BRD hätte das Geld, denn:

5. sehr viel Geld wird schon benötigt, um den wirklich zum Ziel führenden Weg auf eine Verringerung des CO2-Ausstoßes zu beschreiten: Der massenhafte Einsatz von energiesparenden Techniken in Haus und Industrie, Wärmeisolierung beim Bau, Kraft-Wärmekopplung, Filter u.a.m. Diese Techniken sind schon vorhanden und zumeist einfach.

Fazit: Rein wirtschaftlich und technisch betrachtet ist es Unsinn, mit dem Einsatz von Kernkraft die Klimakatastrophe abwehren zu wollen. Die riesigen Kosten würden wenig Effekt haben und wirksame Maßnahmen nur blockieren. Dabei ist noch unberücksichtigt geblieben, daß trotz aller teuren Sicherheitsmaßnahmen das bekannte "Restrisiko" furchtbarer Katastrophen bleibt und mit der Zahl der Kernkraftwerke rasant zunimmt. Es ist weiter nicht berücksichtigt, daß gerade wegen der Sicherheitsmaßnahmen jedes demokratische Staatswesen überfordert wird, und daß die Frage, wohin mit dem atomaren Abfall, im Grunde unlösbar ist.

Diese einfachen Zusammenhänge müßten doch, auch den technischen und wirtschaftlichen Fachleuten der Atomindustrie bekannt sein. Wieso reden sie dann doch anders, mit großen und teueren Anzeigenserien ? Ja, warum ?...




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu043/kernkraft.htm, Stand: März 1990, dk

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