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[Kirche von unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

DIE KIRCHE SCHWEIGT

Kurt Dockhorn

Hartmut Honsbein schließt seinen Artikel über die Militärseelsorge mit einem Ausblick auf die neue NATO-Strategie. Angesprochen auf die damit nötige Umrüstung der Bundeswehr auf Angriffsfähigkeit meinte der leitende EKD-Theologe Hermann Barth im September 2000 auf der Herbsttagung des Evangelischen Arbeitskreises zur Begleitung von Kriegsdienstverweigerern und Zivildienstleistenden (EAK) , diese Kritik sei "denunziatorisch". Daraus ist dann wohl zu schließen, dass die NATO-Bomben auf Belgrad unter deutscher Beteiligung rein defensiven Charakter hatten. Besorgt zeigte sich Barth dann in der weiteren Diskussion bei einer anderen Frage: Der zu erwartende Wegfall der Wehrpflicht könnte eine Zunahme von "Rambo-Typen" in der Bundeswehr zur Folge haben. Und dann sei es die Aufgabe der Militärseelsorge, "zivilisierend in die Truppe" hineinzuwirken. Jedes noch so brillante Kirchenkabarett dürfte es schwer haben, solche Realsatire aus berufenem Munde zu toppen. Jedenfalls ist klar: In einer Situation, in der der EAK eine neue Friedensdenkschrift für angezeigt hält, werden wir von Seiten der EKD auf keinerlei Einspruch hoffen dürfen, was die voll im Gange befindliche Remilitarisierung der deutschen Außenpolitk betrifft. Die kommenden Kriege werden abgenickt werden gemäß der theologischen Vorgabe beim Golfkrieg, die uns die Neuerfindung des "bellum iustum" in der Gestalt der ultima ratio militärischer Intervention beschert hat. Kirchliche Aufarbeitung des dritten Jugoslawienkrieges im 20.Jahrhundert? Fehlanzeige. Kirchliches Stirnerunzeln wenigstens als Begleitung einer deutschen Außenpolitik, die auf der Grundlage des sog. Selbstbestimmungsrechtes der Völker ein Protektorat nach dem andern auf dem Balkan errichtet? Nichts bekannt. Der deutsche Griff nach Ost- und Südosteuropa (dabei fest im Blick als Fernziel die Kaukasische Erdölregion) erfolgt wirtschaftlich, und wo das nicht ausreicht, wird militärisch eingegriffen. Dies alles in unübersehbarer Kontinuität mit deutscher verhängnisvoller Großmachtpolitik seit Wilhelm II. Und das alles soll nun auf einmal unbedenklich sein, weil es nun kein deutscher Sonderweg mehr ist. sondern ein westeuropäischer unter deutscher Führung?

Nach Montenegro (Einführung der DM), Serbien (Bomben). Kosovo (Besatzung, die der ethnischen Säuberung durch die Kosovaren zusah). ist nunmehr Makedonien dran. Unverhohlen schreibt DIE ZEIT von der Errichtung eines Protektorats. Die Kirche hingegen scheint zu glauben, dass der deutsche Außenminister, wenn er von deutschen Interessen in Makedonien als Begründung für das Einrücken der Bundeswehr spricht, das Einsammeln von Waffen der UCK meint.

Honsbein hat uns in Erinnerung gerufen: Wer in der Anfangszeit der Bundeswehr gegen Atomwaffen war, konnte nicht Militärseelsorger sein. Heute gilt: Wer Bedenken hat gegen die neue militärisch gestützte Großmachtpolitik Deutschlands, kann nicht Militärseelsorger sein. Es wäre ja auch naiv, darauf zu setzen, dass die Kirche an irgendeiner Stelle der politischen Entwicklung ihren Segen verweigern würde.

Denn dann hätte sie tatsächlich etwas aus ihrer Geschichte gelernt.


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Impressum, http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/eak.htm, Stand: 22. September 2001, dk