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[Kirche von unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Brief an die Pfarrerinnen und Pfarrer in den USA

Aus Anlass der Terroranschläge vom 11. September 2001

New York 1988 (c) E. Etzold

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
wir Unterzeichneten wollen Euch wissen lassen, daß wir uns mit Euch in dieser schweren Krisenzeit ganz besonders verbunden wissen in Trauer und Gebet, in Fragen nach Gottes Willen und in der Suche nach einem heilsamen Weg in die Zukunft. In der vergangenen Woche sind in vielen Kirchen in unseren Städten und Dörfern (wir sind Pfarrer und Pfarrerinnen und kirchliche Mitarbeiter/Innen in der ev.-luth. Landeskirche Braunschweig und in der ev. Kirchenprovinz Sachsen) Trauer- und Gedenkgottesdienste für die Opfer des Anschlages am 11. September gehalten worden. Noch immer sind die Gotteshäuser zu Gebet und Klage offen.
Wir bitten, daß Ihr Euch für eine christliche, zivilisierte Antwort der Bush-Regierung einsetzen möchtet. Eine vorrangig militärische "Lösung" mit der Mobilisierung zu einem langen Krieg halten wir für eine grundfalsche Antwort. Sie vermehrt das Leid und steigert den Terror.
Die Antwort des Evangeliums "Überwinde das Böse mit Gutem" bedeutet, dass wir alle in Europa und in den USA nach den tiefen Gründen für den Anschlag suchen müssen. Auch wenn er durch nichts zu rechtfertigen ist, sehen viele von uns doch einen Zusammenhang mit der Verelendung und Verarmung vieler Menschen in Asien und Afrika, einen Zusammenhang mit den gegenwärtigen Formen der Weltwirtschaft und der selektiven Beachtung und Missachtung der Menschenrechte.
Deswegen muß die Antwort vor allem eine soziale und kulturelle sein.
Von unserm Glauben her sagen wir auch: Wer sein Heil in den Wunden Jesu gefunden hat, wird keinem Idol der Unverwundbarkeit nachjagen, sondern sich gegen eine aus Rachegefühlen gespeiste, scheinbare Stärke wenden.
So wollen wir gemeinsam mit Euch in den kommenden Monaten um eine christliche und zivilisierte Antwort ringen, die dem Terrorismus den Boden entzieht.

Im Vertrauen auf die Verheissung Gottes für eine Erde, in der Saat und Ernte nicht aufhören werden und Gerechtigkeit und Friede sich küssen,
grüssen wir euch, und bitten Euch, diese Gruesse der Verbundenheit weiterzugeben an Eure Familien und Gemeinden, Kirchenleitungen und auch an die allgemeine Oeffentlichkeit. Schalom 20.9.2001

Ulrich Adrian, Pfarrer, Bienrode; Dietmar Anger, Pfarrer i.R., Halberstadt; Sabine Ahrens, Sonderschullehrerin, Goslar; Frank Barche, Pfarrer, Watenstedt; Silvia Koch-Barche, Pfarrerin, Watenstedt; Hartmut Barsnick, Pfarrer, Athenstedt; Hannah Becker, Pfarrerin Cecilienstift, Halberstadt; Wiltrud Becker, Pfarrerin Braunschweig; Gert Beyer, Pfarrer, Braunschweig; Gebhard v. Biela, Superintendent i.R. Halberstadt; Dr. Manfred Biersack, Schulpfarrer, Wedtlenstedt; Anna Dorothea Biersack, Pfarrerin im Landesverband der Frauenhilfe, Braunschweig; Helene und Dr. Wigand Bohlmann, Apotheker, Braunschweig; Jörg Borchardt, Pfarrer, Braunschweig; Anita Brandes, Hausfrau, Offleben; Joachim Brandes, Landwirt, Offleben; Anne und Christoph Brinckmeier, Pfarrer i.R., Portugal; Wolfgang Buchmeier, Studienrat, Bad Harzburg; Klaus Burckhardt, Pfarrer, Beauftragter für Mission und Ökumene, Braunschweig; Karin Diesing, Hausfrau, Braunschweig; Wolfgang Dorrie, Verwaltungsleiter am Cecilienstift, Halberstadt; Dr. Kurt Dockhorn, Studentenpfarrer i.R., Braunschweig; Herbert Erchinger, Industriepfarrer, Braunschweig; Eckhard Etzold, Pfarrer, Braunschweig; Albrecht Fay, Pfarrer Braunschweig; Marlies Fay-Rauterberg, Hausfrau, Braunschweig; Gemeindekirchenrat der ev. Kirchengemeinde St. Udalrici in Danstedt;Ralf Geffers, Kirchenvorsteher, Braunschweig; Jörn-Uwe Gerhard, Gemeindepflegestiftungsvorstand, Braunschweig; Michael Gerloff, Pfarrer, Braunschweig; Leif Grahn, stud.theol. Braunschweig; Uwe Gronostay, Prof., Berlin; Rose Günther, Kantorin, Goslar; Christoph Hackbeil, Superintendent, Halberstadt; Marietta Hankers, Dipl. Psych., Braunschweig; Volker Hartz, Gemeindepädagoge, Braunschweig; Helga Hedermann, Trägerkreis Ev. Kloster Riechenberg, Goslar; Manfred Helmke, Kantor i.R. Halberstadt; Dorothea Helmke, Katechetin i.R. Halberstadt; Sabine Herzog, Haus- und Familienpflegerin, Goslar; Johannes Hille, Pfarrer, Braunschweig; Karin Hille, Pfarrerin, Braunschweig; Karin Hopert, Küsterin, Braunschweig; Johannes Hübner, Lehrer, Salzgitter; Roswitha Hünecke, Landessynodalin, Braunschweig; Reinhold Jordens-Höke, Pfarrer, Glentorf; Botho Kahmann, Pfarrer, Liebenburg; Ingrid Kahmann, Pfarrfrau und Küsterin, Liebenburg; Hans Jürgen Kalberlah, Propst i.R. Braunschweig; Dorle Kaltschmidt , Lehrerin, Wittmar; Hans Jürgen Kant, Pfarrer, Wernigerode; Ingrid Kaufmann-Pieper, Religionspädagogin, Braunschweig; Thomas Klemm, Gemeindepädagoge, Halberstadt; Harry Köhler, stellv. Propst, Esbeck; Anke v. Kowalski, Kirchenvorsteherin, Offleben; Dietrich Kuessner, Pfarrer i.R. Braunschweig; Helga Lass, Lehrerin, Goslar; Elisabeth Lauer, Kirchenvorsteherin, Salzgitter; Helmut Liersch, Propst, Goslar; Marianne Manzky, Pfarramtssekreärin, Braunschweig; Marion Mason, Hausfrau, Braunschweig; Sybille Mattfeldt-Kloth, Rechtanwältin, Helmstedt; Dorothea Nagel, Schwülper; Jürgen Naumann, Pfarrer i.R., Braunschweig; Thomas Peter, Realschullehrer, Goslar; Michael Pfau, Pfarrer, Kreiensen; Lisa Pfeiffer, Kirchenvorsteherin, Reinsdorf-Hohnsleben; Annemarie Pultke, Pfarrerin, Goslar; Kerstin Pustoslemcek, Pfarrerin, Offleben; Dr. Stefan Pustoslemcek, Pfarrer, Offleben; Martin Quandt, Pfarrer i.R., Braunschweig; Werner Reich, Pfarrer, Hannover; Elisabeth Reiss, Lehrerin, Braunschweig; Ulrike Rohlfs, Lehrerin, Cremlingen; Uwe Salzmann, Sozialarbeiter, Braunschweig; Peter Schellberg, Notfallseelsorger, Braunschweig; Gisela Schmidt, Industriekauffrau, Goslar; Christian Scholze-Wendt, Pfarrer, Halberstadt; A. Schröder, Pfarramtssekretärin, Braunschweig; Gesa Schubert, Sozialpädagogin, Braunschweig; Detlef Schumacher, Pfarrer, Braunschweig; Rüdiger Schwarz, Kirchenvorsteher, Offleben; Inse Seidel, Journalistin, Goslar; Jutta Seidlich, Hausfrau, Offleben; Dr. Martin Senftleben, Pfarrer, Oker; Heidrun Spielmann, kirchl. Mitarbeiterin, Braunschweig; Curt Stauss, Superintendent, Nordhausen; Dr. Dipl. Ing. Peter Voss, Bad Gandersheim; Michael Wagner, Pfarrer, Braunschweig; Reinhard Wagner, Redakteur, Helmstedt; Margarete Westphal, Angestellte i.R. Goslar; Frank Witt, stud. theol. Göttingen; Christiane Witte, Kirchenvorsteherin, Braunschweig.

A letter to clergymen and - women in the USA

Dear Sisters and Brothers!

We, the undersigned, would like to let you know that in this time of severe crisis we feel exrtraordinarily close to you - in mourning and prayer, in pondering God‘s will and in searching for a way of healing. Last week in many churches of our cities, towns and villages worship service of mourning and remembrance were conducted for the victims of the terrorist attacke of 11. September. The places of worship are still being kept open for prayer and lamentations.

We ask you to raise your voices for a Christian and civilized answer to be given by the Bush Administration. A predominantly military solution which includes the mobilization for a protracted war we consider to be the utterly false answer. It will augment suffering and enhance terror.

The answer of the Gospel Overcome evil with good (Romans 12,21) means that all of us in Europe and in the USA have to search for the underlying reasons for the attack. Although it cannot be justefied in any way, many of us nevertheless see a connection with the despair and impoverishment of so many people in Asia and Africa, a connection with the present terms of wold trade and with the selective observation or denial of human rights.

Therefore the answer must be predominantly be a social and cultural one. As people of faith we dare to say: He who found salvation in the wounds of Jesus will not run after a false idol of perfect security but will refrain from longing for revenge and will not put his faith in power and strength.

So together with you in the upcoming months we want to agonize over a Christian and civilized answer that takes away the roots of terrorism.

Trusting in God‘s promise for His creation that seedtime and harvest shall not cease, that rigtheousness and peace shall kiss each other, we send our cordial greetings and ask you to pass these greetings of togehterness on to your families and congregations, church leaders and the general public. Shalom. 20.9.2001

v.i.S.d.P. Dietrich Kuessner, 38126 Braunschweig, Borsigstr.1, Tel. 0531/2624904 Fax 0531 2624905

Hartmut Barsnick, 38822 Athenstedt, Poststr.2, Tel./Fax: 039427/ 266

An alle, die den Brief an die Pfarrerinnen und Pfarrer unterzeichnet haben

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Bereitschaft zu diesem gemeinsamen Brief.

Der Brief hat drei Adressen. Er richtet sich zu allererst an je Ihnen bekannte Pfarrerinnen und Pfarrer in den USA. Bitte machen Sie davon lebhaft Gebrauch.

Er richtet sich als öffentlicher Brief an alle, die in USA und deren Institutionen dafür Interesse haben könnten, also durchaus auch an amerikanische Institutionen in unserm Land.

Er ist schließlich eine kleine Station auf dem Wege zur Bearbeitung des 11. September und dessen Folgen in unseren Kirchen. Er richtet sich also an unsere Gemeinden und Gesprächskreise, die wir jetzt für dringend erforderlich halten. Er eignet sich auch zur Verwendung in Gottesdiensten

Wir möchten Sie freundlich bitten, uns daran zu beteiligen und davon wissen zu lassen. So ist also dieser Brief erst den Anfang auch zu einem Gespräch unter uns. Wir bitten, ihn zu vervielfältigen und weiterzugeben.

Die Möglichkeit, diesen Brief zu unterzeichnen, besteht weiterhin fort.

Mit freundlichem Gruß Hartmut Barsnick und Dietrich Kuessner

Athenstedt, Braunschweig den 21.9.01


An die Redaktion

Zum Bericht "Abkehr von Vergeltung gefordert" vom 20.9. :

Ich unterstütze die Friedensinitiative Wolfenbüttel und die Inhalte der Demo am Mittwoch Nachmittag durch Wolfenbüttel. Mit ähnlichen Gedanken haben sich

72 kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der provinzsächsischen und braunschweigischen Landeskirche, darunter 6 amtierende und emeritierte Superintendenten und Pröpste aus Halberstadt, Nordhausen, Goslar und Braunschweig, 36 Pfarrerinnen und Pfarrer aus beiden Landeskirchen, zahlreiche Gemeindepädagoginnen, Lehrerinnen, Landessynodale, Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher haben einen Offenen Brief an Pfarrerinnen und Pfarrer in den USA verfasst.

Er hat folgenden Wortlaut

Brief an die Pfarrerinnen und Pfarrer in den USA

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
wir Unterzeichneten wollen Euch wissen lassen, daß wir uns mit Euch in dieser schweren Krisenzeit ganz besonders verbunden wissen in Trauer und Gebet, in Fragen nach Gottes Willen und in der Suche nach einem heilsamen Weg in die Zukunft. In der vergangenen Woche sind in vielen Kirchen in unseren Städten und Dörfern (wir sind Pfarrer und Pfarrerinnen und kirchliche Mitarbeiter/Innen in der ev.-luth. Landeskirche Braunschweig und in der ev. Kirchenprovinz Sachsen) Trauer- und Gedenkgottesdienste für die Opfer des Anschlages am 11. September gehalten worden. Noch immer sind die Gotteshäuser zu Gebet und Klage offen.
Wir bitten, daß Ihr Euch für eine christliche, zivilisierte Antwort der Bush-Regierung einsetzen möchtet. Eine vorrangig militärische "Lösung" mit der Mobilisierung zu einem langen Krieg halten wir für eine grundfalsche Antwort. Sie vermehrt das Leid und steigert den Terror.
Die Antwort des Evangeliums "Überwinde das Böse mit Gutem" bedeutet, dass wir alle in Europa und in den USA nach den tiefen Gründen für den Anschlag suchen müssen. Auch wenn er durch nichts zu rechtfertigen ist, sehen viele von uns doch einen Zusammenhang mit der Verelendung und Verarmung vieler Menschen in Asien und Afrika, einen Zusammenhang mit den gegenwärtigen Formen der Weltwirtschaft und der selektiven Beachtung und Missachtung der Menschenrechte.
Deswegen muß die Antwort vor allem eine soziale und kulturelle sein.
Von unserm Glauben her sagen wir auch: Wer sein Heil in den Wunden Jesu gefunden hat, wird keinem Idol der Unverwundbarkeit nachjagen, sondern sich gegen eine aus Rachegefühlen gespeiste, scheinbare Stärke wenden.
So wollen wir gemeinsam mit Euch in den kommenden Monaten um eine christliche und zivilisierte Antwort ringen, die dem Terrorismus den Boden entzieht.

Im Vertrauen auf die Verheissung Gottes für eine Erde, in der Saat und Ernte nicht aufhören werden und Gerechtigkeit und Friede sich küssen,
grüssen wir euch, und bitten Euch, diese Gruesse der Verbundenheit weiterzugeben an Eure Familien und Gemeinden, Kirchenleitungen und auch an die allgemeine Oeffentlichkeit. Schalom 20.9.2001

Dieser Brief eignet sich auch als Diskussionsvorlage für Gesprächskreise in den Kirchengemeinden und Schulen.

Dietrich Kuessner
Borsigstr.1

D- 38126 Braunschweig


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Impressum, http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/letterwtc.htm, Stand: 21. September 2001, dk