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Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

KvU 2.11.: Reformationstag im Dom mit Altbischof Müller

Altbischof Prof. Dr. Gerhard Müller hielt im Rahmen einer liturgisch ausgestalteten Andacht am Reformationstag um 17.00 einen längeren Vortrag über Luther und das Papstum heute. Der Vortrag gliederte sich in drei Teile. 1. Die rechtliche Lage zwischen Rom und dem Luthertum ist von der Exkommunikation Luthers und aller Lutheraner bis auf den heutigen Tag gekennzeichnet. Dieser längere Teil überraschte durch die Harte seiner Aussage. Die Beschreibung der Rechtslage führt auch nicht weiter. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass Müller für eine weitere Entspannung zwischen Rom und Luthertum die Aufhebung der Exkommunikation wünschte. 2. Teil: die gegenwärtige Situation: es hat sich alles entspannt. Aber: den Rechtfertigungskompromiss vor zwei Jahren streifte Müller auffällig nur am Rande und ging auf ihn nicht näher ein. Auch dieser Teil wirkte zurückhaltend. Keine Erwähnung z.B. der zahlreichen gemeinsamen Lieder, die jeweils in den Gesangbüchern auch ausgezeichnet sind. Ein feste Burg, das wir sangen, steht z.B. heute im katholischen Gesangbuch wie viele andere als klassisch geltende evangelische Lieder auch. Die gemeinsame Bibelübersetzung, der Kanzeltausch zwischen katholischen und ev. Pfarrern und sogar Pfarrerinnen (!), die an der Basis praktizierte gastweise Teilnahme am Abendmahl wurden nicht erwähnt. 3. Teil: die Studie Communio sanctorum, die vor etwa einem Jahr erschienen ist. Die dort beschriebene neue Rolle des Papstes - sowas wie Sprecher der Christenheit - lehnte Müller nach pedantischer Aufzählung aller anderen Titel des Papstes ab. Die dort ausgeführte inakzeptable Rolle Marias erwähnte Mueller nicht. So war auch der Blick in die Zukunft ziemlich verhangen.

Es ging von diesem Vortrag kein Impuls für das künftige Miteinander aus. Das war bedauerlich. Auch sonst war der Vortrag vom bekannten belehrenden, oberstudienrathaften Ton des Altbischofs geprägt, durchsetzt von einigen ironischen Bemerkungen. Müller endete mit einem von der Kanzel unpassenden: Ich danke Ihnen.

Der Dom war voll, auch Propst Trojok war da. Hempel und Kraft erschienen mit Halskrause und wiesen auf das Auftreten von Kardinal Kasper und Bischof Krause drei Tage zuvor im Dom hin. Man sei gespannt, was nun der Altbischof sagen werden. Statt fröhlicher reformatischer Lieder oder mehrstimmiger Gesänge spielte auf sehr alten Instrumenten die Musikgruppe Alte Musik am Dom alte, wg der Akustik krächzend klingende Canzone. Ich vermisste in den Innenstadtkirchen einen normalen Gottesdienst mit Abendmahl und Verlesung einer Auswahl der 95 Thesen. Wo blieb an diesem Abend das braunschweigisch gut lutherisch, das in letzter Zeit so viel hinausposaunt worden ist?

Dietrich Kuessner


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Impressum, http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu103/mueller, Stand: 21. November 2001, dk