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[Kirche von unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von unten Nr. 117, März 2006, Seite 13-14
(Download als pdf hier)


Was tun wir, wenn wir Katholiken zum Abendmahl einladen?

von Dietrich Kuessner

Unser Landesbischof ist Catholica Beauftragter der VELKD geworden. Vor 25 Jahren war schon einmal ein Braunschweiger Bischof in dieser Position, Bischof Heintze, und unvergessen ist, als sein katholischer Hildesheimer Kollege Heinrich Maria Jansen von der Sitzung des 2. Vatikanischen Konzils nach Braunschweig eilte, um 1965 an Heintzes Amtseinführung im Braunschweiger Dom teilzunehmen. Eine herzliche brüderliche Nachbarschaft prägte damals jahrelang das Nebeneinander von Hildesheim und Wolfenbüttel.
Die Großwetterlage, die in Rom gemacht wird, hat sich geändert. Der römische Katholizismus trennt sich rigoros von denen, die am evangelischen Abendmahl teilnehmen. Wir müssen uns klarmachen, warum.
Das katholische Abendmahl ist eine Opferhandlung. Da wird geschlachtet, unblutig, mystisch, klar, und dieses Schlachtopfer wird Gott dargebracht. Der Priester ist Opferpriester. Mit den Einsetzungsworten wandelt er Brot und Wein in einen Christusleib und zerteilt und opfert mit ebendenselben Worten Christus (doppelte Konsekration), dann bringt er dieses zerstückelte Opfer Gott dar. Ob Gemeinde bei diesem Opfer dabei ist, ist nicht wesentlich, es ist „wünschenswert“. Das Entscheidende passiert zwischen dem Priester und seinem Gott. „Sieh her auf die Opfergabe, die du selber deiner Kirche bereitet hast,“ betet der Priester im Vierten Hochgebet. Oder im ersten Hochgebet: „Wir bitten dich allmächtiger Gott, dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar..“
Es hatte einige Zeit den Anschein, als ob in der katholischen Kirche dieser Opfercharakter hinter den Gemeinschaftscharakter, den Communiogedanke, zurücktreten würde. Abendmahl als Fest der Gemeinschaft mit dem gegenwärtigen Christus und der Gemeinschaft untereinander. Da konnte man sich treffen. Unter dem früheren und dem neuen Papst wird wieder der Opfergedanke wie seit Jahrhunderten zum zentralen Punkt des katholischen Abendmahlsverständnisses. Was tun wir, wenn wir Katholiken zur Teilnahme am evangelischen Abendmahlsgottesdienst bitten und einladen? Gewiß: auch jeder Katholik soll selber entscheiden und bei der Pille und der Benutzung von Präservativen fragt er auch nicht den Papst. Warum dann also beim Abendmahlsverständnis?
Nur eines muß auch den Evangelischen klar ein: jeder Gedanke an ein Opfer ist völlig unmöglich. Gegen nichts hat Luther so gewettert wie gegen das Verständnis des Abendmahls als Meßopfer. Leider ist das neue Ev. Gottesdienstbuch in dieser Sache nicht eindeutig. Und es nutzt auch nichts, wenn in der katholischen Kirchen neben den Opfergedanken dann der communiogedanke tritt. Dann haben wir dasselbe Theater, wie bei der angeblichen Übereinkunft über die Rechtfertigung, wo sich Krause/Rammler von eben demselben Ratzinger hinters Licht führen ließen. Bald nach der Übereinkunft in Augsburg zog Ratzinger die Ablaßkarte, mehrfach, weil für den Katholiken beides vereinbar war: Rechtfertigung und Ablaß, für jeden Protestanten eine Unmöglichkeit.
Auch kürzlich wieder: der Papst erläßt seine erste Enzyklika, über die Liebe. Warum nicht. Sie ist wahrhaftig nicht zu loben, denn vorher hatte eben derselbe Papst in einer grausamen Weise seine Priester zur Überwachung ihres Zölibats verdonnert. Wer nicht spurt und Enthaltsamkeit signalisiert, durfte denunziert werden. Das waren die Werke der Lieblosigkeit, die nun flugs als vergiftete Früchte an den frisch gepflanzten Baum der Liebe angehängt werden. Gut katholisch hat der Papst mal wieder Glaube und Werke verwechselt und hat mit den Werken angefangen und dann vom Glauben gesäuselt. Da war nichts zu loben. Für sich genommen war die Enzyklika in Ordnung. Aber der Zusammenhang machte sie unglaubwürdig. Es hat mich gerührt, daß nun Küng davon sprach, nach dieser Enzyklika der Liebe müßte nun auch eine Art Liebesordinariat in Rom eingerichtet werden, das für die entsprechenden Früchte sorgen müßte. Er hatte vergessen, daß dieselben längst den harten Boden des Zwangszölibats bedeckten und von dort an den Baum der Liebe gehängt wurden.




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Impressum, http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/kvu117/Abendmahl.htm, Stand: März 2006, dk

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