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[Kirche von unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von unten Nr. 117, März 2006, Seite 56-57
(Download als pdf hier)


Kirchenintern offener Brief

Braunschweig den 5.1.2006
Dr. Volker Crystalla

Herrn Oberlandeskirchrat Peter Kollmar
Frau Studieninspektorin I. Drost von Bernewitz

Sehr geehrte Frau Drost von Bernewitz,
sehr geehrter Herr Oberlandeskirchenrat Kollmar!


Im September letzten Jahres teilten Sie mir mit, dass ich am Prädikantenkurs 2005 / 2006 nicht teilnehmen könne. Mit Verwunderung musste ich feststellen, dass Sie, Herr Oberlandeskirchenrat, sich persönlich die Auslese der Kursteilnehmer vorbehalten hatten.
Nicht so sehr die Tatsache sondern eher die Art und Weise, wie ich da rausgeworfen worden war, hat mich enttäuscht, verärgert und - das muss ich gestehen - auch verbittert.
Um zu erklären, warum das so ist, hier noch mal die Vorgänge, wie sie sich mir darstellen: Ich hatte mich telefonisch bei Herrn Dr. Hennig nach dem Kurs erkundigt und mit Datum vom 3.6.2004 von ihm eine Zusage erhalten, in der er mir auch alle relevanten Termine für 2005 und 2006 mitteilte. Ob es wegen der nicht erfüllten Fünf-Jahres-Frist Schwierigkeiten geben könne, fragte ich nach. Kein Problem, antworteten Propst Kraft, Pastor Kremling und Dr. Henning. (Bei wem hätte ich sonst noch nachfragen sollen?)
Dann brachte die Kirchenleitung die bekannte Bombe im Haus Gesamtkirchlicher Dienste zur Explosion und man beobachtete, wo die Trümmer landeten. Das Trumm „Arbeitsbereich Gottesdienst“, an dem Ausbildung und Betreuung von Lektoren und Prädikanten hing, zog das Predigerseminar an sich. Herr Dr. Hennig landete, wie so viele, anderswo. Und meine Anmeldung samt Zusage löste sich in Luft auf, verdampfte, landete im Orkus. Nur: davon wusste ich nichts.
Ich reichte also meine selbstverfasste Predigt beim Predigerseminar ein (Warum eigentlich? Das Predigt-Schreiben sollte ich doch erst lernen. Und Selbstverfasstes predigen war mir lt. Richtlinien von 1977 gar nicht erlaubt), und bat meinen Pastor und meinen Propst, ihre positive Stellungnahme abzugeben. Mein Pastor verstarb. Propst Kraft bestätigte mir per e-mail seine Stellungnahme. Vom Predigerseminar kein Wort.
Als ich Sie, Frau Drost von Bernewitz, im Frühsommer daraufhin ansprach, schienen Sie von meiner Bewerbung weder zu wissen, noch wissen zu wollen. Und ich hörte wieder nichts. Erst als ich am 3.10.2005 nochmals persönlich bei Ihnen insistierte - der Termin für die Vorbesprechung stand unmittelbar bevor - erhielt ich aus Wolfenbüttel von Ihnen, Herr Oberlandeskirchenrat, die Absage.
Erklärungen und Begründungen, die Sie in der Absage angeben, halte ich für mehr als fragwürdig! Dies will ich gern begründen:
Sie geben an, der Grund für meine Nichtberücksichtigung, wie Sie das nennen - ich nenne es Rauswurf - seien formale Kriterien, festgehalten in den „Richtlinien etc. pp vom 9.10.97“. Dort ist genannt als eine der Voraussetzungen: „Die regelmäßige Übernahme von Lektorendiensten für einen Zeitraum von in der Regel mindestens fünf Jahren“. Nun haben Sie selbst im Januar 2005 eine Lektorin und einen Lektor, die gleichzeitig mit mir im Herbst 2003 berufen worden waren, zu Prädikanten ordiniert. Erfreuliche Abweichung von der Regel! Aber warum dann in meinem Fall dieses starre Festhalten?
Ferner geben Sie zu erkennen, dass eigentlich der Propst mich über den Rauswurf hätte informieren sollen. Frage: sind Sie nicht Fraus und Manns genug, mir so etwas selbst mitzuteilen? So weit ich weiß, haben Sie den Propst nur darüber informiert, dass ich „für einen Kurs ab dem Jahr 2008“ vorgesehen sei. Hätten Sie sich doch an Matthäus 5,37 gehalten!
Spekulieren ließe sich über die wahren Gründe des Rausschmisses. War es die heilige Sieben als Anzahl der Kursteilnehmer, die nicht überschritten werden sollte, aber plötzlich aufgefüllt war? Und war es schlichte Schlamperei bei der „Abwicklung“ kirchlicher Dienststellen und eine sagenhafte Ignoranz bei der Berücksichtigung der Belange der Beteiligten?
Mir schreiben Sie, dass ich für einen Kurs ab dem Jahr 2008 von Ihnen unaufgefordert angeschrieben werde. Für diese Gnade bedanke ich mich bestens! Am Ende jenes Kurses würde ich mindestens 69 Jahre alt sein. Das ist ein Alter, in dem man ein solches Ehrenamt eher aufgeben als aufnehmen sollte. Haben Sie das bedacht?
Im Übrigen werde ich es mir verkneifen und verbitten, mich noch jemals von Ihnen, Herr Oberlandeskirchenrat, als Ehrenamtlicher einführen zu lassen.


Hochachtungsvoll

Dr. Volker Crystalla




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Impressum, http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/kvu117/Crystala.htm, Stand: März 2006, dk

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