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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 118/119, Mai 2006, Seite 65-67
(Download als pdf hier)


Rückblick: Eine Gemeinde wird lebendig

von einem Gemeindekreis in Vorsfelde

Im Gemeindezentrum von Johannes, Vorsfelde, trafen sich vor kurzem kirchliche Mitarbeiter und hielten Rückschau auf das Wirken ihres langjährigen Pastors Dr. Joachim Goeze. Alle waren sehr betroffen über den plötzlichen Tod des beliebten ehemaligen Seelsorgers, aber auch dankbar für sein vielfältiges Wirken im Gottesdienst, in Seelsorge, Diakonie und Ökumene.

Pastor Goeze war es immer ein Anliegen, in seiner Gemeinde eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder „zu Hause“ fühlt. So brachte er neben Altbewährtem immer wieder auch Neues in den Gottesdienst, z. B. bisher unbekannte Formen der Liturgie wie Taizé-Gesänge oder die Liturgie des Ostens.

Mit dem Gemeindeaufbauprogramm „Gottesdienst leben“ befähigte er Gemeindeglieder, auch selbst Gottesdienste zu halten. Durch Themengottesdienste mit Vertretern aus der Wirtschaft und anderen Einrichtungen wie Feuerwehr, Krankenhaus etc. öffnete Pastor Goeze die Gemeinde für Berufsgruppen auch außerhalb des Kirche.

Er sorgte einfach dafür, dass fröhliches Leben in der Kirche möglich war, indem er spontan Gruppen zum Singen brachte. Lyrik- und Konzertabende, Kirchenkaffee und besonders das Essen des Monats sorgten für mehr Gemeinschaft unter den Gemeindegliedern. Viele neue Gruppen (Training für Körper und Geist) entstanden in seiner Amtszeit, alle wurden in Ihrer Arbeit bestätigt und blühten auf. Der Chor erlebte einen Aufschwung, ein Posaunenchor, Besuchsdienste für Gemeinde und Krankenhaus wurden gegründet.

Charakteristisch für Pastor Goezes Auffassung von Gemeindearbeit mit Erwachsenen war die Verbindung von handwerklichem Tun mit theologischen Inhalten: So entstand das Bibelbeet um den Kirchturm und der Brunnen im Eingangsbereich. Die Senioren profitierten zudem von der neu eingerichteten Zivi-Stelle und den Praktikanten aus der Zusammenarbeit mit der Fachhochschule für Sozialarbeit. Doch auch die „Kleinen“ in Jungschar und Kindergarten unterstützte Pastor Goeze gerne.

Weit über die Gemeinde in Vorsfelde hinaus reichten Patenschaften in die damalige DDR, nach Ghana und Indien. Ökumene vor Ort wurde intensiv mit der katholischen Schwesterngemeinde in gemeinsamen Gottesdiensten, Bibelabenden und auf Studienfahrten praktiziert.

Durch die große Vielfalt des Angebots und die spürbare Herzlichkeit in den Gruppen fühlten sich auch kirchenferne Menschen angesprochen und wurden in die Gemeinde integriert. Pastor Goezes vielfältige Besuche bei den Gemeindegliedern zu Hause und im Krankenhaus stärkten dann das Zusammengehörigkeitsgefühl der Johannes-Kirche. Er konnte Gemeindeglieder immer wieder neu für die gemeinsame Arbeit begeistern, zu selbständigen Arbeiten anleiten und dennoch stets für sie da sein im Gespräch mit einzelnen Gemeindegliedern und –leitern. „Wir haben durch unseren Pastor Goeze gelernt, dass wir die schweren Rucksäcke voller Probleme nicht alleine schleppen müssen, sondern den Inhalt im Gebet abgeben können.“

Gerade weil die Gemeindearbeit auf viele Schultern verteilt wurde, war Pastor Goeze der einzelne besonders wichtig. In diesem Zusammenhang ist der Gemeinde die Erinnerung bemerkenswert, dass Pastor Goeze sogar seinen Urlaub unterbrach, um bei einer goldenen Hochzeit den Gottesdienst zu halten oder um einem Gemeindeglied den letzten Dienst zu erweisen.

Pastor Goeze brachte viele neue Ideen mit ein – manchmal auch sehr spontan – und versuchte damit immer das Bestmögliche für seine Gemeinde zu erreichen. „Geht nicht, gibt’s nicht, war seine Grundeinstellung. Auch wenn’s dadurch zu Auseinandersetzungen mit vorgesetzten Behörden kam (z.B. beim Bau der Grillstation, der Altenwohnungen, der Umbau des Kindergartens und des Gemeindezentrums). So war Pastor Goeze sicher auch ein „Mann mit Ecken und Kanten“, aber einer dem seine Gemeinde stets am Herzen lag. Seine seelsorgerliche, menschliche Art wird allen, die ihn kennen durften, immer in Erinnerung bleiben, weil sie hier Glaube und Kirche als etwas Schönes und Bestärkendes erlebten.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/kvu118/goetze.htm, Stand: Mai 2006, dk

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