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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 118/119, Mai 2006, Seite 81-84
(Download als pdf hier)


Aus der Landeskirche

zusammengestellt von Dietrich Kuessner


Von Personen
Propstwahlen
* Am 27. März wählte die Propsteisynode Braunschweig den Nachfolger von Amin Kraft als künftigen Propst. Die Kandidaten Harald Welge (Timmerlah 52 Jahre,), Friedhelm Meiners (Martini, 49 Jahre) und Thomas Hofer (Riddagshausen, 46 Jahre) hatten sich in Predigten einer großen kirchlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Die BZ berichtete mehrspaltig davon. Im ersten Wahlgang schied Harald Welge aus und Meiners lag ziemlich vorne. Wenn sich die Stimmen von Welge erwartungsgemäß teilen würden, war die Wahl für den Älteren gelaufen. Aber Hofer vereinigte fast alle Stimmen von Welge auf sich und zog an Meiners überraschend vorbei. Am Ende waren sich nicht alle Beteiligten einig, ob die Welgewähler des ersten Wahlganges dieses Ergebnis gewollt hatten. Hofer wird im Spätsommer eingeführt und geht dann von Riddagshausen nach Martini. KvU wünscht ein gutes Gelingen.

* Die Propstei Helmstedt muß auch wählen. Ein Teil der Pfarrerschaft hatte sich Klaus Burckhardt ausgesucht und gewünscht. Aber die Kirchenleitung legte sich quer mit der Begründung, daß Burckhardt kein Braunschweiger Pfarrer wäre. Diese Begründung wirkte bei den Helmstedtern nicht sehr überzeugend. Nun stehen zwei andere Kandidaten zur Wahl, zu denen zunächst einmal der Kirchenvorstand von St. Stephani seine Zustimmung geben muß.

* Anläßlich seines 80. Geburtstag am 13. Mai hatte Propst i.R. Klaus Jürgens zu einem Gottesdienst in die Katharinenkirche und einer anschließenden Feier in den Gemeindesaal eingeladen. Jürgens wurde am 22. Juli 1951, ohne je das Predigerseminar besucht zu haben, ordiniert, war Pfarrer im Sudmerberg, Goslar, dann in Jakobi, Braunschweig, zuletzt in Katharinen, Braunschweig. Er löste 1975 Siegfried Stange als Propst ab und ging im Juni 1991 in den Ruhestand. Jürgens hat vor allem Verdienste um die Erforschung der „Reformation in der Stadt Braunschweig bis zur Annahme der Kirchenordnung“, so der Titel seines Aufsatzes in der 1978 erschienen Festschrift anläßlich des 450jährigen Reformationsjubiläums. Es ist unverständlich, daß diese grundlegende, gründliche, quellensatte Arbeit nicht Eingang gefunden hat in das Reformationskapitel in der 2000 erschienen Landesgeschichte, ein schweres Manko. Weitere wichtige Quellenarbeiten sind in der Reihe „Quellen und Beiträge zur Geschichte der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig“ enthalten, besonders Heft 6 über die „Dorfschullehrer im Lande Braunschweig“ 2001. Im Biografischen Lexikon hat Jürgens zahlreiche Artikel zu Persönlichkeiten vor allem des 19. Jahrhunderts verfaßt. In den beiden Bänden über die Nachkriegszeit ist Jürgens mit Beiträgen zu Hans Ernesti und die Landessynode in den 50iger Jahren vertreten. Die Redaktion wünscht Ehepaar Jürgens ein weiterhin gesegnetes Alter.

Ein Klassenkamerad von Jürgens wird einige Tage später 80, Prof. Ernst August Roloff. Roloff, wie Jürgens Urbrauschweiger, ist im Schatten der Pauligemeinde aufgewachsen, zu deren diesjähriger Festschrift er ein Interview beigesteuert hat. Von Roloff stammen die grundslegenden Arbeiten „Braunschweig und der Staat von Weimar“ 1964 und 1961 „Bürgertum und Nationalsozialismus 1930-1933“. An der Göttinger Universität hatte Roloff bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Politikwissenschaften inne und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze in der Reihe „Politische Didaktik“. Nach Braunschweig in die Jasperallee zurückgekehrt veröffentlichte er 1987 in zwei Bänden die Geschichte seines Wohnquartiers. Die Braunschweiger kennen ihn von vielen Vorträgen, in letzter Zeit im Braunschweiger Landesmuseum, in deren Reihe „Wissenschaftliche Zeitschrift Roloff mit einer Arbeit über Werner Schrader „Motive des national-konservativen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“ 2000 vertreten ist. Zur Zeit bearbeitet Roloff als Raabefan das Thema „Krähewinkel.“ Am 23. Mai wird Roloff abends in der „Brücke“ in der Reihe Tabubrüche einen Vortrag über ein schon früher von ihm bearbeitetes Thema „Till Eulenspiegel und Jesus“ halten. Auch in KvU ist Roloff mit wichtigen Beiträgen vertreten. Die Redaktion wünscht dem Ehepaar Roloff weiterhin erholsame gemeinsame Reisen und unsere Stadtkultur belebende Tätigkeit.

65 Jahre wird am 30. Juli Heinz Fischer und geht nach zehn ziemlich verkorksten Propstjahren von Helmstedt nach Goslar in den Ruhestand. Große Verdienste hat hingegen seine Frau als einfühlsame und pädagogisch geschickte Kirchenmusikerin, zuletzt an der Thomaskirche in Helmstedt.
Um den Abschiedsgottesdienst am Pfingstmontag zu füllen, hat Fischer empfohlen, daß alle anderen Gottesdienste in der Propstei ausfallen sollten. Für das Buffet danach wurden 3000 Euro bewilligt. Wenn sich verdiente Mitarbeiter im Landeskirchenamt nach jahrzehntelanger Arbeit verabschieden, müssen sie die Chose selber bezahlen. Die Redaktion wünscht einen geruhsamen Lebensabend.

Nach 40 Dienstjahren im Landeskirchenamt und 65 Jahren wird am 21. Juli Landeskirchenoberamtsrat Harald Dube aus dem Dienst der Landeskirche verabschiedet. Dube gehört zu den in den Kirchengemeinden bekanntesten Leuten aus dem Landeskirchenamt, weil er jene zusätzlichen Gemeindefinanzen verwaltete, mit denen die Löcher in den Kirchengemeindekassen gestopft wurden. Dube kannte die Lage in den Gemeinden, er war zwei Sitzungsperioden Kirchenvorsteher in der Wolfenbütteler Thomasgemeinde. Seit 1966 im LKA hat er vier Landesbischöfe erlebt und war nach dem Ausscheiden von Weitemeier vor acht Jahren die rechte Hand von OLKR Fischer. Es gab auch Zoff mit ihm, weil er den Zentralisierungskurs der Kirchenleitung bedingungslos unterstützte und durchsetzte, wo er konnte. Wir wünschen einen erlebnisreichen dritten Lebensabschnitt. Die Qualität seiner Fachkraft wird dadurch anschaulich, daß seine Stelle nun für einen Betriebwirtschaftler ausgeschrieben ist.

Ebenfalls 65 Jahre alt wird am 23. Mai Pfarrer Rainer Kopisch, seit 19 Jahren Pfarrer in der Martin-Luthergemeinde in Braunschweig. Am folgenden Sonntag wird er verabschiedet und zieht mit seiner Frau, die im Schuldienst tätig war, innerhalb der Stadt um. Kopisch war lange im Pfarrerausschuß tätig. Die Kirche am Zuckerbergweg gehört architektonisch zu den interessantesten Gebäuden, die leider in der Nachkriegszeit keine Nachfolger gefunden hat. Die Zukunft der Gemeinde mit 1.5000 Gemeindemitgliedern ist ungewiß. Kopisch hat therapeutische Kompetenz und wird diese im Ruhestand auch pflegen können. KvU wünscht dem Ehepaar einen schöpferischen Lebensabend.

Auf der Sommersynode wird die Nachfolge von Frau Dr. Sichelschmidt für sechs Jahre gewählt. Es wäre wünschenswert, daß sich die Neigung im Landeskirchenamt, nüchterne Fakten zu verzweifelt positiven Nachrichten und leicht übersehbares Unrecht zu Recht umzufrisieren durch die getroffene Wahl nicht weiter verstärkt wird. Die Behörde als Frisiersalon ist ein noch gewöhnungsbedürftiger Anblick.

* Kunst und Kirche floriert. In Riddagshausen veranstaltet Frau Hauck regelmäßig Ausstellungen. In Martini, Braunschweig, ging gerade ein Ausstellung eines nordddeutschen Künstlers Plikardt zu Ende. In Cremlingen verbindet Pfr. Rohlfs Kunst von Grieshaber in der Dorfkirche in der Kar- und Osterwoche mit Gottesdiensten und Andachten. Dazu Musik, Vortrag von Propst Kraft, Abschluß mit OLKR Kollmar. Rohlfs arbeitet dazu mit einer Galerie im bergischen Land zusammen. Es fanden bereits Ausstellungen mit Werken von Chagall und Barlach statt. Nachahmenswert.

* Der Propsteiverband Salzgitter/ Wolfenbüttel ist per Kirchenverordnung um die Propstei Bad Harzburg erweitert worden. Ein Blick auf die Landkarte genügt, um einzusehen, daß das unglücklich ist. Das neue Gebilde ist unübersichtlich und geht quer durch die ganze Landeskirche von Barbecke bis nach Hasselfelde/Stiege. Verständlich wäre es, wenn sich die Propstei Schöppenstedt oder Propstei Vechelde angeschlossen hätte, wenn denn überhaupt derlei Propsteiverbände sinnvoll sind und nicht bloß Doppelstrukturen schaffen. Auf Nachfrage erhielt ich zur Antwort: die Bad Harzburger hätten das so beantragt und im übrigen wäre das nur eine Verwaltungssache, zumal die Außenstellenstellen erhalten blieben. Ich befürchte, die Verwaltung verkommt zu einer Beschäftigung am Bildschirm und verliert den Kontakt zu den Kirchengemeinden. Das aber wäre für beide Seiten ausgesprochen schädlich.

* Aus dem Bericht des Landeskirchenamtes vor der Landessynode war zu erfahren: in der Landeskirche gibt es 85 Pfarrerinnen und 235 Pfarrer insgesamt 320, davon sind 35 Pfarrerehepaare. Von diesen 35 Pfarrerehepaaren teilen sich 14 die Stelle, 21 haben anderhalb oder mehr Stellenanteile.

* Die Pfarrarchive werden weiter zentralisiert. Es werden z. Zt 0,5 bis 33 lfd Meter aus ca 280 Kirchengemeinden im Archiv verwahrt. So gut es ist, dass wertvolle Bestände gesichert werden, so schade ist es natürlich, wenn die Pfarrstelleninhaber offenbar die Pflege ihres Archives am liebsten Frau Hoffmann, Herrn Engelking und Herrn Fresdorf überlassen, die nun körbeweise die Sachen in die Bonhoefferstrasse verbringen. Sehr viel Fruchtbarer wäre es, paar Pünktchen bei der Pfarrstellenbewertung für die Pfarrarchivpflege zu vergeben und den Ortspfarrer anzuhalten, die Verbindung zum Ortsheimatpfleger aufzunehmen. So fand am Sonntag dem 11. März eine hübsche Ausstellung von Kirchensachen durch den Flechtorfer Heimatpfleger statt. Die Pflege des örtlichen Archivgutes sollte nicht dem Geschmack und der Laune und dem unterschiedlichen Interesse des Pfarrstelleninhabers überlassen bleiben, sondern auch so was gehört in die hoffentlich endlich hilfreich veranstalteten Visitationen.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/kvu118/landeskirche.htm, Stand: Mai 2006, dk

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