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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 118/119, Mai 2006, Seite 61-62
(Download als pdf hier)


Eine neue Synagoge für Braunschweig

von Dr. Volker Crystalla


In der Progromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Braunschweiger Synagoge brutal zerstört.

Vor wenigen Tagen nun, am 26. April 2006, legte die kleine, aber wachsende jüdische Gemeinde Braunschweigs den Grundstein für den Bau einer neuen Synagoge. Sie wird im Hof des Gemeindehauses in der Steinstraße stehen, direkt neben jenem Bunker, der heute in all seiner ärgerlichen Hässlichkeit genau den Platz einnimmt, auf dem einst die prächtige, von Constantin Uhde errichtete Synagoge Braunschweigs stand.

1938 ging aber nicht nur ein Gotteshaus in Flammen auf. Dieser Brand war das Fanal für die 1933 einsetzende Zerstörung menschlicher Würde, für Beraubung, Erniedrigung, Entehrung und Ermordung der Juden Braunschweigs und ganz Europas. Grundlage für den millionenfachen Mord an den Juden war keineswegs allein blindwütiger Judenhass der Nazis, von dem viele heute noch glauben, dass er aus heiterem Himmel über das deutsche Volk gekommen sei. Grundlage war eben auch der nun bald zweitausend Jahre lang in Kirche und europäischer Kultur gepflegte Antijudaismus, der seine mörderische Fratze im Antisemitismus zeigte.

Seit 1945 haben Christen, Kirchen und schließlich auch die Braunschweigische Landeskirche in mühsamen und schmerzhaften Umdenkprozessen begonnen, die eigene Verstrickung in den Leidens- und Todesweg der Juden zu erkunden. Lernen mussten wir, dass schon Paulus im Römerbrief 11,17-24 die Christen ausdrücklich davor warnt, mit Blick auf die Juden überheblich zu sein. Lernen mussten wir, dass der Weg Gottes mit uns Menschen aus den Völkern - so nennt die Bibel die Nichtjuden - geprägt ist durch den Weg Gottes mit seinem auserwählten Volk. Von diesem Volk haben wir den größten Teil unserer Bibel übernommen. Aus ihm ging Jesus von Nazareth hervor. Die Apostel, die ersten Heidenmissionare waren alles Juden. Wir müssen lernen, in den Juden unsere älteren Schwestern und Brüder zu sehen und nicht die enterbten Kinder Gottes, wie die älteren unter uns es noch im Religions- und Konfirmandenunterricht gelernt haben. Wie konnte die Kirche lehren, Gott habe sein geliebtes Volk verworfen! Wie könnten wir an Gottes Treue glauben, wäre er auf diese Weise treulos an seinem Volk Israel geworden!

Lernen müssen wir auch, dass die Christenheit angesichts des Naziterrors auf entsetzliche Weise versagt hat und sich dieses Versagens auch nach 1945 viel zu wenig bewusst geworden ist.

Um so erfreulicher für uns, wenn sich trotz alledem in Deutschland wieder jüdisches Leben entfaltet. Für die jüdische Gemeinde hat das Wort „Integration" ganz reale Bedeutung und Konsequenzen. Nicht nur, dass da Menschen kommen - viele von ihnen auch schon älter - und in ihrer neuen Umgebung in Braunschweig eingewöhnt werden wollen; Viele von ihnen müssen auch in die Religion ihrer Mütter und Väter ganz neu eingeführt werden, weil Religionsausübung im Sowjetsystem, aus dem sie kommen, völlig unterdrückt war. Da leistet die jüdische Gemeinde Hervorragendes. Inzwischen sind aus 20 verschiedenen Staaten Juden in den Raum Braunschweig gezogen und haben die hiesige jüdische Gemeinde auf inzwischen 200 Mitglieder anwachsen lassen, sodass der Gemeindesaal für die Zahl der Beter zu klein geworden ist. Zwar konnte das frühere Gemeindehaus wieder bezogen werden. Aber die alte Synagoge ist unwiederbringlich dahin.

Daher sollten wir alle uns verpflichtet fühlen, diese lebendige und wachsende Gemeinde beim Neubau ihres Gotteshauses zu unterstützen. Dringend müssen wir uns an der Aktion „1938 Bausteine für die Synagoge" beteiligen, gerade weil das bisherige Echo auf den Spendenaufruf bei weitem zu gering ist.

Spenden Sie einen Baustein zu 100 € (oder einen anderen Betrag) auf folgendes Konto:

Jüdische Gemeinde BS, Kto. Nr. 0327973, Deutsche Bank, BLZ 270 700 30.
Wegen der Spendenbescheinigungen bittet die jüdische Gemeinde um die Angabe einer Adresse. Wer will, kann sich auch in eine öffentliche Liste der Bausteinspender eintragen lassen.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/kvu118/synagoge.htm, Stand: Mai 2006, dk

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