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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 120, Oktober 2006, Seite 68-69
(Download als pdf hier)


Offener Brief an den Landesbischof

von Ingrid Blöhbaum


Sehr geehrter Herr Landesbischof!
Ich schreibe Ihnen als Gemeindemitglied einer Braunschweiger Stadtrandgemeinde in Sorge um den Bestand der Pfarrstelle in dieser Gemeinde.
Um es ganz deutlich zu sagen:
Ich will mir meinen Pfarrer nicht wegrationalisieren lassen. Ich wünsche mir, daß er weiterhin seine Zeit, seine Kraft und seine Gaben in den Dienst dieser Gemeinde - also auch in meinen Dienst - stellt.
Daß die Landeskirche sparen muß, wundert mich nicht. Es fragt sich nur, an welcher Stelle eingespart werden kann. So weit mir bekannt, ist, sollen von den heute 280 Pfarrstellen in den Gemeinden 40 Pfarrstellen gestrichen werden. Bei heute 416 Gemeinden in der Braunschweigischen Landeskirche, gibt es dann noch mehr Gemeinden, die keinen Pfarrer haben oder sich einen mit einen anderen Gemeinde teilen müssen. Meiner Meinung nach wird gerade hier in den Gemeinden die eigentliche kirchliche Arbeit geleistet (Seelsorge, Gottesdienst, Unterricht, Amtshandlungen, Arbeitskreise, Kirchenmusik, Jugendarbeit..)
Habe ich eine falsche Vorstellung, wenn ich die Arbeit eines Pfarrers in der Gemeinde - die Basisarbeit - für zentral wichtig halte, und alles andere - auch das Landeskirchenamt - dazu da ist, diese Arbeit zu unterstützen?
Noch weiter gedacht: Das Landeskirchenamt lebt von der Basisarbeit. Ohne Gemeinden kein Landeskirchenamt.
Oder irre ich mich?
Ich bin heute 82 Jahre alt und erinnere mich: Mein Vater war 1924- 1938 Beamter im Landeskirchenamt. Das Gebäude, in dem die Behörde untergebracht war, war ein Bürgerhaus in Wolfenbüttel am Schloßplatz. Das Haus existiert heute noch.
In ihm arbeiteten: Der Landesbischof, 2 Theologen, 2 Juristen und noch etwa 20 weitere Beamte und Angestellte. Also insgesamt ca. 25 Personen. Laut kirchlichem statistischen Jahrbuch von 1928 hatte die Landeskirche seinerzeit 464 000 Mitglieder in 233 Parochien mit 250 Pastoren. Heute sind im Landeskirchenamt - nach dem Telefonverzeichnis vom Mai 2005 und dem Tätigkeitsbericht der Landeskirche von 2004 beschäftigt:
Der Landesbischof, 6 Theologen, 4 Juristen, 4 weitere Akademiker und 160 weitere Beamte und Angestellte. Zusammen 175 Personen. Das sind 150 Personen mehr als vor 80 Jahren.
Die Kirchemitgliederzahl hat sich seit 1928 - nach vorübergehendem Anstieg in der Nachkriegszeit - um 40.000 verringert. Tendenz?

Ich wünsche mir die Verhältnisse von damals gewiß nicht zurück. Aber dieses Zahlen machen mich nachdenklich.
Wie das Landeskirchenamt heute untergebracht ist - wie es sich darstellt - das ist schon imponierend. Das brauche ich nicht zu beschreiben. Das Ihnen und allgemein bekannt.
Soweit ich weiß, sind einschneidende grundlegende Sparmaßnahmen nicht geplant.
Dies ist für mich unverständlich. Genauso unbegreiflich ist es für mich, daß nicht auch andere Sparmodelle entwickelt, durchdacht, diskutiert und öffentlich gemacht werden.
Möglicherweise ist keine Sparmaßnahme ganz schmerzlos.
Ich möchte einsehen, daß sie notwendig, unumgänglich und vernünftig ist.
Um eine Antwort bittend bin ich mit freundlichem Gruß
Ingrid Blöhbaum,
Gaßnerstraße 5
38116 Braunschweig




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/kvu120/Offener_Brief.htm, Stand: Oktober 2006, dk

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