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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 121, Februar 2007, Seite 3-4
(Download als pdf hier)


Zeit

von Christa Duesberg


Aus unserem Pilgerrucksack nehmen wir heute in dieser wunderbaren romanischen Stiftskirche in Gernrode eine Sanduhr.
Es ist nur eine kleine Sanduhr für einen begrenzten Zeitraum. Aber sie zeigt uns ganz deutlich an, dass Zeit stetig verrinnt. Egal, ob gerade gelacht, geweint, gestritten, gelitten oder geliebt wird..

Die Zeit vergeht in ewig gleichem Maß von allem Anfang bis zu allem Ende.

Wir sind vor wenigen Tagen aus unserem Alltag aufgebrochen, um auf unserer Pilgerfahrt rund um den Harz uns einem veränderten Zeitablauf zu überlassen. Sei es, um einmal zu uns selbst zu kommen, die Gemeinschaft zu erleben oder in der Landschaft die Spuren vergangener und gegenwärtiger Zeit wahrzunehmen.

Vor vielen Millionen Jahren war hier noch Meer. Durch Verwerfungen entstand der Harz und das Harzvorland mit seinen oft seltenen Pflanzen. Bei Grabungen und in Steinbrüchen und Felsformationen werden diese geologischen Spuren noch sichtbar.

Da ist die Himmelsscheibe von Nebra, die nicht weit von hier im Thüringer Land gefunden wurde. Sie zeugt von der Kunstfertigkeit und den Kenntnissen der Menschen in der Bronzezeit.

Da sind die Zeugnisse, die die Franken und Sachsen sowie die Ungarn hinterlassen haben. Die vielen Burgen und Pfalzen, Klöster und Kirchen, die wir auf unserem Weg so reichlich antreffen.

Aber auch Reformation, 30jähriger Krieg, Kleinstaaterei, Nazizeit, DDR und BRD und ihre Wiedervereinigung sind heute noch greifbar.

Generationen von Menschen haben in diesen Zeiten unter den verschiedensten Bedingungen gelebt und werden weiter leben.
Menschen, die waren, sind und werden.
Von ihren Wünschen, ihrem Lieben, ihren Leiden, ihrer Macht und Ohnmacht, ihrer Herrschaft und Knechtschaft sind nur wenige Spuren geblieben.

Und es sind meist die Spuren der Mächtigen und Siegreichen, die erhalten sind.

Im 90. Psalm, den wir vorhin gebetet haben, steht auch die Zeit im Mittelpunkt.
Göttliche Zeit und vergängliche Zeit werden einander gegenüber gestellt.
Aber, und das ist entscheidend – in Gottes Schöpfung ist die vergängliche Zeit eingebettet.

Hier, in dieser Kirche, die von der Größe der ottonischen Zeit zeugt, finden wir auch einen deutlichen Hinweis darauf.

Wir sehen Jesus, Gottes Sohn, als Weltenherrscher auf dem Regenbogen.
Eine gängige Darstellungsweise jener Epoche, die die weltliche Herrschaft des Kaisers der göttlichen Herrschaft unterstellt.

Diese göttliche Herrschaft umfasst wie auch die im Psalm benannte alles.
„Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit“.

Aber Gott stellte zwischen beiden eine Verbindung her.

Der Weltenherrscher Christus wurde von seinem Vater aus der göttlichen in unsere Welt geschickt.
Er hat ihn uns in unser Hoffen und Leiden an die Seite gestellt.

Er litt und liebte, wurde erniedrigt und gekreuzigt.
Er wußte um das Unheil vergänglicher Zeit, als er auferstand.
Und er bracht uns mit seiner Liebe, Geduld und Stärke auch die Ahnung von ewiger, von Schöpferzeit in unser Leben.

Wenn wir uns besinnen und anerkennen, dass wir all unser Tun und Lassen vor dem Schöpfergott zu verantworten haben, dann kann vielleicht das Heil der ewigen Zeit ein Stück weit in unsere vergängliche Zeit kommen.
Vielleicht helfen uns die Erfahrung des Pilgerns dabei.

Und der Schalom Gottes, der Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ist, sei mit uns allen. Amen.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu121/Zeit.htm, Stand: Februar 2007, dk

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