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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 123 - Mai 2008


Strauss legt noch ein faules Ei und dann kommt der Tod herbei
Oder: Da lachen doch alle Hühner

von Dietrich Kuessner
(Download als pdf hier)

Das darf man keinem erzählen: die Landeskirche gibt 115.000 € Zuschuss für die Ev. Zeitung, die ca 3000 Leser und Lesererinnen bezahlen pro Exemplar 1,50 €. , sind zusammen im Jahr: 225.000 €. Wenn das nicht langt, um eine etwa vierseitenlange, gemeindefreundliche Zeitung in die Gemeinden zu bringen, dann wären da noch die Gelder für Annoncen. Die Landeskirche vergibt Aufträge für hunderttausende Euro, und da wäre keine Firma zu mobilisieren, die durch fette Annoncen die EZ preiswerter macht? Da lachen doch alle Hühner. Und da ist der sehr preiswerte Verteiler über die 350 Pfarrämter, die Woche für Woche ihre Konfirmandinnen und Konfirmanden die druckfrische evangelische Zeitung in die Häuser bringen könnte. Und bei diesen tollen Konditionen kriegt das gut bezahlte Pressereferat der Landeskirche, das immerhin pro Jahr über eine Etat von 251.100,00 € (2007) und 181.100,00 € (2008) verfügt, es nicht gebacken, eine gemeindenahe Zeitung zu produzieren? Strauss ist ein Ernstfall! Michael Strauss ist der Leiter der Pressestelle. Der Strauss lebt bekanntlich in der Wüste, und da gehört er auch hin.
Aber bei Michael Strauss ist das anders. Der steht mit dem Rücken zur Wand. Der plant eine Illustrierte, „Evangelisch in Niedersachsen“, die nach eigenen Angaben nicht mehr für die Gemeinden gedacht ist, sondern für die besser gestellten, die wichtigen Leute in Stadt und Land, die VIP (= sehr wichtige Personen- bloß auf englisch). Die sollen sie auch gar nicht bezahlen, sondern bekommen sie geschenkt, die ärmsten. Gemeinde ist wurscht. Strauss sitzt fest im Sattel der Landeskirche, hat gerade einen festen Vertrag bekommen - während andere Stellen eingespart werden – und will nun überregional was werden. Er hat eine Probenummer gemacht. Die war so grottenschlecht, dass er noch eine zweite Nullnummer fabriziert hat, die war zwar etwas besser, aber immer noch ein faules Ei. Er hat sich im Landeskirchenamt und vor allem mit dem Lutherischen Verlagshaus (v. Bassi) ein Netzwerk aufgebaut, das ihn über alle Kritik hinweghebt.
v. Bassi zerschlägt nun peu a peu das vorhandene Porzellan, lies: die vorhandenen Redakteure mit ganzen und halben Stellen sollen entlassen werden (Eberstein, Kürschner), Frau Pfrn Manhart arbeitet bereits im Archiv in Wolfenbüttel, die Pfarrer Franz (Hannover) und Kögel (Oldenburg) suchen was anderes, im zweiten Zug dann die technischen Mitarbeiterinnen, und für die geplante Illustrierte „evangelisch in Niedersachsen“, die keiner in Braunschweig will, ist die Stelle für einen leitenden Redakteur und einen weiteren ausgeschrieben. Immer vorausgesetzt: es kommt überhaupt zu der Blödsinn-Nummer Evangelisch in Niedersachsen

Aber es ist nicht nur Strauss. Die Presselandschaft hat sich verändert. Die Frankfurter Rundschau hat sich verkleinert, die Berliner Zeitung kämpft mit dem englischen Besitzer. Die Leute spielen mehr am Computer und lesen weniger Zeitung.
Man liest im Internet. Beispiel KvU. Die Internetseite von KvU ist im April 2008 23.179 mal angeklickt worden. Am meisten die Aufsätze der Heintzefestschrift (2.348 mal), der Offleber Arbeitsbericht „gemeinsam-zärtlich-radikal (1.896), die Arbeit über das Braunschweiger Gesangbuch (1.609), die Arbeit über den Pfr. Ottmar Palmer (1.398), und dann die alten Nummer von KvU insgesamt ca 7000 mal, davon KvU 109 (527), KvU 118 (715), KvU 121 (674) KvU 122 (637).

Aber auch die EZ muss sich an ihre Brüste schlagen. Sie war häufig unkritisch, landeskirchenamtsabhängig, streckenweise betulich, und es fehlte an einem Netz von Informanten. Für unsere Region wären außerdem vier Seiten völlig ausreichend.

Was passiert nun? Die evangelische Zeitung wird zum Jahresende eingestellt. Wir halten das für grundfalsch. Der Kernpunkt ist, dass Strauss und seine Leute in der Landeskirche nicht verwurzelt sind und kein Interesse daran haben, die Gemeinden gründlich und kritisch zu informieren und Hintergründe darzustellen. Sie arbeiten für sich und ihre Karriere und nicht für andere und deren Informationsbedürfnis. Nun soll –das neue Zauberwort – diese überregionale Zeitung auf „Konföderationsebene“ hergestellt werden, das ist die Vereinigung aller evangelischen Kirchen in Niedersachsen. Tatsächlich ist die Konföderation ein Nebelwerfer. Damit soll den regionalen Entscheidungsträgern der Wind aus den Segeln genommen werden. Die Landessynode ist nicht machtlos. Sie kann ihren Beschluss, die 115.000 € nur für das Fortbestehen der EZ zu verwenden, bekräftigen und nicht in das neue Luxusobjekt abfließen lassen. Der Medienausschuss der Landessynode hat bereits dreimal getagt und brütet über einer Stellungnahme. Überlegungen, mit einer „Ostzeitung“ zu fusionieren, wurden bald wieder verworfen. Die hätten ihre eigenen Probleme. Auf der Junisynode wird wohl ein Kurzbericht erfolgen.
Hempel hat eine Frage an die Kirchenregierung gerichtet. Aber wer wird bei den nichtssagenden Antworten nachhaken? Noch ergiebiger ist der Antrag auf eine Besprechung wichtiger Angelegenheiten. Da ist dann eine halbstündige Debatte angesetzt. Aber es bleibt für eine gründliche Beratung bei dem einen halben Tag neben dem Bischofsbericht ja gar keine Zeit.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu123/ein.htm, Stand: Mai 2008, dk

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