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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 126 - Mai/Juni 2009


Wie das war und ist

von Michael Kühne
(Download als pdf hier)

Ich bin ja ein kirchlich Ausgewanderter und mit der Pensionierung wieder Zurückgekehrter.Aus dem Schulpfarramt der Probstei Helmstedt mit seinen vielen kirchlichen und pädagogisch dringend notwendigen Aktivitäten als Vorsitzender der Braunschweigischen Schulpastorenkonferenz fortgelobt nach Loccum, also in eine in gewissem Sinn zentrale Stelle der deutschen Religionspädagogik nicht nur der siebziger und achtziger Jahre. Zurück ließ ich ein Schulpfarramt, das dann in den folgenden 20 Jahren auch nicht wieder besetzt wurde. Beim Fortgang wie beim Wiederkommen trifft sich dabei mein Weg mit "Kirche von Unten". Bevor ich fortging hatten wir angesichts der inhaltlich problematischen Lage der kirchlichen Presse in einem Dreierteam beschlossen, die erste Nummer von "Kirche von Unten" zu produzieren, privat zu finanzieren und auf den Weg zu bringen. Mit Erfolg, wie die Zukunft zeigen sollte. Und mit einer ungeheuren Menge Misstrauen, wie seitens des Landeskirchenamtes. So entstanden für mich und die anderen Gründer unvergessliche Erinnerungen an den Raum "kirchlicher Freiheit".
Schon wenige Tage nach Erscheinen dieser ersten Nummer wurden wir "Übeltäter" ins Landeskirchenamt zitiert. Die Oberlandeskirchenräte Becker und Wandersleb nahmen uns ins brüderliche Gespräch:" Es ist doch schön, dass Sie bei uns Ihr Geld verdienen, und Sie können damit auch machen, was Sie wollen, aber bitte nicht dieses Blatt. Nicht Kirche von Unten."
Im Gegensatz zu den kirchenamtlichen Zeitungen der damaligen Zeit, die die Diskurse und Meinungsvielfalt in den Gemeinden beredt verschwiegen und die früher oder später eingingen, hatte Kirche von Unten einen gewissen und hinreichenden Erfolg, obwohl dieses Blatt über alle Jahre ausschließlich durch Spenden finanziert wurde.
Auf meine spätere Frage nach dem Charakter kirchlicher Freiheit anlässlich meiner Verabschiedung im Landeskirchenamt (bei fast jedem OLKR und dem Bischof ein halbes Stündchen Abschiedsplausch) wusste der damalige Landesbischof Müller seine Oberräte zu toppen: "Lieber Bruder Künne, Sie wissen es doch - wenn die Juristerei und die Theologie miteinander ins Bett steigen, dann gibt das Bastarde."
Und dann wurde ich "Hannoveraner". Dort war es auch nicht anders. Aber doch etwas. Mit mehr Absprache und mit wesentlich mehr Humor.
Beim Vorstellungsgespräch mit Oberlandeskirchenrat Uhlhorn folgte auf eine überaus freundliche Begrüßung der Gang zum Schreibtisch, ein flinker Griff und ich erblickte überrascht "Kirche von Unten". Mit Augenzwinkern und einem freundlichen Grinsen kam dann der Kommentar. "Aber das lassen Sie doch jetzt sein - oder?" Ich stimmte zu mit der Bemerkung, dass die Braunschweiger Landeskirche zwar klein sei, aber genug Leute habe, um ohne mich auszukommen, aber man könne ja sehen, was in Hannover notwendig sei. Vor allem in der Religionspädagogik. Damit war der Fall erledigt und wir besprachen dann ein gemeinsames späteres Handeln im medialen Bereich und daraus wurde dann später der Loccumer Pelikan mit einem kräftigen Zuschuss seitens der oberrätlichen Uhlhornschen Schatulle. Das war dann zwar eine Zeitschrift ohne wesentliche Kirchen- und Gesellschaftskritik, aber dafür gab es in der Hannoverschen Landeskirche ja auch unterschiedliche Fraktionen in der Synode mit ihren je eigenen Publikationen. Vielleicht ist das auch der Vorteil einer großen Landeskirche: sie lässt mehr Luft zum Atmen und die Verwaltung ist weiter weg etc. Das war zumindest bis zum Jahr 2002 so.
Nun bin ich wieder im Braunschweigischen, Kirche von Unten liegt vor mir, sie ist, so finde ich, besser in Form und Inhalt geworden und sie hat immer noch innovatives Potential und einen gewissen Biss und das Sachwissen und das strukturierende Denken von Dietrich Kuessner. Und was liest man als Christ hier sonst? Da ist kaum etwas ernst zu Nehmendes außer im katholischen Bereich bei Publik Forum, nichts, was kritisch aus den Gemeinden berichtet, nichts aus der Synode oder sonstigen kirchlichen Gremien. Es sei denn Chrismon, diese Hochglanzzierde eines Abfalleimers.
Eins wird mir jedoch bei der Lektüre von Kirche von Unten immer wieder deutlich: Ob kirchlicher Zentralismus oder Kleinstaaterei, das Heil liegt nur da, wo in den Gemeinden etwas mit den Menschen und durch die Menschen geschieht, wo um etwas gestritten und gerungen wird, wo etwas gemeinsam gemacht und ausprobiert wird. Kirche von Unten ist dafür durchaus ein Beispiel und ich bin ganz froh, dieses Blatt mitbegründet zu haben.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu126/kuventstehung.htm, Stand: Mai 2009, dk

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