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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 126 - Mai/Juni 2009


Zwischenruf

Wann hat die Quatscherei am Altar im Talar ein Ende?

von Dietrich Kuessner
(Download als pdf hier)

Zehn Jahre außer Diensten werde ich immer empfindlicher. Ich erlebe Gottesdienste seltener, was mir bisher nicht geschadet hat. Aber es fällt mir auf, dass sehr viel mehr Wörter gemacht werden als früher.
Das fängt mit der beliebten Endlosausschmückung der trinitarischen Formel an. Jeder Gottesdienst sollte einführungslos beginnen mit: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Damit ist auch für den kirchenfremden Besucher klar: das hier geschieht nicht "im Namen des Pastors" oder im Namen einer Interessengruppe oder in sonsteinem Namen, sondern im Namen Gottes. Das genügt vollkommen. Es ist alles gesagt.
Neuerdings nicht. Jetzt höre ich: Im Namen des Vaters, der dich geschaffen hat, der die Welt liebt, der unser Leben lenkt und..äh was kommt noch alles und es kam noch etliches. Ich weiß es nicht mehr. Alles? Mit nichten. "und im Namen des Sohnes.. der dich befreit, der dir ein guter Freund sein will, - ach ja? - der dir den Weg zu Gott zeigt,, der... oh da könnte noch viel kommen. Alles? Mit nichten! " und im Namen des Heiligen Geistes, den du einatmest - äh denke ich, ozonsache? Oder was - der dich beflügelt, der deinem Leben einen Sinn gibt - tatü tata und so weiter, ich bin schon ganz woanders, die distanzierten Leutchen neben mir auch. Was ist gewonnen außer dass der Pastor eine verbale Endlosschleife gedreht hat. Von psychologischem Feingefühl, dass der Gottesdienst zügig anfangen sollte, und dass er das, was er da der Formel "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" hinzugefügt hat, bestimmt an anderen Stellen des Gottesdienstes hinzufügen könnte und wiederholen wird. Was soll die Quatscherei am Anfang? Es ist nichts, gar nichts gewonnen, möglicherweise eher verloren gegangen, was die knappe Eingangsformel besagen wollte: nämlich dass es hier nicht um den Pastor oder die Welt, nichtmal um die Kirche sondern allein um Gott geht. Punktum.

Bei Taufen erlebe ich das ebenso. Da werden z. B. Taufkerzen überreicht. Da muss nichts erklärt werden, was das Kreuz da soll, und dass der Name da drauf steht und sonst noch was. Sondern es langt völlig der Ruf (aus der Osternachtliturgie) Christus ist das Licht - Alle: Gott sei ewig Dank. Gesungen. Klar. Und jeder, auch die kirchenferne Patentante Berta, merkt nun, dass das nicht eine x beliebige Kerze, auch kein Lebenslicht, sondern eben ein Zeichen für Christus ist. Er muss nur vollzogen werden. Der Kultus, ohne Nebenerklärungen, ohne persönliche Bemerkungen. Die Leute und gerade die Kirchenfernen erwarten dies auch. Die Pastore wollen einen "Gottesdienst menschlich" und es ist ja vollkommen in Ordnung, wenn das an seinem Platz auch zu seinem Recht kommt. Aber bitte nicht im Vollzug der Liturgie. Die gut gemeinte, verdollmetschende Quatscherei zersetzt den Kultus,. Das ist sehr schade und ein Riesenverlust.

Als Lesungen sind aufgerufen die Seligpreisungen. Nun kommt eine neue Übersetzung, die wie der Pastor betont, Hoffnung gibt und ihm wichtig ist. "Glücklich ist die Kirche, die sich öffnet. Glücklich, selig ist die Kirche, die Befreiung schenkt. Glücklich, selig ist die Kirche, die für die Armen da ist..." es folgen noch zahlreiche, mehr als sieben Glücklichpreisungen. Das lässt die Kirchendistanzierten neben mir völlig kalt. Die haben mit der Kirche mehr oder minder abgeschlossen, aber: "Selig sind, die da Leid tragen.." da wären die mit eingeschlossen, "selig sind die Friedfertigen" und zwar alle Friedfertigen ohne Unterschied. Alle, alle. Ohne Unterschied von Religion und Hautfarbe. Man spürt die rührende Absicht des Predigers, es den Menschen nahe zu bringen und ist über die völlig verfälschte und verengte "Übersetzung" entsetzt. Schade, schade, wieder an unseren liturgiefernen Großgemeinden vorbei. Hätte er einfach "vollzogen", den Text gelesen, wie er das steht und vielleicht sogar Erinnerungen weckt, wäre das Entscheidende gesagt und der Mensch eher "erreicht" worden.
Nichts gegen paraphrasierende Übersetzungen, etwa bei Paulustexten, aber dann müssten sie gekürzt werden. Kurz: an alle, die es angeht. Seid nüchtern und wachet über den euch anvertrauten Texten.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu126/quatscherei.htm, Stand: Mai 2009, dk

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