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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 127 - Oktober 2009


Da neulich in Brüdern

von Volker Crystalla
(Download als pdf hier)

Das Klosterforum hatte eingeladen. Vielversprechender Vortragender! Interessantes Thema. War es Zufall oder war es symptomatisch, dass bei all den anwesenden Hausherren – des Forums, der Propstei, der Landeskirche, des Theologischen Zentrums – der Pfarrer der lokalen Kirchengemeinde fehlte? War es Zufall oder war es symptomatisch, dass unser Landesbischof mit „Herr Professor“ tituliert wurde?
Der Vortrag, wie nicht anders zu erwarten: hervorragend. Und dann kam’s! Eine Gruppe Sängerinnen, eine Gruppe Sänger, mal zusammen, mal im Wechsel, trugen traditionelle Liturgie vor, mal polyphon, mal einstimmig gregorianisch. Sie hatten da Schätze gehoben, die wir Reformierten seinerzeit mit ganz viel römisch-lateinischem Schnickschnack verworfen und vergraben hatten. Und von diesen Schätzen haben sie uns einiges vorgeführt, eine Vorführung, die viel Kenntnis und Vertiefung in diese gesungene Religiosität bewies. Da waren Hymnus und Anrufung, Psalm und Bekenntnis. Und vor wen wurden diese Perlen geworfen? Der sofort einsetzende Applaus machte klar, dass das Braunschweiger kirchennahe Bildungsbürgertum die liturgischen Gesänge genauso auffasste, wie der Veranstalter es vorgesehen hatte: als höchsten ästhetischen Genuss, nicht mehr!
Welche Chance war da vertan! Es wäre so einfach gewesen: Hätte man nach dem Vortrag zur gemeinsamen Andacht gebeten, den Zuhörern die lateinischen Texte mit deutscher Übersetzung an die Hand gegeben, nach dem letzten Bekenntnis zu einem kurzen stillen oder gesprochenen Gebet mit anschließendem Segen eingeladen, es wäre ein Dienst in SEINEM Namen geworden und die Brüdernkirche hätte SEINE Gemeinde beherbergt. Nach dem Segen wäre dann immer noch ordentlich Gelegenheit für den sehr verdienten Applaus gewesen.
Statt dessen wurde von einem der hochkarätig theologisch vorbelasteten Herren das Wort von der Spiritualität unter das wohlwollende Publikum gestreut. Wie gut, dass wir darüber geredet haben!
Die Veranstaltung stand übrigens unter dem Motto: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu127/bruedern.htm, Stand: Oktober 2009, dk

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