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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 128 - Dezember 2009


Aus dem Friedenszentrum Braunschweig

von Frieder Schöbel
(Download als pdf hier)

Die letzten Veranstaltungen der Reihe Wege zu einer Kultur des Friedens in der VHS waren gut besucht. Es handelte sich auch um sehr informative Vorträge.
Am 10. 9. sprach Dr. Uwe Meier über Verantwortungsethik und Nachhaltigkeit. Zu Beginn des 20. Semesters der Vortragsreihe des Friedenszentrums, die bisher über 80 Veranstaltungen umfasst, präsentierten wir mit ihm einen außergewöhnlichen Braunschweiger, der nicht nur in Bürgerinitiativen wie der zum Erhalt des Schlossparks oder der zur Schaffung einer 4. IGS Außerordentliches geleistet hat, sondern den es heute bis ans andere Ende der Welt führt. Gerade hält er sich im Rahmen seiner Arbeit in El Salvador auf. Er arbeitet jetzt auf internationaler Ebene für Nachhaltigkeit und Verantwortungsethik in der Wirtschaft, besonders in der Landwirtschaft und sucht dabei nach Kompromissen zwischen den Interessen der Armen und denen der großen Konzerne.
Am 15. 10. 09 ging es um den sogenannten "Green New Deal". Dr. Bernd Röttger, Lehrbeauftragter an der Universität Wien und freischaffender Sozialwissenschaftler, Bildungsarbeiter und Autor, hat im Laufe seines Berufslebens zahlreiche Schriften zur politischen Ökonomie des Kapitalismus, zur Staatstheorie und zur Gewerkschaftspolitik veröffentlicht. Während seines Vortrags stellte er vor 40 Interessierten einen Weg aus der Wirtschaftskrise vor, nämlich die Möglichkeit eines neuen ökologischen Gesellschaftsvertrages.

Als Erfolg ist auch das Theaterstück "Das Blaue Wunder" von der Berliner Compagnie zu bewerten, das das Friedenszentrum am 4. und am 5. 11. 09 in der Brunsviga vorstellen konnte. In dem Stück ist zentral der "Wasserkrieg von Cochabamba" im Jahr 2000 in Bolivien. Nach Tariferhöhungen bis zu 300 %, der Enteignung ihrer Brunnen und dem Ansinnen, selbst für aufgefangenes Regenwasser an den Bechtel-Konzern zu zahlen, ging die Bevölkerung auf die Barrikaden. Vier Monate lang tobte der Kampf. Am Ende verließen die Manager fluchtartig das Land, und das Wasser ging wieder in die öffentliche Hand zurück. Mit dieser Handlung verbindet die Berliner Compagnie andere Schauplätze des Kampfes: vor allem Berlin, aber auch Hamburg, Münster, Mülheim, Beilrode-Arzberg, London, Jakarta, Manila und andere Städte kommen vor. Die Figuren im Stück sind ausgedacht, die zugrundeliegenden Fakten aber nicht. In dieser Gangsterkomödie ist leider nur wenig erfunden. So führt die Inszenierung im Stil eines Comics die weltweite Auseinandersetzung um das Wasser vor: Szenen des Verbrechens, des Leidens und des Aufbegehrens, des organisierten Protestes und des Siegs. Besonders erfreulich war, dass auch die für Schüler organisierten Workshops sehr gut angenommen wurden. Ein Erfolg für das politische Theater sowie auch für das Friedenszentrum. An dieser Stelle wollen wir auch einen Dank an die Sponsoren richten, die uns dabei unterstützt haben: DGB, GEW, verdi, Fraktion der Linkspartei im Bundestag und Inwent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung).
Am 19. November hielt Gerhard Ruden in der Volkshochschule Braunschweig im Rahmen der Vortragsreihe des Friedenszentrums einen Vortrag: "Die Gewaltfreie Revolution in der DDR". Er war während der DDR-Zeit Bürgeraktivist in Magdeburg. Heute arbeitet er als Landesbeauftragter für die Unterlagen der Staatsicherheit der ehemaligen DDR. Seine Arbeit beinhaltet die Beratung zu den eingelagerten Stasiakten, zum Beispiel, wenn Angehörige oder Opfer Codenamen oder Kürzel der Stasi nicht verstehen. Des weiteren gehören Auskunft, Öffentlichkeitsarbeit sowie Schulunterricht zu seinem Arbeitsgebiet. Beratung nimmt mit über 2000 Beratungsfällen pro Jahr jedoch den größten Arbeitsanteil ein. Schon als Jugendlicher war Ruden der Auffassung, dass die DDR ein Terrorsystem oder "Terrorstaat" sei. Diese Ansicht vertrat er aber nur zu Hause, nie öffentlich. Während seines späteren Studiums des Ingenieurwesens trat er der evangelischen Studentengemeinschaft Magdeburgs bei und fing erstmals an, seine Meinung auch außerhalb seines Elternhauses zu vertreten.
Nach seiner Heirat organisierte er sich mit anderen Personen im Friedensarbeitskreis der Magdeburger Martinsgemeinde. Es wurden Texte von Martin Niemöller oder Mahatma Gandhi studiert, die Ruden sehr prägten.
Bei einer der Aktionen, die vom Arbeitskreis organisiert und durchgeführt wurden, verhaftete die Stasi Rudens Mitstreiter. Wie sich herausstellte, waren mehrere Mitglieder des Kirchenkreises Stasispitzel. Ruden selber wurde nicht verhaftet, da er auf Grund eines unguten Gefühls an der Aktion nicht teilgenommen hatte.
Der Widerstand erfolgte nie öffentlich, immer nur in Nischengesellschaften oder in Arbeitskreisen. So wurden Familientreffen für Buchlesungen genutzt oder dienten dem Austausch westdeutscher Bücher und Zeitungen. Leider konnte der zweite angekündigte Referent zu diesem Thema, Rudolf Albrecht, krankheitsbedingt an diesem Abend nicht teilnehmen.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu128/friedenszentrum.htm, Stand: Dezember 2009, dk

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