Kirche von unten: Home - Archiv - Geschichte - Vorträge, Beiträge - Cyty - Glaube

[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 128 - Dezember 2009


Ausschnitte aus SPIEGEL Online über Bischof Huber

von Dietrich Kuessner
(Download als pdf hier)

"Papst Wolfgang tritt ab

Von Stefan Berg

.......Noch einige Male wird der schlanke Mann mit dem dynamischen Schritt ans Podium oder auf die Kanzel eilen, er wird klug formulierte - und außerdem sendefähige - Sätze sagen, noch einige Interviews geben, dann ist sie aus, die große Huber-Show. Ein - für evangelische Verhältnisse - Star tritt ab.

Aber wie hinterlässt er die Kirche, die seine Bühne war?"

"Zustand der Selbstverzwergung der Protestanten radikal in Frage gestellt

Huber beeindruckte, ein neuer Typ Geistlicher, weltoffen, weltgewandt und ohne Frage eitel. Aber der richtige Mann für eine Organisation im freien Fall, einer, der das eigene Selbstbewusstsein einer demoralisierten Anhänger- und Mitarbeiterschafft zu vermitteln suchte.

Doch seit der Übernahme des Ratsvorsitzes der EKD wurde aus dem Leben Hubers immer mehr das eines Politikers, mit all seinen Entfremdungen, ein Leben mit mehreren Büros, noch mehr Fernsehauftritten, Interviews, aber immer weniger Kontakt zu den eigenen Mitgliedern. Huber wurde ein kluger Hirte, aber war er auch ein guter?

Seltsam unwirklich und realitätsfern wirkten nun manche Appelle an die eigene Pfarrerschafft, endlich mehr Mission zu betreiben, die Taufzahlen zu erhöhen, die Qualität der Gottesdienste zu verbessern. Professor, Repräsentant, Ideengeber - das war er, aber kein Mann der Seelsorge und der persönlichen Ansprache.

Züge von Größenwahn

Im Kirchenapparat galt Hubers Wort nun inzwischen als fast so heilig wie die Schrift selbst. Huber wurde zum evangelischen Papst.

Zuletzt kämpfte er für den Religionsunterricht in Berlin, er hatte gute Argumente, aber jedes Maß verloren, jedes Gefühl für die Menschen in der Stadt, unter denen er doch wohnte. Immer häufiger verwechselte er die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurde, mit dem Interesse an der Kirche, deren grauen Alltag auch er nicht nachhaltig ändern konnte. Sein Glaube an den Erfolg des Volksbegehrens von Pro Reli in Berlin trug Züge von Größenwahn. Was ihm am Anfang ausgezeichnet hatte - politischer Weitblick - das war ihm am Ende verlorengegangen.

Zu abgehoben, zu kalt, zu selbstherrlich, lautete nun das Urteil. Auch jene Bischöfe, die ihn jetzt zum Abschied mit Lob und Dank überschütten werden, wurden seiner überdrüssig."





Neben den m.E. richtigen Bemerkungen zu Huber kommt Berg zu abscheulichen Beschreibungen unserer Kirche wie Selbstverzwergung. So hat auch Huber geredet: von der Selbstsäkularisierung der Kirche gesprochen und zuletzt von der Milieuverengung. In seiner letzten Rede vor der EKD Synode vermied Huber einen Rückblick sondern verflüchtigte sich in allgemeinen Bemerkungen über den Gottesdienst.
Gegen Huber gab es früh berechtigte Proteste, vor allem vom Bundesvorsitzenden der Pfarrervereine Weber, der seine Kritik in der Novemberausgabe des Pfarrerblattes erneut vortrug.
Die Initiative "Salzwerk" des Erfurter Studierendenpfarrers Aribert Rothe nimmt einen erneuten Anlauf, um endlich von der Gemeinde her (Visitation, Gemeindediakonie) eine Belebung in die Kirche hineinzutragen.
Dazu ein guter Aufsatz in Publik-Forum 11.9. S. 50 f, wie überhaupt dieses Blatt sehr zu empfehlen ist.
Mit dem Verschwinden Hubers könnten auch zahlreiche problematische "Berater", Manager, Statistiker, anderweitige gemeindefremde Gestalten aus der Spitze der EKD verschwinden, wenn sich die Nachfolgerin ihre wirklich entledigt und ihnen nicht erliegt.

Kuessner




[Zurück] [Glaube] [Helfen]
Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu128/papstwolfgang.htm, Stand: Dezember 2009, dk

Besucherstatistik