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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 129 - März 2010


Reich an Waffen und an Mohn

von Gabriele Canstein
(Download als pdf hier)

Afghanistan war das Thema eines Vortrags In der Vortragsreihe "Wege zu einer Kultur des Friedens", die von der Volkshochschule zusammen mit dem Friedenszentrum Braunschweig e.V. veranstaltet wird.
Die Referentin des Abends, Karola Schaaf, ist seit 1986 Leiterin der Koordinationsgruppe Afghanistan bei amnesty international. Durch häufige Aufenthalte in diesem Land hat sie gute Kenntnisse über die derzeitige politische Situation.

Anhand des Wandels der Rolle der Frau in den vergangenen Jahrzehnten beleuchtete sie verschiedene politische Phasen:
Unter dem König waren die Frauen relativ frei, sie konnten sich modisch kleiden und durften die Universitäten besuchen.
Unter den Sowjets nahmen viele Frauen die Gelegenheit wahr, in Moskau zu studieren. Sie konnten den islamischen Glauben beibehalten. In der Regel kehrten sie nach erfolgreich beendetem Studium, etwa als Ärztin, nach Afghanisten zurück. Frauen konnten sich auch politisch betätigen.
Nach Abzug der Sowjets folgten die Mudschaheds, die mehreren ethnischen Gruppen angehörten. Durch mangelnde Führungskraft versäumten sie, das Land aufzubauen.
Dann folgten die Taliban, die die Rechte der Frauen weitgehend beschnitten haben. Die Ausbildung beschränkte sich für die Männer auf Koranunterricht in arabischer Sprache und Unterricht an den Waffen (die auch aus den USA geliefert worden sind).
Nach den Ereignissen des 11.09.2001 verzogen sich die Taliban in die Bergregionen.
2003 wurde eine Verfassung erarbeitet, die den Frauen wieder mehr Rechte, z.B. das auf Schulbildung, zugesteht. Aber trotzdem werden Kinder weiterhin mit acht Jahren verheiratet, obwohl das Mindestalter für Heirat in der Verfassung auf 16 Jahre festgesetzt ist.
Seit 2004 wird das Land von Staatspräsident Karsai regiert, der viele Warlords in sein Kabinett geholt hat. Im Jahre 2005 sind 68 Frauen unter den Volksvertretern. Die Presse ist staatlich gesteuert.
Trotz der Internationalen Schutztruppen in Afghanistan ist es den Taliban gelungen, wieder in die Ortschaften einzudringen und Männer zu rekrutieren. Die mangelnde Bildung führt dazu, daß die ländliche Bevölkerung den Taliban Vertrauen schenkt. Außerdem beträgt das monatliche "Gehalt" bei den Taliban 200 US $, während ein ausgebildeter Polizist 50 US $ bekommt. Viele Männer gehen deshalb für einige Monate zu den Taliban, um Geld für ihre Familien zu verdienen. Das Geld der Taliban stammt aus dem Drogenhandel und Schutzgeldern, die auch von den Warlords gezahlt werden. Äußerlich sind die Taliban von anderen Einheimischen nicht zu unterscheiden, etwa durch besondere Kleidung, das macht die Identifizierung so schwer.
Der Aufbau in Afghanistan geschieht zum großen Teil durch 80 NGO's (insbesondere der Aufbau von Schulen und Krankenhäusern). Andere Aufgaben werden schwerpunktmäßig von einzelnen Staaten durchgeführt: so ist Deutschland für die Ausbildung der Polizei zuständig, unter italienischer Anleitung soll der Justizapparat aufgebaut werden. Japan ist für den Aufbau des Computerwesens zuständig, die USA für den Militärapparat und China für die Minenbeseitigung.
Die Afghanen beteiligen sich selbst wenig am Aufbau und überlassen das den NGO's.
Sie nutzen ihre eigenen Ressourcen zu wenig (z.B. Gletscherwasser für die Wassergewinnung). Seitens der USA wird versucht, den Mohnanbau im Süden des Landes durch Getreideanbau zu ersetzen. Bisher machen Waffen und Mohn (90 % der Weltopiumproduktion) den Reichtum Afghanistans aus. Es kommt darauf an, dass im Land selbst Geld verdient werden kann, und die Bevölkerung nicht immer auf Zuwendungen anderer Staaten angewiesen ist.




Wer sich intensiver mit der derzeitigen Situation in diesem Land beschäftigen möchte - besonders im Hinblick auf den Bundeswehreinsatz - dem sei die Teilnahme an der Tagung "Wir führen wieder Krieg - Deutschland in Afghanistan" zu empfehlen. Die Evangelische Akademie veranstaltet diese Tagung vom 12-13.03.2010 im Haus Hessenkopf. Informationen dazu gibt es im Theologischen Zentrum, Tel. 0531-120540




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu129/waffenundmohn.htm, Stand: März 2010, dk

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