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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 130 - Juni 2010


Ein Vortragsabend in Timmerlah

mit Altbischof Prof. Dr. Gerhard Müller, Erlangen
(Download als pdf hier)

[Weisenwucherblume]

Am 29. April traf sich ein ansehnlicher Gemeindekreis in Timmerlah, um auf Einladung von Gemeindepfarrer Harald Welge mit Altbischof Müller, Erlangen, über Philipp Melanchthon nachzudenken. Dazu hatte Müller einige Thesen mitgebracht, die er KvU freundlicherweise zur Verfügung stellt, die im Folgenden abgedruckt sind. Das Thema lautete: Bildung durch Vorbilder - Philipp Melanchthon. Reformator neben Luther. Luther (1483- 1546), Johannes Bugenhagen (1485-1558) und Melanchthon (1497-1560, also heuer 450. Todestag) – ein starkes team damals in Wittenberg. Luther der theologische Anreger, Bugenhagen der Praktiker, Melanchthon der humanistische Pädagoge – so haben sie sich ergänzt und unterschieden. Melanchthon konnte auf die Dauer mit der auch theologisch schroffen Art Luthers schlecht umgehen und distanzierte sich von Luthers derber Anschauung vom Abendmahl. Jürgen Diestelmann hat in seiner Arbeit „Usus et actio“ die Unterschiede beider herauspüsamentiert und Melanchthon aus seiner Sicht als Abweichler vom „reinen“ Luthertum dargestellt. Vielleicht hätte er Müllers Referat hören sollen. Gibt es einen Einfluss Melanchthons über die Theologie von Calixt in unserer Landeskirche? Bei dem Melanchthonfestakt in Wittenberg in April hat der Festprediger, der badische Landesbischof Fischer den Papst (!) als einen Ehrenprimat in der Ökumene für möglich gehalten ( wie schon Melanchthon in einer völlig anderen Situation.
Hier die Vortragsthesen Müllers als Anregung für einen Gemeindeabend anderswo.

1. Was ist Bildung?

2. Vorbilder sind zunächst die Eltern, die Geschwister, bald Freunde oder auch Stars.

3. Melanchthon war vielen Menschen ein Vorbild und kann es auch heute sein.

4. Ein ungewöhnlich begabter und fleißiger Junge.
4.1 Philipp Schwarzerdt gehörte zur gehobenen Mittelschicht.
4.2 Melanchthon begann mit 12 Jahren sein Universitätsstudium und schloss es mit 17 Jahren ab.
4.3 Er studierte neben Latein das Griechische und auch das Hebräische. Er bildete sich auch in anderen Fächern wie Philosophie, Naturwissenschaften und Astronomie.
4.4 Er veröffentlichte schon während des Studiums kleinere Arbeiten und wurde vom Haupt der Humanisten – Erasmus von Rotterdam – gelobt. Das öffnete viele Türen.
4.5 Mit 21 Jahren wurde er Professor für Griechisch an der 1502 gegründeten Universität Wittenberg.

5. Ein Fachmann auf vielen Gebieten.
5.1 Melanchthon führte mit anderen zusammen in Wittenberg eine humanistische Studienreform durch.
5.2 Er legte das erste theologische Examen ab, wurde aber nie Professor der Theologie.
5.3 Mit Martin Luther arbeitete er sehr gut zusammen, war ein hoch angesehener akademischer Lehrer und schrieb 1521 die erste kurze Zusammenfassung der lutherischen Lehre.
5.4 1523/24 war er Rektor seiner Universität und führte Studienberatung für alle ein, die ihr Studium begannen: Der Rektor wies jedem Studenten einen Berater zu!
5.5 Auch für die Reform der Schulen und der Kirche wurde er ein kluger Berater. Von 1530 bis 1557 war der „Nichttheologe“ der wichtigste Sprecher bei den Verhandlungen mit römisch-katholischen Theologen.

6. Schwierigkeiten in den letzten Lebensjahren.
6.1 Nach Luthers Tod vermochte er es nicht, die protestantischen Theologen in Deutschland zusammen zu halten.
6.2 Seine Nachgiebigkeit gegenüber dem Kaiser 1548 wurde ihm sehr verübelt.
6.3 Im Streit über Osianders Theologie setzten er und seine Schüler sich dagegen durch.
6.4 Die reformierten Tendenzen vermochte er mit der lutherischen Theologie nicht zu verknüpfen.
6.5 In der Abendmahlslehre wurden nach seinem Tod viele seiner Anhänger scharf bekämpft.

7. Gleichwohl blieb er aufgrund seiner vielen Schriften ein hoch angesehener Gelehrter. Die Evangelischen nannten ihn „Praeceptor Germaniae“, Lehrer Deutschlands.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu130/vorbilder.htm, Stand: Juni 2010, dk

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