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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 133 - Februar 2011


Gottesdienst am 4. S. nach Epiphanias
über eine Ostergeschichte

von Gerhard Hinrichs
(Download als pdf hier)

Ein Glaubensbekenntnis

Wir glauben,
dass Gott,
der Schöpfer des Himmels und der Erde,
uns Menschen seine Schöpfung anvertraut hat,
damit wir sie behüten und bewahren.

Wir glauben,
dass Gott Jesus zu uns gesandt hat.
An ihm können wir erkennen, was Gott will.
Wir sollen seinen Worten glauben
und ihm auf seinem Weg nachfolgen,
damit das Reich Gottes gebaut wird.

Wir glauben,
dass Gott uns tröstet wie eine Mutter,
dass er bei uns ist, wenn wir in Not sind.
Wir glauben,
dass Gott uns begleitet in guten und schweren Tagen
und dass er an unserer Seite ist,
wenn wir unseren letzten Weg gehen und sterben.
Amen.


Predigt über Matth. 14, 22 – 33

Liebe Gemeinde!
Wir haben jetzt zwei schöne Erzählungen aus dem Neuen Testament gehört, die beide von Ereignissen auf dem Wasser, die Evangelien sagen: „auf dem Meer“ berichten: Das alte Evangelium für den vierten Sonntag nach Epiphanias wurde uns von Herrn Marquardt vorgelesen. In ihm erzählt Markus, dass Jesus mit seinen Jüngern sich in einem Boot befindet, das dann in einen mächtigen Sturm gerät. Sehr schön erzählt dann der Evangelist, dass Jesus, als die Jünger ihn aus seinem Schlaf aufwecken, den Sturm bedroht: „Schweig und verstumme!“ Und es entstand eine große Stille. Und mancher erinnert sich an den Choral: „Erd und Abgrund muss verstummen ob sie noch so brummen.“
Die zweite Erzählung, unser Predigttext, erzählt wiederum eine „Meeresgeschichte“. Sie ist fast noch wunderbarer als die erste Geschichte. Sie erzählt, dass die Jünger allein in einem Boot sind es ist Nacht, sie haben mit dem Wind zu kämpfen – und dann kommt Jesus zu ihnen auf dem Wasser. Als sie ihn erkennen, will Petrus es Jesus gleich tun, aber dann versinkt er aus Angst in den Fluten. Aber Jesus holt ihn heraus. Und mancher von uns hat ein Bild vor Augen, auf dem dargestellt ist, wie Jesus über das aufgewühlte Wasser wandelt- oder wie er dem versinkenden Petrus seine rettende Hand reicht. Mancher kennt solche Darstellungen noch aus seiner Kinderbibel, andere sogar von einem Altarbild.
Schöne Geschichten! Aber warum sind diese Geschichten aufgeschrieben und warum wird heute noch über solche Wundergeschichten gepredigt? Denn wir sind uns wohl alle darüber einig, dass diese Erzählungen nicht Reportagen über Ereignisse sind,
die tatsächlich sich so zugetragen haben. Die Bibel ist ja keine Zusammenstellung von Mirakelgeschichten, die erzählen wollen, dass Jesus die Naturgesetze außer Kraft gesetzt habe. Und „Glaube“ bestehe dann darin, dass man solche Mirakel glauben müsse. Nein, sondern alle Wundererzählungen wollen eine andere Wahrheit transparent machen und nach dieser Wahrheit müssen wir fragen. Also: Warum ist die Geschichte vom Wandel Jesu über das Meer, warum ist uns die Erzählung vom sinkenden Petrus berichte?
Lassen Sie uns noch einmal er Geschichte zuhören:
Jesus treibt seine Jünger, ein Boot zu besteigen. Er selbst aber geht auf einen Berg, allein. Die Jünger sind ohne Jesus. Und die Szenerie wird immer beängstigender: Es ist Nacht, man hat sich weit vom rettenden Festland entfernt. Der Wind bläst den Jüngern ins Gesicht und die Wellen machen ihnen zu schaffen. Die Nacht ist sehr lang geworden, es ist die vierte Nachtwache, also so gegen vier oder fünf Uhr, da kommt Jesus zu ihnen – mitten in der größten Angst. Aber sie erkennen ihn nicht und schreien vor Furcht: Es ist ein Gespenst!
Erinnert uns das alles nicht an eine andere Geschichte? Was hier erzählt wird, ist mit anderen Worten eine Geschichte von der Situation der Jünger nach der Kreuzigung Jesu. Nachdem er „auf dem Berg allein“ gekreuzigt ist, sind die Jünger ohne Jesus wie auf einem schwankenden Boot. Jede Sicherheit ist ihnen genommen. Und sie fliehen aus Furcht nach Galiläa, genau dahin, wo unsere Geschichte spielt. Erste Verfolgungen der Jünger durch die Juden stehen an. Sie glauben, der Probleme nicht mehr Herr werden zu können. Und mitten hinein in diese Angst kommt Jesus zu ihnen – aber sie erkennen ihn nicht, schreien vielmehr: „Es ist ein Gespenst“. Erinnert uns das alles nicht an Auferstehungsgeschichten, wo Jesus sich den beiden fliehenden Jüngern naht und sie erkennen ihn nicht? Erinnert die Erzählung nicht sehr an Maria Magdalena, zu der Jesus kommt und sie meint, es wäre der Gärtner? Aber dann beginnt Jesus zu den Jüngern im Boot oder besser: zu den Jüngern in ihrer Angst zu reden. Und die Sätze, die Jesus sagt, sind in jeder Geschichte die Hauptsache: „Seid getrost; fürchtet euch nicht! Ich bin’s.“ Da ist doch fast das Gleiche wie der Satz, den Jesus seinen Jüngern am Schluss des Matthäusevangeliums sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Also: Seid getrost; ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ Oder, wie das in unserer plattdeutschen Bibel heißt: „Wees nich bang!“
Es handelt sich also bei der Erzählung vom Wandel Jesu auf dem Meer um eine Ostergeschichte. Und der Kirchenvater hat gewiss recht, der einmal von dieser Erzählung sagte: spirat resurrectionem – zu deutsch: Diese Erzählung atmet, weht, haucht Auferstehung.
Aber gehen wir in der Erzählung noch ein Stück weiter. Da ist die Sache mit dem sinkenden Petrus. Der hat damals auch gesehen, wie Jesus in die Bedrohungen durch das tobende Wasser hineingeht – und das, was Jesus bedroht, ist die Gefangennahme und das nächtliche Verhör im Palast des Hohenpriesters mit all den grausamen Spielen der Soldaten. Aber Jesus geht darüber hinweg, um im Bild zu bleiben: Er geht auf dem Wasser. Und nun will Petrus es ihm gleichtun.
Er begibt sich auch in den Palast des Hohenpriesters. Aber dann sieht Petrus die Bedrohung durch eine Magd, die ihn als Jünger identifiziert, er sieht also auf die Todesflut, versinkt in der Angst und leugnet dreimal, dass er Jesus kennt und droht unterzugehen. Dass Jesus ihm dann die Hand reicht und errettet, erzählt das Johannesevangelium in der Weise, dass Jesus nach seiner Auferstehung dem Petrus den dreimaligen Auftrag gibt: „Du, weide meine Schafe“. Mit anderen Worten: Er lässt den Petrus nicht versinken, er wendet sich nicht ab, sondern schilt nur seinen Kleinglauben. Wir haben gefragt, warum diese Wundergeschichte erzählt ist. Sie will transparent machen, was eigentlich Ostern, was eigentlich Auferstehung ist. Oder meinetwegen ist es eine Epiphaniasgeschichte, weil in dieser Erzählung die besondere Herrlichkeit Jesu aufleuchtet.
Aber nun zu uns. Wir haben die Geschichte von Jesus Wandel auf dem Meer gehört und auch die Erzählung von dem sinkenden Petrus. Und wo kommen wir in der Geschichte vor? Lassen Sie uns noch einmal an den Anfang zurückkehren. Da ist Jesus weggegangen und die Jünger sind allein. Wie oft ist das unsere Situation. Die Situation in unserer Kirche. Es scheint, als seien wir mit unseren Problemen allein gelassen. Oder vielleicht in unserem Leben. Wir bleiben auf uns alleine gestellt. Wir sind die Jünger im Boot. Das einzige, was wir haben, ist das Auferstehungswort Jesu: „Seid getrost; ich bin’s. Fürchtet euch nicht.“ Und an dem Wort Jesu wollen wir uns festhalten und nicht auf Sturm, Wellen und Finsternis achten. Amen.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu133/gottesdienst.htm, Stand: Februar 2011, dk

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