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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 136 - März 2015


Was kann uns Gerhard Heintze heute sagen?

von Wilfried Stehen
(Download als pdf hier)

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden in der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig die Weichen neu gestellt: die Zulassung von Frauen zum Pfarramt, die Erstellung einer neuen Kirchenverfassung, die die alte von 1922 ersetzte. Es gab mehr Demokratie und der erwünschten Beteiligung der Laien an den Entscheidungen in der Landeskirche. Aber hat dies die evangelische Kirche nachhaltig verändert? Mit diesem Themenkomplex beschäftigt sich das Werk von Dietrich Kuessner.
Das 700 Seiten umfangreiche Buch enthält eine ausführliche Darstellung der Situation der Landeskirche von 1965 – 1982, 22 Rundbriefe von Bischof Heintze an die Pfarrerschaft, Berichte von Zeitzeugen sowie eine biografische Chronologie und eine Zusammenstellung der Bischofsberichte vor der Landessynode. Dr. Gerhard Heintze war Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig von 1965 bis 1981. Nach Heintzes Lebenslauf werden im Abschnitt „Innenraum der Landeskirche“ die zentralen Themen „Pastorinnen“, „Versöhnung mit dem Osten“, „Verfassung der Landeskirche“ und „Von der Volkskirche zur Diasporakirche“ entfaltet.
Auch heute aktuell ist Heintzes theologische Begründung des Pastorinnengesetzes mit dem Charisma der Frau zum geistlichen Amt. Seine Erkenntnisse zum Verstehen der Bibel könnten auch heute geschrieben sein.
Im „Außenraum der Landeskirche“ wird Heintzes Wirken im Rahmen Gesamtkirche gewürdigt: Als Leitender Bischof der VELKD repräsentierte Landesbischof Heintze drei Jahre lang die Lutherische Kirche in der Bundesrepublik und war in überregionale Vorgänge eingebunden, wie das Lehrzuchtverfahren gegen den Hamburger Hauptpastor Schulz und das 450jährige Jubiläum der Augsburgischen Konfession.
Bischof Heintze suchte unermüdlich die Verbindung zu den Kirchen in der DDR und zu den dortigen kirchenreformerischen Kräften. Dies sogar auf europäischer Ebene. Die Konferenz Europäischer Kirchen wollte einen Beitrag dazu leisten, den Eisernen Vorhang zwischen den Machtblöcken theologisch zu überwinden.
Kuessners Darstellung dokumentiert ebenfalls Predigten des Bischofs zu besonderen Zeiten: u.a. bei seiner Einführung im Oktober 1965, anlässlich der Ordination von sechs Pfarrerinnen im April 1968, sowie die Predigt nach den Anschlägen der RAF auf den Präsidenten des Industrieverbandes H.M. Schleyer 1978. Der Quellenteil enthält die Auslegung von fünf Jahreslosungen. So wird abseits von kirchenpolitischen Entscheidungen der Prediger Heintze uns anschaulich vor Augen geführt.
Dieses Buch bietet weit mehr als eine exzellente biographische Aufarbeitung des Lebens und Wirkens von Gerhard Heintze. Es ist Gedenkbuch und Werkbuch zur selbständigen Weiterarbeit – kurz: eine einzigartige und gut lesbare Darstellung der neueren Kirchengeschichte unserer Region mit Materialien, die sonst kaum zugänglich sind. Ich kann das sorgfältige Studium dieses Werkes nur wärmstens ans Herz legen. Auch angesichts gegenwärtiger Auseinandersetzungen setzt das Wirken von Gerhard Heintzes klare biblische Markierungen für den Weg unserer Kirche in die Zukunft.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu136/heintze.htm, Stand: März 2015, dk