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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 138 - Dezember 2015


Zum Tod von Uwe Karsten Groß

Dietrich Kuessner
(Download als pdf hier)

Karsten Uwe Gross ist am 17. Oktober im Alter von 85 Jahren in Braunschweig gestorben. Zum Trauergottesdienst stand der Sarg vor dem Altar der Katharinenkirche, an deren Orgel er 18 Jahre lang seit 1958 tätig gewesen war. Die Kantorei hatte im Chorraum Platz genommen und sang mehrstimmige Bachchoräle, der Propsteiposaunenchor spielte ein Stück von Telemann, Meyer-Moortgat an der Orgel leitete den Gottesdienst mit einem Stück eines französischen zeitgenössischen Komponisten ein, und spielte auch eine Komposition des von Groß geschätzten und geförderten Göttsche, die Gemeinde sang „Von guten Mächten“ alle Strophen, einige von „Befiehl zu deine Wege“ und „Gloria sei dir gesungen“, Katharinenpfarrer Busch hielt die Predigt über das Psalmwort 105, 1-3. Texte und Lieder waren von Groß selber ausgewählt.

Es hatten sich viele Kirchenmusiker versammelt, auch der Nachfolger im Amt des Kirchemusikdirektors von Herford, wo Gross bis zu seinem Ruhestand 1993 tätig war, viel Verwaltungsarbeit, keine Kantorei, aber der Wechsel galt als Aufstieg. Als Gross 57 nach Braunschweig kam, war die Innenstadt immer noch heftig kaputt, als er 1976 ging, war der Wiederaufbau abgeschlossen. Als er 1957 kam, bestimmte vom Dom aus noch Ellinor v.d. Heyde-Dohrn das kirchemusikalische Leben in der Stadt, dann wechselten allmählich einige Sängerinnen und Sänger nach Katharinen über, auch weil dort Siegfried Stange die besseren Predigten hielt und Groß Variationen zur Predigt auf der Orgel improvisierte. Groß avancierte zum „Kontextor“, wie Stange sein Orgelspiel zum Abschied würdigte. Ein beneidenswertes Zusammenspiel von Orgelbank und Kanzelpult. Die Kantorei war auf 80 – 100 Sängerinnen und Sänger angewachsen und erarbeitete sich zahlreiche Bachkantaten und die großen Bachoratorien. Aber auch Modernes. Groß war mehrfach in den USA zu Konzertreisen und hatte schon früh den Jazz für die Orgel entdeckt.

Groß erkannte man am Berliner Dialekt. Er stammte aus dem Brandenburgischen, die preußische Bekennende Kirche hatte seinen Vater und Künstler Wilhelm Groß zum Prediger ernannt. Der Sohn Uwe Karsten pflegte das künstlerische Erbe seines Vaters. In der diesjährigen Passionszeit stand eine Prophetenfigur in Bronce auf einem Tisch neben dem Altar im Gemeindesaal von Katharinen.

Groß erwähnte gerne die theologische Tradition der Bekennenden Kirche, der er sich verpflichtet fühlte, womit er anfangs im Braunschweigischen jedoch keinen Eindruck machte, umso mehr jedoch in der Zeit von Landesbischof Heintze, dem er in der Festschrift zum 90. Geburtstag einen Artikel widmete unter dem Motto: „Wer singt, betet doppelt“ („Bis orat – qui cantat“).
Das Ehepaar Groß gehörte zum eisernen Bestand der Gottesdienstbesucher in St. Katharinen, und es war eine Wohltat, wenn Uwe Groß gelegentlich als Lektor die Lesungen im Gottesdienst übernommen hatte. An der Verlangsamung der Texte war abzuspüren, dass er sie tags zuvor durchmeditierte hatte.

In seinem Beitrag der Heintzefestschrift erinnerte Groß an „eine Zeit blühender Kirchemusik während Ihres Bischofsamtes“. Damals erlebten die Braunschweiger Stadtkirchengemeinden Kirchenmusik auf breitem, hohen Niveau. An der Magniorgel spielte Jost Blachmann, in der Martinikirche Werner Burckhardt, dessen Schwerpunkt bei der zeitgenössischen Literatur lag, aber auch Mendelssohn wieder hörbar machte, z.B. mit einer viel beachteten szenischen Aufführung des Elias im Dom von Königslutter. An der Brüderkirche existierte eine Heinrich Schützkantorei unter dem Kantor Schuster.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu138/gross.htm, Stand: Dezember 2015, dk