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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 140 - Dezember 2016


Besprechungen von und Anmerkungen zu dem Buch "Die Geschichte der Perikopenrevision"

leicht gekürzter Beitrag
von Wilfried Steen, OKR i.R. Vechelde
(Download als pdf hier)

Ist diese Veröffentlichung nicht eine Zumutung selbst für den kirchenhistorisch Interessierten?
Wer sich auf die Lektüre dieser Broschüre einlässt, merkt bald, dass der Eindruck staubtrockener Geschichtsforschung täuscht.
Dietrich Kuessner, Jahrgang 1934, Pfarrer i.R. gelingt es, aus den Archivquellen ein lebendiges, farbiges Bild der Zeit um 1850 und des Zustandes der ev.-luth. Landeskirche und ihrer Pfarrer entstehen zu lassen.
Er stellt in seiner Arbeit das Braunschweiger Land und seine Kirche um 1850 dar: Die wohlhabenden Dörfer, die Besitzverhältnisse, oftmals noch geprägt durch den Adel, der sich schon seit der Reformation wenig um die Kirche bemüht hat. Pfarrer leiden an unterschiedlicher Bezahlung, die Landeskirche ist abhängiger Teil der herzoglichen Landesverwaltung. Manche Pfarrer fordern eine neue Kirchenverfassung, die der Zeit besser entspräche. Eine der positiven Folgen ist die Einrichtung von Kirchenvorständen 1852 im Braunschweiger Land.

Die 150 handschriftlichen Arbeiten zur Perikopenordnung aus der Pfarrerschaft um 1850 zeigen, dass es Reformgegner und -befürworter gab. Aber auch Details werden deutlich: ein gründliches Mitlesen der biblischen Texte im Gottesdienst war an manchen Orten üblich. Die Rückmeldungen an das Konsistorium in Wolfenbüttel zeigen ebenfalls die gründliche Befassung der Pfarrer mit dem Thema Predigt, auch wenn die religiösen Traditionen schon damals bröckeln und liberale Strömungen auch im Braunschweiger Land verbreitet sind.

Das Werk enthält einige schöne Faksimiles der handschriftlichen Korrespondenz. Außerdem ist ein lesenswertes Lebensbild des damals wirkenden Konsistorialrates Abt Wilhelm Hille beigefügt, ferner Tabellen zur Pfarrerschaft der Landeskirche um 1850 und der organisatorischen Gliederungen in Inspektionen. Besonderes Glanzstück der Ausgabe: Die Reproduktion einer mittelalterlichen Handschrift aus der Herzog August Bibliothek. Als Palimpsest sind Reste eines altgallikanischen Lektionars mit Perikopentexten zu erkennen.
Für Interessierte an der jüngeren Kirchengeschichte sei diese Arbeit absolut zur Lektüre empfohlen!




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu140/perikopensteen.htm, Stand: Dezember 2016, dk