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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten
Extrablatt - Mai 2009
zum 75sten Geburtstag von Dietrich Kuessner


(Download als pdf hier)

Lieber Dietrich

Eigenwillig, wie oft, hast du der KIRCHE VON UNTEN nun den Titel "Lebendige kritische Gemeinde" gegeben und zeigst damit an, was dich heute als Zielvorstellung leitet und dir im Rückblick in deinem Pastorenleben vorgeschwebt hat. Du kannst deswegen auch jetzt keine Ruhe geben, obwohl die seit zehn Jahren angesagt ist.

Wie kann lebendige, kritische Gemeinde werden? Der Ton liegt dabei auf "Gemeinde" im Unterschied zu "Kirche". Eine Antwort ist in den letzten Jahren immer schwerer geworden, weil die Medien uns den Kopf immer in die andere Richtung drehen, weg von der Ortsgemeinde hin zu der Kirche, die fotogene Bischöfe und Bischöfinnen darstellen müssen. Wir erleben eine massive Klerikalisierung. Der Zirkus der zu Glauben und Kirche unbedarften Berichterstatter in Funk und Fernsehen hält sich an den Papst und verleitet auch evangelische Pastoren dazu, Priesterkragen in korrekter liturgischer Färbung anzulegen. Auch die höchste katholische Laieninstitution beklagt, dass die organisierte Öffentlichkeit sich nur noch für die Bischöfe interessiert, vor allen Dingen wenn sie konservative Klopfer los lassen.

Gelegentlich mögen dich Resignationen befallen. Doch als alter Pastor nach zehn Jahren außer Dienst hast du auch gelernt, dich damit abzufinden, dass vorerst, bei der andauernden elektronischen Versumpfung nichts zu machen ist. Unverdrossen streust du dennoch gegenläufige Nachrichten für eine lebendige, kritische Gemeinde mit KIRCHE VON UNTEN unter die inzwischen weniger gewordenen Leser. Du weißt ja, wie viele vor dir dem Traum von der lebendigen, kritischen Gemeinde gefolgt und darüber gestorben sind. Doch der Traum ist nicht tot.
Zudem hat dich bei aller Schroffheit, die du an den Tag legen kannst, deine historische Arbeit duldsam und nachsichtig gemacht im Urteil selbst über die Väter im Dritten Reich. Inzwischen müssen wir selbst auf solche Nachsicht hoffen, schauen wir auf das, was wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen. Dessen Eingedenk mögen wir tun, was wir noch können, damit es mit lebendiger Kritik weitergeht und eine neue Gemeinde wächst.

Dein Eberhard Fincke




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvuExtrablatt/finke.htm, Stand: Mai 2009, kd

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