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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Stellungnahme zur Auseinandersetzung von Propst Weiß mit NPD-Mitglied Adolf Preuß
(Download als pdf hier)


Propst Weiß, so geht es nicht!


Angewidert von der einseitigen, dreimaligen, groß aufgemachten Berichterstattung der Braunschweiger Zeitung in der 2. Adventswoche zur Auseinandersetzung von Propst Weiß mit Herrn Preuß, die der NPD viel Publizität verschafft hat, nimmt „Kirche von unten“ folgendermaßen Stellung:

  • Die NPD ist ein politisches Problem und NPD Mitglieder in der Kirche sind auch für die Kirche ein Problem. Aber dieses Problem ist nicht neu. Es besteht seit Jahrzehnten und ist bisher von der evangelischen Kirche nicht grundsätzlich bearbeitet worden. Propst Weiß will nun den Vorreiter spielen und Herrn Preuß aus dem Kirchenvorstand entfernen, ohne eine grundsätzliche Entscheidung auf EKD Ebene abzuwarten. Dieses Vorpreschen ist nicht hilfreich. Es langt auch nicht, dazu ein paar NPD Programme zu lesen.


  • In dem Artikel „NPD- Mann Adolf Preuß fliegt aus dem Kirchenvorstand“ (BZ 15.12.07) kündigt Propst Weiß an, dass der Propsteivorstand am Montag, dem 17.12. ein letztes Mal darüber beraten werde, ob A. Preuß aus dem Kirchenvorstand ausgeschlossen werden soll. Dieser gehöre einer Partei mit einem menschenverachtenden Programm an, das mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar wäre. Weiß nimmt das Beratungsergebnis gleich vorweg und kündigt an, dass der Ausschluß am folgenden Tag wirksam werde.

    Dieses Verhalten wirft ernste Probleme für die Landeskirche auf:


  • Der Propsteivorstand hätte nach dem Kirchenvorstandswahlgesetz die Möglichkeit gehabt, die erneute Kandidatur von Preuß zum Kirchenvorstand im März 2006 anzufechten. Das hat er nicht getan, und will dieses vermeintliche Versäumnis nun wettmachen. Der Propsteivorstand hat den richtigen Zeitpunkt verpasst. Er kommt unwiderruflich zu spät.


  • Adolf Preuß ist ordnungsgemäß gewählter und vor allem nach der geistlichen Ordnung der Landeskirche feierlich am Altar eingeführter Kirchenvorsteher. Diesen Status kann kein Propsteivorstand ohne besondere Vorkommnisse rückgängig machen. Es gibt für einen Ausschluss keine überzeugende Rechtsgrundlage.


  • Das Disziplinarrecht gehört im Grundsatz dem Landeskirchenamt. Der Propsteivorstand maßt sich in Grundsatzfragen ein Recht an, das ihm nicht zusteht. Es fehlt außerdem an den hierbei zwingend notwendigen kircheninternen Absprachen. Alleingänge wie der von Weiß beschädigen das Ansehen der Kirche.


  • Die Lage wäre anders, wenn Preuß z.B. im Gottesdienst statt „Amen“ einmal „Heil Hitler“ gerufen hätte. Zugegeben eine groteske Situation. Aber Preuß hat sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil: seine Mitarbeit in der Kirchengemeinde wird geschätzt. Es liegt also kein konkreter „Fall“ vor.
    Ein Ausschluss aus dem Kirchenvorstand allein auf Grund einer Parteizugehörigkeit ist ein Rechtsbruch.


  • Der Propsteivorstand legte dem Kirchenvorsteher Preuß vermeintliche menschenverachtende Passagen aus dem NPD-Parteiprogramm vor, von denen sich Preuß distanzieren müsse. Wie, wenn dem Propst Weiß menschenverachtende Passagen aus der Bibel und ein solches Verhalten aus der Kirchengeschichte, auch aus der Geschichte seiner Propstei Königslutter, vorgelegt würden, von denen er sich zunächst einmal distanzieren müsste, wenn er weiterhin Propst sein will? Nein, so geht es nicht, lieber Propsteivorstand.


  • Zu den grundsätzlichen Überlegungen gehört auch die historische Frage nach dem programmatisch erwünschten guten Verhältnis der früheren deutschen Rechtsparteien (DNVP und NSDAP) zu den christlichen Kirchen. Preuß steht mit seiner Mitarbeit in der Kirchengemeinde und im Kirchenvorstand in einer gewissen historischen Tradition.


  • Zu bedenken sind auch die fließenden Übergänge der gegenwärtigen Rechtsparteien – darunter auch die CDU – zur NPD. Rechtsradikales Gedankengut habe ich auch beim christlichen Braunschweiger Landvolk gerade im Umkreis von Helmstedt vorgefunden.


  • Das Vorgehen des Propsteivorstandes stört empfindlich den Weihnachtsfrieden. Es kommt zur Unzeit und wirkt überstürzt. Ein solches Verfahren muß nicht jetzt übers Knie gebrochen werden, sondern in Abstimmung mit der Kirchenleitung und der EKD (Ev. Kirchen in Deutschland) überlegt werden. In diese Überlegungen kann ja der Propsteivorstand sein Votum einbringen. Das muss ihm reichen.


  • Es gibt Probleme in der Kirche. Ihre NPD Mitglieder mögen eins sein. Aber jede langweilige Predigt und jeder versäumte Hausbesuch richten einen wesentlichen größeren Schaden in der Landeskirche an.


  • Ich bitte die Mitglieder des Propsteivorstandes, am Montag keine Entscheidung in Sachen Kirchenvorstandsmitgliedschaft von Herrn Preuß zu treffen und Herrn Strohmann von der Braunschweiger Zeitung, seine einseitige Berichterstattung zu beenden.


Dietrich Kuessner, Pfr. i. R. Braunschweig 15.12.2007




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten\Aktuell\preuss-weiss.htm, Dezember 2007, dk

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