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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Die Geschichte der Pauligemeinde von 1930 - 1960

von Dietrich Kuessner

(Download des gesamten Textes als pdf hier)


Die kooperative Phase der kirchlichen Mitte 1936 - 1945


1936 hatte sich die totalitäre Herrschaft Hitlers und seiner Partei stabilisiert und die sehr große Mehrheit der Deutschen für sich gewonnen und die evangelische Kirche hatte sich auf das Ziel „lutherische Volkskirche im nationalsozialistischen Staat“ auf die Dauer eingestellt. Man nennt diese Position „die kirchliche Mitte“. Es ist mir sehr fraglich, ob die nationalsozialistische Kirchenpolitik auf die Vernichtung der evangelischen Kirche zielte, wie es nach 1945 immer wieder behauptet worden ist. Dazu war sie zu widersprüchlich und uneinheitlich. Sie stieß außerdem auf verwurzelte, stabile volkskirchliche Strukturen, wie sie am Beispiel der Amtshandlungen in der Pauligemeinde anschaulich werden.

Die Volkskirche im Dritten Reich stabilisiert sich.

Jahr

Taufen

Trauungen

Konfirmanden

1935

257

159

332

1936

223

159

278

1937

241

129

244

1938

227

106

225

1939

170

80

164


Diese Position der kirchlichen Mitte, in die Henneberger und Schwarze gewechselt waren, hatte volkskirchlichen Erfolg. Taufen, Trauungen und Konfirmationen wurden weiterhin angeboten und begehrt. Der Enthusiasmus der ersten Stunde war verflogen, was die abnehmende Tendenz erklärt, Kirche und Staat waren auf Distanz gegangen, aber suchten nach dem schwärmerischen Ineinander ein geregeltes Nebeneinander.

Die Konfirmation 1936
Ein Einbruch der Partei in diese volkskirchliche Struktur war bei den wechselnden Positionen der kirchlichen Mitte schwierig, was sich an der Konfirmation Hennebergers 1936 gut veranschaulichen läßt. Henneberger gestaltete den Festgottesdienst zur Konfirmation am 5. April 1936 volkmissionarisch ohne agendarische Schnörkel im Wechsel von Lied, Lesung, Glaubensbekenntnis, Predigt und Bekenntnisakt der Konfirmanden. Diesen hatte Henneberger gründlich gekürzt. Er lautete: „Nunmehr frage ich euch.. vor Gott und der Gemeinde: Glaubst du an Gott, deinen himmlischen Vater und an Jesum Christum, Deinen Erlöser und Herrn? So antwortet: Ja, ich glaube. Willst du diesen Glauben mit Gottes Hilfe christlich leben, so antworte: Ja, ich will. Bestätigt Euer Ja mit dem Gesang des Glaubensliedes Luthers: Wir glauben all an einen Gott. Nach Vermahnung und Votum folgte der Choral „Ein feste Burg“ - Gebet – Einsegnungshandlung – Choral, Fürbitte, gemeinsames Vaterunser, Segen - Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich“ - Orgelausklang. Das war eine Gottesdienstordnung ohne jede deutsch-christliche Peinlichkeit, ohne vaterländische Lieder, die ausgesuchten Choräle konnten als Gegenstück zur üblichen Marschmusik und den eingängigen HJ Liedern verstanden werden. Die Konfirmanden erlebten in der Paulikirche 1936 eine Art Gegenwelt. „Eine junge Nation in Verbundenheit mit Gott – Eine lutherische Konfirmationsfeier“ - unter diesem Titel druckte Henneberger Gottesdienstordnung und Predigt ab. Vielleicht hatten manche Teilnehmer von damals das Heft zu ihrer goldenen Konfirmation in den 80iger Jahren mitgebracht und konnten kopfschüttelnd die Predigt nachlesen, in der Henneberger eingangs den nationalsozialistischen Staat glorifizierte und sich selber berauschte: „Nun ist vor euren Augen die große Wandlung der deutschen Dinge geschehen. Unter e i n e m Willen sind wir wieder Volk geworden, in Wehr und Ehre. Unter e i n e m klaren Kommando marschiert eine geschlossene Nation. Hier gelten nicht mehr willkürliche Meinungen und Anschauungen. Hier gilt das verantwortungsvolle Wort des Führers und unsre freudige Zustimmung in Wort und Werk. Hier wird nicht mehr abgestimmt, hier wird übereingestimmt.“ Ausgiebig bediente Henneberger das übliche Klische von einer angeblich schauerlichen Weimarer Zeit, in der die Konfirmanden geboren waren. Fast unvermittelt daneben trat aber der größte Wunsch Hennebergers an seine Konfirmanden, „daß du das Evangelium neu entdecken mögest, die Botschaft vom neuen Bund, in Jesus Christus von Gott geschlossen mit uns Menschen“. Und theologisch anspruchsvoll grenzte Henneberger das Evangelium von der Religion ab. „Das Evangelium ist etwas ganz anderes als Religion. Religion ist der letztlich unzulängliche Versuch, aus der Kraft des Menschen die Verbindung mit Gott herzustellen. Im Evangelium aber stellt Gott die Beziehung mit den Menschen her und tritt in seinem Wort mit uns in Verbindung.“ Daran knüpfte Henneberger dann auch die Warnung vor denen, „die Euch vorreden möchten, das Evangelium sei eine fremde Religion, eine orientalische Gottesvorstellung, die heute durch die deutsche Gottesschau abgelöst werden müßte.“ So enthielt die Konfirmationsordnung und Konfirmationspredigt Hennebergers 1936 die typischen drei Elemente: Bejahung des nationalsozialistischen Staates, lutherisches Bekenntnis, Ablehnung nationalsozialistischer Angriffe im Stil der Deutschen Glaubensbewegung auf die Kirche.

Diese Mischung von Zustimmung und Ablehnung des Nationalsozialismus vermengt mit dem Bekenntnis zum Glauben an Gott und Jesus Christus war für die evangelische Kirche durchaus praktikabel weit über die Braunschweiger Gemeindegrenzen hinaus. Henneberger war ein viel gefragter Gastredner. 1938 hatte er nach eigenen Angaben 60 auswärtige Vorträge in ganz Deutschland gehalten.

Die Visitation 1937
Am 1. Advent 1937 visitierte Propst Leistikow die Kirchengemeinde. Diese Visitation war nicht ohne Hintersinn. Denn im Frühjahr 1937 hatte das Landeskirchenamt eine ziemlich eklige Denunziation aus dem Bereich der Kirchengemeinde erreicht. Das Kirchenvorstandsmitglied Hans Ball hatte am 17. April 1937 an Staatsrat Bertram geschrieben, es hätte sich in der Kirchengemeinde herumgesprochen, daß Pastor Goetze „Halbjude“ wäre. Die Erbitterung der nationalsozialistischen Gemeindemitglieder wäre selbstverständlich groß. Er würde sich von Goetze als Vorsitzendem des Kirchenvorstandes keine Vorschriften mehr machen lassen, denn es ginge wohl nicht an, „ daß ich als Nationalsozialist und politischer Leiter mir von einem Halbjuden irgendwelche Vorschriften machen lasse“. Pastor Goetze sollte von seinem Posten „verschwinden.“ (in Personalakte PA 317) Staatsrat Bertram trug die Sache in einer Sitzung der Kirchenregierung vor, und nach einem Gespräch mit dem Bischof und einigen Oberkirchenräten versprach Goetze, den Vorsitz abzugeben und seinen Sohn, der ein Lehrvikariat bei Propst Witte in Dettum machte, in einer anderen Landeskirche „unterzubringen“. Bei der Visitation am 1. Advent schien dieser Konflikt überstanden. Goetze hielt eine deftige Predigt über den kämpfenden Mann und Christ, denn es war zugleich Männersonntag und das Mittelschiff war voll besetzt. „Der Mann soll kämpfen.. wie ein Soldat, der weiß: Ich stehe, ob an Rhein oder Weichsel, ob in Flandern oder auf dem Balkan, ein für Heimat und Herd, für Vaterland und Volkstum, also für Güter, die der ewige Gott selber in die Menschbrust gelegt hat. An das männliche, soldatische Empfinden des Christen appelliert nun auch der Anfang unseres Textes. In dienstfreien Stunden und in der Kasernenstube mag der Soldat wohl in bequemer Haltung und mit geöffneter Uniform dasitzen oder daliegen. Aber wenn zum Antreten, zum Ausmarsch, zur Felddienstübung geblasen wird, dann ist das erste, daß jeder Mann sich sein Koppel umschnallt, damit die äußere Haltung der inneren entspreche. „An den Lenden umgürtet sein“ bedeutet: Ordnung in sein Leben bringen, auch in sein Phantasie- und Gedanken- und Willensleben; bedeutet: in gesammelter Kraft, in wacher Bereitschaft ausschreiten...Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben“ hat unser Jugendchor uns vorhin ins Herz gesungen. Ein ganzer Mann sein heißt sich verlieren und zugleich wiederfinden in dem Mann am Kreuz; dem Mann, der geradezu ein Feind jeder bloß rührseligen Stimmungsfrömmelei war, der den Weibern auf der Straße nach Golgatha zurief: Weinet nicht über mich..“
Es war das Goetze geläufige nationalprotestantische Vokabular aus dem 1. Weltkrieg. Der Predigttext aus dem 1. Petrusbrief 1,13 „Darum so begürtet die Lenden eures Gemütes, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi“ bot mit dem Wort vom Gürten auch eine Assoziation zu anderen Bekleidungsriten als dem des Soldaten. Propst Leistikow fand die Predigt „als Männerpredigt sehr wirkungsvoll.“ Er bemängelte den geringen Kindergottesdienstbesuch von 50 Kindern, zu dem auch einige der damals 278 Konfirmanden beordert worden waren und der Sinn der Männerwerks- und Frauenhilfsarbeit dürfe nicht darin bestehen, den Männern und Frauen lediglich gemütliche Abende zu verschaffen. Der Gottesdienstbesuch wäre zu heben, eine Bibelstunde in allen drei Bezirken einzurichten und vor allem die Jugendarbeit auszubauen. Propst Leistikow hatte den Eindruck, daß die Volkskirche des Dritten Reiches in der Pauligemeinde stagnierte. Der durchschnittliche Gottesdienstbesuch wurde wie schon vor 1933 im Sommer mit 200 Besuchern. im Winter mit 300 und an Festtagen mit 600 Besuchern angegeben. Die Angabe auf dem Visitationsbogen, es gäbe 400-500 Dissidenten in der Gemeinde wurde nicht weiter diskutiert.
Als ausgesprochener Aktivposten wurde der junge Organist Pleus hervorgehoben. Pleus war 21 Jahre, als er 1934 in der Paulikirche als Organist fest angestellt worden war. Das war nicht ganz selbstverständlich, denn Pleus war vom Säuglingsalter an sehr stark sehbehindert und schließlich erblindet. Er hatte beim Domorganisten Walrad Guericke gelernt, ein vorzügliches Examen gemacht und sich schon vorher in der Gemeinde musikalisch engagiert. In Zusammenarbeit mit seiner Frau entstand eine rege musikalische Arbeit: Kinderchor, Jugendchor, gemischter Chor. Die Chöre sangen bekannte aber auch selbst komponierte Stücke im Gottesdienst. „Sehr gut“ vermerkte Goetze im Visitationsbericht 1937 auf die Frage, wie der Organist sein Amt führe, und Henneberger schrieb 1946 zutreffend: „Mit höher künstlerischer Fähigkeit und rechter innerer Einstellung“. Pleus blieb bis zum 60. Lebensjahr in der Kirchengemeinde tätig, gab immer wieder Konzerte und spielte sogar die „Kunst der Fuge“ auf der Orgel, eine phänomenale Gedächtnisleistung.

Das Fliegerviertel gehört zur Pauligemeinde
Merkwürdigerweise wurde mit keinem Wort auf die Erweiterung des Gemeindebezirkes eingegangen. Das Gemeindegebiet war ganz erheblich gewachsen. Wer 1933 aus der Bernerstraße zum Fenster hinausblickte, sah auf Schrebergärten. Inzwischen war hier ein großes Neubaugebiet, das sog. Fliegerviertel, entstanden. Auf einem Teil des Franzschen Feldes war bereits 1937 ein sehr großes Gebäude für das Luftfahrtkommando 2 errichtet worden. Deutschland rüstete zum Krieg und die Stadt Braunschweig war führend mit dabei. Keine zehn Jahre später wurde diese Aufrüstung ebenfalls aus der Luft vernichtend beantwortet. Es entstanden neue Straßen, die nach Piloten aus dem 1. Weltkrieg benannt worden waren Gunther Plüschowstraße, Bertoldstraße, Boelckestraße, Immelmannstraße, Kapitän Lehmannstraße, Tutschekstraße, Hans Berrstraße, Richthofenstraße mit insgesamt rund 100 Hausnummern. Das war ein Bauboom, wie er auch im Süden und Norden der Stadt stattfand, und wurde als braunes Wirtschaftswunder empfunden. Da es kein Gemeindebüro und keine Gemeindekartei gab, spiegelte sich dieser Zuwachs weder in den Gemeindegliederzahlen wider, noch waren die neuen Gemeindemitglieder ein Anlaß zu volksmissionarischer Bemühung.

Der kirchliche Alltag im Frühjahr 1938
Kirche und Gemeinde freuten sich, daß es allgemein aufwärts ging, wie ein Blick in die Pauli-Kirchennachrichten vom Januar bis April 1938 zeigt. In der nördlichen Nachbarschaft der Pauligemeinde war eine neue Kirche gebaut worden, die St. Georgkirche. Heilig Abend 1937 wurde zum ersten Male im großen Gemeindesaal, der unter das Kirchenschiff gelegt worden war, ein Weihnachtsgottesdienst gehalten. Gottesdienste und Kindergottesdienste wurden unbeanstandet weiter gehalten. Pastor Schwarze bot im Konfirmandensaal wöchentlich eine Bibelstunde an. Im Gemeindehaus der Pauligemeinde in der Kasernenstraße 7 trafen sich monatlich die Männerkreise von Henneberger, Goetze und Schwarze zu Versammlungen mit zeittypischen Vorträgen. Januar „Heute noch Altes Testament?“ (Schwarze), Februar „Wer übt Verrat an Luther?“ (Goetze), „Deutscher Mann und evangelischer Glaube“, ein Vortrag von Studienrat Gropp. (Henneberger). Vor den Frauenhilfen referierten eine Frau über die Leipziger Mission,, Goetze sprach über „Blick in das Seelenleben der Kaiserin Augusta Victoria“ und zeigte dazu Lichtbilder, in der Frauhilfe von Schwarze: „Vom rechten Verständnis der Christusbotschaft“, „Jesu Passion in Bildern deutscher Künstler“. Ein unverwechselbares Markenzeichen für die Gemeinde waren die beiden leuchtenden Hauben der Diakonissen Schwester Maria und Schwester Erna. Schwester Maria war die Ältere und Zurückhaltendere, sie war 1908 ins Marienstift eingetreten, Schwester Erna war die sehr viel Jüngere und lebhaftere, sie war 1929 ins Mutterhaus eingetreten. Beide waren 1933 in die Schwesternwohnung Olfermannstraße 10 eingezogen. Sie setzten ihre pflegerische Tätigkeit und den Besuchsdienst in diesen Jahren fort. Schwester Erna, Jahrgang 1895, beteiligte sich Sonntag für Sonntag im Kindergottesdienst. Beide waren ein leuchtendes Beispiel für die Unverwüstlichkeit des Evangeliums auch im Dritten Reich und auch für das Nebeneinander von Diakonie und nationalsozialistischer Volkswohlfahrt.
Wöchentlich trafen sich im Gemeindehaus die Mädchen- und Knabenjungschar, der Jungmädchenbund, der Mädchenjugenddienst. Zu diesen Abenden erschienen die Jugendlichen teilweise auch in ihrer BDM oder HJ „Kluft“. Das war neben der selbstverständlichen Teilnahme der Pastorensöhne und -töchter an HJ und BDM, in denen sie auch Führerränge einnahmen, ein sichtbarer Hinweis für das funktionierende Nebeneinander von nationalsozialistischem Staat und evangelischer Kirche.
Dieses Nebeneinander war auch belastet und hatte kritische Phasen, wie es in jedem partnerschaftlichen Nebeneinander üblich ist. Ein Beispiel: Goetze hatte zu seinem Frauenhilfsabend besonders die Mütter der Konfirmanden eingeladen. Zu ihnen sprach der Stadtjugendwart Stracke über das Thema „Mutter und Sohn“. Es ginge nicht nur darum, eine „christliche“ Jugend zu erziehen, sondern eine „christusgläubige Jugend“. Nur so würde sie sich im Kampf gegen Christus und Kirche behaupten. Da wurde etwas von den Konflikten und der Reibungsfläche deutlich, die das Nebeneinander von Staat und Kirche, von Staatsjugend und ev. Jugend bot.
Von einer Art illegaler Jugendarbeit berichtet nach dem Krieg Frau Käte Nicolmann:
„Ich kam 1937 nach Ausbildung im Buckhardthaus als Stadtjugendwartin nach Braunschweig zurück und wurde vom damaligen Propst unter anderem auch mit dem Aufbau einer Mädchen-Jugendarbeit in der Pauli-Gemeinde beauftragt. Es gelang verhältnismäßig schnell, eine Mädchen- Jungschar zu gründen, doch geschah die Arbeit zur Leitung der Gemeinde illegal. Obwohl kirchliche Jugendarbeit mit den bekannten Auflagen ja nicht verboten war, hatte man so schreckliche Angst! Ich hatte nur Pastor Götze hinter mir, der allerdings da schon wegen des unglückseligen Arierparagraphen, unter den er fiel, total isoliert war und entsetzlich litt. Da mir das Gemeindehaus nicht zur Verfügung stand, öffneten uns christliche Eltern ihre Wohnungen und nahmen die Unbequemlichkeit in Kauf, bis zu 20 Mädchen zu beherbergen. Für einen Kreis konfirmierter Oberschülerinnen wurde uns abends das Wartzimmer eines Arztes zur Verfügung gestellt. In diesem Kreis konnte ich von 1939 bis Kriegsende ein halbjüdisches Mädchen verbergen und ihr ein wesentliches Stück Heimat geben.“

Neben dieser legalen und illegalen Jugendarbeit fand immer noch der reguläre Konfirmandenunterricht mit dem öffentlichkeitswirksamen Abschluß mit Prüfungen, Rüststunden, Einsegnungen und Abendmahlsgottesdienste getrennt für alle drei Bezirke statt. Die Karwoche hatte ihr besonderes Gesicht: sie begann mit zwei Gottesdiensten am Sonntag Palmarum, Karmontag traf sich die Frauenhilfe I zu einem Vortrag Hennebergers „Deutschland und das Kreuz“ und Goetze hielt für seine Frauenhilfe einen Lichtbildervortrag über Oberammergau, Kardienstag, Karmittwoch und Gründonnerstag waren Passionsandachten mit Abendmahl, Karfreitag und Ostersonntag fanden jeweils ein Vormittags- und ein Abendgottesdienst statt, drei mit Abendmahl. Den Abendmahlsgottesdienst am Ostermontag hielt Goetze traditionell mit Einzelkelchen.
Dieser Blick in die Normalität des Pauligemeindeleben kann durchaus typisch auch für andere Braunschweiger Stadtgemeinden in jener Zeit gelten. Nach 1945 wurde dieser Blick in das alltägliche Gemeindeleben durch Begriffe wie „Kirchenkampf“ und „Widerstand“ verwischt. Es war außergewöhnlich, daß nun ausgerechnet die Pauligemeinde zum Schauplatz eines Konfliktes wurde, der diese Normalität grundlegend zerstörte.

Zum Teil 4: Die Entfernung Pfarrer Goetzes aus dem Pauli-Pfarramt II 1938-1942




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/gesch/Pogromnacht/Pauli_1930-1960.htm, Stand: Dezember 2006, dk

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