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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 124 - Dezember 2008


Stellungnahme zum Forschungsbergwerk Asse

Pressemitteilung der agu, Breklum, 09.07.2008
(Download als pdf hier)

Die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der Evangelischen Kirche in Deutschland (agu) nimmt die Informationen zum Umgang mit dem eingelagerten Atommüll in der Asse II zum Anlass für eine Stellungnahme.

Die agu fühlt sich dem biblischen Auftrag verpflichtet, in dieser Situation ihre Stimme zu erheben, weil es ihre Aufgabe ist, sich für die Bewahrung des Lebens und der Umwelt als Gottes gute Schöpfung einzusetzen.

Die agu stellt fest, dass die Zustände im so genannten Forschungsendlager Asse II besorgniserregend sind. Die agu muss leider davon ausgehen, dass zum heutigen Zeitpunkt und nach gegenwärtiger Sachlage die Experten des Helmholtz Zentrums München (ehem. GSF: Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit) auch nach vielen Jahren intensiver Forschung weder die Standsicherheit des Deckgebirges durch täglich eindringenden Wasserzufluss noch die Sicherheit der Bevölkerung durch ausgetretene mit Cäsium 137 kontaminierte Lauge gewährleisten können.

Darüber hinaus scheint die zuständige Betreibergesellschaft in mehreren Punkten eigenmächtig und entgegen ihres Auftrages gehandelt zu haben. Bei einem am 24.06.2008 stattgefundenen Expertengespräch zur Information über die Situation im Asse-Bergwerk und der Problematik des eingelagerten Atommülls sind Unklarheiten eindeutig benannt worden:
Formal wurde das Salzbergwerk ASSE II als reines Forschungsendlager konzipiert und zwischen 1965 und 1978 125.787 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll unterschiedlicher Herkunft eingelagert. Leider kann heute niemand der Experten sagen, welche Qualität der Atommüll tatsächlich hat. Zitat des Pressesprechers der Betreibergesellschaft: „Wir werden ältere Mitarbeiter befragen müssen, um genauere Auskunft über den eingelagerten Atommüll zu erhalten.“

Nach Beendigung der Einlagerungsphase sind zu einem späteren Zeitpunkt 16 weitere Fässer mit Atommüll eingelagert worden, ohne dass die GSF bei den zuständigen Behörden dafür eine Genehmigung beantragt oder darüber informiert hätte.

Die GSF plant durch die Einbringung gesättigter, wässriger Magnesium-Chlorid-Lösung, die Gefährdung des Bergwerkes und die eingelagerten Fässer durch eindringende Salzlösung zu stoppen. Seit 1988 ist bekannt, dass täglich ca. 12 m³ Salzlösung in die Asse II hineinfließen, ohne dass die Herkunft erforscht werden konnte. Die Magnesium-Chlorid-Lösung soll die Standfestigkeit des Grubengebäudes sichern. Bis heute konnte die Betreibergesellschaft keinen Nachweis dafür erbringen, ob diese Maßnahme tatsächlich ihre erhoffte Wirkung erzielen kann.

Seit vier Jahren ist der Betreibergesellschaft bekannt, dass in der Kammer 12 im 750 Meter tiefen Stollen mit Cäsium 137 kontaminierte Lauge austritt. Diese wurde gesammelt und anschließend ohne Genehmigung in tiefere Grubenteile auf die 950-Meter-Sohle abgepumpt.

Die GSF, heute das Helmholtz Zentrum München, als Betreiber des so genannten Forschungsendlagers für Atommüll hat Verantwortung für die Menschen vor Ort und eine gesamt gesellschaftliche Verantwortung übertragen bekommen. Dieser Auftrag ist mit den inzwischen bekannt gewordenen massiven Versäumnissen und dem unsachgemäßen Umgang mit dem radioaktiven Müll nicht in die Tat umgesetzt worden. Überdies sind in der Vergangenheit auf Nachfrage die jetzt bekannt gewordenen Fakten bei öffentlichen Informationsveranstaltungen immer abgestritten worden. Dieses Auftreten und die jetzige Situation haben in der Bevölkerung zu tiefem Misstrauen gegenüber dem Betreiber mit seinen Experten geführt und unter den Menschen Ängste ausgelöst.

Die nicht mit Sicherheit beherrschbaren Gefahren und Sicherheitsrisiken im Umgang mit der Lagerung von radioaktivem Müll im Salzbergwerk Asse II fördern aufs Neue zu Tage, mit welchen unberechenbaren Gefahren der gesamte Bereich der radioaktiven Energiegewinnung behaftet ist. Die Experten des Helmholtz Zentrums München sind an ihre Grenzen gestoßen.

Der GAU im Kernkraftwerk Tschernobyl hat sichtbar gemacht, was sich hinter dem Begriff des „Restrisikos“ verbirgt, welches Ausmaß an menschlichem Leid und Umweltzerstörung durch diese Technik ausgelöst werden kann. Mit dem biblischen Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren, ist diese Art der Energiegewinnung nicht zu vereinbaren.
Die GSF scheint sich ihrer Verantwortung weder bewusst noch in der Lage zu sein, die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten. Für ihr eigenmächtiges Handeln sollten die Verantwortlichen persönlich haftbar gemacht werden.

Die agu sieht vor diesem Hintergrund Gefahr in Verzug und bittet die beteiligten Ministerien nachdrücklich darum, die Sicherheit des Salzstockes zu gewährleisten und ihn zur Minimierung der Risiken für die Bevölkerung in eigene Verantwortung zu nehmen.




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu124/agu.htm, Stand: Dezember 2008, dk

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