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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 124 - Dezember 2008


Delegierte der Ökumenischen Visitation Braunschweig, den 4. Oktober 2008

(Download als pdf hier)


An die
Kirchengemeinden, kirchlichen Einrichtungen und Werke
der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig

Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

An unsere Brüder und Schwestern in Christus in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig!

Wir senden Euch Grüße von den lutherischen Kirchen aus Namibia, Indien, Japan, der Tschechischen Republik und von der Anglikanischen Kirche von England in der Diözese Blackburn.

Wie Ihr wisst, waren wir für die letzten 14 Tage bei Euch, um als geladene Gäste eine „Ökumenische Visitation“ Eurer Kirche durchzuführen. Wir sind dankbar für Eure herzliche Gastfreundschaft und für die große innere Bereitschaft, uns alles offen zu legen, was in Eurer Kirche geschieht.
Wir sind sehr beeindruckt von dem, was wir gesehen haben. Die Einrichtungen, die Ihr besitzt, sind hervorragend sowohl was ihre Qualität als auch was ihre Anzahl betrifft.
Eure diakonische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Behinderten, Wohnungslosen, Sterbenskranken, Armen, Immigranten und vielen anderen Gruppen ist beispielhaft.
Wir haben viele hoch engagierte Pastoren und Pastorinnen getroffen, die eindrucksvoll und wirksam für Euch da sind. Wir sind mit vielen verantwortungsbewussten Christen zusammengetroffen, die viel im Auftrag Christi tun. Die Arbeit mit Euren Kindern und Jugendlichen ist besonders stark sowohl im Kindergarten als auch im Konfirmandenunterricht. Wir waren begeistert von dem erkennbaren Engagement der „Teamer und Teamerinnnen“, die im Konfirmandenunterricht mithelfen. Das Engagement der älteren Generation im Leben der Kirche ist ebenfalls bewundernswert und Ihre Frauenhilfe tut viele gute Arbeit.

Jedoch haben wir auch Bereiche innerhalb Eurer Kirche gefunden, die wir als schwierig empfunden haben. Diese Bereiche möchten wir Euch auf Bitten Eurer Kirchenleitung ebenfalls mitteilen.

Es wird kaum eine Überraschung sein, dass wir die Zahl der Gottesdienstbesucher als sehr niedrig empfinden – mit kaum jungen Menschen, die nach der Konfirmation noch am Gottesdienst teilnehmen. Betroffen macht uns, dass dies einfach so als Normalität hingenommen wird. Unsere Gespräche mit denen, die trotz eines engagierten Glaubens nicht regelmäßig Sonntags in die Kirche kommen, haben uns den Eindruck vermittelt, dass der niedrige Gottesdienstbesuch auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen ist. Aus diesen Gesprächen geht aber auch hervor, dass der Sonntagsgottesdienst viel lebendiger sein muss, um ihn einladender zu machen. Es erscheint uns ebenfalls wichtig anzumerken, dass Ihr in Euren Gottesdiensten zu mehr aktiver Beteiligung aller Altersgruppen ermutigen solltet. Und weiter, dass Ihr nachdrücklich dafür sorgt, dass in Eurer Landeskirche eine warmherzige christliche Gemeinschaft erfahrbar wird.

Auch waren wir überrascht, dass in Eurer Kirche zwar viel diakonische Arbeit von hauptberuflich Angestellten des Diakonischen Werkes und anderer Einrichtungen verantwortet wird, aber doch ohne großes Engagement aus den Gemeinden selber.
Die Heilige Schrift ermahnt uns, dass es zu unserer christlichen Berufung gehört, Gott und unseren Nachbarn zu lieben wie uns selbst. Dies bedeutet, dass diakonische Arbeit mit Recht eine zentrale Aufgabe für alle Christen sein soll. Wir bitten Euch sehr, die wunderbaren Einrichtungen der institutionellen Diakonie zu nutzen, um sich auch ehrenamtlich in dem Dienst für andere zu engagieren. Und wir beten, dass Ihr die hierbei entstehenden Gelegenheiten nutzt, das Evangelium ins Gespräch zu bringen.

Ein weiterer Punkt, den wir sehr ausgiebig unter uns diskutiert haben, ist unser Wunsch, dass Ihr alle eine klarere Vision entwickelt, was es heute heißt „die Kirche“ in diesem Teil Deutschlands zu sein. Uns ist eine ziemliche Unzufriedenheit über die starren Strukturen in Eurer Kirche und auch über Kommunikationsschwierigkeiten aufgefallen. Wir haben einen gewissen Grad an Frustration wahrgenommen über die scheinbare Trennung zwischen den verschiedenen Altersgruppen und Institutionen in Eurer Kirche. Wir sind ebenfalls über die schwierige finanzielle Lage informiert worden, wie zum Beispiel die jährliche Entnahme von mehreren Millionen Euro aus Euren Rücklagen, um die laufende Arbeit aufrecht zu erhalten.
Aber wir empfinden auch, wenn Ihr gemeinsam dazu kommt, als der lebendige Leib Christi Eure Vision zu bestimmen und Ihr zusammen an Veränderungen arbeitet, um diese Vision mit Gottes Hilfe umzusetzen, dann wird der Heilige Geist Euch auch beistehen, alle Eure Schwierigkeiten zu meistern.

Zum Abschluss möchten wir Euch sagen, dass wir fest davon überzeugt sind, dass die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig das Potenzial hat, große Dinge im Dienst und Auftrag Gottes zu vollbringen hier an diesem Ort, an den sie gestellt ist.
Wir werden für Euch beten, wie auch wir hoffen, dass Ihr für uns betet.

Gezeichnet, Braunschweig, den 4. Oktober 2008:
Bischof Aruldoss und Hepzibah Aruldoss (Indien),
Noriko Morimoto-Hermansen und Yasuo Takai (Japan),
Jan Waclawek, Adam Cieslar und Jaroslav Szromek (Tschechische Republik),
Martin Ngodji und Johannes Sikondo (Namibia),
Roy Taylor und Peter Allen (England).

„So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5,16)




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu124/visitation.htm, Stand: Dezember 2008, dk

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