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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche

Kirche von Unten Nr. 125 - April 2009


In der Wicherngemeinde gehört der Tod zum Leben!
- Bei uns kann man zu Hause sterben -

von Pfarrer Markus Fay-Fürst
(Download als pdf hier)

Liebe Gemeindemitglieder, die Überschrift beschreibt ein Ziel, das wir in unserer Gemeinde gerne erreichen möchten. Die vorherrschende Realität, die ich regelmäßig erlebe, ist eine andere. Wenn ich vom Sterben eines Menschen in der Gemeinde erfahre, dann ist alles schon geschehen. Der Mensch ist gestorben, eingesargt und vom Beerdigungsunternehmen abgeholt worden.
In den Gesprächen mit den Hinterbliebenen höre ich oft, dass sie von dem nahen Ende wussten, es aber nie zum Thema zwischen dem Sterbenden und ihnen wurde, wahrscheinlich aus der gegenseitigen Rücksichtnahme, den anderen nicht zu sehr zu belasten. Leider konnte dann vieles, was zum gegenseitigen Abschiednehmen dazu gehört, auch nicht ausgesprochen werden. Die Chance zu den letzten Worten des Dankes, des Vergebens, des miteinander Aussprechens verstreicht ungenutzt und kehrt nicht wieder. Um das Wort "Sterben" gegenüber einem schwerkranken Menschen auszusprechen, braucht man Mut und Unterstützung. Das Gleiche gilt auch für das Vorhaben, dem Kranken zu ermöglichen, zu Hause zu sterben. Auch hier braucht man Unterstützung von anderen. Sonst passiert es immer wieder, dass die Angst und die Verantwortung beim Nahen des Todes für den Einzelnen zu groß wird und dann doch noch der Notarzt gerufen wird. In diesem Fall ist der Ablauf des Wiederbelebens, des Krankenhausaufenthaltes und des Sterbens dort kaum aufzuhalten.
Leider ist es so, dass die Familienmitglieder in der Zeit vor dem Tod eines lieben Menschen mit allem allein dastehen, und das gilt auch häufig für die Zeit nach der Trauerfeier. Hier möchten wir etwas ändern und folgende Punkte könnten dabei hilfreich sein:

1. Wenn in ihrer Familie jemand sterbenskrank ist, dürfen und sollten Sie Kontakt mit ihrem Pfarrer aufnehmen. Wir können Sie begleiten und unterstützen, so dass auch der nahe Abschied zum Thema des gemeinsamen Gespräches mit dem Sterbenden werden kann. Ein Abendmahl zu Hause und vieles mehr ist möglich. Vielleicht haben sie aber auch nur eine Frage, die sie klären möchten. Rufen Sie uns an, wir sind für Sie da.

2. Wir möchten gerne in der Zusammenarbeit mit dem Hospizverein ein Netz von Sterbebegleitern und Sterbebegleiterinnen für unsere Gemeinde aufbauen, die die Familien bei der Begleitung des Sterbenden unterstützen können. Wir bitten alle Interessierten, die sich eine solchen Mitarbeit vorstellen können, sich bei uns zu melden.

3. Wir möchten, dass der Akt des Abschiednehmens, die Trauerfeier, auch in unserer Gemeinde stattfinden kann. Deswegen hat der Kirchenvorstand beschlossen, dass Trauerfeiern für Gemeindemitglieder in unserer Kirche (Sulzbacher Str. 41) möglich sind.

4. Ab Januar 2004 wird im Wichernhaus ein Trauerseminar angeboten.
Der Tod gehört zum Leben. Unser Glaube, dass Gott unser Leben und unseren Tod in seinen Händen hält, kann uns die Kraft geben, den Tod nicht zu verdrängen. Das wäre gefährlich, denn da, wo der Tod keinen Platz mehr in den Gedanken der Menschen und dem täglichen Leben des Stadtteiles findet, da verliert auch das Leben etwas von seinem wertvollen Glanz.

Wir möchten, dass der Akt des Abschiednehmens, die Trauerfeier, auch in unserer Gemeinde stattfinden kann.

(aus dem Gemeindebrief der Wicherngemeinde)




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu125/tod.htm, Stand: April 2009, dk

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