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[Kirche von Unten]

Alternatives aus der/ für die
Braunschweiger Landeskirche


Die Braunschweigische Evangelisch-Lutherische Landeskirche
und der Nationalsozialismus

Ein Referat vom 11. März 1980 im Städtischen Museum in Braunschweig
von Dietrich Kuessner

(Download des gesamten Textes als pdf hier)


Inhalt


Einleitung
Teil 1: Die Landeskirche öffnet sich dem Nationalsozialismus (1930/31)
Teil 2: Die "Deutschen Christen" intensivieren das Verhältnis von Landeskirche und Nationalsozialismus (1933/34)
Teil 3: Das Verhältnis von Nationalsozialismus und Landeskirche stabilisiert sich (1934 - 45)
Teil 4: Die Doppelstrategie der Partei gegenüber der Kirche
Teil 5: Die Bilanz des Konzeptes der Öffnung
Teil 6: Nationalsozialismus und Landeskirche nach 1945
Zusammenfassung


Einleitung


Das Referat gliedert sich in 6 Teile.
Die ersten drei Teile sind chronologisch angeordnet. Ich setze 1930 ein: Nationalsozialismus und Landeskirche entdecken sich und beschließen, zusammenzuziehen, unter ein Dach, aber in getrennten Räumen, nebeneinander.
2. Teil: das Jahr 1933. Beide ziehen zusammen auf eine Bude. Es qualmt. Die Temperatur steigt erheblich. Aus dem Nebeneinander wird ein Ineinander.
3. Teil: 34-45. Sie trennen sich wieder bleiben aber unter einem Dach.
4. Teil: es gibt in dieser Wohngemeinschaft auch Krach. Aber keiner schmeißt den anderen raus.
Der 5. Teil fragt: Hat sich die Wohngemeinschaft gelohnt?
6. Teil: Was ist, wenn einer von beiden erschlagen wird? Zieht ein Neuer rein? Oder wechseln sie nur einfach die Tapeten?
Wenn ich einen Hauptgedanken herausgreifen sollte, dann würde ich die Diskussionsthese aufstellen: der Hitlerstaat präsentiert sich als christliche Diktatur, dem die lutherische Landeskirche den schuldigen Gehorsam leistet.
Ich möchte aber vorweg noch von einer Schwierigkeit reden, in der ich mich befinde und der die Beobachtung zugrunde liegt, daß unsere Vortragsreihe überwiegend von Jüngeren und Älteren besucht wird, die mittlere Generation aber schwach vertreten ist. Das kommt m. E. daher, daß diese Jahrgänge zwischen 1915 und 1935 alle besonders eindrückliche Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus haben, im Jungvolk, in der HJ, und viele von Ihnen dann im Kriege waren. Nach dem Krieg hat man ihnen erzählt, daß alles schlecht gewesen sei. Man hat die Zeit sogar verteufelt. Aber sie haben diese Urteile mit ihrem persönlichen Erleben nicht in Einklang bringen können. Das ist die Generation der heute 45 - 65jährigen Väter und Mütter, Studienräte, Staatsanwälte, Pröpste und Pfarrer mit ihren wichtigen erzieherischen Aufgaben. Sie verstecken nun nach außen ihre Erinnerungen und haben weithin die für jede Karriere auch erforderliche These übernommen: der Hitlerstaat sei die verderbliche antichristliche Gesellschaft, der Bonner Staat im Gegensatz dazu der christlich orientierte Staat. Diese Generation fordert daher typischerweise und praktiziert es oft, daß Dinge und Personen nicht beim Namen genannt werden. Das haben wir hier selber erlebt. Dadurch aber werden historische Vorgänge unchristlich tabuisiert und Aufarbeitung zusätzlich erschwert. Die Namensnennung schafft stattdessen dem Betroffenen den Vorteil der Richtigstellung - auch das haben wir während der Vortragsreihe erlebt - und gibt ihm die Möglichkeit, uns teilnehmen zu lassen an der Trauerarbeit, die er bereits geleistet hat.
Ich bitte überdies die Jahrgänge nach 1945 unter Ihnen, das Referat nicht so sehr unter den Gesichtspunkten der Lehren für heute zu hören, sondern versuchen Sie, sich in die Zeit ab 1930 hineinzustellen, zu solidarisieren, und dann mitzubedenken und mitzutragen. Es bedeutet schon viel, wenn einer beginnt, sich von den Klischees der Nachkriegszeit, in denen er erzogen ist, zu trennen und sagt: ich kann mich jetzt besser hineindenken, oder: wenn er sich von der großen Versuchung nicht freispricht.
Sich einfühlen können ist die Absicht meines Referates.


Zum Teil 1: Die Landeskirche öffnet sich dem Nationalsozialismus (1930/31)




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Impressum  http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/gesch/BS-LK-NS/BS-LK-NS-V.htm, Stand: Mai 2007, dk

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